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Black and Blue [2019]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 28. Oktober 2019
Genre: Thriller / Action / Krimi

Originaltitel: Black and Blue
Laufzeit: 108 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2019
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Deon Taylor
Musik: Geoff Zanelli
Besetzung: Naomie Harris, Tyrese Gibson, Frank Grillo, Mike Colter, Reid Scott, Beau Knapp, Nafessa Williams, James Moses Black, Frankie Smith


Kurzinhalt:

Alicia West (Naomie Harris) ist erst seit drei Wochen bei der Polizeistreife von New Orleans. In der Stadt aufgewachsen, muss sie doch feststellen, dass sie durch die Uniform nicht mehr dazugehört. Während einer Doppelschicht mit dem Kollegen Deacon Brown (James Moses Black) wird sie Zeugin, wie die Drogenfahnder Malone (Frank Grillo) und Smitty (Beau Knapp) im Beisein von Brown unbewaffnete Männer erschießen. Das Geschehen wird auf ihrer Bodycam aufgezeichnet. Weil unter den Ermordeten auch der Cousin des Gangsters Darius (Mike Colter) ist, sind ihr sowohl dessen Gang als auch Malones Netzwerk innerhalb der Polizei auf den Fersen, immerhin wird behauptet, sie habe die Morde begangen. Malone setzt dabei alles daran, um zu verhindern, dass die Aufnahmen veröffentlicht werden. Auf der Flucht vor Gangstern und Polizei, wendet sich Alicia an Milo „Mouse“ Jackson (Tyrese Gibson), den sie aus ihrer Jugend kennt. Aber nicht nur zahlenmäßig sind sie ihren Gegnern weit unterlegen …


Kritik:
Es klingt negativer, als es gemeint ist, wenn man festhält, Black and Blue sei ein B‑Film. Dabei ist die Aussage nicht abwertend gemeint. Nicht selten haben Filmemacher nicht die Ressourcen zur Verfügung, die Art Film zu machen, die sie machen wollen. Deshalb muss das Gesamtergebnis unter Berücksichtigung dieses Umstands nicht schlecht sein. Ähnlich scheint es bei Deon Taylors Crime-Thriller, der im letzten Drittel spürbar nachlässt. Doch vor allem dank Naomie Harris in der Hauptrolle, kann man dem Film das zum großen Teil verzeihen.

Sie verkörpert die junge Polizistin Alicia West, die zwar durch ihre Zeit beim Militär viel Kampferfahrung gesammelt hat, aber erst die dritte Woche als Streifenpolizistin in New Orleans im Einsatz ist. Eingesetzt in ihrer alten Nachbarschaft, muss sie erkennen, dass die Polizei nicht dem Ideal entspricht, das sie sich erhofft hatte. Selbst anständig erscheinende Polizisten halten zumindest bei Kleinigkeiten die Hand auf und Rassismus und Vorurteile schlagen ihr, wenn sie nicht in Uniform auftritt, von ihren Kollegen unmittelbar entgegen. Das gespaltene Gesellschaftsbild, das Black and Blue zeichnet, ist gelinde gesagt bedrückend, auch deshalb, weil es den Machern gelingt, eine Authentizität zu erzeugen mit Straßenstrichen, die seit den Überflutungen durch Hurrikan Katrina 2005 brachliegen oder immer noch verwüstet sind. Trotz ihrer Hautfarbe gehört Alicia auch nicht mehr zur afroamerikanischen Bevölkerung der Stadt, nicht einmal ihrer alten Nachbarschaft. Es ist, als habe sie die Hautfarbe gegen die blaue Uniform getauscht. Doch da ihre Hautfarbe immer noch „durchscheint“, gehört sie keiner Seite wirklich an.

Ist man selbst nicht unmittelbar betroffen, kann man es sich wohl kaum vorstellen, wie es sein muss, auf Grund der Hautfarbe allein einer größeren Gefahr ausgesetzt zu sein, bei Routinekontrollen verletzt oder gar getötet zu werden. Oder auf Grund ihr abfällig behandelt zu werden. Es ist eine bedrohliche Stimmung, die Black and Blue von Beginn an erzeugt und die bis zur Hälfte an Intensität nur zunimmt. Alicia springt für ihren Partner Jennings ein und begibt sich auf eine Doppelschicht mit dem Kollegen Deacon Brown in der Nachtschicht. Ausgestattet mit Bodycam und Kameras in den Polizeiwagen, weiß man nicht, ob diese Maßnahmen die Polizei schützen sollen, oder die der Polizei misstrauenden Bürger. In jedem Fall unterschätzt Alicia die Bedrohung, der sie sich auf Grund der Uniform gegenübersieht und beobachtet wenig später, wie Polizisten kaltblütig drei Männer ermorden. Nicht nur das: Der letzte Mord wird von ihrer Bodycam aufgezeichnet. Nur Sekunden später ist sie verletzt und selbst auf der Flucht vor ihren Kollegen, die mit dem einflussreichen Gangster Darius so weit vernetzt sind, dass Alicia von beiden Seiten gejagt wird.

Die Geschichte selbst klingt nicht allzu überraschend und glücklicherweise versucht Regisseur Taylor gar nicht erst, so etwas wie einen Krimi darum zu konstruieren, wer noch auf Alicias Seite ist, und wer nicht. In den Polizisten und ihrer Motivation verstecken sich auch die größten Klischees des Films. Eine wirkliche Überraschung ist die Person, an die sich Alicia auf ihrer Flucht wendet: Ihren Bekannten aus Kindertagen, Milo Jackson. Überraschend ist dabei, dass Tyrese Gibson den Verkäufer nicht als draufgängerischen Helden verkörpert, sondern zurückhaltend und mit mehr Nuancen, als man vermuten würde. Seine Darbietung ist überaus sehenswert. Abgesehen von Frank Grillo enttäuschen die übrigen Schurken hauptsächlich dadurch, dass sie keine Tiefe verliehen bekommen. Grillo hingegen überzeugt dank der kompromisslosen Skrupellosigkeit seiner Figur.
Dass die Geschichte gelingt, verdankt Black and Blue jedoch merklich Naomie Harris, die sich sichtbar in ihrer Rolle engagiert. Kämpft sie sich verletzt durch die Gassen oder wehrt sich gegen ihre Kollegen, fiebert man spürbar mit ihr mit.

Doch das tröstet nur bedingt darüber hinweg, dass der Film aus dem Tempo der ersten Hälfte am Ende nicht viel zu machen versteht. In Anbetracht der Tatsache, dass die Aufnahmen der Bodycam in der Polizeistation ausgelesen werden müssen, könnte man vermuten, dass Alicia dort verdeckt eindringen muss, oder es auf einen Sturm der Station durch die Gangster hinausläuft. Beides hätte Potential – doch stattdessen entscheiden sich die Macher für eine Belagerung einer Wohngegend und einen wenig inspirierten Schusswechsel. Das wirkt der Geschichte nicht angemessen. Ebenso wenig einige Kommentare der Figuren, die zu hören sind, ohne dass man die Gesichter sieht. Es ist, als wären sie nachträglich eingefügt worden, um die Handlungsweise der Charaktere begreiflich zu machen. Nur wer es ohne die Erklärung nicht versteht, wird es auch mit nicht begreifen.
Am Ende fehlt es somit an Ideen, oder den Mitteln, diese umzusetzen. Doch das heißt nicht, dass Black and Blue als Crime-Thriller eine Enttäuschung wäre. Im Gegenteil.


Fazit:
Es gibt viele Dinge, die man an Deon Taylors Film kritisieren kann. Angefangen von den wenig ausgearbeiteten Figuren, bis hin zu der allzu absehbar verlaufenden Story. Die Songauswahl scheint ebenfalls nicht immer optimal und so viel Zeit, wie insbesondere in der zweiten Filmhälfte darauf verwendet wird, dass die Schurken finster in die Kamera starren, wäre auch nicht nötig gewesen. Der zweifellos größte Kritikpunkt ist jedoch, dass das etwas langgezogene letzte Drittel den Erwartungen der ersten beiden nicht gerecht wird – und das beinhaltet gleichzeitig ein Lob. Denn bis dahin überzeugt nicht nur die Stimmung einer Stadt, in der die Menschen der Polizei nicht vertrauen, auch der gezeigte Alltagsrassismus ist glaubhaft, ebenso wie die Darstellung der sozialen Hoffnungslosigkeit. Vor allen Dingen ist Black and Blue von Naomie Harris sehenswert und stark gespielt. Handwerklich solide und kompetent umgesetzt, mag es dem Crime-Thriller am Ende an neuen Einfällen und vermutlich auch dem Budget mangeln, doch von dem, was er zeigt, ist mehr gelungen, als nicht. Dadurch enttäuscht er zumindest schon einmal nicht und ist für Genrefans durchaus eine Empfehlung.
 


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