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Sherlock Holmes: Jagd auf Spieldosen [1946]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 01. März 2009
Genre: Krimi

Originaltitel: Dressed to Kill
Laufzeit: 69 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1946
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Roy William Neill
Musik: Milton Rosen
Darsteller: Basil Rathbone, Nigel Bruce, Patricia Morison, Edmund Breon, Frederick Worlock, Carl Harbord, Patricia Cameron, Holmes Herbert, Harry Cording, Leyland Hodgson, Mary Gordon, Ian Wolfe


Kurzinhalt:
Als der Spieldosensammler Stinky Emery (Edmund Breon) seinem Freund Dr. Watson (Nigel Bruce) und Sherlock Holmes (Basil Rathbone) davon berichtet, dass er überfallen und ein eher wertloses Stück seiner Sammlung gestohlen wurde, horcht der bekannte Detektiv Holmes auf. Er vermutet hinter dem unscheinbaren Überfall mehr – und als wenig später bekannt wird, dass Emery erneut von Räubern heimgesucht wurde, und eine ähnlich aussehende Spieldose entwendet wurde, bestätigt sich Holmes Verdacht.
Bei seinen Ermittlungen stößt er auf zwei weitere Spieldosen, die eine beinahe identische Melodie abspielen. Die Diebe scheinen dabei allerdings alle drei in ihren Besitz bringen zu wollen. Als Holmes jedoch eigenmächtig einem Hinweis folgt und in der bezaubernden Hilda Courtney (Patricia Morison) die Drahtzieherin vermutet, gerät er in eine folgenschwere Falle. Und auch Watson wird von der jungen Frau zum Narren gehalten ...


Kritik:
Für einen letzten Fall stehen Basil Rathbone und Nigel Bruce in Jagd auf Spieldosen gemeinsam vor der Kamera. Für ihre Rollen als Sherlock Holmes und Dr. Watson sind sie auch über sechzig Jahre danach immer noch weltbekannt. Nachdem die Produktionen, in denen das Studio Bezüge zum Zweiten Weltkrieg immer wieder mit einfließen ließ, qualitativ stark schwankten, verabschieden sich die Produzenten mit einem außergewöhnlich guten und auch komplexen Fall, den einzig der bekannte Auftakt Sherlock Holmes: Der Hund von Baskerville [1939] noch übertrifft.

Auch wenn zu Beginn vorgestellt wird, worum es bei den aktuellen Ermittlungen geht, nämlich die musikalischen Spieldosen, was sich hinter den drei unscheinbaren Objekten verbirgt, bleibt lange Zeit ein Geheimnis, dem auch Sherlock Holmes nicht auf die Schliche kommt. Dass sowohl er wie auch der Zuschauer die Übeltäter schnell vorgezeigt bekommen, macht das Katz-und-Maus-Spiel sogar interessanter.
Zuzusehen, wie sich Holmes in das Rätsel verbeißt, nicht locker lässt, ehe er herausbekommen hat, was sich hinter der seltenen Melodie der Spieldosen verbirgt, ruft Erinnerungen an die besten Einsätze des ungleichen Duos herauf. So bleibt Dr. Watson erneut durch sein tollpatschiges, aber gutmütiges Verhalten sympathisch, während Sherlock Holmes einmal mehr die gefährlichsten Augenblicke des Krimis überstehen muss.
Angesichts des charmanten und undurchsichtigen Auftretens von Patricia Morison verblassen die routinierten Darbietungen von Rathbone und Bruce beinahe. Dank zeitloser Kostüme und einer charismatischen Ausstrahlung der damals 31jährigen Darstellerin sichert sich Hilda Courtney einen Platz als ausdrucksstärkste Gegnerin des bekannten Detektivs und es wäre sicherlich eine Freude gewesen, sie in einem weiteren Fall erneut als würdige Widersacherin auftreten zu sehen.

Drehbuchautor Leonard Lee scheint außerdem darum bemüht, Bezüge zu den bisherigen Filmen herzustellen und so einen gewissen Abschluss zu bilden. Nicht nur, dass andere Ermittlungen der Detektive erwähnt werden, beinahe alle Eigenheiten der beiden Charaktere kommen nochmals zum Vorschein, darunter sogar Holmes Violine. Außerdem ist einmal mehr die Haushälterin Mrs. Hudson zu sehen, die ebenfalls ein fester Bestandteil der Erzählungen ist.
Die Geschichte entwickelt sich in einem ansprechenden Tempo, das nicht gehetzt erscheint, aber leider auch den Nebenfiguren keine großen Möglichkeiten zur Entwicklung gibt. Wie geschickt dabei Sherlock Holmes in die Falle gelockt wird, zaubert zumindest Kennern der Reihe ein Schmunzeln aufs Gesicht. Ebenso wie die durchaus aufwändige Ausstattung des Films, die mit zahlreichen Sets und ungewohnten Perspektiven der Räumlichkeiten der Ermittler aufwartet. Dass die ursprüngliche Schlusseinstellung, bei der Dr. Watson und Holmes beim Verlassen des Gebäudes gesehen wurden, vor vielen Jahren verloren gegangen ist und darum mit einer "The End"-Einblendung einer anderen Episode ersetzt werden musste, ist bedauerlich. Auch die erste Einstellung des Films ging irgendwann verloren und musste durch eine Alternative ausgetauscht werden.
Doch wird an jenen Abweichungen der Routine deutlich, dass sich die Macher durchaus darüber im Klaren waren, dass das Studio Universal keine weiteren Ableger der Reihe mehr produzieren wollte. Nicht nur, dass dem Studio der Zeitbezug während des Zweiten Weltkrieges wichtig erschien, der nun aber nicht mehr vonnöten war, man wollte sich bei Universal darauf konzentrieren, hochklassigere Filme zu entwickeln und sparte an den Kosten sogenannter B-Filme.

Während diese Entscheidung Basil Rathbone sehr gelegen kam, dem die Rolle ohnehin ein Dorn im Auge war, obgleich er damit großen Erfolg hatte, erging es Nigel Bruce gänzlich anders. Der in Mexiko geborene Darsteller, der bei seinem Einsatz im ersten Weltkrieg schwer verwundet wurde, hätte sein Alter Ego Dr. Watson gerne noch öfter verkörpert.
Erst Jahre später, Nigel Bruce war 1953 gestorben, entdeckte Rathbone seine Begeisterung für die Rolle des Sherlock Holmes wieder und spielte sie sogar in einem mit seiner Frau verfassten Bühnenstück – angenommen hatte er sie 1939 ursprünglich, weil er zu Beginn seiner Darstellerkarriere meist als Bösewicht besetzt worden war und hier endlich die Möglichkeit bekam, den Helden zu mimen.
Beide Darsteller prägten ihre Rollen in einem Maße, wie man es seither bei jenen Ikonen der Kriminalliteratur nicht mehr erlebt hat. Und sie beide hier nochmals in ihrem Element sehen zu dürfen, ist ein würdiges Abschiedsgeschenk einer Filmreihe, die sicherlich ihre Tiefpunkte besaß, aber insbesondere durch den Zeitgeist ein Stück weit Filmgeschichte bleibt. Wer beide Protagonisten in ihren ersten Abenteuern begleitete, wird diesen Abschluss auch entsprechend zu schätzen wissen.


Fazit:
Das Geheimnis um die Spieldosen zu lüften erweist sich auch für Sherlock Holmes als gar nicht so einfach. Auch was die Bösewichte um die bezaubernde Hilda Courtney im Schilde führen, erkennen die Ermittler erst relativ spät. Bis dahin gilt es, die Puzzleteile zusammen zu setzen und den Schurken immer einen Schritt hinterher zu hinken.
Während beide Hauptdarsteller, Basil Rathbone und Nigel Bruce, ihre Rollen mit der bekannten Routine zum Besten geben, erweist sich die charismatische Patricia Morison als die wirkliche Überraschung. Sie macht als würdige Gegenspielerin Jagd auf Spieldosen zu seinem gelungen Krimi und einem passenden Abschluss einer sicherlich nicht immer tadellosen, aber immerhin mit guten Absichten versehenen Filmreihe.
Für Fans ist dies ohnehin Pflichtprogramm, für alle anderen offenbart es immerhin Nostalgiewert.


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