Ein Minecraft Film [2025]

Wertung: 1 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 2. April 2025
Genre: Komödie / Fantasy

Originaltitel: A Minecraft Movie
Laufzeit: 101 min.
Produktionsland: Schweden / USA
Produktionsjahr: 2025
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Jared Hess
Musik: Mark Mothersbaugh
Besetzung: Jason Momoa, Jack Black, Sebastian Hansen, Emma Myers, Danielle Brooks, Jennifer Coolidge, Rachel House, Matt Berry, Kate McKinnon, Jemaine Clement


Kurzinhalt:

Als Steve (Jack Black) in einem Minenschacht ein leuchtendes Artefakt findet, ahnt er nicht, dass es sich bei dem Würfel um die Kugel der Dominanz handelt. Sie öffnet ein Portal in eine andere Dimension – die Oberwelt. Für den kreativen Steve ist es, als wäre er endlich angekommen, denn er kann diese aus Würfeln bestehende Welt nach seinem Willen gestalten. Er verbringt in der Oberwelt viele, viele Jahre, bis er ein weiteres Portal freischaltet, das ihn in die Unterwelt Nether führt, wo die finstere Herrscherin der Schweinewesen Malgosha (Rachel House) ihre Untertanen nach Gold graben lässt, denn alles Kreative lehnt sie ab. Als sie erfährt, dass Steve über die Kugel der Dominanz verfügt, sieht sie darin die Möglichkeit, auch die Oberwelt zu beherrschen. Steve kann dies verhindern, wird aber in der Unterwelt gefangen genommen. Später entdeckt der in der wirklichen Welt neu hinzugezogene Henry (Sebastian Hansen) im Videospieleladen des kurz vor dem Bankrott stehenden, ehemaligen Videospielasses Garrett (Jason Momoa) die Kugel der Dominanz. Als Henry das Portal aktiviert, werden er, Garrett, Henrys Schwester Natalie (Emma Myers) und deren Kollegin Dawn (Danielle Brooks) in die Oberwelt gezogen. Um in ihre Welt zurück zu finden, müssen sie ein Abenteuer bestehen, das jenseits ihrer Vorstellungskraft liegt …


Kritik:
Es klingt wie eine Ironie des Schicksals, dass die Verfilmung eines Sandbox-Spiels, dessen Prämisse schier unendliche Kreativität fördert und fordert, derart einfallslos geraten ist, dass man statt dem zuzusehen buchstäblich lieber Gras beim Wachsen beobachten möchte. Jared Hess’ Ein Minecraft Film ist ein solch zähes Erlebnis, dass man dem geneigten Publikum nur empfehlen kann, wer nach 15 Minuten nicht weiss, ob man dies weitere eineinhalb Stunden ertragen möchte, besser gehen sollte – denn besser wird es danach leider nicht.

Die „Geschichte“ der Filmadaption, die für die große bzw. kleine Leinwand seit über zehn Jahren entwickelt wird, wird von Steve erzählt, der bereits als Kind von Minen fasziniert war und als Erwachsener in einem Steinbruch zwei Artefakte findet, die ihm ein Portal in eine andere Welt öffnen: die Oberwelt. Die ist nicht nur aus quadratischen Blöcken unterschiedlichster Größe aufgebaut, sondern tagsüber bunt, mitunter flauschig und putzig, wird nachts jedoch von Monstern und Zombies heimgesucht. Steve entdeckt eine Möglichkeit, diese Welt nach seinen Vorstellungen zu formen, aus den kleinen Blöcken, aus denen sie besteht. Jahrelang lässt er seiner Fantasie freien Lauf und fühlt sich dort endlich zuhause, nachdem er sich in der wirklichen Welt stets als Außenseiter wähnte. Zufällig findet er ein weiteres Portal, das ihn in die Unterwelt Nether führt, deren böse Anführerin Malgosha sich die Oberwelt Untertan machen will, um dort Gold zu schürfen. Steve verschließt die Portale und wird in der Unterwelt gefangen. Sein kubischer Wolf Dennis bringt dafür die Artefakte in die richtige Welt, wo der junge Henry sie findet. Henry ist mit seiner Schwester Natalie gerade dorthin gezogen, nachdem sie ihre Mutter verloren haben. In dem Retrovideospieleladen des abgehalfterten Garrett, der sich „The Garbage Man“ nennt und Videospieler des Jahres 1989 war, wird Henry fündig und öffnet erneut das Portal.

Durch das schlüpfen aber nicht nur Garrett und Henry, sondern auch Natalie und ihre Kollegin Dawn, während ein Wesen aus der Oberwelt in die wirkliche entkommt und dort auf Henrys stellvertretende Schulrektorin Marlene trifft, die sich gerade von ihrem Ehemann getrennt hat. Wozu die letztgenannte Nebenhandlung führt? Nirgendwohin. Die Figur von Marlene ist für die Geschichte ebenso überflüssig wie ihre Datingmomente mit dem Dorfbewohner der Oberwelt. Doch dahingehend unterscheidet Ein Minecraft Film nicht zu den übrigen Charakteren, von denen die meisten ebenso wenig zu tun bekommen. Dawn ist Teil der Gruppe, trägt aber überhaupt rein gar nichts dazu bei. Die gesamte Vorgeschichte um Steve ist ebenso unwichtig und spiegelt nur Henrys Gefühl wider, nicht dazu zu gehören, bis er seine Kreativität in der Oberwelt erkunden kann. Immerhin soll Jack Black in der Rolle des Steve für lustige Momente mit Jason Mamoas Garrett sorgen, die beide ständig um die machohafte Vormachtstellung in der Gruppe buhlen, was zu Szenen führt, in denen man sich nicht nur deshalb für die Beteiligten schämen möchte, weil sie sich beide wie unreife Kinder verhalten und vor allem Garrett sich permanent selbst bloßstellt.

Dass Ein Minecraft Film im Grunde keine greifbare Story erzählt, könnte man akzeptieren, wenn das Wenige an Inhalt entsprechend unterhaltsam und packend präsentiert wäre. Aber abgesehen davon, dass es sowohl bei der Bromance zwischen Garrett und Steve wie auch der sich anbahnenden Beziehung zwischen Marlene und dem Sandbox-Wesen zahlreiche Dialoge gibt, die sich nicht für ein ganz junges Publikum eignen, keine der Figuren erscheint überhaupt nur entfernt sympathisch. Steve ist von Jack Black derart überbordend zum Leben erweckt, dass er wie eine Karikatur erscheint, Garrett ist ein egozentrischer Schaumschläger, der nur an sich denkt und über Dawn erfährt man überhaupt gar nichts. Die interessantesten Figuren wären Natalie und Henry, die aber mit versteinerter Miene durch die computergenerierten Landschaften stapfen, sodass man bei ihnen wie der übrigen Besetzung den Eindruck gewinnt, sie hatten keinen wirklichen Spaß beim Dreh. Das mag durchaus auch sein, immerhin finden sie sich die meiste Zeit über in einer computergenerierten Welt wieder.

Es ist ein Gefühl, das sich selbst dann auf das Publikum überträgt, wenn einige Aspekte durchaus witzig klingen. Sei es das grundsätzliche Design der Oberwelt, oder das Aussehen der Figuren, angefangen von den blockigen Bienen über die Skelette oder die aus Nether stammenden Schweine. Hier und an den unzähligen Artefakten, Schilden, Schwertern oder Gebäuden, die es zu sehen gibt, werden Fans der Videospielvorlage ihre Freude haben. Nur ist all dies vergebene Liebesmüh, wenn die Verantwortlichen jede Ernsthaftigkeit der Story über Bord werfen und so dafür sorgen, dass einen gar nichts am Geschehen interessiert, während sich die zwei bekanntesten Hauptdarsteller in präpubertärem Klamauk verlieren. Ein Minecraft Film ist jetzt bereits ein ziemlich guter Anwärter für die enttäuschendste Großproduktion des Jahres. Es ist eine zweifelhafte Auszeichnung.


Fazit:
Natalie spricht dem uninformierten Publikum aus der Seele, wenn sie sagt, dass in der Oberwelt nichts einen Sinn ergibt. Doch statt sich das wirklich zunutze zu machen, die Figuren die Welt erschaffen zu lassen, lässt Regisseur Jared Hess seine Besetzung entweder gegen sich selbst oder vollkommen schablonenhafte Widersacher antreten. Die machohaften Wortgefechte zwischen Steve und Garrett sind dabei derart unterirdisch und überzogen verkörpert, dass man am liebsten weghören möchte und wenn jeder Moment ins Lächerliche gezogen wird, macht das irgendwann schlichtweg keinen Spaß mehr. Die Geschichte will ein Plädoyer für Kreativität gegen die Gier sein, basierend auf einem Spiel mit Hunderten Millionen Dollar Umsatz bislang. Mag sein, dass in der Filmadaption viele Anleihen an die Vorlage versteckt sind, aber wenn die Geschichte selbst nicht überzeugt, führt das nirgendwo hin und wohin die sich entwickelt, dem kann man nur ungläubig beiwohnen. Spätestens, wenn Jack Black singt „Mein Wuffi-Wuffi-Wuffi“, möchte man die investierte Lebenszeit zurück. Doch da ist es schon zu spät. Ein Minecraft Film ist in vielerlei Hinsicht bewusst und gewollt grottig, so dass man darüber lachen soll. Aber als Trash-Fest eignet sich das nicht zuletzt dank des durchaus gelungenen Designs nicht. Interessenten sollten ihn sich in jedem Fall nicht allein ansehen. Manches erträgt sich als Leidensgemeinschaft besser als in Einzelhaft.