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The Game [1997]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. Januar 2015
Genre: Thriller / Drama

Originaltitel: The Game
Laufzeit: 128 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1997
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: David Fincher
Musik: Howard Shore
Darsteller: Michael Douglas, Sean Penn, Deborah Kara Unger, James Rebhorn, Peter Donat, Carroll Baker, Anna Katarina, Armin Mueller-Stahl, Charles Martinet, Scott Hunter McGuire, Florentine Mocanu, Elizabeth Dennehy, Caroline Barclay


Kurzinhalt:

Zu seinem 48. Geburtstag erhält der Investmentbanker Nicholas Van Orton (Michael Douglas) von seinem Bruder Conrad (Sean Penn) ein besonderes Geschenk. Es ist ein Spiel, das von einer Agentur angeboten und auf jeden Teilnehmer speziell zugeschnitten wird. Nachdem er bei dem Angestellten der Agentur, Jim Feingold (James Rebhorn), vorstellig geworden ist und allerlei Tests hat über sich ergehen lassen, wird Nicholas mitgeteilt, dass er als Teilnehmer nicht in Frage kommt. Wenig später begegnet er der Kellnerin Christine (Deborah Kara Unger), die seinetwegen ihren Job verliert. Kurz darauf häufen sich seltsame Vorfälle, die das Ziel zu haben scheinen, Van Ortons Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen ...


Kritik:
"Was schenkt man einem Mann, der schon alles hat?" Dieser Frage geht Regisseur David Fincher in seinem Nachfolger zum Genre prägenden Sieben [1995] nach. The Game ist dabei mehr Drama als Thriller und langsamer erzählt, als es der Story dient. Dafür besteht der Film den Zahn der Zeit erstaunlich gut und ist wie alle Werke des Filmemachers außergewöhnlich gut inszeniert. Dazu zählt auch, dass er seine volle Wirkung und seine Aussagen erst beim wiederholten Ansehen entfaltet.

Im Zentrum der Erzählung steht Nicholas Van Orton, ein reicher Geschäftsmann aus San Francisco, dessen Büro mehr Quadratmeter umfasst als die meisten Wohnungen. Er ist ein Mann, dem es an nichts mangelt und der doch die meiste Zeit allein verbringt. Die Rückblenden zu Beginn verraten uns, dass sein Vater, zu dem er eine große Ähnlichkeit aufweist, ebenso erfolgreich war. Das riesige Anwesen mit dem edel eingerichteten Haus ist in seinen Kindheitserinnerungen schon präsent.
An seinem Geburtstag erhält er Besuch von seinem Bruder Conrad, der kaum einen größeren Gegensatz zu seinem Bruder bilden könnte. Das Jackett, das er in dem vornehmen Lokal trägt, wurde ihm am Eingang geliehen und 16 Jahre jünger als Nicholas, könnte er vom Auftreten her sein Sohn sein. Als Conrad ihm sein Geburtstagsgeschenk mit der eingangs gestellten Frage überreicht, verspricht er Nicholas ein Spiel, das von der Firma "Consumer Recreation Services" organisiert wird.

Mehr darüber zu verraten, was in The Game geschieht, würde zum einen keinen großen Sinn ergeben und auch die Überraschungen verderben. Die Situationen, in die Nicholas gerät, ergeben zunächst keinen Sinn und was damit bezweckt wird, ist nicht deutlich. Nach einem langen Eignungstest für das Spiel wird Nicholas von CRS informiert, dass er bedauerlicherweise nicht in Frage kommt. Ablehnung ist der erfolgreiche Investmentbanker dabei nicht gewöhnt, zumal ausgerechnet dieser Geburtstag eine große Bedeutung für ihn besitzt und nur noch mehr belastet.

Durch geschickte Perspektiven und eine spärliche Beleuchtung unterstreicht David Fincher das Gefühl seiner Hauptfigur, als würde sie ständig im Dunkeln tappen. Er zeigt auf, wie das geordnete Leben des geschiedenen Mannes immer mehr aus den Fugen gerät und er, der sonst immer die Kontrolle behält, zum Spielball wird. Abzusehen, worauf all das hinausläuft ist kaum möglich und je mehr sich das Netz um Nicholas verdichtet, umso abstruser werden die Vermutungen.
Leider gibt The Game den Zuschauern etwas zu viel Zeit, über die Hintergründe und Zusammenhänge nachzudenken. Insbesondere im Mittelteil zieht sich der Film um mindestens 15 Minuten unnötig in die Länge und hätte David Fincher Von Ortons Spiel schneller erzählt, wäre es nicht nur packender, man wäre auf die Auflösung auch nicht vorbereitet gewesen. Die war bereits als der Film in den Kinos zu sehen war der Punkt, der am meisten polarisierte.

Michael Douglas ist als vereinsamter Karrierist, dem immer mehr die Kontrolle über sein Leben entzogen wird, so grandios wie in den meisten seiner Rollen. Selbst wenn er zu Beginn nicht sympathisch ist, er weckt Interesse an einer Figur, die durch ihre Vorbilder in der Kindheit viel mehr geprägt wurde, als ihr vielleicht bewusst ist. Seine Furcht und seine Wut werden ebenso spürbar, wie seine Wandlung im letzten Drittel. Er trägt The Game, auch wenn der Film inhaltlich manche Zuschauer auf dem Weg zum Finale hin verlieren mag. Dank des Gespürs und des unvorhersehbaren Aufbaus von Regisseur Fincher ist das bis zum letzten Moment fesselnd. Auch nach beinahe 20 Jahren.


Fazit:
Jede Perspektive, jede Einstellung und jeder Rückblick sind wohl überlegt. Nachdem er Nicholas Van Orton vorgestellt hat, nimmt David Fincher seinen Protagonisten Stück für Stück auseinander. Zuerst seine Überzeugung und dann seinen Willen. Dass er am Ende ein Sinnbild für eine Wiedergeburt gefunden hat, rundet die Reise gelungen ab, auch wenn sie stellenweise langsamer erzählt ist, als es hätte sein müssen.
Dafür überzeugt The Game durch eine undurchschaubare Atmosphäre und eine fantastische Darbietung von Michael Douglas. Er bringt die Facetten seiner Figur zur Geltung, ohne sie dem Zuseher vorzuhalten. Ähnlich ist es beim Film selbst, der beim zweiten Mal ansehen mehr offenbart als beim ersten.    


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