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Speed [1994]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 28. März 2010
Genre: Action / Thriller

Originaltitel: Speed
Laufzeit: 116 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1994
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Jan de Bont
Musik: Mark Mancina
Darsteller: Keanu Reeves, Dennis Hopper, Sandra Bullock, Joe Morton, Jeff Daniels, Alan Ruck, Glenn Plummer, Richard Lineback, Beth Grant, Hawthorne James, Carlos Carrasco


Kurzinhalt:
Kurz nachdem Polizist Jack Traven (Keanu Reeves) zusammen mit seinem Kollegen Harry Temple (Jeff Daniels) den Versuch eines Bombenlegers (Dennis Hopper) vereitelte, mit einem mit Sprengstoff versehenen Fahrstuhl Geld zu erpressen, wird er von dem Bombenleger kontaktiert. Dieser hat eine Bombe an einem Bus befestigt. Sobald der Bus eine bestimmte Geschwindigkeit erreicht, wird die Bombe scharf gestellt. Fährt er wieder langsamer, explodiert sie. Er verrät Jack sogar die Nummer des Busses.
Während sich Harry um das Lösegeld kümmert, jagt Jack zum Bus, wo es kurz danach zu einem Zwischenfall kommt, so dass Fahrgast Annie (Sandra Bullock) das Steuer übernehmen muss. Nur wie soll Jack die Bombe entschärfen, während der Bus fährt? Jacks Vorgesetzter McMahon (Joe Morton) unterstützt Jack so gut es geht, doch läuft ihnen die Zeit davon – und der Bombenleger scheint ihnen immer einen Schritt voraus ...


Kritik:
Es ist ein perfides Spiel, das der unbekannte Bombenleger mit dem Polizisten Jack Traven spielt. Dieser hatte ihm eine Lösegeldübergabe ruiniert, weswegen Jack nun persönlich ins Visier des Schurken genommen wird. Er befestigt eine Bombe an einem Bus. Fährt der Bus schneller als 50 Meilen die Stunde, wird die Bombe aktiviert, fährt er langsamer, explodiert sie. Aussteigen ist verboten und im Morgenverkehr der Großstadt ist es kaum vorstellbar, wie eine Katastrophe verhindert werden soll.
Die Ausgangslage des Actionthrillers Speed packt nicht zuletzt auf Grund des realistischen Hintergrunds. In einem Bus war beinahe ein jeder schon einmal unterwegs, die Vorstellung, dass dieser von einem Bombenleger benutzt wird, greift auf eine beklemmende und unangenehme Weise in unseren Alltag. Gleichzeitig ermöglicht sie dem Film auch, innerhalb kurzer Zeit ein enormes Tempo aufzubauen, immerhin darf der Bus nicht langsamer werden. Und während sich Jack Traven zusammen mit der unfreiwilligen Busfahrerin Annie den Launen des Erpressers ausgesetzt sieht, ist Jacks Kollege Harry darum bemüht, den Namen des Verbrechers ausfindig zu machen, um dem Treiben ein Ende zu setzen. So einfach die Story von Autor Graham Yost beginnt, so effektiv lässt sie sich ausbauen und weiterspinnen. Zugegeben, viele Zufälle im Skript scheinen schlicht konstruiert oder absurd – beispielsweise dass mehrere Strecken nicht fertig gebaut sind – und manche Stunts wirken einfach an den Haaren herbeigezogen (man denke an den beinahe kippenden Bus oder den Sprung über das fehlende Teilstück). Nichtsdestotrotz besitzt das Drehbuch genügend Selbstironie und die Darsteller genügend Charme, um über diese Schwächen hinweg zu spielen.

Der wahre Reiz des Thrillers besteht darin, wie es Jack und Annie gelingt, die unwegsamsten Abschnitte im Morgenverkehr zu überwinden. Dass sie es schaffen, steht außer Frage. Auch wenn das Skript bei bestimmten Nebenhandlungen unerwartete Wendungen mitbringt, verläuft die Hauptstory selbst doch in genreüblichen, geregelten Bahnen. Und dessen scheint sich Speed auch durchaus bewusst. Darum darf der Schurke richtig böse sein, auch wenn Dennis Hopper zu charismatisch für die Rolle wirkt, die ihn merklich unterfordert, und die Frau muss wiederholt gerettet werden. Auch wäre der Zusatz beim Finale nicht wirklich notwendig gewesen und scheint die Story weiterzuerzählen, obwohl sie auch schon hätte vorbei sein können. Unterhaltsam und packend bleibt es aber schließlich auf Grund der Charaktere, die einem schon nach wenigen Minuten insofern wichtig sind, als dass ihr Schicksal interessiert.
Für die temporeiche Inszenierung sorgt Regisseur Jan de Bont, der zuvor erfolgreich als Kameramann arbeitete (Stirb langsam [1988]). Er dreht vom ersten Moment an der Spannungsschraube und scheint es sichtlich zu genießen, seine Figuren von einem Ort zum nächsten hetzen zu lassen. Dennoch bleiben auch die Actionszenen übersichtlich, so dass immer klar ist, wo was passiert. Komponist Mark Mancina unterstützt das Erzähltempo durch einen überaus gelungenen und eingängigen Score, der keine Wünsche offen lässt.

Aus heutiger Sicht werden viele Actionthriller dieser Art gerne als naiv bezeichnet, immerhin fehlt ihnen die moralschwangere Botschaft oder die gewalttätigen Eigenheiten heutiger Filme. Auch wirkt Speed bei weitem nicht so ernst wie man es bei dem Thema erwarten würde, auch wenn die Geschichte selbst trotz humorvoller Momente ernst erzählt wird. Vielmehr legen die Macher hier mehr Wert auf den Unterhaltungsaspekt, erzählen leichtfüßig einen Thriller für Erwachsene ohne Nebenwirkungen. Es ist eine Art Film, die seit jenem Herbstmorgen 2001 selten geworden ist oder gar nicht mehr produziert wird. Man mag das naiv nennen, oder als Überbleibsel einer unbeschwerteren Zeit sehen.
Vielleicht hat der Film gerade deshalb in den letzten 16 Jahren nichts von seinem Charme verloren.


Fazit:
So einfach die Ausgangsidee sein mag, sie lässt sich mühelos zu einem packenden Film ausbauen. Zugegebenermaßen sind einige Ideen schlicht übertrieben oder wirken konstruiert. Doch dank des enormen Tempos, mit dem Regisseur Jan de Bont seinen Regieeinstand in tadellos und einfallsreich eingfangenen Bildern erzählt, hat man kaum Gelegenheit darüber nachzudenken.
Dennoch sind es die Darsteller, allen voran Keanu Reeves, die Speed sehenswert machen. Sandra Bullock ergänzt ihn nahtlos, Dennis Hopper spielt den Schurken überlebensgroß und selbst Jeff Daniels darf in einem Moment glänzen, den man nicht hatte kommen sehen. Für Fans des unkomplizierten, schnellen Films ist Speed auch nach vielen Jahren eine sichere Wahl. Und erinnert an eine Zeit, in der Actionfilme nicht gewalttätig sein mussten. Oder Thriller einen politischen Hintergrund besaßen. Oder als man sich nach jeder Entführungsstory mit Unbehagen fragen musste, wer sich daran vielleicht ein Beispiel nehmen würde.


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