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Oben ist weiter weg von unten
Treffpunkt: Kritik Es gibt Gesetzmäßigkeiten, die sich auch nach Jahrhunderten immer noch bewahrheiten; wie beispielsweise, wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte. So geschehen jüngst in den USA, als sich die demokratischen Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Barack Obama eines ihrer Rededuelle lieferten kurz vor den nächsten Vorwahl. Nach sämtlichen Nörgeleien, Schuldeingeständnissen und neuen Verurteilungen des Gegenüberstand eines definitiv fest: gewonnen hat niemand. Allenfalls der republikanische Präsidentenanwärter John McCain, der aber gar nicht am Duell teilnahm.
Es ist weiterhin eine alte Weisheit, dass alles, was einmal nach oben geht auch wieder einmal herunterkommen muss. Dies ist insbesondere für all diejenigen Menschen bitter, die sich gerade auf dem Höhepunkt ihres Schaffens wählen und doch wissen, dass es von nun an nur wieder schlechter werden kann. Im Buddhismus gibt es indes eine andere Lehre, die da besagt, dass sich sowieso alles wieder ändern wird. Wer also jetzt oben ist, wird wieder ganz unten sein, und wer unten ist, wird wieder ganz oben sein.
Wie schnell das gehen kann, vermag man sich allerdings kaum vorzustellen.
So dachte man beim Discount-Riesen Aldi Nord auch nicht, dass es ein so kurzer Weg sein würde von der Spitze bis hin zum Boden der nackten Tatsachen, als bekannt wurde, dass die Konzernspitze eine Gewerkschaft finanziell "unterstützte", und ihre Mitarbeiter ermunterte, doch lieber der gewünschten Gewerkschaft statt der Ver.di beizutreten. Dieses Vorgehen ist dabei aber nicht wirklich neu, immerhin befindet sich Aldi Nord zusammen mit Siemens oder PIN in guter, wenn auch trauriger Gesellschaft.
Dass man sich von einem solchem Imageverlust nur schwer erholen kann, beweist die Kette Lidl, bei der es anfangs noch darum ging, dass Mitarbeiter gegängelt, ausspioniert und grundsätzlich verdächtigt wurden (bald auch als "Schäubliismus" bekannt), sondern inzwischen wird auch davon ausgegangen, dass die Kette die Geheimnummern der EC-Kartenzahler gesammelt hat. Ein solcher Vertrauensbruch ist auch mit einer Beilage des nächsten Wochenprospekts nicht wieder behoben – hoffentlich zumindest nicht.
Wer aber ernsthaft davon ausgeht, dass in anderen Discountern andere Praktiken herrschen, beziehungsweise die Mitarbeiter im Einzelhandel nicht immer von irgendeiner Seite unter Druck gesetzt werden, der hat die Entwicklung der letzten 25 Jahre schlichtweg verschlafen.

Dass es auch ohne Image geht zeigt die bis durch die Hirnrinde blondierte Paris Hilton, die sich in der Tat an gar allem versucht, doch deren eindrucksvollste Auszeichnung im Guinness-Buch der Rekorde 2006 festgehalten wurde. Dort ist sie verewigt als die "am meisten überbewertete Persönlichkeit". Und doch scheint es bei der Milliardärserbin insofern zu funktionieren, dass sie auch in regelmäßigen Abständen auf den deutschen Fernsehshowcouches Platz nehmen darf und dabei immer noch mehr Menschen vor die Fernseher lockt, als wenn Thomas Gottschalk den Dalai Lama interviewen würde.

Auf keiner Couch mehr vertreten sein darf dahingegen der bekannte Physiker und TV-Moderator Joachim Bublath, der seit mehr als 20 Jahren beim ZDF vertreten war. Mit Sendungen wie Die Knoff-Hoff-Show [1986-1999] oder den Wissenschaftsmagazinen Abenteuer Forschung, beziehungsweise der nach ihm benannten Joachim Bublath prägte und formte er das Fernsehbild zu einem gewissen Sinne und musste nun überraschend und unrühmlich seinen Ruhestand antreten.
Grund hierfür mag einerseits ein Auftritt in einer ZDF-Talkrunde gewesen sein, in der Nina Hagen Bublath als "Aliengeschöpf" bezeichnete.
Bei der ZDF-Führung war man sich inzwischen aber einig, dass der inzwischen 65jährige schlichtweg zu alt für das Zielpublikum des ZDF sei. Dass er damit immer noch weit unter dem durchschnittlichen Zuschaueralter, geschweige denn des Vorstandsalters liegt, scheint den Verantwortlichen allerdings entgangen zu sein.

Auch hier hatte niemand damit gerechnet, wie schnell es denn gehen würde, bis er gehen müsste – umso erschreckender, wie kurz der Weg von oben nach unten tatsächlich war.
Insofern mag es für all diejenigen ein Hoffnungsschimmer sein, sich derzeit am falschen Ende der Nahrungskette fühlen, dass sie früher oder später sich an der anderen Position wieder finden werden, doch welch einen Trost bringt es zu wissen, dass wenn man einmal oben ist, es ohnehin nur irgendwann wieder bergab gehen wird?
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