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Spawn [1997]

Wertung: 0 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 15. Dezember 2002
Genre: Fantasy / Horror

Originaltitel: Spawn
Laufzeit: 96 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1997
FSK-Freigabe: nicht unter 18 Jahren

Regie: Mark A.Z. Dippé
Musik: Graeme Revell
Darsteller: Michael Jai White, John Leguizamo, Martin Sheen, Theresa Randle, D.B. Sweeney


Kurzinhalt:
Al Simmons (Michael Jai White) ist Spezialagent für die US-Regierung; er wird von seinem größenwahnsinnigen Boss Jason Wynn (Martin Sheen) verraten und kommt in einer biochemischen Fabrik bei einer Explosion ums Leben. Satan macht Simmons in der Hölle ein Angebot: Wenn Simmons einwilligt, Satans Armeen beim Kampf um die Erde anzuführen, darf er jetzt auf die Erde zurück, um Rache an Wynn zu nehmen und seine geliebte Wanda (Theresa Randle) zu sehen.
Doch in den fünf Jahren, seit Simmons in die Hölle kam, hat sich einiges verändert: Wanda hat mit Simmons bestem Freund Terry (D.B. Sweeney) eine Tochter und Wynn steht kurz davor, die Weltherrschaft an sich zu reißen.
Bei all dem hat ein seltsamer Clown (John Leguizamo) die Finger im Spiel, der für den Teufel persönlich arbeitet. Als Spawn, ausgestattet mit übermenschlichen Fähigkeiten macht sich Simmons auf, Rache an seinen Verrätern zu nehmen.


Kritik:
Al Simmons kommt in die Hölle – und schickt die Zuschauer durch selbige bei einem derart erbärmlichen Film-Versuch, dass bleibende Hirnschäden nicht ausgeschlossen sind; selten waren Werbepausen eine dermaßene Barmherzigkeit der Programmplaner.

Ich dachte lange Zeit, dass ich keinen schlechteren (Big-Budget-)Hollywood-Film als Highlander II – Die Rückkehr [1991] sehen würde; jenen Film an Erbärmlichkeit, Inkompetenz und misslungener Dramaturgie (von den abstrusen und grotesken Drehbuchergüssen ganz abgesehen) zu übertreffen, schien mir unmöglich.
Bis Spawn kam.

Basierend auf dem Comic von Todd McFarlane begibt sich der gestorbene Simmons in die Hölle, kehrt dann entstellt auf die Erde zurück und bekämpft das Böse mit Hilfe seinen protoplastischen Anzugs, der seine Gedanken lesen und umsetzen kann. Mit dessen Hilfe kann er sich unsichtbar machen, metallische Greifarme ausfahren, an Fassaden hochklettern, usw.; seine einzige wirkliche übernatürliche Kraft ist es, unsterblich zu sein, es sei denn, jemand haut ihm den Kopf von den Schultern.
Wer bei dieser Zusammenfassung an allemöglichen Comics und Filme denkt, hat sicher Recht: Spawn klaut, wo man nur klauen kann. Und das nicht einmal gut. Die Idee mit dem Protoplastischen Anzug, der ihm vom Teufel gegeben wurde ist allein schon so hirnrissig, dass man sich fragen muss, wer auf einen solchen Schwachsinn kommt?

Die Story hangelt sich langeweilig von einem Klischee zum nächsten, altbackene und dummdämliche Dialoge gibt es genauso, wie Überblendungen, die entfernt an Star Wars [1977] erinnern, aber hier nicht viel mehr als aufgesetzt und überflüssig wirken.
Ein Training des Helden, um seine Kräfte zu entfalten gibt es nicht wirklich, die Szene dauert keine Minute – abgesehen davon, dass Spawn diese Fähigkeiten schon früher im Film eingesetzt hat, aber es dann irgendwie wieder vergaß.

Unterstützt wird die tumbe Fantasyhatz von zahlreichen und offensichtlichen Spezialeffekten, die großteils derart peinlich geraten sind, dass man nur den Kopf schütteln kann. Offenbar hat das Geld nicht einmal gereicht, um dem Teufel persönlich Lippenbewegungen zu verpassen. Das CGI-Wesen mit einem Büschel Haare auf dem wolfsähnlichen Kopf steht einfach da, bewegt die Zunge hoch und runter und spricht – obwohl sich kein Kiefer bewegt.
Andere computergenerierte Umgebungen und Wesen sehen aus, als wären sie einem Computerspiel entsprungen; billig, großteils sogar pixelig und mit Animationen, die man nicht einmal als solche bezeichnen dürfte.

Hinzu kommen erbärmliche Arbeit von Kameramann und Cutter; selbst die Musik von Graeme Revell wirkt lustlos, schlecht und seiner sonstigen Arbeit (beispielsweise bei Verhandlungssache [1998]) nicht würdig.

Aber schlimmer als die peinlichen Spezialeffekte, als die miserable Umsetzung und die gehirnerweichende Story ist John Leguizamo, der allen anderen schlechten Darstellerleistungen in Spawn – wie unter anderem Martin Sheen und D.B. Sweeney – eine völlig neue Dimension verleiht.
Als fetter, dauerquasselnder, grüne Wolken furzender, blaugeschminkter und auf Krampf witzig-beabsichtigter Clown ist er wohl eine der erbärmlichsten Filmfiguren, die ich je gesehen habe. Nicht nur, dass sein peinliches Aussehen, die widerwärtige Maske oder peinlichen Sprüche dem Zuschauer in steigendem Maße auf die Nerven gehen. Alle paar Minuten kommt er wieder und labert und labert, immer dasselbe, immer schlechter und so übelkeiterregend gespielt, dass man sich fragen muss, wie der Film jemals den Schneideraum verlassen durfte.

Auch wenn Leguizamo in einer Szene tatsächlich lebende Maden gegessen hat, dümmer als der Regisseur und die Produzenten können die Tiere eigentlich nicht gewesen sein.

Festzuhalten bleibt, dass der Film zwei Pluspunkte hat: Spawns Maske ist zwar ekelhaft, allerdings auch hervorragend gemacht. Ebenso einige Modellarbeiten bei den Spezialeffekten – die dann wieder mit computergenerierten Lichtern oder Hubschraubern verschandelt werden.

Alles andere – in handwerklicher oder schauspielerischer Hinsicht, Drehbuch und Umsetzung – ist derart erbärmlich, zeitraubend und ärgerlich, dass es dafür keine Entschuldigung gibt. Nicht nur, dass ich den "Helden" ansich schon unterdurchschnittlich konzipiert finde. Als Film war Spawn eine solche Zeitverschwendung, dass man sich als Zuschauer fragen muss, wieso man nach dem schlechten Anfang überhaupt noch weitergeschaut hat. Selbst zahlreiche Anspielungen auf Filme, Serien und hinter-den-Kulissen-Gags retten da nichts mehr.

Wenn gestandene Männer schluchzend vor dem Fernseher sitzen und immer wieder sagen "das kann nicht sein, bitte nicht", dann handelt es sich entweder um ein unglücklich gelaufenes Fußballspiel, die längste Lottoziehung aller Zeiten, oder Spawn.
Der Film ist für Kinder, ältere Menschen, Schwangere oder Suizidgefährdete gänzlich ungeeignet. Auch wenn die TV-Version gekürzt war, in den Werbeunterbrechungen hatte man wenigstens Zeit, das bisschen Hirn zusammenzukratzen, das nicht schon vor Schreck und Entsetzen geflohen war. Wer einen der erbärmlichsten Hollywood-Filme unbedingt sehen möchte, sollte einschalten; alle anderen können hier viel Zeit sparen.


Fazit:
Nachwirkungen in Form von plötzlichem Schüttelfrost, Anfälle von Selbstverstümmelungen oder schlichter Verblödung sind bei diesem Schrottfilm nicht ausgeschlossen.
Ein weiterer Beweis dafür, dass Filme ebenso wie Arzneimittel ein Vermerk über die Nebenwirkungen benötigen – mit dem Zusatz: "Anschauen auf eigene Gefahr!".


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