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Roter Drache [2002]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Dominik Starck  |   Hinzugefügt am 02. November 2002
Genre: Thriller

Originaltitel: Red Dragon
Laufzeit: 124 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2002
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Brett Ratner
Musik: Danny Elfman
Darsteller: Anthony Hokins, Edward Norton, Ralph Fiennes, Emily Watson, Harvey Keitel


Kurzinhalt:
Nachdem es ihm gelungen war, den hochintelligenten Serienkiller Doktor Hannibal "der Kannibale" Lecter (Anthony Hopkins) zu überführen, setzt sich der vor allem psychisch schwer angeschlagene FBI-Agent Will Graham (Edward Norton) zur Ruhe.
Einige Jahre später wird Graham wieder reaktiviert, als ein irrer Killer (Ralph Fiennes) ganze Familien auf bestialische Weise ermordet.
Obwohl Profiler Graham einige Rückschlüsse ziehen und Spuren finden kann, kommt er in dem Fall nicht weiter, da ihm die Motivation des Täters verborgen bleibt. Der einzige, der fähig wäre, ihm zu helfen, ist der Psychiater Dr. Lecter. Nach anfänglichen Zweifeln tritt Graham seiner Nemesis hinter der Wand aus Panzerglas gegenüber und versucht ihn davon zu überzeugen, ihm bei der Jagd nach dem von der Presse als "Zahnfee" titulierten Killer zu helfen.


Kritik:
Normalerweise bin ich stets bemüht, bei einem Remake das Original hinsichtlich der Bewertung des Filmes möglichst außen vor zu lassen, doch zugegebenermaßen gelingt mir das in diesem Fall nicht. Zumal sich Vergleiche wirklich aufdrängen.

Mit Roter Drache läuft nun die neueste und damit fünfe Verfilmung eines Thomas Harris-Romans in unseren Kinos (die erste – eher unbekannte – war Scharzer Sonntag [1977]), wobei es sich hier, wie den meisten bereits bekannt ist, um ein Prequel zu Jonathan Demmes Das Schweigen der Lämmer [1991] und damit gleichzeitig um eine Neuverfilmung von Michael Manns extrem stilisiertem Manhunter [1986] (im Deutschen meist als Blutmond bekannt) handelt.
Damit hat man die ansich bereits sehr gute Umsetzung eines (im Vergleich zu den beiden Fortsetzungen) nicht allzu guten Harris-Buches noch einmal neu verfilmt. Wie sinnvoll dies ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist jedenfalls, dass Roter Drache ein ansich recht guter und spannender psychologischer Thriller ist, der von der Atmosphäre her stark an Das Schweigen der Lämmer erinnert. Dies ist jedoch sowohl die größte Stärke, als auch die größte Schwäche des Filmes, denn an eigenen Ideen oder Innovationen mangelt es ihm weitgehend.
Ob dies an der erneuten Verpflichtung von Ted Tally liegt, der bereits das prämierte Drehbuch zu Das Schweigen der Lämmer schrieb, oder daran, dass Regisseur Brett Ratner ein zwar nicht untalentierter aber zu angepasster Regisseur ist (siehe Rush Hour und Rush Hour 2) fällt schwer zu beurteilen.

Kenner des Buches werden begrüßen, dass Tally sich mit seinem Skript sehr eng an die Vorlage von Thomas Harris hielt. Diese Detailgenauigkeit war es auch, die Tally davon abhielt, das Drehbuch zu Hannibal [2001] zu schreiben, da ihm dies in einer ansehnlichen (sprich nicht vor Gewalt strotzenden) Version unmöglich erschien.

Zum Glück hat man auch diesmal Hannibal Lecter trotz seiner enorm gestiegenen Popularität als Nebenfigur behandelt, wie es sowohl im Buch als auch im ersten Film von Michael Mann (u.a. Der letzte Mohikaner [1992], Heat [1995], Insider[1999] und zuletzt Ali [2001]) der Fall war, wo noch Brian Cox als Kannibale brillierte.
Lediglich eine auf Lecter bzw. Anthony Hopkins abgestimmte Eröffnung und ein ebensolches Ende hat man hinzugefügt; auch um der Trilogie der Hopkins-Verfilmungen eine geschlossenere Form zu geben. Diese Szenen sind aber auch wirklich sehr gut geworden und neben diesen Sequenzen sorgen die Gastrollen einiger weiterer vertrauter Gesichter für den willkommenen A-ha-Effekt bei dem geneigten Fan der anderen Lecter-Movies.

Auch mit der Darstellung der Gewalt hat man sich enorm zurückgehalten, nachdem Regisseur Ridley Scott aus dem letzten Teil der Reihe (Hannibal [2001]) so etwas wie eine stilvolle Splatter-Oper gemacht hatte, die – vorsichtig ausgedrückt – zu verhaltenen Äußerungen der Kritiker geführt hatten. Ein paar Schocker sind allerdings auch in Roter Drache enthalten.

Die Darstellerleistungen sind fast ausnahmslos hervorragend. Dem "englischen Patienten" Ralph Fiennes hätte ich den Psychopathen nie in dieser Brillanz und Intensität zugetraut, auch wenn natürlich Tom Noonan (der Ripper aus Last Action Hero [1993]) im Original ebenfalls genial in der Rolle der Zahnfee war.
Anthony Hopkins ist trotz weit weniger Präsenz als in Hannibal wie immer über jeden Tadel erhaben hervorragend. Sein Hannibal ist hier zwar auf die vier Wände seiner Zelle und den Raum dazwischen beschränkt, doch gelingt es ihm diesem Umstand zum Trotz, mit einer leichten Lässigkeit kleine Gemeinheiten und böse Witze auf seine Umwelt loszulassen und ihr damit das Leben schwer zu machen.
Einziger Schwachpunkt ist in diesem Fall erstaunlicherweise Edward Norton. Norton ist durchaus ein talentierter junger Schauspieler, wie er in Filmen wie Fight Club [1999] eindrucksvoll demonstrierte, und auch ein nicht ungeschickter Regisseur (siehe Glauben ist alles [2000]), doch dem Vergleich mit William Petersen (C.S.I.) ist er einfach nicht gewachsen. Petersen spielte den innerlich zerrissenen Ex-Agenten Will Graham in der Michael Mann-Version und wofür das Team Ratner/Norton hier viel Angstschweiß und seitenweise Dialog braucht, haben Mann und Petersen damals oft nur einen einzigen vielsagenden (gequälten) Gesichtsausdruck benötigt. Um nicht falsch verstanden zu werden: Norton macht seine Sache auch nicht schlecht, aber Petersen war hier einfach wesentlich besser.

Die spannungstreibende Musik zum Film lieferte Danny Elfman, der mit unzähligen Scores zu Filmen wie Spider-Man [2002], Mission: Impossible [1996], Sleepy Hollow [1999] und Men in Black 1 & 2 [1997/2002] bereits mehrfach sein Können unter Beweis stellte und trotz manchem etwas zu sehr in den Vordergrund gedrängten Scores auch hier eine gute Leistung erbrachte.


Fazit:

Abschließend kann man sagen, dass es sich bei Roter Drache um einen recht guten Film handelt, an dem vor allem Freunde von Das Schweigen der Lämmer ihre Freude haben werden, da mit Verweisen nicht gespart wird und die Atmosphäre und der Psycho-Suspense dieses Films gut getroffen wurde.
Diejenigen, die das Buch bereits kennen oder Manhunter gesehen haben, können ihn sich eigentlich aber sparen, es sei denn, sie wollen das Bekannte einfach noch mal in einer anderen Besetzung sehen.


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