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Shazam! [2019]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 26. April 2020
Genre: Fantasy / Komödie / Action

Originaltitel: Shazam!
Laufzeit: 132 min.
Produktionsland: USA / Kanada
Produktionsjahr: 2019
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: David F. Sandberg
Musik: Benjamin Wallfisch
Besetzung: Zachary Levi, Mark Strong, Asher Angel, Jack Dylan Grazer, Adam Brody, Djimon Hounsou, Faithe Herman, Meagan Good, Grace Fulton, Michelle Borth, Ian Chen, Ross Butler, Jovan Armand, D.J. Cotrona, Marta Milans, Cooper Andrews, Ethan Pugiotto, John Glover


Kurzinhalt:

Wieder einmal ist der 15jährige Billy Batson (Asher Angel) weggelaufen, stets darauf aus, seine leibliche Mutter zu finden, von der er als kleiner Junge getrennt wurde. Auch als er bei Rosa (Marta Milans), Victor (Cooper Andrews) und ihren fünf Pflegekindern unterkommt, plant er bereits, wieder auszubüchsen. Bis er sich unversehens in einer Höhle wiederfindet, der Tempelanlage eines alten Magiers (Djimon Hounsou). Der überträgt seine Kräfte auf Billy, woraufhin der Teenager zum erwachsenen Superhelden Shazam (Zachary Levi) wird. Zurück in Philadelphia versucht Shazam, zusammen mit Billys Pflegebruder Freddy (Jack Dylan Grazer), seine Fähigkeiten zu entdecken. Geht dies anfangs gut, entwickeln sich zusehends Spannungen zwischen ihnen. Währenddessen betritt mit Dr. Sivana (Mark Strong) ein Superschurke die Bühne, der sich einst nichts sehnlicher wünschte, als vom Magier auserkoren zu werden. Als die sieben Todsünden von ihm Besitz ergreifen, durch die er Tod und Zerstörung mit sich bringt, kann nur Shazam ihn aufhalten – wenn er denn zu dem Held wird, der er bestimmt ist, zu sein …


Kritik:
Der beste Aspekt an Shazam! ist die musikalische Untermalung von Benjamin Wallfisch, dessen Kompositionen Einflüsse von zahlreichen renommierten Komponisten und ihre jeweiligen Superhelden-Themen aufweisen: John Williams, James Horner, Jerry Goldsmith oder Alan Silvestri. Sie hat damit er der Comic-Adaption von Regisseur David F. Sandberg in vielen Belangen etwas voraus. Der Film selbst gibt sich zwar Mühe, eine selbstironische Superman-Version von Big [1988] zu erzählen, aber abgesehen davon, dass er nie wirklich langweilig ist und kein Aspekt vollkommen misslungen, gibt es erstaunlich wenig, was hier in Erinnerung bleibt.

Dass die grundlegende Idee frappierend an den Hollywood-Film mit Tom Hanks erinnert, in dem sich ein Junge im Körper eines Erwachsenen wiederfindet und entsprechend mit allerlei amüsant-kuriosen Momenten konfrontiert wird, kann man Shazam! nicht zum Vorwurf machen, immerhin stammt das ursprüngliche Comic aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und beschreibt eben das. Was man Sandbergs filmischer Umsetzung, die sich seit vielen Jahren in Entwicklung befand, jedoch vorwerfen kann, ist wie unoriginell die Ursprungsgeschichte um den Superhelden letztlich geworden ist. Dass in Anbetracht der Laufzeit kaum etwas über die Herkunft des Rats der Magier erklärt wird, dessen letztes verbliebenes Mitglied einen Nachfolger sucht und darum Menschen rund um die Welt in seinen verborgenen Tempel bringt, ist ebenso ein Versäumnis wie die Tatsache, dass man über die übrigen Figuren um Hauptcharakter Billy Batson kaum etwas erfährt. Der legt sich bei seinem ersten Auftritt nicht nur mit zwei Polizisten an, sondern kommt wenig später bei einer neuen Pflegefamilie in Philadelphia unter. Auch bei der will er nicht lange bleiben, ist er doch auf der Suche nach seiner Mutter, die er vor Jahren bei einem Jahrmarktbesuch aus den Augen verloren hatte und die er seither sucht. Als er von dem alten Zauberer zu sich gerufen wird, überträgt dieser ihm seine Fähigkeiten, woraufhin Billy zu „Shazam“ wird – ein in rot gekleideter Superheld, der Elektrizität manipulieren kann, kugelsicher ist und … erwachsen. Der fünfzehnjährige Billy findet sich so zwar im Körper eines mächtigen Helden wieder, der sich aber verhält wie ein Teenager.

Dass Shazam! hieraus komödiantisches Kapital zu schlagen versucht, ist nicht verwunderlich und könnte durchaus für viele amüsante Momente sorgen. Aber ist Billy an sich ein introvertierter Einzelgänger, der auch zu seiner neuen Pflegefamilie kaum Anschluss findet, mutiert er als Shazam zu einem Ich-bezogenen Social Media-Selbstdarsteller, der im Rampenlicht zu stehen genießt und keinen weiteren Gedanken an seine Mutter verschwendet, die er doch an sich so sehnlichst finden will. Kurzum, Shazam verhält sich nicht wie Billy in einem erwachsenen Körper, sondern wie eine gänzlich andere Person. Wäre das nur eine Phase und würde Shazam darüber hinauswachsen, wäre das an sich kein Problem, nur hält sich Regisseur David F. Sandberg gefühlt den halben Film mit den immer gleichen Momenten auf, in denen der neue Superheld von einem Fettnäpfchen ins andere tritt, während alle anderen sagen, er wäre ein Held. Wirklich heldenhaftes vollbringt er indes vor der Kamera nicht.

Dafür legt die Geschichte viel Wert auf ihren Schurken, dem sogar der Prolog gewidmet ist. Thaddeus Sivana war dabei einmal in derselben Situation wie Billy und wurde vom letzten Zauberer geprüft, ob er würdig wäre, Shazam zu werden. Als er es schließlich endlich schafft, den geheimen Tempel zu finden, entfesselt Sivana die sieben Todsünden, die früher bereits Zerstörung über die Welt brachten. Was er überhaupt im Schilde führt und wie die Todsünden die Welt ins Chaos stürzen sollen, wird dabei nie klar. Dass Sivana von Mark Strong gespielt wird, ist ein weiterer Pluspunkt des Films, schade nur, dass der charismatische Darsteller insgesamt kaum gefordert ist. Dafür gibt es viele Anspielungen an das erweiterte DC-Comic-Universum und die bisherige Justice League. Wirklich spannend wird Shazam! nicht einmal dann, wenn Billys neue Pflegefamilie in Gefahr gerät, dafür gibt sich der Film zu oft bewusst albern. Das könnte funktionieren, wenn Billy kein Teenager, sondern ein achtjähriger Junge wäre. So erscheint es zu oft zu bemüht, um die Leichtigkeit zu versprühen, auf die die Macher so sichtlich wert legen wollen.


Fazit:
Mit Zachary Levi in der Titelrolle oder auch Jack Dylan Grazer als Shazams Sidekick, der alle Fragen zu Superhelden beantworten kann, ist Shazam! sympathisch besetzt. Als junger Billy könnte auch Asher Angel überzeugen, bekäme seine Figur denn auch etwas zu tun. Tatsächlich wird nie klar, weswegen er überhaupt auf der Suche nach seiner Mutter ist, nach all den Jahren, in denen sie offenbar nicht nach ihm gesehen hat. Dass sowohl er mit einer schwierigen Kindheit belastet ist als auch Sivana als Schurke, verleiht dem Film erstaunlich viel emotionales Gepäck, das aber gleichzeitig allzu oberflächlich abgehandelt wird. Billys erste Schritte ins Superheldendasein geraten entweder zu kindisch, oder aber so vertraut, dass der bewusst selbstironische Touch mehr wie eine Entschuldigung erscheint, keine neuen Ideen liefern zu können, als eine eigenständige Herangehensweise an das Thema. Bei den Actionszenen geht wie gewohnt einiges zu Bruch, selbst wenn es nie so ausartet wie bei den großen Vorbildern des Titelhelden. Auch dank der an sich soliden Umsetzung ist das nicht langweilig und mit einigen wirklich witzigen Momenten garniert. Aber mit weit über zwei Stunden gerät Shazam! mindestens eine halbe Stunde zu lang – und das merkt man, je länger der Film dauert, nur umso mehr.
 


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