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James Bond 007 jagt Dr. No [1962]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 16. April 2013
Genre: Thriller

Originaltitel: Dr. No
Laufzeit: 110 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 1962
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Terence Young
Musik: Monty Norman, John Barry
Darsteller: Sean Connery, Ursula Andress, Joseph Wiseman, Jack Lord, Bernard Lee, Anthony Dawson, Zena Marshall, John Kitzmiller, Eunice Gayson, Lois Maxwell, Peter Burton, Yvonne Shima, Michel Mok, Marguerite LeWars, William Foster-Davis


Kurzinhalt:
Nachdem der Kontakt des britischen Geheimdienstes mit der von Mitarbeiter Strangways (Timothy Moxon) geführten Außenstelle auf Jamaika abgebrochen ist, sendet Abteilungsleiter M (Bernard Lee) seinen Agenten James Bond (Sean Connery) dorthin, um herauszufinden, was geschehen ist. Dieser entdeckt, dass Strangways angegriffen und vermutlich ermordet wurde.
Vor seinem Verschwinden hatte er Gesteinsproben untersuchen lassen, die er auf nahegelegenen Inseln gesammelt hatte. Hier scheint es auch eine Verbindung zu den missglückten Raketenstarts der Amerikaner von Cape Canaveral aus zu geben, die ihren CIA-Agenten Felix Leiter (Jack Lord) ebenfalls auf Jamaika beordert haben. Alles deutet auf die abgeschottete Insel Crab Key hin, auf der Dr. No (Joseph Wiseman) sehr auf seine Privatsphäre bedacht ist. Als Bond zusammen mit dem Fischer Quarrel (John Kitzmiller) auf die Insel gelangt, trifft er nicht nur auf Honey (Ursula Andress), deren Vater auf Crab Key verschwunden ist, sondern er muss auch feststellen, dass Dr. No bereits mit ihm gerechnet hat ...


Kritik:
Aus heutiger Sicht kann man James Bond 007 jagt Dr. No auf zweierlei Weisen sehen: Als Agententhriller seiner Zeit, oder als Einstand einer Filmikone, die – wie wir heute wissen – mehr als ein halbes Jahrhundert wird überdauern können. Wie lange insgesamt, steht in den Sternen. Ob die Produzenten Harry Saltzman und Albert R. Broccoli damals hatten ahnen können, was sie in Gang setzen würden? Blickt man auf das erste Abenteuer mit der weltbekannten Titelfigur zurück, gibt diese sich kantiger, als es viele Zuseher noch vor dem Neuanfang mit Daniel Craig in der Hauptrolle in Erinnerung hatten. Durch Sean Connery unnachahmlich zum Leben erweckt, gibt sich der britische Geheimagent James Bond in Dr. No wie eine ungeschliffene Version des Weltenretters, der er in späteren Filmen werden wird.

Der Titel gebende Bösewicht ist erst relativ spät im Film zu sehen, selbst bis sich der Geheimagent mit seiner Einführung "Bond, James Bond" vorstellen darf, vergeht viel Zeit. Das Drehbuch, basierend auf dem Roman von Autor Ian Fleming, nimmt sich viel Zeit, die Geschichte und die Figuren vorzustellen. Umso erstaunlicher ist es, dass man über die Charaktere so gut wie nichts erfährt, allen voran James Bond selbst, der sich selbst um eine Antwort drückt, wenn er gefragt wird, ob er verheiratet ist. Vielleicht ist es auch genau diese Eigenschaft, die ihn als Figur für das Publikum so reizvoll macht. Welcher männliche Zuschauer würde sich nicht an seine Stelle wünschen, immerhin besiegt er die Bösen, rettet die Welt und – so chauvinistisch es klingt – bekommt das (meistens die) Mädchen. Sein Auftreten zeugt von einer Selbstsicherheit, die bis zur Arroganz reicht, gleichzeitig ist er unnahbar und charismatisch, als wäre er stets Herr der Lage. Zusammen mit seinem geschmacklich treffsicheren Kleidungsstil und den Accessoires, mit denen er versorgt wird, macht ihn dies für die weiblichen Zuseher interessant.
In Dr. No wird er von seinem Vorgesetzten M nach Jamaika beordert, nachdem dort der Kontakt mit dem verantwortlichen Agenten Strangways abgebrochen ist. Alle Spuren führen nach Crab Key, einer Insel, auf der sich der scheue Dr. No aufhalten soll. Dieser scheint auch für mehrere Mordanschläge verantwortlich, denen Bond kurz nach seiner Ankunft auf Jamaika ausgesetzt ist.

Während die späteren Bond-Filme ein bedeutend höheres Tempo vorlegen, verlässt sich das Skript hier mehr auf seine Geschichte. Vielleicht scheint der Mittelteil deshalb ein wenig lang, wenn auch nie langweilig. Vielmehr fragt man sich, mit welchen Mitteln der Anführer einer Untergrundorganisation seine Truppen so weit bringt, dass sie eher sterben würden, als zu reden. Auch scheint Dr. No die Raketenstarts von Cape Canaveral im Visier zu haben, immerhin leiden diese aus unerklärlichen Gründen unter Kursschwankungen. Nach der langen Vorbereitung und den undurchsichtigen Plänen, die Dr. No offensichtlich hat, ist sein Auftritt letztlich etwas enttäuschend. Zwar gelingt es ihm mit einem Trick, die Menschen vor Ort Glauben zu machen, auf seiner Insel treibe ein Drache sein Unwesen, doch so sehr sich bei genauem Hinsehen all dies als Fassade entpuppt, so blass ist Dr. No schließlich, wenn er anfängt, sich zu erklären. Wie viele Schurken in zahllosen Geschichten bereits die Weltherrschaft angestrebt haben, sei dahingestellt. In aller Regel besitzen sie zumindest einen Plan, auch wenn es abstrus erscheint, die Welt zuerst in Schutt und Asche legen zu wollen, um sie dann zu beherrschen – wer möchte schon die Gewalt über ein zerstörtes Land? Doch im Dialog zwischen Bond und No verpufft alle Anspannung, die man zuvor gehegt hat. Während Nos Ausführungen wirr und zusammenhanglos erscheinen, gibt sich der britische Agent plump, wie er es im gesamten Film bis dahin nicht gewesen ist. Dass das Finale anschließend wieder mit Schauwerten glänzt, anstatt mit einem Wortgefecht, definiert das Schema, dem die Filme auch in Zukunft folgen werden.

James Bond 007 jagt Dr. No erzählt nicht von den Anfängen der Figur, die ebenso ein Teil der Film-, wie auch der Popgeschichte geworden ist, sondern stellt dem Publikum ohne Umschweife einen seiner Fälle vor. Der ist handwerklich auf hohem Niveau gefilmt und versprüht ein ebenso exotisches wie stimmiges Agentenflair, enttäuscht allerdings mit einem Bösewicht, der an Präsenz verliert, sobald er tatsächlich zu sehen ist.


Fazit:
Das erste Kinoabenteuer des britischen Geheimagenten James Bond ist ein Kind seiner Zeit. Demnach ist die vorgestellte Technik aus heutiger Sicht ebenso nostalgisch wie stellenweise unsinnig dargestellt. Und die Rollen der Frauen sind entweder schmückendes Beiwerk, oder nach heutigen Maßstäben nicht sehr emanzipiert. Doch beinhaltet James Bond 007 jagt Dr. No auch alle Kernelemente, die die Reihe so attraktiv für das Publikum gemacht haben. Die exotischen Schauplätze faszinieren ebenso wie der charismatische Auftritt von Hauptdarsteller Sean Connery. Und angesichts der weltpolitischen Lage entwickelt der Film neben einer ansprechenden Atmosphäre im Agentenmilieu auch eine glaubhafte Bedrohung für die verschiedenen Parteien.
Schwachpunkt des Spionagethrillers ist der blasse und nicht wirklich verständliche Bösewicht Dr. No, dessen Verweise auf eine größere Verbrecherorganisation hier fast untergehen. Dennoch bleibt der Film auch für neue Zuschauer interessant und sei es nur, um zumindest bis zum Finale einen James Bond-Film zu sehen, der sich vermutlich näher am Alltag der Geheimagenten orientiert, als viele seiner Nachfolger.


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