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The Fast and the Furious [2001]

Wertung: 2.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 25. Mai 2004
Genre: Action

Originaltitel: The Fast and the Furious
Laufzeit: 106 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2001
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Rob Cohen
Musik: BT
Darsteller: Paul Walker, Vin Diesel, Michelle Rodriguez, Jordana Brewster, Rick Yune, Matt Schulze, Ted Levine


Kurzinhalt:
Dom (Vin Diesel) ist cool, Letty (Michelle Rodriguez) auch – Mia (Jordana Brewster) ist Doms Schwester, und irgendwie wär' sie auch gern cool, denn Dom fährt Straßenrennen und Dom gewinnt auch.
Brian (Paul Walker) ist ein Bulle, und sein Boss glaubt, dass Dom nicht nur Rennen fährt, sondern auch Lastwagen überfällt und die Ware stiehlt. Also wird Brian in Doms Clique eingeschleust – und wird dann auch cool.
Aber irgendwie glaubt Brian nicht daran, dass Dom so böse ist, zumal Brian so auf Mia steht. Und alles kommt, wies kommen muss ...


Kritik:
Böse Zungen behaupten, die Amerikaner hätten keine Kultur, sondern würden andere Kulturen kopieren und bis zum Exzess exerzieren. Bedenkt man, dass in Europa der Wahnwitz mit den getuneten und aufgebockten Autos bereits in den 80ern eingesetzt hatte, er in den 90ern in den USA übernommen, auf wirklich jedes nur erdenkliche Bauteil ausgeweitet wurde und anschließend wieder in die "alte" Welt exportiert wurde, dann kann man sich des Eindrucks tatsächlich nicht ganz erwehren.
Nicht zuletzt dank des Films Fast and the Furious kam diese Subkultur wieder nach Europa, ein Trend war geboren, dessen eigentlichen Sinn keiner so richtig verstehen kann. Denn auch wenn die aufgemotzten Autos nun schnell sein mögen, laut, tiefer gelegt und höchst unbequem (von den lächerlichen Ausstattungen einmal ganz abgesehen), im Straßenverkehr nutzen sie einem herzlich wenig. Die Höchstgeschwindigkeit kann man ebenso wie die Beschleunigung nicht ausnutzen, durch das Tieferlegen wird höchstens erreicht, dass man bei kleinsten Bodenwellen bereits mit dem Chassis aufsitzt, und die knallbunten Farben treffen zweifelsohne nicht jedermanns Geschmack. Doch zumindest bei der Geschwindigkeit kann man sich ja noch auf die illegalen Straßenrennen berufen, die sowohl in den USA, als auch hierzulande ausgetragen werden. Von der Gefährlichkeit einmal ganz zu schweigen kann jedoch niemand erklären, was an einem "Viertel-Meilen-Rennen" so interessant sein soll, bei dem es nur gerade aus geht? Es kommt letztendlich bei diesen sterbenslangweiligen Potenzvergleichen nur darauf an, wer den größten Afterburner, somit auch das größte Portemonnaie besitzt. Ein richtiges Können vom Fahrer wird nur in Puncto Schaltung verlangt, aber geradeausdonnern kann eigentlich, Pardon, jeder Idiot.
Es verwundert somit auch nicht, wieso so eine Subkultur gerade im Land der unbegrenzten Möglichkeiten einen solchen Schub erfahren hat, und wieso viele Autobegeisterte auf dieser Seite des Teichs angesichts dieser völlig überdrehten, bunten und grell leuchtenden Rennmaschinen nur unverständig den Kopf schütteln können. Wäre da nicht die Jugend, die den Führerschein kaum in den Taschen und anschließend (wohl vom richtigen Leben gelangweilt) nichts anderes im Sinn hat, als genau auf diesen Tuningwahn aufzuspringen. Das mag nun verbittert klingen, ist jedoch eher amüsiert gemeint, denn wer auf der Straße steht und einen jener tiefergelegten Autos vorbeidröhnen sieht, bei denen die Stereoanlage mehr gekostet hat, als der Wagen selbst, dann kann man als Normalsterblicher nicht umhin, amüsiert zu grinsen – ja, vielleicht sogar etwas mitleidig.

Kurzum, es gehört wohl einfach nicht jeder zur Zielgruppe des Films, die in den USA anhand der Freigabe "ab 13" sich vielleicht sowohl an junge Menschen in dem Alter, oder mit ähnlich gelagertem IQ richtet.
Wofür auch immer die drei Drehbuchautoren hier bezahlt worden sind, für ihr Geschreibsel kann es nicht gewesen sein.
Basierend auf einem Zeitungsartikel (zugegeben auf eine Serviette hätte der Inhalt wohl auch gepasst) konstruieren die Autoren eine Story um die illegalen Straßenrennen, die dabei derart frappierend an Gefährliche Brandung [1991] erinnert, dass die drei Schreiber auch besser noch die deutlich besseren Dialoge und Charakterzeichnungen des wirklich sehenswerten Surfer-/Fallschirmspringer-Thrillers hätten übernehmen sollen. Inhaltlich bewegt sich Fast and the Furious auf einem Niveau, das zu unterbieten in der 2003 gedrehten Fortsetzung 2 Fast 2 Furious wirklich schwer ist. Die Charaktere, die anscheinend nicht sonderlich interessant sein sollten, wirken bisweilen derart lächerlich, dass man aus dem unfreiwilligen Grinsen gar nicht mehr heraus kommt. Eine Entwicklung gibt es nicht, ist auch nicht wichtig. Die Lovestory zwischen Brian O'Conner und Mia Toretto endet irgendwo zwischen den immens langweiligen "Dialog"-Szenen und bekommt auch kein Ende zugeschrieben, die Motivation der jeweiligen Beteiligten wird dafür aber immerhin in Grundzügen angerissen.
Wer also auf eine interessante Krimistory hofft, die vielleicht sogar erklärt, was der Lastwagendieb mit der Ladung letztendlich anstellt, der muss auf einen anderen Film warten. Hier werden immer wieder kurze Autorennen eingeschoben, anschließend irgendwas gegessen und fünf Minuten später wiederholt sich das ganze. Doch was Fast and the Furious dabei wirklich fehlt ist mitreißende Action. Sicherlich tut die wirklich grauenhafte Musik ihr übriges, um jede Spannung niederzuschmettern, aber die Rennen selbst sind derart langatmig, dämlich und unfreiwillig komisch geraten, dass man Rob Cohens Regie auch das Prädikat "besonders einschläfernd" verleihen könnte. Die einzige wirkliche Actionsequenz folgt am Schluss – und genau die bietet viel zu wenig Stunts, um überzeugen zu können.
Diese Vorlage ein Drehbuch zu nennen wäre eine Beleidigung für alle Soap-Opera-Autoren.

Die Darsteller geben sich, dem Film entsprechend, bewusst "cool", ohne irgend eine Spur von Engagement oder Spaß an der Arbeit. Paul Walker, der zuvor in The Skulls - Alle Macht der Welt [2000] eine alles andere als unerträgliche Darbietung geliefert hat, versucht zwar sichtlich gegen Vin Diesels Charisma anzuspielen, hat dabei aber weder Erfolg, noch besonders viel Glück. Als Undercover-Cop ist er in etwa so überzeugend wie als Milchreis.
Diesel, der erst mit Pitch Black - Planet der Finsternis [2000] wirklich von sich Reden machte, kann hier weder eine solche Ausstrahlung erreichen, noch einen so einprägsamen Charakter definieren.
Ebenso ergeht es der zwar sehr zickig auftretenden, aber dabei eher unfreiwillig komisch wirkenden Michelle Rodriguez, die zwar für Girlfight - Auf eigene Faust [2000] einige Preise einheimsen konnte, hier aber wie eine Karikatur eines möchtegern-toughen Girlies wirkt. Im Gegensatz dazu steht die schüchterne Jordana Brewster, die seit ihrem Leinwanddebut in Faculty - Trau keinem Lehrer [1998] mit keiner Rolle mehr so recht überzeugen konnte. Sowohl Rodriguez, als auch Brewster besaßen übrigens vor Drehbeginn keinen Führerschein.
Vom restlichen Cast sticht einzig womöglich noch Ted Levine heraus, der zu seinem Glück nicht viel zu tun hat. Angesichts der restlichen Beteiligten hebt er das Durchschnittsalter der Darsteller zweifelsohne über die Volljährigkeitsgrenze hinaus.

Sowohl mit einem eigentlich nur imaginären Drehbuch und lustlosen, beziehungsweise völlig nichtssagenden Schauspielern könnten man allerdings leben, wenn der Film wenigstens handwerklich gut gemacht wäre. Ob dies bei der meist geschrienen Musikuntermalung der Fall ist, sei einmal außen vor gelassen. Doch können auch Kamera und Schnitt nicht überzeugen.
Ist dies in den ruhigeren Szenen kein Problem, verlieren gerade die wenigen Actionszenen dadurch enorm an Reiz. Beim ersten Straßenrennen macht sich das durch den ständigen Einsatz von Computereffekten und Blue-Screens bemerkbar, die suggerieren, dass die Fahrer mit "beinahe Lichtgeschwindigkeit" immer noch eine Minute für 400 Meter benötigen, beim Finale hingegen gelingt es Regisseur Cohen jedoch nicht, dass man als Zuschauer mit dem Geschehen mitfiebert. Interessanterweise löst sich das meiste ohnehin in Wohlgefallen auf. Und auch wer nicht angeschnallt im Auto sitzt und damit einen Überschlag erfährt, kommt mit ein paar Schürfwunden glimpflich davon.
Was aber jedem noch so uninteressierten Zuschauer ins Auge springen wird ist der völlige Hohn der Überfälle selbst: was sollte den Truckfahrer davon abhalten, sobald er von zwei Autos eingekeilt ist und eines vor ihm fährt, einfach auf die Bremse zu drücken? Es wäre doch die logischste aller Reaktionen?!
Aber mit der Logik sollte man es hier nicht so genau nehmen, weder was die Geschwindigkeiten, noch die Entfernungen, die Charaktere, die Story oder allgemein den Film angeht.
Inszenatorisch ist Vin Diesels und Rob Cohens nächste Zusammenarbeit xXx – Triple X [2002] zwar besser gelungen, mit Cohens früheren Regiearbeiten, Daylight und Dragonheart [1996], die handwerklich wirklich gut umgesetzt waren, hat Fast and the Furious nichts mehr gemein. Stattdessen wirkt der Film wie ein MTV-Clip im Partywahn, laut, grell und dumm – ein Fest für die Generation @.

Finanziell gesehen war er dennoch ein voller Erfolg, mit knapp 40 Millionen Dollar Produktionskosten, spielte Cohens Film immerhin 150 Millionen in den USA wieder ein.
Für die deutsche Free-TV-Premiere musste der Sender auf Grund der FSK 16-Freigabe allerdings die Schere ansetzen, und entfernte knapp 4 Minuten – darunter auch die Sequenz, die erst nach dem Abspann zu sehen ist. Und auch die Schlusseinstellungen, in der O'Conner Toretto seine Wagenschlüssel übergibt, wurde aus unerfindlichen Gründen entfernt. So wie es gesendet wurde wirkt das Ende noch verstümmelter und unvollständiger, als es im Film eigentlich ist. Denn auch dort wird keine Story wirklich zu Ende gebracht.

Was man von einem Actionfilm doch erwarten kann ist actionreiche Unterhaltung – oder nicht? Eben diese suchen wir bei Fast and the Furious allerdings vergebens. Langweilige Rennen, die knapp 400 Meter lang gerade aus gehen und dann schon vorbei sind, ein nicht vorhandenes Schauspiel und eine Story, die von Anfang bis Schluss auf der Suche nach sich selbst ist – eine handvoll guter Stunts und ein recht amüsanter Spruch sind das Einschalten allerdings nicht wert. Schon gar nicht, wenn alle Beteiligten schon bessere Film abgeliefert haben.


Fazit:
Gehypet, zum Kult ernannt und doch kann kein normal denkender Mensch sich erklären warum. Als Film entspricht The Fast and the Furious am ehesten einem Stück Kuchen aus einer schlechten Konditorei: Vorher ist man schon gespannt wie es schmeckt, bei der ersten Gabel hat man so das Gefühl, dass es genau so nicht schmecken sollte, und nachdem es bei jedem Bissen schlimmer geworden ist, möchte man im Nachhinein nur eines, sein Geld zurück.
Ein Regisseur, der augenscheinlich keine Lust hatte, Schauspieler, die nichts zu tun haben und Drehbuchautoren, die nichts Lesenswertes zu Papier gebracht haben – eine Mischung, bei der kein Publikum zuschauen sollte. All das ergibt einen der überbewertetsten Filme der letzten Jahre, bei dem man selbst beim Schreiben der Kritik noch mehr Zeit verloren hat.
Die Punkte gibt es für die paar interessanten Stunts und die trägen, unendlich zähen Momente zwischen den Rennen – die sind zumindest ordentlich gefilmt.


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