Auch wenn die Aussage der Erzählung eine andere ist, Adrian Goigingers Vier minus Drei fühlt sich an wie ein Tritt in die Magengrube. Das auf wahren Begebenheiten beruhende Drama erzählt von einem unvorstellbaren Verlust und wie die Frau, die ihn erlitten hat, einen Weg zurück ins Leben sucht. Im Zentrum steht die Erkenntnis, dass ein Weg nach vorn nur möglich ist, wenn man bereit ist, loszulassen. Dies hier zu beobachten, ist erschütternd und herzzerreißend zugleich.
Filmemacherin Maria Brendle erzählt nach wahren Begebenheiten den Fall einer jungen Frau, die gerade einmal 25 Jahre alt war, als sie im schweizerischen St. Gallen im Jahr 1904 angeklagt wurde, ihr Kind ermordet zu haben. Dass Friedas Fall dabei insbesondere im letzten Drittel geradezu unerwartet nahegeht, liegt nicht nur daran, wie tragisch die Umstände sind, sondern vielmehr, wie oft sich diese Schicksale in der damaligen Zeit zugetragen haben. Erst dann versteht man auch die Bedeutung von Friedas Gerichtsprozess und was danach kam.
Der preisgekrönte und für den Oscar nominierte Filmemacher Christian Frei schildert in seinem Dokumentarfilm Blame eindringlich, wie drei renommierte Wissenschaftler bei Ausbruch der Coronavirus-Pandemie zunächst gefragt und geschätzt waren, ehe sich die öffentliche Debatte auf Schuldzuweisungen konzentrierte und eben diese drei Forschenden, die zuvor bereits die Alarmglocken geläutet hatten, als Schuldige auserkoren wurden. Das ist beunruhigend und macht zunehmend fassungslos.
Doug Limans Remake des gleichnamigen Patrick Swayze-Originals aus dem Jahr 1989 ist über weite Strecken derart leichtfüßige, wenn auch nicht zimperliche Actionunterhaltung, dass man den Wechsel im letzten Drittel umso mehr spürt. Für ein erwachsenes Publikum in der richtigen Stimmung ist Road House dennoch genau das, was die Vorschau verspricht. Solange man nicht beginnt, über das Gezeigte nachzudenken oder eine ausgereifte Story dahinter zu vermuten. Damit halten sich die Verantwortlichen nicht auf.
Nach seinem Überraschungserfolg Prey und noch vor seinem Predator: Badlands erzählt Filmemacher Dan Trachtenberg in Predator: Killer of Killers in drei Geschichten von weiteren Begegnungen der Menschen mit dem tödlichen Alien. Doch so stilistisch einfallsreich das auf den ersten Blick sein mag, spätestens im letzten Drittel wirkt das weniger wie ein abendfüllender Spielfilm, denn ein animiertes Comic, das überdies die Auflösung der übrigen Geschichten in der Luft zerreißt.
Don Bluths Animationsfilm Titan A.E. ist gleichermaßen seiner Zeit voraus wie er ein Kind derselben ist. Ursprünglich als regulärer Spielfilm konzipiert, erzählt die Science Fiction-Geschichte von der Suche seiner Figuren nach einer neuen Heimat im 31. Jahrhundert, nachdem die Erde durch Außerirdische zerstört wurde. Das ist überraschend düster und immens temporeich, aber in vielerlei Hinsicht kaum ausgearbeitet und bietet darum deutlich mehr Potential, als die kurze Laufzeit zu nutzen vermag.
Obwohl Filmemacher John Patton Ford, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, den Krimiklassiker Adel verpflichtet nicht als Vorlage auflistet, seine böse Krimikomödie How to Make a Killing – Todsicheres Erbe weist dieselbe Grundidee auf. Darin versucht ein geschasster Erbe, sich der übrigen zu entledigen, um das Familienvermögen zu erlangen. Am Ende ist das zwar weniger packend erzählt, als man sich wünschen würde, dank der toll aufgelegten Besetzung und der sehenswerten Umsetzung aber ungemein empfehlenswert.
Die überraschend späte Fortsetzung bietet genau das, was Fans des ersten Teils erwarten. In dieser Feststellung schwingt bereits mit, dass es den Filmemachern Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett jedoch nicht gelingt, der Ausgangsidee mehr als ein paar neue Einfälle hinzuzufügen. Weiß man aber darum, bietet Ready or Not 2 durchaus brachiale Unterhaltung für ein erwachsenes Publikum, wobei die Gewalt, die sich gegen die Protagonistinnen richtet, an ein paar Stellen merklich zu weit geht.
Wie in seinem erstklassigen Living – Einmal wirklich leben erzählt Filmemacher Oliver Hermanus auch Ben Shattucks Adaption seiner eigenen Kurzgeschichte als zurückgenommenes Drama voller leiser Beobachtungen. Die emotionale Kraft, die The History of Sound dabei entwickelt, zeigt sich zwar erst ganz am Ende, dann jedoch ergibt die Geschichte um ein unerfülltes Leben oder das Glück einer Liebe, der man sich selbst verschließt, ein so treffendes Bild, dass es einen förmlich anhält, zu reflektieren.
Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Giuliano da Empoli erzählt Filmemacher Olivier Assayas in Der Magier im Kreml die Geschichte des späteren Chefberaters des russischen Präsidenten. Während der literarischen Vorlage eine propagandistische Russlandfreundlichkeit vorgeworfen wird, was nur diejenigen beurteilen können, die sie gelesen haben, zeigt sich die filmische Umsetzung kritisch, vermag sich aber den Figuren letztendlich auch nicht vollends zu nähern.
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