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Spider-Man: A New Universe [2018]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 12. August 2019
Genre: Animation / Action / Thriller

Originaltitel: Spider-Man: Into the Spider-Verse
Laufzeit: 104 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2018
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Bob Persichetti, Peter Ramsey, Rodney Rothman
Musik: Daniel Pemberton
Stimmen: Shameik Moore (Marco Eßer), Jake Johnson (Jaron Löwenberg), Hailee Steinfeld (Leonie Dubuc), Mahershala Ali (Matti Klemm), Brian Tyree Henry (Bernd Egger), Luna Lauren Velez (Carolina Vera-Squella), John Mulaney (Daniel Zillmann), Liev Schreiber (Erik Range), Nicolas Cage (Martin Keßler), Kimiko Glenn (Rubina Kuraoka), Lily Tomlin (Cornelia Meinhardt)


Kurzinhalt:

Miles Morales (Shameik Moore / Marco Eßer) ist ein ganz normaler Teenager, bis er bei einem Ausflug mit seinem Onkel Aaron (Mahershala Ali / Matti Klemm) von einer Spinne gebissen wird. Nachdem er kurz darauf mitansehen muss, wie New Yorks strahlender Held Spider-Man (Chris Pine / Roman Wolko) vom Schurken Kingpin (Liev Schreiber / Erik Range) getötet wird, gerät nicht nur seine Welt vollends aus den Fugen. Durch den Spinnenbiss mit denselben Fähigkeiten sie Spider-Man ausgestattet, dem er vor seinem Tod versprochen hat, Kingpin aufzuhalten, liegt es an Miles, der nächste große Held zu sein. Während er noch an sich zweifelt, steht Peter Parker (Jake Johnson / Jaron Löwenberg), bekannt als Spider-Man vor ihm. Der stammt jedoch nicht aus Miles’ Universum, sondern von einer alternativen Welt. Bei Kingpins Experiment wurden der alternative Peter ebenso wie vier weitere Spider-Helden aus anderen Universen in Miles’ Realität katapultiert. Und nicht nur, dass sie sterben, wenn sie nicht baldmöglichst in ihr jeweils eigenes Universums zurückkehren, Kingpins Pläne stellen eine Gefahr nicht nur für Brooklyn, sondern alle Universen dar …


Kritik:
Der Animationsfilm Spider-Man: A New Universe beginnt inhaltlich wie stilistisch so erfrischend, dass es lange so aussieht, als würde den drei Regisseuren das vielleicht beste Abenteuer um den mit Superkräften ausgestatteten Teenager gelingen, das in mehr als 15 Jahren auf der Leinwand zu sehen war. Aber während sich der Film das leichtfüßige Flair des Anfangs bis zum Schluss behält, wächst die Geschichte nie über das hinaus, was man zu Beginn gesehen hat. Das schmälert nicht den Unterhaltungswert, bleibt aber angesichts des Potentials recht enttäuschend.

In welchem Film-Universum Spider-Man: A New Universe tatsächlich spielt, ist etwas schwer zu sagen. In Anbetracht der vielfältigen Anlehnungen an die Filme mit Tobey Maguire in der Hauptrolle, könnte man beinahe vermuten, dies sollte eine indirekte Fortsetzung dazu sein. Doch am wahrscheinlichsten ist wohl, dass dies tatsächlich ein eigenständiger Film ist, der sich seiner Wurzeln in den verschiedensten Ausführungen nur wohl bewusst ist.
Was dem Publikum gleich am Anfang auffallen sollte, ist die Tatsache, dass hier nicht alles so ist, wie man es gewohnt wäre. Details dazu verraten die vielen Werbeplakate in den Straßenzügen von New York, oder auch Bezeichnungen wie diejenige für das Polizeidepartment der Stadt, was sich an den Emblemen der Uniformen erkennen lässt. Weshalb dem so ist, versteckt sich bereits im Namen des Films und ist ein wichtiger Bestandteil der Geschichte.

Was, wenn es nicht nur ein Universum gäbe, sondern unendlich viele? Wenn eine jede Entscheidung, die eine jede Person trifft, so viele Universen entstehen ließe, wie es Möglichkeiten der Entscheidung gäbe? Diese Theorie findet bei Spider-Man: A New Universe Anwendung und so kommt es, dass sich der Teenager Miles Morales, der von einer radioaktiven Spinne gebissen wird und kurz darauf mitansehen muss, wie der beliebte Held der Stadt, Spider-Man, von dem Schurken Kingpin ermordet wird, wenig später einem quicklebendigen, wenn auch äußerlich leicht verschiedenen Peter Parker alias Spider-Man gegenübersieht. Der stammt allerdings nicht aus Miles’ eigenem, sondern einem anderen Universum.
Im Grunde erzählen die Filmemacher hier zwei Stories. Zum einen diejenige, wie ein halbes Dutzend Spider-Man-Figuren aus unterschiedlichen Universen zusammenarbeiten müssen, um zu verhindern, dass der Kingpin mit Hilfe zweier weiterer Schurken ein Gerät unter Brooklyn in Betrieb nimmt, das die ganze Stadt und das Raum-Zeit-Kontinuum zerstören könnte. Zum anderen die Geschichte, wie der junge Miles, ausgestattet mit denselben Fähigkeiten wie der verstorbene Spider-Man, sich die Rolle des Helden zu Eigen machen lernen muss.

Beide wären im Grunde interessant, aber nur letztere wird vollends vorgestellt. Bei ersterer hapert es schlicht daran, dass das Drehbuch zu wenig über die Hintergründe und auch die Bösewichte verrät. Vielmehr verlassen sich die Macher darauf, dass das Publikum von den jeweiligen Schurken bereits eine Vorstellung hat und zumindest weiß, wozu sie im Stande sind. Kingpins Motivation wird zwar in einem kurzen Rückblick vorgestellt, doch der fällt so knapp und vorhersehbar aus, dass die Auflösung niemanden überraschen sollte. Da jedoch eine Handvoll etablierter Widersacher hier zum Zug kommen, wäre es zumindest für diejenigen hilfreich, die nicht mit der Comicvorlage vertraut sind, überhaupt etwas über sie zu erfahren. Auch die Theorie des Multiversums an sich und wie die Helden welche Katastrophe auch immer verhindern wollen, findet zu wenig Beachtung. Zwar macht sich Peter Parker darüber lustig, dass es wie immer um die Rettung der Welt geht, doch die Klischees dieser Geschichten umschiffen die Filmemacher nicht, obwohl sie sie ansprechen. Dafür stellen sie in Miles einen unscheinbaren Helden vor, der das Publikum im Nu für sich gewinnt. Als Teenager mit ganz normalen Alltagsschwierigkeiten, wird er in eine außergewöhnliche Situation geworfen und soll sich auch hier noch bewähren. Dass ihm dazu neben dem an sich verstorbenen Peter Parker auch Gwen Stacy, Spider-Man Noir, Spider-Ham und Peni Parker zur Seite stehen, macht die Aufgabe nicht leichter. Bereits mit dieser Fülle der so unterschiedlichen Figuren läuft das Publikum Gefahr, überfordert zu werden. Dabei machen genau sie den Reiz des Films aus.

Ebenso wie die Machart, die sich den so unterschiedlichen Charakteren anpasst. Dabei erweckt Spider-Man: A New Universe in der Tat den Eindruck, es handle sich um ein zum Leben erwecktes Comic. Die Perspektiven, Kameraführung und Bewegung der Figuren besitzen einen Realismus, dass es kaum vorstellbar ist, gleichzeitig allerdings kann man das Druckraster des Comichefts erkennen und auch die Bildausschnitte erinnern stark an die Vorlagen. Der Look des Films ist schlicht brillant und dabei doch unvorstellbar detailliert und facettenreich. Seien es die verspielt ausgestalteten Hintergründe oder die Zeichnungen der Figuren, all das ist fantastisch umgesetzt. Dem tragen auch Musik und Ton Rechnung, die zur Atmosphäre ebenfalls ungemein beitragen. Der Stil ist so anders im Vergleich zu dem, was große Studios in den vergangenen Jahren auf die Leinwand gebracht haben, und doch vertraut zugleich was die Figuren, ihr Aussehen und Verhalten anbelangt, dass allein die visuelle Präsentation das Zusehen lohnt. Doch das tröstet nur bedingt darüber hinweg, dass die Geschichte der handwerklichen Fulminanz nicht das Wasser reichen kann. Wenn es den Machern gelingt, bei der geplanten Fortsetzung mit dem etablierten, optisch umwerfenden und überraschend witzigen Stil auch eine Geschichte mit größerem Zusammenhalt und starken Bösewichten zu erzählen, könnte ihnen wirklich der beste Einstand des Superhelden in Jahrzehnten gelingen.


Fazit:
So schön die Aussage am Ende ist, sie ist nicht nur so ausdrücklich vorgestellt, dass man sie gar nicht überhören kann, sondern auch noch schriftlich in der Widmung an zwei Comic-Ikonen festgehalten. Es ist beinahe, als würden die Macher ihrem Publikum nicht zutrauen, die Botschaft ohne weitreichende Erklärungen zu verstehen. Oder man war angesichts der schwachen Story besorgt, es würde nicht deutlich werden, dass es hier um mehr als die fabelhafte Darbietung geht. Die ist zwar der offensichtlichste und größte Pluspunkt von Spider-Man: A New Universe, doch es ist nicht der einzige. Miles Morales in die Fußstapfen seines Helden treten zu sehen, ist gerade dank der tollen Charakterisierung sehenswert und auch die ruhigen Momente der Figur sind überaus gelungen. Es ist der Plan der Schurken um Kingpin, der nur halbherzig ausgearbeitet ist. Sie erhalten merklich zu wenig Aufmerksamkeit und das interessante Konzept des Multiversums wird mit nichtssagenden USB-Sticks und ebenso namenlosen grünen Knöpfen aufgelöst. Hier wäre nicht nur mehr möglich gewesen, es schmälert zunehmend den hervorragenden Eindruck, den die erste Filmhälfte erzeugt, deren größte Fragen aber nie aufgelöst werden. Schade, aber ungeachtet dessen ist die atemberaubende Präsentation nichtsdestotrotz sehenswert.
 


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