Stormskärs Maja [2024]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 10. März 2025
Genre: Drama / Liebesfilm

Originaltitel: Myrskyluodon Maija
Laufzeit: 164 min.
Produktionsland: Finnland
Produktionsjahr: 2024
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Tiina Lymi
Musik: Lauri Porra
Besetzung: Amanda Jansson, Linus Troedsson, Desmond Eastwood, Tony Doyle, Birthe Wingren, Tobias Zilliacus, Jonna Järnefelt, Amanda Kilpeläinen Arvidsson, Niklas Åkerfelt, Carl-Kristian Rundman, Andrea Björkholm, Christian Fandango Sundgren, Pablo Ounaskari, Jan-Erik Berglund, Elina Knihtilä


Kurzinhalt:

Mitte des 19. Jahrhunderts ist Maja (Amanda Jansson) beinahe erwachsen, als sie sich das erste Mal verliebt. Aufgewachsen auf dem Bauernhof ihrer Eltern Mickel (Tobias Zilliacus) und Sara Lisa (Jonna Järnefelt), darf sie diese Liebe jedoch nicht entdecken, sondern wird, ohne gefragt zu werden, mit einem anderen jungen Mann verheiratet, Janne (Linus Troedsson), dem Sohn eines Freundes ihres Vaters. Majas Zukunftspläne scheinen dahin, als Janne ihr eröffnet, dass sie ihr Landleben im Grünen aufgeben muss, da er auf den südlicher gelegenen Ålandinseln im Baltischen Meer ein Grundstück kaufen möchte, wo sie ihre gemeinsame Zukunft aufbauen sollen. Widerwillig begleitet Maja Janne und in der rauen Landschaft haben sie nur sich selbst. Es entwickelt sich eine tiefe Liebe zwischen ihnen, noch bevor sie eine Familie gründen. Doch ihr Glück ist in Gefahr, als ein Krieg über Europa zieht und Janne fliehen muss, da die britische Marine auf ihrer Insel anlandet. Lieutenant John Wilson (Desmond Eastwood) hat das Kommando über die Männer, die Maja mit ihren Kindern versorgen soll. Will sie Janne je wiedersehen, wird Maja sich auch dieser Herausforderung stellen müssen …


Kritik:
Basierend auf der Romanreihe von Anni Blomqvist erzählt Filmemacherin Tiina Lym das Leben der anfangs 17jährigen Maja, die im 19. Jahrhundert auf einem Bauernhof in Finnland aufwächst und nach einer arrangierten Hochzeit ihr Leben an der rauen Küste Ålands bewältigen muss. Stormskärs Maja schildert ihren Weg auf der Suche nach Liebe und Selbstentfaltung, voller Widrigkeiten, aber gleichzeitig inspirierend und hoffnungsvoll. Auch auf Grund der ruhigen Präsentation richtet sich das eher an ein erwachsenes Publikum, das jedoch einen überraschend authentischen Einblick erwartet.

So entbehrungsreich das Leben der Familie auf dem Hof sein mag, mit ihrer Schwester und ihren jüngeren Brüdern fühlt sich die mitunter verträumte Maja überaus wohl. Gerade, als sie sich das erste Mal verliebt, in den großgewachsenen Magnus, konfrontieren ihre Eltern sie damit, dass eine Ehe mit dem eher schüchternen Janne arrangiert wurde. Als wäre dies nicht bereits schlimm genug, immerhin liebt Maja Janne nicht, will er sie mit an die åländische Inselküste nehmen. Das Klima dort ist rau, die Winter lang und hart. Vor allem jedoch sind Janne und Maja dort ganz allein. Um ein Grundstück zu kaufen, hat Janne einen Kredit aufgenommen, den er dadurch abbezahlen will, dass er als Fischer arbeitet. Aber obwohl Maja Janne lieben lernt und ihre Familie an jenem Ort gedeiht, ist ihr Glück doch vergänglich. Schon bald sucht der Krieg, der Europa überzogen hat, auch Maja und Janne heim. Ihr geliebter Janne muss fliehen und die Familie steuert in eine ungewisse Zukunft.

Bis es soweit ist, ist die Hälfte der Laufzeit von etwas mehr als zweieinhalb Stunden bereits vergangen. Dementsprechend nimmt sich die Regisseurin viel Zeit, ihre Figuren vorzustellen. Behutsam zeigt sie die Annäherung von Maja und Janne, bei deren arrangierter Heirat sie so distanziert sind, dass man sich kaum vorstellen mag, dass Maja später keinen Tag ohne ihn verbringen mag. Angesichts der zahlreichen Herausforderungen ihres Lebens, das sie in eine Gegend führt, in der sie nie leben wollte, und in der sie im Alltag Aufgaben erledigen muss, die sie sich nicht ausgesucht hat, beweist Maja eine Anpassungsfähigkeit, die umso mehr beeindruckt. Aufgewachsen auf dem Land im Grünen, könnte die windgepeitschte Küste kaum einen größeren Kontrast darstellen. Doch als Janne ihr noch vor dem Aufbruch davon erzählt, weshalb er das Grundstück kaufen möchte und was für eine Vorstellung er von ihrem gemeinsamen Leben auf Stormskärs hat, beginnt Maja zu verstehen. Vielleicht reizt Maja auch die Aussicht auf ein freies, offenes Leben, das sie sich gemeinsam aufbauen können, entgegen einem, in dem die Frau für den Mann geschaffen sein und ihm Ehre erweisen soll, wie es in der Kirche heißt.

Stormskärs Maja schildert ein Leben, das von Traditionen und Gebräuchen geprägt ist, und in dem Maja, selbst wenn sie der Kirche skeptisch gegenübersteht, doch abergläubisch ist. Dabei ist Janne kein Tyrann, er belächelt Maja auch nicht für ihre Überzeugungen, sondern nimmt sie ernst und ermutigt sie, die Person zu werden, die sie werden möchte. So lernt sie nicht nur Lesen und Schreiben, sondern erkennt, wie viel von der Welt ihr verschlossen blieb. Sie will so viel mehr, entfaltet sich auch durch ihre Kinder, denen sie Werte beibringt, die sie überdauern sollen. Doch ihre Überzeugungen werden auf eine harte Probe gestellt, als Janne in Anbetracht der Besetzung der Ålandinseln durch die britische Marine fliehen und Maja selbst mit ihren Kindern die Soldaten versorgen muss. Wieder wird ihr alles genommen und erneut beweist diese Frau eine Stärke und eine Anpassungsfähigkeit, für die man sie bewundern muss, selbst wenn es sie bis zur Verzweiflung bringt.

Es ist eine Leidensbereitschaft, die immer wieder auf die Probe gestellt wird und woraus bzw. aus wem Maja ihre Stärke zieht, bringt Stormskärs Maja passend zur Geltung. Gerade auf Grund des langsamen Aufbaus berühren die Schicksalsschläge, die sie und ihre Familie erwarten. Regisseurin Lymi findet hier viele starke, manche gar ergreifende Momente, selbst wenn die Erzählung mitunter merklich sentimental gerät. Freud und Leid liegen in diesen ungeschützten Leben dicht beieinander, eingefangen in ebenso rauen wie wunderschönen Bildern und getragen von kräftezehrenden Darbietungen. Es ist die Darstellung keines außergewöhnlichen Lebens im eigentlichen Sinn, sondern eine authentisch erscheinende Erzählung eines gewöhnlichen Lebens in Anbetracht ebenso außergewöhnlicher wie – zu jener Zeit – alltäglicher Herausforderungen. Dem beizuwohnen ist auf ungeahnte Art und Weise erfüllend und durchaus inspirierend. Selbst dann, wenn man sich dies etwas straffer erzählt wünschen würde.


Fazit:
Obwohl manche Momente ein wenig kitschig erscheinen mögen, Filmemacherin Tiina Lymi fängt die Nacherzählung jenes Lebens in der Abgeschiedenheit an jener Küste, den Gezeiten wie den Wogen des Schicksals in jener ebenso schönen wie ungastlichen Landschaft ausgeliefert, in geradezu betörenden Bildern ein. Aus einer arrangierten Ehe erwächst eine echte, tiefe Liebe, in der Maja eine Kraft in sich findet, die sie Herausforderungen des Lebens meistern lässt, denen man selbst vermutlich ohnmächtig gegenüberstehen würde. Gleichermaßen Chronik wie Porträt jener Frau, die trotz aller Widrigkeiten und der Opfer, die es erfordert, sich selbst und ihren Werten der Güte und Fürsorge treu bleibt sowie ihre Familie zusammenhält, ist Stormskärs Maja ein stellenweise berührendes wie durchaus bewegendes Drama, das einen in jene Zeit an die Seite dieser Figuren versetzt. Ihrer Reise beizuwohnen, erfordert zwar ein ruhiges Publikum, sehenswert intensiv und durchaus inspirierend für dieses ist es aber gerade deshalb.