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Red Heat [1988]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 30. August 2003
Genre: Action / Thriller

Originaltitel: Red Heat
Laufzeit: 106 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1988
FSK-Freigabe: nicht unter 18 Jahren

Regie: Walter Hill
Musik: James Horner
Darsteller: Arnold Schwarzenegger, James Belushi, Peter Boyle, Ed O'Ross, Laurence Fishburne, Gina Gershon, Richard Bright


Kurzinhalt:
Der Kalte Krieg hat seinen Zenit schon überschritten, die Sowjetunion und die USA werden von einem gemeinsamen Feind gleichermaßen tyrannisiert: den Drogen.
Steht man in den USA Heroin und Kokain noch recht wehrlos gegenüber, versucht man in der Sowjetunion dem mit eiserner Härte Herr zu werden. Als Ivan Danko (Arnold Schwarzenegger), Polizist in der UdSSR, den Drogenkönig Viktor Rosta (Ed O'Ross) gefangen nehmen soll, entkommt der in die USA.
Dort wird er in Chicago wegen eines Verkehrsdelikts festgenommen. Der russische Staatsapparat möchte sich selbstverständlich nicht die Blöße geben und sendet Danko nach Amerika, um Rosta wegen anderer Verbrechen in die Sowjetunion zurück zu holen.
Auf den russischen Polizisten warten in Chicago Sgt. Gallagher (Richard Bright) und Sgt. Ridzik (James Belushi), die ihn eskortieren sollen. Doch kurz nach der Übergabe von Rosta wird Gallagher erschossen und Viktor Rosta kann fliehen. Fortan müssen Ridzik und Danko zusammen arbeiten, dabei kämpft das ungleiche Team nicht nur gegen Rosta und die amerikanischen Drogenbarone, sondern hat auch den Polizeichef Commander Lou Donnelly (Peter Boyle) und die russische Botschaft im Nacken.


Kritik:
"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben"; seinen eigenen Worten Folge leistend, öffnete der damalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow die Grenzen der UdSSR und das erlaubte dem Drehteam um Regisseur Walter Hill, auf dem Roten Platz in Moskau zu drehen – eine Sensation. Zwar wurden die restlichen Szenen, die im Film in Russland spielen, in Ungarn gedreht, aber die Szene auf dem Roten Platz entstand "on location".
Dass sich die Sowjetunion in dieser Hinsicht so offen zeigte und einem amerikanischen Drehteam die Erlaubnis erteilte, liegt zum großen Teil vermutlich auch daran, dass der Film mit dem 1988 immer noch recht heiklen Thema der US-Sowjet-Beziehung sehr offen und ehrlich umgeht. Die Drehbuchautoren vermeiden es angenehmerweise, die klischeehaften Stereotypen der "dummen Russen" und der "patriotischen Amerikaner" zu zeigen, stattdessen werden die Klischees beider Seiten vorgeführt und Arnold Schwarzenegger als russischer Polizist pflichtbewusst und patriotisch, gleichzeitig aber auch kooperativ und freundschaftlich dargestellt (dem Film getreu "Cops sind Cops, egal wo").

Diese Annäherung so im Film zu sehen kann man durchaus als zeitgeschichtliches Dokument bezeichnen; die Sowjets wurden nicht länger als Bösewichte oder technisch zurückgebliebene Staffage präsentiert, sondern waren den amerikanischen Darstellern und Personen gleichberechtigt. Dies war von Seiten der Drehbuchautoren ein mutiger und gewagter Schritt – vielleicht ging er auch schon etwas zu weit, denn so erfolgreich wie erhofft war Red Heat leider nicht.
Dabei bietet das Skript alles, was man sich für einen Buddy-Film wünschen kann: ein ungleiches Team, das sich die Witze gegenseitig in den Mund legt, packende Action und eine geradlinige Story, die trotz der coolen Sprüche ernst gehalten ist und deren Grundaussage der friedlichen Zusammenarbeit auch damals gar nicht so realitätsfremd war.
Trotz der Schusswechsel und Actionszenen nimmt sich das Drehbuch auch Zeit für ruhige Passagen, in denen sich die Charaktere einander annähern, in denen man etwas über ihren Hintergrund erfährt. Diese wirken glücklicherweise auch nicht aufgesetzt, sondern verleihen dem Film eine gewisse Tiefe, die anderen Buddy-Filmen leider fehlt. Auch der gestresste und nörgelnde Chef des Chicagoer Polizisten wird bei weitem nicht so klischeehaft dargestellt und unterhält weit mehr, als viele der heutigen Szenen mit ähnlichen Charakteren.
Dass Red Heat sich an ein aufgeschlossenes Publikum richtet, merkt man als Zuschauer schon zu Beginn, denn die ersten 10 Minuten des Films spielen ausschließlich in Russland, und sämtliche Gespräche sind im Original Russisch gehalten und untertitelt worden – für einen Schwarzenegger-Film bis dahin eine Undenkbarkeit.
Kurzum: Die Drehbuchvorlage ist überaus gut geraten, die Story ist heute noch so aktuell wie damals und sie ringt dem Film einige sehr witzige, aber auch erinnernswerte Momente ab, die ihn weit über den Durchschnitt heben.

Getragen wird der Film dennoch durch die beiden Hauptdarsteller Arnold Schwarzenegger und James Belushi, die sich beim Dreh offensichtlich prächtig verstanden und auch viel Spaß zusammen hatten. Die Chemie stimmt einfach im ungleichen Team und es macht Spaß, ihnen zuzuschauen.
Durch viele Gesten und kleine Bemerkungen verkörpern sie auch überhaupt nicht das bekannte Schema ihrer Charaktere und füllen gerade dadurch ihre Rollen besser aus als andere Schauspieler das gekonnt hätten. Zwar hat Schwarzenegger nicht sehr viel zu schauspielern, aber die Rolle passt ihm wie angegossen. Als plappernder Cop könnte Belushi überdies nicht besser gewählt sein.
Die gute Schauspielerwahl zieht sich auch durch die Nebenrollen, Laurence Fishburne hat zwar nur eine kleine Rolle, aber man kann ihm keine Unlust vorwerfen, Gina Gershon spielt zwar gut, ist aber auch nicht wirklich gefordert.
Eine angenehme Überraschung ist Ed O'Ross als Bösewicht; er gewinnt seiner Rolle sowohl die schmierige Gelassenheit, als auch die kriminelle Kaltblütigkeit ab.

Walter Hills Regie zeichnet sich durch eine saubere und spannende Actioninszenierung aus, die Szenen wirken allesamt wie aus einem Guss und arbeiten solide auf den Höhepunkt des Films, eine Verfolgungsjagd von zwei Bussen durch Chicago, hin. Auch diese ist gut in Szene gesetzt, hätte aber länger ausfallen können.
Man sieht erfreulicherweise, dass keine Spezialeffekte oder CGI-Bilder zu Hilfe genommen wurden, sondern dass die Actionszenen "handgemacht" sind.
Durch den übersichtlichen Schnitt ist man immer im Bilde und kann so auch mit den Charakteren am ehesten mitfühlen. Im Direktvergleich wirkt die Inszenierung von Hills Nur 48 Stunden [1982] zwar etwas altmodischer, sie ist aber hier wie dort ebenso routiniert gelungen.

Wie der letztgenannte Film ist Red Heat aber in keiner Szene zimperlich, wenn es um Brutalität geht, der Film ist keinesfalls für Jugendliche oder Kinder geeignet und wurde von der FSK völlig zurecht ab 18 Jahren freigegeben.
Abgesehen davon würden viele jüngere Zuschauer die Anspielungen auf den Kapitalismus und Kommunismus ohnehin nicht verstehen – oder nur sehr schwer.
In der ungekürzten Version bekommt man als Zuschauer allerdings sehr viele Gewaltdarstellungen gezeigt, was in vielen Szenen so auch sicher nicht notwendig war.

Ein leidiges Thema ist bei Komödien und damit auch bei Actionkomödien die deutsche Synchronisation; wie für die damalige Zeit üblich wurden die Dialoge zwar an Schimpfwörtern stark entschärft, dafür gaben sich die Dialogregisseure aber einfallsreich bei den Alternativen.
An der Stimme von Arnold Schwarzenegger, gesprochen von Thomas Danneberg, gibt es wie gewohnt nichts auszusetzen, er gibt sich auch sehr viel Mühe mit dem russischen Akzent, gegen Schwarzeneggers Originalstimme kommt er allerdings nicht an – sein Akzent passt zu ihm in Red Heat wie der Deckel auf den Topf.
Der leider schon im Jahr 1991 verstorbene Ulrich Gressieker lieh James Belushi seine Stimme, und auch er kann vollauf überzeugen, gleichwohl man sich wie in Mein Partner mit der kalten Schnauze [1989] Joachim Tennstedt als Sprecher gewünscht hätte. Die restliche Synchronisation ist zwar ganz gut geraten, sein volles Potential entfaltet der Film dennoch nur in der Originalfassung.

Komponist James Horner war auch schon für Walter Hills Nur 48 Stunden tätig, und in der Tat hört das geübte Ohr so einige Melodien aus dem sechs Jahre früher entstandenen Film heraus. Horner kombiniert seine Themen allerdings gekonnt mit russischen Elementen und erzeugt somit einen interessanten musikalischen Hintergrund, der ohne weiteres zum Film passt.
Der Score mag zwar kein Klassiker sein, das Hauptthema allerdings schon.

Red Heat ist im übrigen dem Stunt-Coordinator Bennie Dobbins gewidmet, der bei den Vorbereitungen zum Schneekampf des Films, der in Wien gedreht wurde, an einem Herzinfarkt verstarb.
Fans des ungarischen Actionfilms werden einen Charakter zu Beginn des Filmes wieder erkennen, der damals größte Action-Star des einheimischen Kinos fällt nämlich Arnold Schwarzenegger zum Opfer – und war privat vom Muskelpaket angeblich auch überrascht.
Adleraugen können im Gästebuch des Hotels, in dem Ivan Danko sich einträgt zudem weiter oben den Namen Jim Morrison erkennen – dem Sänger der Doors.


Fazit:
Wenn man sich alle möglichen Filme von Arnold Schwarzenegger vor Augen führt, wird Red Heat gerne vergessen, dabei ist er einer seiner besten 80er-Jahre Filme und besser als Vieles, was er seit Mitte der 1990er auf die Leinwand brachte.
Der Witz passt zu der ernsten Hintergrundgeschichte, die Action ist spannend inszeniert und das ungleiche Duo Schwarzenegger/Belushi entwickelt neben einer gesunden Chemie auch eine ganze Menge Charme.
Sicherlich ist der Film keine leichte Kost, sorgt aber für einen unterhaltsamen Abend, nicht obwohl, sondern gerade durch seine vorsichtige, dennoch freundschaftliche Annäherung zwischen Ost und West über die Widrigkeiten des Eisernen Vorhangs hinaus.


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