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Des Propheten Schicksal
Treffpunkt: Kritik Dass Propheten im eigenen Land am wenigsten Achtung finden, ist ein altbekanntes Sprichwort. Meist ist es so – das kennen wir spätestens aus dem Buch der Bücher –, dass Propheten nach ihrem Zeitlichen mehr "Erfolg" haben. Oder aber durch ihre Prophezeiungen erst das Zeitliche segnen.
Heute ist man mit Prophezeiungen eher vorsichtig geworden; so hat man vor 20 Jahren noch öfter gehört, dass wir in "zehn bis fünfzig Jahren kein Erdöl mehr auf der Erde finden werden". Angesichts der horrend gestiegenen Benzinpreise könnte man das zwar beinahe meinen, momentan sieht es aber eher so aus, als könnten sich diejenigen, die sich schon ewig am Öl bereichern, sich auch noch ewig daran bereichern. Auch die übrigen Bodenschätze scheinen uns nicht auszugehen; trotz rapiden Klimawandels haben wir immer noch Kontinente über Wasser, und auch die Polkappen sind noch nicht völlig weggeschmolzen.
Das muss jedoch nicht heißen, dass es nicht soweit kommen kann – nur, dass es im Zweifel den heutigen Propheten zu verdanken ist, dass es noch nicht soweit gekommen ist.
Doch auch Propheten haben keine 100%ige Trefferquote. So hatte Jerry Yang vorhergesagt, dass es ein kluger Schachzug sei, das Übernahmeangebot Microsofts gegenüber dem von ihm gegründeten Konzern Yahoo! abzulehnen. Das tat er solange, bis die das Pokerspiel nicht weiter mitmachten und sich zurückzogen. Fortan sackten die Aktien der Internet-Suchmaschine in den Keller, Yang sitzt auf einem immer wackeliger werdenden Vorstandsposten und durch die geschwächten Aktienkurse wissen auch die Anleger, dass eine feindliche Übernahme immer wahrscheinlicher wird. Und in wessen Hände man dann gerät, bleibt abzuwarten.
Das alte Prinzip, abwarten und Teetrinken, funktioniert eben nicht immer. Was Yang da vielleicht trösten mag ist, dass er bis hin 100 Jahren womöglich als Visionär gesehen werden wird. Ob er aber auch tatsächlich sieht, was auf ihn zukommt, ist damit nicht gesagt.

Nach dem seit Jahrzehnten überfälligen Aus für den Transrapid-Bau in München, der in nur "10 Minuten ... vom Hauptbahnhof" zum Flughafen fahren sollte, kommt auf die dahinter stehende Firma übrigens vorerst auch nichts mehr zu. "Transrapid International" ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Siemens und ThyssenKrupp AGs, das 1969 mit staatlicher Finanzierung einen solch besonderen Zug zu entwickeln begann.
10 Jahre später, 1979 wurde ein erster Prototyp vorgestellt, 1991 dann die Markreife anerkannt. Seit 2004 ist in Shanghai der erste Transrapid im Einsatz ... also gerade einmal 35 Jahre nach der eigentlichen Entwicklung. Wie viel Geld in den letzten 40 Jahren in das Unternehmen gepumpt wurde, ohne dass daraus tatsächlich etwas hervor gehen wird, ist kaum vorzustellen. Aber auch die damalige Regierung hätte sich wohl kaum träumen lassen, dass nachdem bewiesen wurde, dass ein Transrapid wirklich bei einem Flughafen ankommen kann (und sei es nur in Shanghai), selbiges in Deutschland gar nicht mehr zustande kommen wird.

Dabei steht es ja innerhalb unserer eigenen Grenzen ohnehin sehr schlimm – noch viel schlimmer, als wir alle dachten. Und das nicht nur, weil erneut ein Superstar mit sechsmonatigem Verfallsdatum ernannt wurde, sondern weil auch all diejenigen bei uns ein Mikrofon unter die Nase gehalten bekommen, die früher einmal etwas zu sagen hatten.
So auch Eva Herman (die an sich einmal Eva Herrmann hieß, aber nach ihrer Scheidung auch gleich zwei Buchstaben strich), die erneut ein Buch verfasste, das niemand haben wollte und darin erneut propagiert, was von im letzten Herbst unnötiger Schlunz war.
So tritt sie in ihrem Buch "Das Überlebensprinzip" erneut für eine klare Geschlechtertrennung ein, verdammt eine 'Entnaturalisierung' der von Gott gegebenen Geschlechter und erklärt abermals nicht, wieso sie als vermeintliches Heimchen am Herd immerhin schon vier Mal verheiratet war, wo es doch so etwas wie Scheidung vor den Augen Gottes gar nicht gibt.
Auch hat sie es nur auf ein Kind gebracht und ist damit merklich gebärfauler als sie von ihren Leserinnen erwartet. Wie ihre wechselnden Lebenspartner – ihre jüngste Ehe ist bisher auch ihre zweitlängste mit knapp drei Jahren – in das Gesamtbild ihres (katholischen) Glaubens passen, der sie dazu inspiriert, ihre Bücher zu schreiben, erklärt sie leider auch nicht.
Gut aber, dass sie den Splitter im Auge ihrer Feinde sieht ...

Aber vielleicht haben wir ja das Problem mit dem fehlenden Nachwuchs bald gelöst. Denn nicht nur, dass bei Hunden bereits funktioniert hat, das Pferd Promethea, seines Zeichens ein Klonpferd, hat ein gesundes Fohlen zur Welt gebracht. Damit ist ein erneuter Beweis dafür eingetreten, dass auch geklonte Wesen augenscheinlich gesunde Nachkommen zeugen können.
Interessant ist dies an sich für den Reitsport, da hier Pferde sehr jung kastriert werden – wenn sie sich später als Rennpferd entpuppen, ist es für die Fortpflanzung selbstverständlich zu spät. Dem kann man jetzt so entgegen wirken. Was das allerdings mit Sport zu tun haben soll, sei dahingestellt ... solange nicht auch Rennradfahrer geklont werden.

Doch könnte man auch durchsetzen, dass jeder Familie eine geklonte junge Eva zur Verfügung gestellt wird. Man könnte sich national einen Vorrat an Prophetinnen anlegen, die allesamt beschwören, dass die Spezies Mensch, wie sie heute ist, gegen das Wollen einer allmächtigen Wesens agiert, das zwar vor 2.000 Jahren so viele Propheten beflügelte, heutzutage aber eigenartigerweise nur durch diejenigen spricht, die in weißen Gummizellen hausen (oder dorthin gehören).
Dass die Werte unserer Gesellschaft immer weiter zerfallen, ist in dem Zusammenhang unbestritten. Doch liegt dies meist weniger an den Gründen, die unsere Propheten anbringen, als an der Tatsache, dass sich unsere Propheten an der Zukunftsangst und Unsicherheit der Menschen bereichern wollen.
Gut nur, dass auch diejenigen nichts werden mitnehmen können – und am Erfolg, der statistisch gesehen bei Wahrsagern, Sehern und Visionären nach ihrem Abtritt weit größer ist als zuvor, nicht werden weiden können.
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