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Godzilla [1998]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 15. Januar 2006
Genre: Action / Fantasy / Horror

Originaltitel: Godzilla
Laufzeit: 140 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1998
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Roland Emmerich
Musik: Theodore Shapiro
Originalstimmen: Matthew Broderick, Jean Reno, Maria Pitillo, Hank Azaria, Kevin Dunn, Michael Lerner, Harry Shearer, Arabella Field, Vicki Lewis, Doug Savant, Malcolm Danare, Lorry Goldman


Kurzinhalt:
Als der Wissenschaftler Nick Tatopoulos (Matthew Broderick) vom Militär als Berater bei einer außergewöhnlichen Situation in Beschlag genommen wird, ahnt er nicht, was ihm bevorsteht – eine Spur der Verwüsung zieht sich von Französisch-Polynesien im Südpazifik über den Panamakanal. Schiffe wurden zum Kentern gebracht und weisen riesige Beschädigungen auf und an Land finden sich Spuren einer Kreatur, wie sie die Menschheit noch nie gesehen hat.
Während Tatopoulos zusammen mit Colonel Hicks (Kevin Dunn) noch rätselt, woher das Wesen kam, scheint sein Ziel eindeutig: New York City. Dort ist Bürgermeister Ebert (Michael Lerner) um seine Wiederwahl bemüht und sieht sich plötzlich mit einem Monster konfrontiert, das so groß ist wie ein Wolkenkratzer, und das bei jeder Bewegung in der Großstadt ein Trümmerhaufen hinterlässt. Nachdem klar ist, dass sich die Kreatur, die von japanischen Schiffern als Gojira bezeichnet wird, sich in Manhattan niederlässt, beginnt Hicks, Möglichkeiten auszuloten, das Tier in eine Falle zu locken.
Währenddessen wird Tatpoulos von seiner Jugendliebe Audrey (Maria Pitillo) besucht, die die Chance gekommen sieht, ihre Karriere als Reporterin in Gang zu bringen – und auch der Franzose Philippe Roaché (Jean Reno) scheint weit mehr zu wissen, als er vorgibt. Doch während das Militär darum bemüht ist, Gojira zu besiegen, stellt sich für Nick die Frage, ob die Riesenechse Manhattan vielleicht als sein Nest auserkoren hat, was weit schlimmere Konsequenzen nach sich ziehen würde, als zunächst geahnt ...


Kritik:
Eugene "Gene" Kal Siskel und Roger Joseph Ebert gehören zu den bekanntesten Filmkritikern der Welt – beide begannen in den 1960er Jahren, in Chicago für verschiedene Zeitungen zu arbeiten, und Filmkritiken zu verfassen. Mitte der 70er Jahre wurden sie als Team in einer wöchentlichen Kritiker-Sendung zusammen gebracht, die sich vor allem durch das einfache "Daumen hoch / Daumen runter"-Wertungssystem auszeichnete und wenig später in den gesamten USA ausgestrahlt wurde. 1975 erhielt Roger Ebert als erster Filmkritiker den Pulitzer Preis für Kritik. 1982 verließen Siskel und Ebert den kleinen Sender und wechselten in ein nationales Sendernetzwerk, bei dem sie eine Show namens At the Movies [1982-1990] leiteten – 1986 gründeten sie schließlich ihr eigenes Format unter dem Namen Siskel & Ebert (auch bekannt als Siskel & Ebert & the Movies). Im Jahr 1998 musste sich Siskel einer Operation unterziehen, um einen Gehirntumor entfernen zu lassen, weswegen er im Februar 1999 eine Auszeit von der Sendung nahm, aber im Herbst wiederkommen wollte – er verstarb an Komplikationen der Operation zwei Wochen später.
Es dauerte ein halbes Jahr, ehe Ebert sich mit den Produzenten der Show auf einen Nachfolger Siskels einigte – nachdem die Entscheidung auf den Kollegen Eberts, den Chicago Sun-Times Kolumnisten Richard Roeper fiel, wurde die Sendung in Ebert & Roeper umbenannt. Im Jahr 2002 musste Roger Ebert selbst wegen Schilddrüsenkrebs operiert werden und nur ein Jahr später auf Grund einer Wucherung in der Speicheldrüse – im Dezember 2003 unterzog er sich außerdem eine Strahlentherapie im Zuge der Operation. Während dieser Therapie verpasste er keine einzige Sendung und zählt nach wie vor zu den bekanntesten Filmkritikern weltweit.
Während manche Filmemacher auf negative Kritiken ihrer Filme persönlich reagieren und den verantwortlichen Autoren Hassbriefe schreiben oder sie persönlich kontaktieren, gingen Roland Emmerich und Dean Devlin, das Gespann hinter dem Welterfolg Independence Day [1996] einen anderen Weg – bei Siskel & Ebert hatten sie zwei "Daumen runter" erhalten mit Eberts Hinweis, der Film lasse an Einfallsreichtum vermissen, was ihm an Budget zuviel zugestanden hätte. Um dies zu "würdigen", bauten Devlin und Emmerich den Bürgertmeister Ebert und seinen Assistenten Gene in Godzilla ein, die das bekannte Markenzeichen der Daumen hoch/runter zum besten geben und mit vielen Insider-Witzen aufwarten. Während Siskel diese Persiflage als "belanglos" abtat und Ebert den Film noch schlechter als Independence Day bewertete, schienen die Zuschauer diesmal eher der Meinung der beiden Kritiker zu sein, als noch zwei Jahre zuvor bei Emmerichs größtem US-Erfolg. Und das ist ansich unverständlich.

Sieht man sich die Zutaten von Independence Day und Godzilla an, gibt es nicht nur viele Gemeinsamkeiten (wie die nicht zu übersehende Materialschlacht in beiden Filmen), sondern auch aus storytechnischer Hinsicht einen grundlegenden Unterschied: während Independence Day eine ansich interessante Ausgangssituation mit einigen erstklassigen Ideen durch einen hanebüchenen und grotesken Schlusstwist auflöst, den Zuschauer mit einer Auflösung abspeist, die einen daran zweifeln lässt, ob die Menschen es überhaupt verdienen würden, zu gegen eine Außerirdische Invasion zu gewinnen, versuchen die beiden Autoren Dean Devlin und Roland Emmerich in Godzilla nicht, den Zuschauern etwas anderes zu bieten, als eine zweitklassige Fantasy-Story mit einigen wirklich guten Ideen ohne die Trash-Optik der japanischen Godzilla-Filme. So ist sich Godzilla seiner inhaltlichen Schwächen nicht nur bewusst, sondern federt die schwachen Figuren und die offensichtlich grotesken Ideen mit (beabsichtigt) witzigen Dialogen und einigen wirklich einfallsreichen Storypunkten wieder ab.
Doch haben viele Zuschauer vielleicht nicht verstanden, dass die Macher genau das beabsichtigt hatten. Wie Produzent und Ko-Autor Dean Devlin festhält, war die Werbezeile des Films "Size Does Matter" ("Die Größe ist doch entscheidend") nur als Witz zu Jurassic Park [1993] gedacht und um zu verdeutlichen, dass sich die Kreatur Godzilla von den Dinosauriern unterscheiden würde – erst das Studio hatte in der Werbekampagne den Slogan als Leitspruch hergenommen und damit die größte Basis für die Kritik an Godzilla geschaffen.
Die Werbekampagne für den Film begann schon ein Jahr vor Kinostart mit einem der erinnernswertesten Teaser-Trailern der Filmgeschichte, in dem eine Schulklasse bei einem Museumsbesuch mit ansehen darf, wie ein T-Rex-Skelett von einem gigantischen Fuß Godzillas zertrampelt wird. Dass diese Szene es nicht in den Film geschafft hat, ist zwar bedauerlich, verdeutlicht allerdings, wie viel sich die Macher das Spektakel haben kosten lassen – und wie bei Emmerich nicht anders gewohnt, sieht Godzilla dennoch teurer aus, als er letztlich gewesen ist.

Nicht nur, dass der für die Effekte verantwortliche Volker Engel (der für seine Arbeit bei Independence Day sogar einen Oscar erhielt, und für den Godzilla die bislang letzte Zusammenarbeit mit Emmerich war) auf eine Vielzahl verschiedener Effektmechanismen zurückgriff, wie Modellarbeiten und Computergrafiken, wenn ein hochhausgroßes Reptil die Straßen Manhattans in Trümmer legt, sieht dies schlicht beeindruckend aus – und das auch nach acht Jahren noch. Mehr noch, hört man sich Engels Kommentar auf der DVD zum Film an, wird man an vielen Stellen auf einen Spezialeffekt von ihm hingewiesen, den man niemals vermutet hätte. Besser hätte man Godzilla auch mit einem größeren Budget nicht zum Leben erwecken können, und allein die Masse an Effekten beeindruckt durch den Bombast, den Emmerich und seine Techniker vor der Kamera zum Besten geben.
Dass dies auch entsprechend eingefangen ist, liegt an dem inzwischen 50jährigen Regisseur, der schon zuvor ein gutes Gespür für theatralische Momenten besaß, und auch hier sowohl mit ausgenutzten Cinemascope-Bildern aufwartet, als auch das Chaos in exzellente Bilder kleidet, die ohne technische Spielereien oder experimentelle Kameragimmicks auskommen, dafür mit langen Kamerafahrten beeindrucken und die Action mitreissend wie übersichtlich in Szene setzen. Emmerich kostet dabei die Zerstörung, die er in Manhattan anrichtet, sichtlich aus und gönnt dies auch den Zuschauern, die hier mit feuergefährlichen Massenszenen verwöhnt werden, wie man sie seit Independence Day nicht mehr gesehen hat (ohne aber den Ernst jenes Filmes beizubehalten).
So wird Godzilla und die Panik wie die Verwüstung, die er in der Großstadt erzeugt mit herausragenden Effekten umgesetzt, ohne den Trash-Charakter der japanischen Filme zu kopieren – was durch die Machart an unfreiwilligem Humor hier aber verloren geht, streuen die Autoren beabsichtigt wieder ins Drehbuch ein. Handwerklich gibt es an Godzilla nichts besser zu machen.

Dies alles so mitreißend wie möglich zu gestalten oblag auch Komponist David Arnold, der für Emmerichs vorige zwei Hollywood-Filme jeweils einen beeindruckenden Score schrieb, und auch bei Godzilla ein einprägsames Thema verfasste, das er in seinem rhythmischen Soundtrack gekonnt zum Einsatz bringt.
Was dabei auffällt ist die Tatsache, dass Arnold einerseits für Nick und Audrey ein Motiv etabliert, andererseits Godzilla selbst zwei Themen spendiert, die die Kreatur aus einem ganz anderen Licht beleuchten. Erstes Thema ist bereits beim beeindruckenden Vorspann zu hören und wird vorrangig dann eingesetzt, wenn das Militär die Riesenechse unter Beschuss nimmt – die getragene Melodie, der außerdem etwas Melancholisches anhaftet, wird dann eingespielt, wenn Tatopoulos Godzilla beobachtet, wenn deutlich wird, dass die Kreatur nicht aus Bösartigkeit so handelt, wie sie es tut, sondern lediglich, weil es nunmal ein Tier ist. Hier verleiht David Arnold der riesigen Figur das, was dem Drehbuch leider nicht gelingt, eine Persönlichkeit, die durchaus sympathisch erscheint.
Der kraft- und temperamentvolle Score passt einmal mehr nicht nur exzellent zu den eindrucksvollen Bildern, sondern würde sich für Fans auch zum Hören ohne den Film eignen, wäre denn jemals eine reine Soundtrack-CD veröffentlicht worden. Aus unerfindlichen Gründen wurde darauf 1998 verzichtet und Interessenten warten bislang auf einen reinen Score.

Dass vom ursprünglichen Skript Ted Elliots und Terry Rossios prinzipiell nichts übrig blieb, als Roland Emmerich an Bord kam, ist ein offenes Geheimnis in Hollywood – in den Credits des Films werden sie dennoch als Story-Lieferanten gelistet. Mit den Entscheidungen des Regisseurs wurde auch das ursprüngliche Design Godzillas über Bord geworfen, und Godzillas Antagonist, ein weiteres Monster, wurde in der Hollywood-Verfilmung des Stoffes glücklicherweise komplett gestrichen. Stattdessen verpackte Emmerich zusammen mit Dean Devlin erneut viele Anspielungen innerhalb des Skripts und unterlegte das Ganze mit einer recht offensichtlichen und weit weniger agressiven Öko-Botschaft, die in The Day After Tomorrow [2004] weiter ausgebaut wurde.
Die Ausgangslage von Godzilla ist dabei so einfach wie absurd, auch wenn die Autoren die Idee einer Riesenechse, die in Manhattan Eier zu legen gedenkt, immerhin als Anlass dafür nehmen, kleinere Situationen zu entwerfen, in denen sie dafür gute Ideen unterbringen können. So finden sich trotz der grotesken Situation kleine Momente wieder, wie das Öffnen der Kanaldeckel oder das grundsätzliche Versteck der Riesenechse, die durchaus beweisen, dass Emmerich und Devlin dem Moment trotz des Trash-Charakters nicht die Intelligenz absprechen wollten, zumindest grundsätzlich mitzudenken. Dass dies aber nur als Vorwand für die gigantische Materialschlacht dient, ist unbestritten.
Folglich bleibt die Geschichte überaus absurd und offenbart verständlicherweise Lücken, durch die selbst zehn Godzillas hätten fliehen können – haftet dies aber den meisten Monsterfilmen an, ist an Godzilla weit mehr die Rolle der menschlichen Figuren ärgerlich. Statt hier wenigstens vielschichtige Charaktere zu präsentieren, beschränken sich die Autoren auf das Notwendigste, gestalten die Protagonisten zwar sympathisch, aber meist ohne Ausstrahlung oder bestimmte Charakterzüge. Was außerdem auffällt ist die Tatsache, dass Godzilla selbst keine Persönlichkeit zugeschrieben bekommt; zwar wird zu Beginn angedeutet, dass das Tier nur seinen Instinkten folgt, im restlichen Verlauf wird das Monster dennoch bösartig dargestellt und ohne Reue verfolgt. Etwas mehr Charakter hätte dem Star des Films sicher nicht geschadet und ist mit einer der größten Kritikpunkte der Godzilla-Fans.
Wirklich nur für Filmfans zu erkennen sind kleine Anspielungen wie die Nummer des Taxis, das beim Finale verfolgt wird – MN 44 steht für Moon 44 [1990], einen von Emmerichs frühen Filmen. Eine sehr gut kaschierte Hommage ist außerdem die Verfolgung des Apache-Hubschraubers, die einige Dialogzeilen beinhaltet wie "Echo 4 an Echo Basis", Dialoge, die 1:1 aus Star Wars: Episode V - Das Imperium schlägt zurück [1980] entliehen sind. Doch können auch diese Anekdoten nicht darüber hinweg täuschen, dass trotz der Beschränkungen der Ausgangsidee das Drehbuch nicht ausgenutzt ist, was man vor allem an den platten Figuren bemerkt, die zwar für witzige Momente sorgen, aber dennoch eindimensional erscheinen. Dass dies beinahe dieselben Kritikpunkte sind, die man auch beim zwei Jahre älteren Independence Day anbringen könnte, ist nicht überraschend, doch immerhin erlauben sich Devlin und Emmerich bis auf eine Einstellung bei der Taxi-Verfolgungsjagd keinen Patzer im Stile der Auflösung der Alieninvasion.

Dass die Darsteller somit auf Grund der Vorlage nicht allzu viel Potential gegeben hatten, das es auszuschöpfen galt, ist verständlich; die meisten machen ihre Sache dennoch gut, auch wenn dem grundsympathischen Matthew Broderick die Rolle des Helden zunächst nicht so recht passen mag. Erst in der zweiten Filmhälfte, wenn seine Figur auch in die aktiven Handlungen eingebunden wird, wendet sich das Blatt etwas und auch seine Dialoge wirken nicht ganz so kindlich, wie noch zu Beginn.
Genau anders herum verhält es sich mit Maria Pitillo, die zu Beginn belanglose, wenn auch nicht nervige Textzeilen zum besten geben darf, aber in der zweiten Hälfte zusehends negativ auffällt, was aber prinzipiell nicht ihr, sondern dem Skript anzulasten ist. Sie spielt dabei so ausdruckslos, wie man sich das kaum vorstellen könnte und hat die Goldene Himbeere, die sie bekam, durchaus verdient.
Zu den Highlights des Films zählt hingegen die lockere Darbietung von Hank Azaria, den man in so unbeschwerten Rollen selten sieht, der aber gerade hier sein Charisma entfalten kann. Er macht seine Sache wirklich gut und täuscht auch über das farblose Spiel von seiner Kollegin Arabella Field hinweg, die ohnehin kaum zu sehen ist.
Gut, wenngleich unterfordert sind Kevin Dunn als Militäroberbefehlshaber und Doug Savant, der für einige wirklich gelungen-witzige Momente sorgt und dank seinem natürlichen Spiel überzeugt. Für einige unterhaltsame Momente sorgen auch Lorry Goldman und Michael Lerner als Gene und Ebert, die aber kaum zum Tragen kommen. Auch Vickie Lewis, Malcolm Danare und Harry Shearer wirken routiniert, wenn auch nicht übermäßig motiviert.
Sie alle stehen jedoch im Schatten eines Darstellers, der Godzilla zugegebenermaßen veredelt: Jean Reno. Kaum zuvor agierte der französische Darsteller mit einer so augenzwinkernden und doch zurückhaltenden Gelassenheit, die in einigen der besten Sprüche im Film gipfelt und den charismatischen Mimen als Sympathieträger schlechthin etabliert. Er führt seine Kollegen in den gemeinsamen Momenten nicht nur gekonnt an, sondern ihm scheint die Rolle maßgeschneidert. Wer ihn beispielsweise aus Leon - Der Profi [1994] kennt, wird feststellen, dass seine Beteiligung bei Emmerichs Produktion sein Talent nur rudimentär fordert, dennoch genügt dies bereits, um seiner Figur eine Präsenz zu verleihen, die die anderen schlicht vermissen lassen.
Reno allein macht Godzilla ansich schon sehenswert, auch wenn die übrigen Beteiligten wenigstens großteils überzeugen können, sofern die Vorlage dies zulässt.

Der Flop, den Medien heutzutage aus Emmerichs Godzilla machen, war der Film seinerzeit übrigens nicht geweisen, die 130 Millionen Dollar teure Produktion spielte spielte weltweit knapp das Dreifache wieder ein, die Videoverwertung nicht mitgerechnet.
Dass der Film mit einem riesigen Aufwand verbunden war, steht spätestens dann außer Frage, wenn man sich einige Details der Produktion ansieht, so wurde genügend Bauholz für 50 Häuser bei den Sets verwendet, tausende Styroporblöcke wurden ebenso wie 35 Tonnen Stahl verbaut, mit die verwendete Farbe hätte man die Golden Gate Bridge in San Francisco neu streichen können; abgesehen von den zwei Tausend künstlichen Fischen, die bei dem Fischberg zum Einsatz kamen, wurden mehr als neun Millionen Liter Wasser für den ständigen Regen am Set verwendet und für das Finale kamen letztlich 16 verschiedene Taxen zum Einsatz.
Wie Godzilla ausgesehen hätte, hätte nicht Roland Emmerich die Umsetzung vorgenommen, sondern wie ursprünglich geplant, James Cameron, dem bereits acht Jahre zuvor das Angebot gemacht wurde, lässt sich nicht einmal erahnen. Auch Tim Burton lehnte damals ab und als Jan de Bont den Produzenten seine Budgetvorstellungen erzählte, kamen schließlich Devlin und Emmerich an Bord. Dass Emmerich zu Beginn zugab, dass ihm die originalen Godzilla-Filme nicht gefielen, missfiel verständlicherweise den Fans, und es war Teil seines Vertrages beim Studio, dass er bei dem Film mit der Figur tun konnte, was er wollte – ursprünglich musste sich das Studio Tristar beim Godzilla-Lizenzinhaber Tōhō Co. Ltd. verpflichten, bestimmte Richtlinien der Monsterreihe einzuhalten, was im Endeffekt aber nicht geschah. So wundert es nicht, dass Kenpachiro Satsuma, der Godzilla von 1985 bis 1995 gespielt hatte, nach der Hälfte des Films den Saal verließ und sagte, es sei nicht Godzilla, da dem Film der Geist des Originals fehle.

Eingeleitet wird Godzilla mit einem der einfallsreichsten und gelungensten Vorspänne, die man seit langem sehen durfte; zusammengestellt aus zahlreichen Aufnahmen, werden Atombombentests gezeigt, die allerdings nicht in französischen Gebieten, sondern von den USA durchgeführt wurden. Die optische Imposanz und Schönheit jener zerstörerischen Kraft vor Augen geführt zu bekommen ist ebenso berauschend wie erschreckend und passt als Einstimmung zu Roland Emmerichs Werk sehr gut.
Gewidmet ist der Film Tomoyuki Tanaka, der alle japanischen Godzilla-Filme produziert hatte und wenige Monate verstarb, bevor die Produktion an Emmerichs Umsetzung begann.


Fazit:
Die ursprünglichen Pläne, zwei Fortsetzungen zu produzieren, wurden nach der schwachen Akzeptanz des Films fallen gelassen, dabei spaltet Godzilla seine Zuschauerschaft, wie kaum ein anderer Sommerfilm zuvor. Während der Film all jene Zutaten, die Independence Day zwei Jahre zuvor beinhaltete, erneut verwendet und steigert, kritisierten viele Zuschauer die flachen Figuren und die hohle Story, die die aufwändige Umsetzung nicht rechtfertigen würde.
Dass die originalen Godzilla-Filme weit weniger Inhalt mit bedeutend schlechterem Handwerk verbinden, scheinen viele Fans der Reihe nicht erkennen zu wollen. Den Autoren Dean Devlin und Roland Emmerich war daran gelegen, eine hanebüchene Story um gute Einfälle zu ergänzen und anschließend mit handerklicher Finesse in so opulenten Bildern wie möglich einzufangen. Genau das ist ihnen auch gelungen, und wer sich auf einen inhaltlich dämlichen, aber nie langweiligen und perfekt gemachten Monster-Action-Film einstellt, wird auch nicht enttäuscht werden. Im Gegenteil, sobald Emmerich sein Riesenmonster aus dem Wasser holt, geizt er nicht mit beeindruckenden Bildern, und der hohe Produktionsstandard ist dem Endergebnis auch anzusehen.
Würde das Finale nicht mit einigen unnötigen Szenen, die an Lächerlichkeit in der Tat zuviel des Guten sind, den Film im letzten Drittel schwächen, wäre gar noch ein halber Punkt mehr drin gewesen. Ein bombastisches und stets unterhaltsames, wenn auch inhaltlich dürftiges, Feuerwerk ist Godzilla aber allemal.


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