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The Cabin in the Woods [2011]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 04. März 2013
Genre: Horror / Fantasy

Originaltitel: The Cabin in the Woods
Laufzeit: 95 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2009
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Drew Goddard
Musik: David Julyan
Darsteller: Kristen Connolly, Chris Hemsworth, Anna Hutchison, Fran Kranz, Jesse Williams, Richard Jenkins, Bradley Whitford, Brian White, Amy Acker, Tim De Zarn, Tom Lenk


Kurzinhalt:
Zusammen mit seiner Freundin Jules (Anna Hutchison), ihrer Freundin Dana (Kristen Connolly), Holden (Jesse Williams) und dem sehr relaxten Marty (Fran Kranz) macht sich Curt (Chris Hemsworth) zu einem Wochenende in einer Berghütte auf. Dort angekommen bietet die Unterkunft all das, was man sich unter einer Behausung im Wald vorstellt, den See in unmittelbarer Nähe inklusive. Dass man keine Geräusche der Waldbewohner hört, fällt ihnen bei der Ankunft nicht auf, nur Marty bemerkt wenig später, dass man auch keine Sterne sieht, obwohl sie so weit von der Stadt weg sind und keine Wolke am Himmel. Wenig später springt vor ihren Augen die Luke zum Keller auf; dort unten entdecken sie allerlei seltsame Gegenstände, wobei jeder von den fünf von einem besonders fasziniert ist.
Dana spürt ein über hundert Jahre altes Tagebuch auf, aus dem sie die letzten Einträge vorliest. Was dort geschrieben steht, jagt ihnen allen einen Schauer über den Rücken. Später in der Nacht müssen sie feststellen, dass sie nicht allein im Wald sind. Und mehr noch, dass ihnen jede Möglichkeit genommen wird, sich gegen die Angreifer zur Wehr zu setzen. Beinahe, als sollten sie sich nicht wehren können. Dass sie dabei auf Schritt und Tritt von Sitterson (Richard Jenkins), Hadley (Bradley Whitford) und einem ganzen Kontrollraum voller Menschen beobachtet werden, ist ihnen noch gar nicht aufgefallen ...


Kritik:
Ob einen als Zuschauer The Cabin in the Woods überzeugt oder nicht, entscheidet sich erst in den letzten 15 Minuten des knapp eineinhalb Stunden dauernden Fantasy-Horror-Films. Regisseur und Ko-Autor Drew Goddard nimmt darin viele Klischees und Eigenheiten des Genres aufs Korn und entfesselt ein Finale, bei dem Fans aus dem Wiedererkennen von bestimmten Ikonen kaum mehr herauskommen. Ob man selbst allerdings die Auflösung der Geschichte akzeptiert oder nicht, hängt individuell vom Zuschauer ab. Tut man es, verbirgt sich dahinter ein clever erdachter und sauber umgesetzter Horrorfilm. Tut man es nicht, zerplatzt der Film kurz vor Schluss und reißt alles was gut war mit in den Abgrund.

Hört man die eine Seite der Geschichte, klingt sie sehr vertraut: Fünf Freunde fahren für ein Wochenende zum Ausspannen in eine einsame Hütte in den Bergen. Nachdem sie dort aus einem alten Tagebuch eine lateinische Formulierung vorgelesen haben, werden sie von einer Horde Zombies überrascht, der einer nach dem anderen zum Opfer fällt. So weit, so bekannt und wenig originell. Doch schon als Dana, Curt und die anderen drei zu ihrem Ausflug aufbrechen, sehen wir einen Mann auf dem Dach sitzen, der in ein Mikrofon bekannt gibt, dass alles nach Plan verlaufe. Und immer wieder sieht man an der Seite von Sitterson und Hadley einen Kontrollraum, von dem aus die Ereignisse in jener Hütte im Wald gesteuert werden.
Schon zu Beginn fragt man sich, weswegen Regisseur Goddard diesen Aspekt überhaupt verrät, wäre es doch interessanter, man würde die Geschichte aus Sicht der Protagonisten erleben und sich wundern, was es mit der Hütte auf sich hat. Doch auch wenn man um den anderen Blickwinkel auf die Dinge Bescheid weiß, die Frage bleibt, welchem Zweck das ganze dienen soll. Und hier hält sich das Drehbuch lange Zeit erstaunlich bedeckt.

Nach der langen aber nicht weniger interessanten Einleitung, geht es schließlich relativ zügig zur Sache und nachdem die erste Person den Zombies zum Opfer gefallen ist, lässt der zweite Tote nicht lange auf sich warten. Erstaunlich ist hierbei – und Interviews mit Ko-Autor Joss Whedon bestätigen den Eindruck –, dass The Cabin in the Woods nicht in dieselbe Kerbe wie viele andere Horror-Filme der letzten Zeit schlägt und das Leid der Beteiligten auswalzt. Von solchen so genannten "Folter-Pornos" wollten sie sich merklich distanzieren. Trotz der teils sehr grafischen Momente verweilt die Kamera nicht sehr lange auf den jeweiligen Beteiligten, auch wenn die Freigabe ab 16 Jahren angesichts des Finales dennoch kaum zu rechtfertigen ist.
Hier liefern die Macher schließlich auch eine Erklärung für die Geschehnisse in der Hütte und im Kontrollraum und führen damit gleichzeitig das Genre mit seinen unzähligen Ikonen vor. Während in vielen anderen Filmen jener Art die meist jungen Figuren durch wenig überlegte Entscheidungen auffallen und immer dann durch die Vordertür flüchten wollen, wenn ihnen bewusst ist, dass dort der sichere Tod lauert, werden die Protagonisten hier so weit in ihren Entscheidungen manipuliert, dass man beinahe übersehen könnte, dass sie sich eigentlich vernünftig verhalten wollten. Mit den Konventionen des Genres zu spielen gelingt der Drehbuchvorlage sehr gut, weswegen es umso erstaunlicher ist, dass der Film über zwei Jahre in der Schublade des Studios schlummerte, ehe er doch noch für das Kino veröffentlicht wurde.

Von einem atmosphärischen Meisterwerk ist The Cabin in the Woods zweifellos weit entfernt, dafür wird die Stimmung schon durch die unterschiedlichen Schauplätze gänzlich anders gewichtet. Doch unabhängig, ob man sich mit der Auflösung inhaltlich anfreunden kann oder nicht, der Einfallsreichtum der Autoren ist anerkennenswert.
Vielen Genrefans wird das Ende zu aufgesetzt wirken, für andere wird der inhaltliche Sprung zu groß sein. Doch wer es schlicht akzeptiert, der wird nicht nur zahlreiche bekannte Figuren aus unterschiedlichen Horrorszenarien wiedererkennen, sondern auch sehen, dass die Filmemacher das Ende absichtlich mit einem Augenzwinkern erzählen, um jenem Klischee aus dem Weg zu gehen, das so viele andere Filme jener Art so vorhersehbar macht.


Fazit:
Das grausamste an vielen Horrorfilmen ist heutzutage, dass die Protagonisten nicht nur keine Chance gegen den sicheren Tod haben, sondern dass (um eine fest eingeplante Fortsetzung zu garantieren) die Bösen auch noch ungeschoren davonkommen. So etwas wie Genugtuung oder einen Abschluss für diejenigen, die dem Leid entronnen sind, gibt es dabei nicht.
Diesem Umstand sind sich die Filmemacher von The Cabin in the Woods durchaus bewusst und rücken ihn ebenso wie viele andere Klischees ins Rampenlicht ihres Fantasy-Horror-Films, um ihn wissentlich zu persiflieren. Für Vieles liefern sie keine Erklärung und sie ist auch gar nicht notwendig. Während die erste Hälfte des Films durch eine tadellose Umsetzung und eine unheimliche Atmosphäre glänzt, wird das Finale bei vielen Zuschauern für Stirnrunzeln sorgen. Die Frage, ob die Macher das ernst meinen, ist nicht unbegründet. Und doch setzt es den Film bewusst vom Genreeinheitsbrei ab. Das ist nicht einfach, aber ungewöhnlich und für Fans auf Grund des Wiedererkennungsfaktors zahlloser Figuren in den letzten 15 Minuten zweifelsfrei sehenswert.


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