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Underworld – Extended Cut [2003]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 14. November 2005
Genre: Action / Fantasy / Horror

Originaltitel: Underworld – Extended Cut
Laufzeit: 128 min.
Produktionsland: Großbritannien / Deutschland / USA / Ungarn
Produktionsjahr: 2003
FSK-Freigabe: keine Jugendfreigabe

Regie: Len Wiseman
Musik: Paul Haslinger
Darsteller: Kate Beckinsale, Scott Speedman, Michael Sheen, Shane Brolly, Bill Nighy, Erwin Leder, Sophia Myles, Robbie Gee, Wentworth Miller, Kevin Grevioux, Zita Görög


Kurzinhalt:
Seit Jahrhunderten herrscht Krieg zwischen zwei Spezies, die ungeachtet der Menschen die Erde bevölkern. Die Vampire und die Lycan – Werwölfe – bekriegen sich mit allen Mitteln und suchen die endgültige Auslöschung der anderen. Selene (Kate Beckinsale) ist eine Kämpferin in diesem Krieg und macht des Nachts Jagd auf die Lycan.
Als sie jedoch entdeckt, dass die Werwölfe ein Interesse an dem Menschen Michael (Scott Speedman) zu haben scheinen, vermutet sie dahinter einen größeren Plan – in der Tat ist Lucian (Michael Sheen), Anführer der übrig gebliebenen Lycan, auf der Suche nach Michael, um seine Vision in die Tat umzusetzen.
Als es Selene nicht gelingt, Kraven (Shane Brolly), den Anführer der Vampire, davon zu überzeugen, dass der totgeglaubte Lucian noch lebt und er einen Plan verfolgt, der ihrer aller Ende bedeuten könnte, wagt sie einen Alleingang, um Viktor (Bill Nighy), ihren Mentor, um Rat zu fragen – doch auch Kraven verfolgt seine eigenen Pläne, und hat wie Lucian und Viktor ein Geheimnis, das um jeden Preis bewahrt werden muss ...


Kritik:
Denkt man in der heutigen Zeit an einen Vampirjäger, fällt bedauerlicherweise in der jüngeren Generation zuerst der Name Blade, stammend aus dem Comic und der in drei Filme exerzierten Adaption desselben. Dass Van Helsing in Bram Stokers Dracula [1897] lange zuvor die untoten Blutsauger zur Strecke brachte, wird doch übersehen. Vermutet man am Genre ansich und der exorbitant zugenommenen Anzahl der Comicverfilmungen, dass auch die Macher von Underworld ihrerzeit einen vorgefertigten Stoff in Filmform bringen wollten, irrt man allerdings: so interessant die Ausgangsidee und die zu Grunde liegende Story der Fehde zwischen Werwölfen und Vampiren auch sein mag, sie wurde vom Drehbuchautor und den Storylieferanten in Eigenarbeit verfasst, Underworld basiert entgegen weit verbreitetem Glaube nicht auf einer Comicvorlage.
Was Len Wiseman in seinem Erstlingswerk gelingt ist, allerdings schwer einzuschätzen, und das gleich in doppeltem Sinne: die Story selbst und auch einige Ideen innerhalb des Drehbuchs sind überaus gelungen, manch andere Situationen entbehren jedoch nicht einer gewissen Komik, und zumindest im "Extended Cut" erscheint der Film schlicht 20 Minuten zu lang.

Die Atmosphäre und das Universum ansich, das der frühere Stuntman (Auf der Jagd [1998]) und hier Drehbuchautor und Produzent Danny McBride, erscheint von Beginn an überaus stimmig, überzeugt mit einer bedrückend düsteren Atmosphäre und einigen originellen, wenn auch stark übertriebenen Ideen. Bis die Story selbst, nach einem sehr langen Exposé, in Fahrt kommt, man die Hintergründe der Fehde zwischen den beiden Rassen erfährt, die Mythologie um die verschiedenen Ursprünge und die Absichten der einzelnen Figuren endlich aufgeklärt werden, vergeht sehr viel Zeit, in der leider auch die Figuren kaum voran getrieben werden.
Die spärlichen Dialoge pendeln dabei zwischen altertümlichen Phrasen und modernen Floskeln, was aber im Rückblick auf den gesamten Film enttäuscht sind die Charakterzeichnungen, die gerade im Bezug auf die Hauptfigur Selene viel schwächer ausfallen, als man annehmen würde. Im Vergleich zu den vermeintlichen Nebenfiguren Viktor, Kraven und Lucian bleibt Selene überaus blass, obwohl genau das sicher nicht notwendig gewesen wäre.
Wovon die Story jedoch eindeutig lebt, ist der unerwartete Wandel der Sympathien, der in der Tat mit einigen Überraschungen und mutigen Entscheidungen einhergeht. Gerade hier entfaltet Underworld sein Potential und fesselt zwischen den zu lang geratenen Actionszenen mehr, als bei den handwerklich eigentlich sauber umgesetzten Kämpfen. Dennoch hätte das Drehbuch gerade im Bezug auf die erste Hälfte des Films nicht nur bedeutend straffer erzählt, sondern auch mit einigen früheren Erklärungen ausgestattet werden müssen, so dass man bereits beim Auftakt des Films die verschiedenen Seiten einzuordnen weiß, und dem Shoot-out zu Beginn nicht unbeteiligt beiwohnen muss.

Wodurch Underworld durchweg zu überzeugen weiß, ist zum einen die handwerklich saubere Umsetzung der Story, die Len Wiseman nicht nur in gothisch angehauchte Bilder kleidet, sondern die dank des ständigen Regens, der düsteren, verblassten Farben und der stilisierten Gebäude auch sehr atmosphärisch wirkt.
Nimmt man hierzu die ansich durchweg gute Maskenarbeit und die ansehnlich umgesetzten Verwandlungen der Werwölfe, die zwar (gerade auf Grund der CGI-Unterstützung) nicht so erschreckend realistisch aussehen, wie in American Werewolf [1981], sowie die beeindruckenden Sets, die sehr stimmig arrangiert sind, wirkt Wisemans Regiedebüt nicht nur deutlich teurer, als das knapp bemessene Budget von 22 Millionen Dollar, sondern in dem Fall verblüfft das sehr gut eingesetzte Produktionsdesign in allen Belangen.
Vom Design her gibt es an Underworld nichts zu bemängeln, und auch Kamera und Schnitt sind überaus einfallsreich und durchgehend sehr routiniert eingesetzt, selbst die verschiedenen Zeitlupen überzeugen durch einfallsreiche Perspektiven, sowie eine gute Montage. Die Szenenaneinanderreihung allerdings vermag beim "Extended Cut" gerade in der ersten Hälfte nicht so recht zu überzeugen, vielmehr hat man das Gefühl, die Szenen würden entweder unnötig verlängert, oder aber abgebrochen, bevor die Essenz des Moments überhaupt herausgestellt wurde. Auch die Actionszenen, worunter das Finale leider ebenfalls fällt, scheinen schlicht zu lang und wiederholen sich nicht nur im Aussehen.
Unter diesem unausgeglichenen Tempo leidet auch die Dramaturgie, so wird die Fehde zwischen Vampiren und Werwölfen leider nie über den Durchschnitt hinaus spannend.

Ansich schon seit Jahren in ihrer Heimat Großbritannien bekannt, machte sich Kate Beckinsale in Hollywood zuerst mit The Last Days of Disco [1998] einen Namen, ehe sie wenig später sowohl in Pearl Harbor [2001], als auch in Weil es Dich gibt [2001] im Kino zu sehen war. Vom Erfolg der beiden Filme gepusht war sie der Star in Underworld, wechselte in Van Helsing [2004] die Seiten und machte Jagd auf Vampire. Dass sie von McBrides Skript nicht wirklich gefordert wird, ist ihr anzusehen, auch wenn ihre karge Mimik zur Rolle passt, dafür ist sie körperlich umso mehr gefordert und macht dahingehend ihre Sache auch sehr gut. Ihre Darbietung ist stimmig, bleibt aber im Endeffekt nicht im Gedächtnis.
Scott Speedman, bekannt aus dem düsteren Polizisten-Thriller Dark Blue [2002] und der TV-Serie Felicity [1998-2002], wirkt dabei umso natürlicher, wenn er das neuartige Universum, in dem er sich wiederfindet ein wenig schnell akzeptiert. Er überzeugt und trägt sichtlich zur Stimmung des Films bei. Ebenso Michael Sheen, der eine der tragischsten Rollen im Film besitzt.
Ein wenig angestrengt wirkt hingegen Shane Brolly in seiner undurchschaubaren Rolle, wohingegen Bill Nighy eine durchweg gute Darbietung gelingt.
Sophia Myles und Robbie Gee sind hingegen kaum zu sehen, lassen aber auch keine Wünsche offen.
Der Cast wirkt stimmig zusammen gestellt, muss jedoch nicht über sich hinauswachsen und liefert deswegen eine zwar routinierte, aber nicht preisverdächtige Arbeit ab.

Selbiges gilt auch für den österreichischen Komponisten und Tangerine Dream-Musiker Paul Haslinger, der Underworld durchweg in sehr atmosphärische, bisweilen angenehm rhythmische Klänge kleidet.
Gerade durch die elektronische Natur des Scores, der harten Bässe und der Vermischung verschiedener Stilrichtungen, erinnert die Musik bisweilen ein wenig an Don Davis oder Graeme Revell, dann wieder an den erstklassig-stimmungsvollen Soundtrack zu Event Horizon - Am Rande des Universums [1997] von Michael Kamen und Orbital. Am Score überrascht außerdem, dass bei weitem nicht so viel Musik während der Szenen zu hören ist, wie einem das Album zum Film suggeriert, so dass die Atmosphäre des Films gekonnt von einem weit weniger aufdringlichen Score eingefangen wird.
Die Diversität der untergebrachten Themen, gekoppelt mit der teils ruhigen Einspielweise und einer anderenorts sehr kraftvollen Intonation, macht den Score auch für Fans von elektronischen Soundtracks interessant, die hier und da ein paar bekannte Einflüsse heraushören werden.

Vollständig in Budapest, Ungarn gedreht, vermeiden es die Macher ansich bewusst, anzudeutend, um welche Stadt es sich in Underworld handelt, auch wenn findige Zuschauer die Nummernschilder und einige Hinweise deuteten, und der Film dort wohl auch angesiedelt ist. Um zusätzlich Kosten zu sparen verzichtete Len Wiseman wo nur möglich auf digitale Effekte, nutzte stattdessen technisch machbare Kameratricks und drehte auch den Schlusskampf in ansich nur einem Studio, das immer wieder neu ausgeleuchtet wurde und in dem andere Szenen dann unter anderen Perspektiven aufgenommen wurden.
Interessanterweise sieht man der Produktion diese Beschränkung nicht an, allerdings macht der "Extended Cut" (der an den wenigen Stellen auch unnötig brutal erscheint) in anderen Belangen einen etwas unausgegorenen Ausdruck; verwendet wurden nicht nur neue Szenen, auch alternative Einstellungen fanden den Weg in diese Form des Films – vielleicht erscheint das Erzähltempo deswegen unausgeglichen und die Kampfszenen durchweg zu lang. Auch die Story benötigt viel zu viel Zeit, in Fahrt zu kommen, auch wenn die Geschichte selbst mit einigen interessanten und auch lobenswerten Ideen aufwarten kann. Dass Underworld selbst, wie es am Ende den Anschein hat, nur der Auftakt für eine weitere Geschichte ist, verstärkt diesen Eindruck nur noch, und man kann nur hoffen, dass die Macher im angekündigten Underworld: Evolution [2006] die Chance nutzten, früher zum Kern der Story vorzudringen und die Figuren dabei weiter auszubauen, denn gerade Heroin (der Name "Selene" steht in der griechischen Mythologie übrigens für "Mond") bleibt hier nicht nur bedingt durch ihre Natur überaus blass.


Fazit:
Dass in Europa sichtlich günstiger gedreht werden kann, als in den USA, ist nicht neu; dass man dies den hier gedrehten Filmen nicht ansehen muss, ebenfalls nicht. Dass es auch mit einem geringen Budget möglich ist, einen erfreulich hohen Produktionsstandard zu wahren, erfreut aber umso mehr – sicherlich vermag das Design des Hybriden beim Finale von Len Wisemans Regieerstling nicht wirklich zu überzeugen, die Maskenarbeit selbst ist hier jedoch, wie im Rest des Films wirklich beeindruckend, ebenso die gesamte Ausstattung. Auch die handwerkliche Umsetzung vermag zu gefallen, und die Story selbst verwundert mit einigen sehr guten Ideen und ein paar gut eingebrachten Überraschungen. Doch benötigt das Drehbuch sehr lange, um voran zu kommen, und dabei bleiben die beiden Hauptfiguren nichtsdestoweniger überaus eindimensional.
Sieht man jedoch von der nur durchschnittlichen Dramaturgie und einiger Kritikpunkte am Skript ab, versteckt sich hinter Underworld ein einfallsreicher, atmosphärisch stimmiger und routiniert gemachter Fantasy-Horror, der gerade in Hinblick auf viele andere, thematisch ähnlich gelagerte Filme, mit einer innovativen Interpretation des Themas aufwarten kann. Dies und das gelungene Design machen ihn gerade für Fans der beiden Monster-Arten zweifelsohne empfehlenswert.


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