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RoboCop [2014]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 21. September 2014
Genre: Science Fiction / Action / Krimi

Originaltitel: RoboCop
Laufzeit: 117 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2014
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: José Padilha
Musik: Pedro Bromfman
Darsteller: Joel Kinnaman, Gary Oldman, Michael Keaton, Abbie Cornish, Samuel L. Jackson, Patrick Garrow, John Paul Ruttan, Marianne Jean-Baptiste, Zach Grenier, Jackie Earle Haley, Michael K. Williams, Jennifer Ehle


Kurzinhalt:

Bei ihren Ermittlungen entdecken die Polizisten Alex Murphy (Joel Kinnaman) und Jack Lewis (Michael K. Williams), dass Waffen aus der Asservatenkammer wieder auf der Straße gelandet sind. Sie vermuten dahinter korrupte Polizisten und ermitteln gegen Antoine Vallon (Patrick Garrow). Doch ihre Vorgesetzte Chief Dean (Marianne Jean-Baptiste) untersagt das weitere Vorgehen. Wenig später wird Murphy Opfer eines Mordanschlags und schwerstverletzt ins Krankenhaus gebracht.
Schließlich willigt seine Frau Clara (Abbie Cornish) ein, dass Alex an einem neuen Programm der Firma OmniCorp teilnimmt. Dr. Norton (Gary Oldman) will Alex mit moderner Technik als Cyborg wiederherstellen. Durch das menschliche Gesicht soll den Bürgern die Angst vor den überall außer in den USA eingesetzten Sicherheitsdrohnen genommen werden. Als RoboCop wieder zurück im Einsatz, kämpft Alex' menschliche Seite gegen die von OmniCorp vorgegebene Programmierung an und will schließlich den Mordanschlag auf sich selbst aufklären. Ein solch eigenmächtiges Verhalten könnte die Pläne von OmniCorp-Leiter Raymond Sellars (Michael Keaton) durchkreuzen …


Kritik:
Gleich im ersten Absatz einer Kritik ein Remake mit dem Original zu vergleichen, ist kein guter Stil, zugegeben. Doch wie sonst soll man erklären, was das Problem an RoboCop, eine Neuauflage von Paul Verhoevens Genreklassiker aus dem Jahr 1987 ist? Es ist nicht, dass das 2014er-Modell ein schlechter Film wäre. Es ist vielmehr, dass es ein Film ist, der so wenig Neues mit sich bringt und das Bekannte so verwässert erzählt, dass es ist kein Film ist, der hätte erzählt werden müssen.

Dabei hätte in einem Remake durchaus die Möglichkeit bestanden, die Story weniger brutal einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Denn so gelungen das Original als Satire und Actionthriller ist, er ist in einem Maße gewalttätig, dass es keinen Spaß macht, ihn anzusehen. Zumindest auf die grafische Gewalt verzichtet Regisseur José Padilha weitgehend und entsprechend heutiger Mainstream-Actionfilme häufen sich Leichen an, ohne Blut zu zeigen.
Die Geschichte selbst orientiert sich stark an der des Vorgängers: Polizist Alex Murphy überlebt eine Autobombe schwer verletzt. Deshalb kommt der Großkonzern OmniCorp auf Murphys Frau Clara zu.

Hier liegen die größten Stärken von RoboCop, sowohl in den Darstellern Gary Oldman und Michael Keaton, die respektive den verantwortlichen Wissenschaftler Dr. Norton und Firmenchef Raymond Sellars verkörpern, aber auch in den vorgebrachten politischen Seitenhieben. OmniCorp hat überall auf der Welt autonome Kampfmaschinen und Drohnen im Einsatz. Bereits die Eröffnungsszene zeigt den Alltag in Teheran, wo die Menschen von den Robotern aufgefordert werden, sich scannen zu lassen. Was der Fernsehjournalist Pat Novak (ein wenig engagierter Samuel L. Jackson in einer blassen Rolle) als Frieden und Sicherheit propagiert ist schließlich nicht vielmehr als ein Leben in ständiger Überwachung und permanenter Angst vor den kampfbereiten Drohnen. Einzig in den USA dürfen diese Roboter nicht eingesetzt werden, da sowohl Senatoren als auch Bürger gegenüber den Maschinen skeptisch eingestellt sind. Ein Schelm wer hier Parallelen zur aktuellen Diskussion sieht, dass unbemannte Kampfdrohnen in Krisengebieten, aber nicht im Inland eingesetzt werden dürfen.

Um den Bürgern die Furcht vor den rationalen Maschinen zu nehmen, wird der verletzte Murphy zu einem Cyborg umgebaut – eine Drohne mit menschlichem Gesicht gewissermaßen. Es kommt schließlich, wie es nicht nur Kenner des Originalfilms erwarten würden. Murphy macht sich auf, seinen eigenen Mordanschlag aufzuklären, während OmniCorp seine menschlichen Eigenschaften weitgehend zu unterdrücken versucht, um die schnellere und nicht zögernde künstliche Intelligenz nicht auszubremsen. Dagegen wäre auch nichts einzuwenden, wenn das Drehbuch wirkliches Interesse an der Story zeigen würde. Doch während RoboCop eine absehbare Verschwörung in höhere Polizeikreise halbherzig aufarbeitet (die Motivation hinter der Handlung der Figuren wird gar nicht erklärt), muss schließlich der böse Großkonzern ebenfalls einen Schurken hervorbringen, der zwar so aussieht, als wäre er meist mit Tennisspielen und Sonnenbaden beschäftigt, dann aber doch noch eine Waffe in die Hand nimmt und Murphys Familie bedroht.

Es sind diese aufgesetzten Klischees, die das Finale vollkommen überflüssig erscheinen lassen, während Alex' Rache an dem Mann, der ihn mit der Autobombe zu töten versuchte, quasi im Dunkeln stattfindet und so banal umgesetzt ist, dass man sich fragen muss, ob das Teil eines Films oder eines drittklassigen First-Person-Shooter-Videospiels sein soll.
Der hohe Produktionswert und das sichtbar aufwändige Design sind deshalb nicht viel mehr als schmückendes Beiwerk eines inhaltlich dürftigen Actionthrillers, dessen Thrill ausbleibt und dessen Action nicht mitreißt. Welches Potential in einer aktuell erzählten RoboCop-Geschichte liegt, blitzt dabei zwar durch, doch das vermag Regisseur Padilha nicht zu nutzen.


Fazit:
Während Darsteller wie Gary Oldman oder Michael Keaton wohl erkennen, womit sie es zu tun haben und ihr Engagement entsprechend anpassen, ist Joel Kinnaman hier sowohl als Mensch, als auch als Cyborg überfordert. Da Alex Murphy vollkommen farblos dargestellt wird, wenn er ein Mensch ist, interessiert uns sein Schicksal auch nicht, wenn er zur menschlichen Maschine wird.
Die Anspielungen und der durchaus eindeutige Kommentar der Filmemacher zum aktuellen Thema Drohnen, lässt RoboCop bedeutsamer erscheinen, als er ist. Gerades deshalb wünscht man sich einen besseren Film für diese Aussagen. Als Remake ist das so überflüssig wie ärgerlich, als belanglose Science Fiction-Unterhaltung nie mitreißend genug. Die altbekannten Verschwörungen im Hintergrund hat man hingegen schon durchschaut, ehe sie begonnen haben. Erwachsene Zuschauer mit starken Nerven sollten deshalb lieber zum Original greifen. Der ist auch nach über einem Vierteljahrhundert bissiger, satirischer und packender als José Padilhas Neuauflage.    


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