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Allied: Vertraute Fremde [2016]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. September 2017
Genre: Liebesfilm / Thriller / Drama

Originaltitel: Allied
Laufzeit: 124 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2016
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Robert Zemeckis
Musik: Alan Silvestri
Darsteller: Brad Pitt, Marion Cotillard, Jared Harris, Matthew Goode, Lizzy Caplan, Anton Lesser, August Diehl, Camille Cottin, Charlotte Hope, Marion Bailey, Simon McBurney, Daniel Betts, Thierry Frémont, Raffey Cassidy


Kurzinhalt:

In Casablanca im Jahr 1942 trifft Max Vatan (Brad Pitt) der kanadischen Royal Air Force auf die französische Untergrundagentin Marianne Beauséjour (Marion Cotillard). Ihre gemeinsame Mission ist es, die dortige High Society zu unterwandern und einen hochrangigen Funktionär des Nazi-Regimes auszuschalten. Während des Auftrags kommen sich Max und Marianne näher und zurück in London heiraten sie. Doch als ihn ein Jahr später Max' Vorgesetzter, Colonel Frank Heslop (Jared Harris), zu einer Unterredung mit einem Offizier des britischen Nachrichtendienstes begleitet, bricht für Max eine Welt zusammen. Seine Frau wird verdächtigt, eine deutsche Spionin zu sein, die lediglich die Identität der wahren Marianne angenommen hat. Während Mariannes Verhalten einer Überprüfung unterzogen wird, forscht Max selbst nach und muss sich eingestehen, dass er seine eigene Frau – und Mutter seines Kindes – in Wahrheit vielleicht gar nicht kennt …


Kritik:
Filmemacher Robert Zemeckis hält sich in Allied: Vertraute Fremde so lange zurück zu entscheiden, was für eine Art Film er erzählt, dass wenn es schließlich soweit ist, das Publikum bereits das Interesse an den Figuren verloren hat. Angeführt von einer namhaften Darstellerriege, pendelt sich die Erzählung in mehreren Genres ein und fühlt sich offensichtlich in keinem wohl genug. Das Ergebnis ist – abgesehen von vielen und sehr offensichtlichen Trickeffekten – nur eingangs spannend und danach im besten Fall nicht langweilig.

Die Geschichte beginnt, als der kanadische Pilot Max Vatan in Casablanca im Jahr 1942 auf die französische Spionin Marianne Beauséjour trifft. Gemeinsam sollen sie eine Mission ausführen, bei welcher der Einfluss Nazideutschlands in Marokko geschwächt wird. Wieder in London werden Max und Marianne ein Paar und heiraten. Doch ein Jahr später erfährt Max, dass Marianne verdächtigt wird, eine deutsche Agentin zu sein, die lediglich die Identität der wahren Widerstandskämpferin Beauséjour nach deren Tod angenommen hat.

Das klingt im Grunde genommen nach der Vorlage für einen packenden Agententhriller vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Allerdings kommt das Drehbuch von Steven Knight (No Turning Back [2013]) erst nach beinahe einer Stunde überhaupt an diesen Punkt. Bis es soweit ist, verbringen wir Zeit mit Max und Marianne, die gemeinsam in Marokko darum bemüht sind, ihre Tarnung aufrechtzuerhalten, ohne dass über die Hintergründe der Figuren tatsächlich viel erzählt wird. So gelungen der unmittelbare Aufbau der Szene um ihre gemeinsame Mission sowie deren Ausführung ist, der Vorlauf ist von Brad Pitt und Marion Cotillard zwar tadellos gespielt, aber letztendlich viel länger als er sein müsste.

Wird Max mit der Vermutung des Geheimdienstes konfrontiert, seine Frau – und inzwischen Mutter seines Kindes – könnte eine deutsche Spionin sein, gerät seine vertraute Welt ins Wanken. Doch anders als der deutsche Titel es vermuten lässt, gibt Allied: Vertraute Fremde keinen Grund zu vermuten, dass Marianne in Wirklichkeit eine Fremde für ihn ist. Denn es gibt nach Gründung der Familie keine Szenen, die zeigen, wie vertraut beide miteinander sind.
Max widersetzt sich der Anweisung seiner Vorgesetzten und stellt selbst Nachforschungen an, ob Marianne diejenige ist, die sie vorgibt zu sein. Es ist der Moment, wenn sich Brad Pitts Figur vom ruhigen, introvertierten Büro- oder Familienmenschen, der er von Beginn an zu sein scheint, zu einem richtigen Geheimagenten wandelt, der bereit ist zu tun, was er muss, um seine Ziele zu erreichen. Die Frage, die man sich am Schluss stellt ist jedoch, welche von beiden Seiten ihm denn am ehesten entspricht.

Regisseur Robert Zemeckis, der nicht nur für einige der unterhaltsamsten Hollywoodabenteuer, sondern auch für emotionale Klassiker bekannt ist, versäumt es hier, seinen Figuren ein Profil zu verleihen. Das macht ihre Entscheidungen insbesondere im letzten Drittel zwar nicht schwerer nachvollziehbar, nur besitzen sie damit weit weniger Gewicht.
Dass sowohl Brad Pitt als auch Marion Cotillard und Jared Harris tadellose Darbietungen abliefern, ist dabei nicht verwunderlich und hilft Allied: Vertraute Fremde selbst über sehr vorhersehbare oder unnötig kitschige Momente hinweg.

Seine Darsteller weiß Zemeckis ebenso zu führen, wie seine Szenen zu komponieren. Die handwerkliche Umsetzung ist überaus gelungen, würden die offensichtlich künstlichen Hintergründe nicht stets aus der Erzählung reißen. Angefangen von einem unechten Sonnenaufgang in der Wüste, bis hin zu einem nächtlichen Bombenangriff auf London mit einer dramatischen Szenen der beiden Figuren im Freien, erscheint die Szenerie nie echt – und darunter leidet merklich die Glaubwürdigkeit der Geschichte.


Fazit:
Steht die Ausführung der Mission von Max und Marianne in Casablanca unmittelbar bevor, steigt merklich die Spannung, die sich explosiv entlädt. Ein solches Gefühl erzeugt Filmemacher Robert Zemeckis in den eineinhalb Stunden, die folgen, selbst dann nicht mehr, wenn was für die Figuren auf dem Spiel steht, umso wichtiger ist. Allied: Vertraute Fremde erscheint – ähnlich wie die beiden Hauptdarsteller, die zwar miteinander harmonieren, jedoch keine knisternde Chemie miteinander entwickeln – seltsam unterkühlt und trotz der verheißungsvollen Story so langsam erzählt, dass keine Spannung aufkommen mag. Die Produktionswerte sind sichtbar hoch, Darsteller, Kostüme und Musik sind allesamt hochwertig, nur spielen diese Zutaten nicht zusammen, sondern nebeneinander. Das Ergebnis ist ein Film, der selbst in seinem emotionalen Ende nie so mitreißt, wie er sollte. Das Anzusehen ist in handwerklicher Hinsicht durchaus sehenswert und es ist verständlich, weswegen die Beteiligten hier zugesagt hatten. Weshalb der Film selbst nicht funktioniert, ist umso schwieriger zu fassen.
 


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