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Poseidon [2006]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 29. Juli 2008
Genre: Action / Drama

Originaltitel: Poseidon
Laufzeit: 94 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2006
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Wolfgang Petersen
Musik: Klaus Badelt
Darsteller: Josh Lucas, Kurt Russell, Jacinda Barrett, Richard Dreyfuss, Emmy Rossum, Mía Maestro, Mike Vogel, Kevin Dillon, Freddy Rodríguez, Jimmy Bennett, Stacy Ferguson, Andre Braugher


Kurzinhalt:
Es hätte ein traumhafter Beginn eines neuen Jahres sein sollen, an Bord des Luxusliners "Poseidon". Doch kurz nach Mitternacht wird das Schiff von einer riesigen Welle erfasst und buchstäblich auf den Kopf gedreht. Die Überlebenden werden von Kapitän Bradford (Andre Braugher) in Sicherheit gewiegt, ein Notsignal sei ausgesandt worden. Doch manche Passagiere möchten ihr Glück lieber in die eigene Hand nehmen und machen sich auf den Weg nach oben – zum Rumpf des Schiffes, um dort einen Weg nach draußen zu finden.
Angeführt von Einzelgänger Dylan Johns (Josh Lucas) folgen ihm Maggie James (Jacinda Barrett) und ihr Sohn Conor (Jimmy Bennett), sowie Richard Nelson (Richard Dreyfuss) und Robert Ramsey (Kurt Russell), der auf der Suche nach seiner Tochter Jennifer (Emmy Rossum) und deren Freund Christian (Mike Vogel) ist. Sie finden unter anderem die Überlebenden Elena (Mía Maestro) und Lucky Larry (Kevin Dillon). Doch das gekenterte Schiff steckt voller Gefahren und sinkt weiter. So läuft der Gruppe nicht nur die Zeit davon, sondern ihr Überleben ist auch mit Opfern verbunden ...


Kritik:
Nach den Welterfolgen Das Boot [1981] und Der Sturm [2000] waren die Zuschauer rund um den Globus entsprechend gespannt, wie sich Wolfgang Petersens jüngstes Wasserabenteuer geben würde. Basierend auf demselben Roman, der bereits für Die Höllenfahrt der Poseidon [1972] herangezogen wurde, wollte der deutschstämmige Hollywoodregisseur allerdings kein Remake anstreben, oder gar eine werkgetreue Romanumsetzung, sondern vielmehr einen eigenständigen Film, lose basierend auf der Ausgangsbasis eines gekenterten Schiffes.
Hollywood selbst versprach sich davon ebenfalls viel und ließ dem Filmmacher nicht nur freie Hand, sondern auch 160 Millionen, um das Spektakel auf die Leinwand zu bringen. Entsprechend enttäuscht waren Zuschauer und Kritiker, als das vermeintliche Katastrophenepos schließlich in die Kinos kam. Nicht nur, dass der Film mit gerade einmal eineinhalb Stunden außergewöhnlich kurz ausgefallen ist, auch inhaltlich blieb die Neuerzählung einer an sich bekannten Geschichte Vieles schuldig. Dafür allerdings wird das Gezeigte von Petersen mehr als nur fulminant inszeniert.

Die Drehbuchvorlage von Autor Mark Protosevich, der unter anderem das Skript für I Am Legend [2007] verfasste, hält sich dabei nicht lange mit Einführungen der Figuren auf, oder einem ganz normalen Tagesablauf an Bord der Poseidon. Schon nach wenigen Minuten, und kurz, nachdem alle Figuren ein paar Zeilen gesprochen haben, nimmt der Untergang seinen Lauf. Auch hier wird nicht erklärt, woher die riesige Welle kommt, was sie verursacht hat, es interessiert in dem Moment nur, dass sie da ist, und was sie anrichtet.
Immerhin wurden kurz zuvor alle Räumlichkeiten gezeigt, die im späteren Verlauf des Films eine Rolle spielen werden, so dass man als Zuschauer nicht völlig orientierungslos durch das Schiff irrt. Nichtsdestoweniger lässt der Film so das Flair eines typischen Katastrophenszenarios vermissen, in dem es schließlich um das Schicksal der einzelnen Figuren geht. Selbiges spielt in Poseidon nur eine untergeordnete Rolle. Ob die Figuren sympathisch oder unsympathisch sind, erfährt man auch erst im Verlauf der Geschichte.
Immerhin sind die Dialoge erfreulich natürlich geraten, wenn auch angesichts der außergewöhnlichen Situation mitunter zu gefasst. Der Verlauf des Abenteuers ist dabei sehr geradlinig erzählt, ohne große Abschweifungen oder Nebenhandlungen. Schade ist hierbei nur, dass Protosevich, basierend auf der Vorlage, dem Film einen sehr hohen Bodycount spendiert. Statt der abgesonderten Gruppe eine Aufgabe zu vermitteln, durch die sie weitere Passagiere retten könnten, geht es ihnen nur um die eigene Haut. Insofern ist sehr schnell absehbar, wer überhaupt den Abspann erleben wird, und meist auch, wann sie denn ihrem Schicksal erliegen. Nichtsdestotrotz gelingen dem Drehbuch einige sehr spannende Momente und auch packende Sequenzen. Auch wenn man all das entweder schon genau so, oder aber sehr ähnlich in anderen Filmen bereits zu sehen bekam. Etwas mehr Einfallsreichtum und eine ausgeweitete Geschichte hätte man sich angesichts des Produktionsaufwandes aber gewünscht.

Die Darsteller scheinen dabei nicht einmal unmotiviert, auch wenn Josh Lucas als Hauptfigur schlichtweg zu blass gezeichnet wird und darum mimisch völlig unterfordert bleibt. Anders hingegen Kurt Russell, der immerhin einige gute Momente besitzt, die ihm allerdings nicht mehr als routinierte Mimik abverlangen.
Jacinda Barrett und Jimmy Bennett ergänzen sich beide gut, sind aber ebenfalls nicht so stark gefordert, im Gegensatz zu Mía Maestro, die sich in ihren wenigen Szenen merklich Mühe gibt und eine wirklich gute Darbietung zeigt.
Dem braucht Richard Dreyfuss freilich nicht mehr als seine geringsten Anstrengungen entgegenzusetzen. Der charismatische Mime gewinnt spielend seine Szenen für sich. Ebenso wie Emmy Rossum, die nach The Day After Tomorrow [2004] erneut in einer Katastrophengeschichte eines deutschen Regisseurs mitspielt, und ihre Sache einmal mehr gut macht – auch wenn sie nicht übermäßig gefordert ist.
Von Mike Vogel, Kevin Dillon und Andre Braugher ist nur wenig zu sehen und auch ihnen ist wie dem gesamten Cast anzumerken, wie anstrengend die Dreharbeiten in den aufwändigen Sets gewesen sind. Oscarreife Leistungen sind aber nirgendwo zu entdecken. Enttäuschende aber immerhin auch nicht.

Handwerklich gibt sich Wolfgang Petersen keine Blöße und entfesselt allem voran ein Feuerwerk an Spezialeffekten, wie man es realistischer kaum machen könnte. Sei es die sehr lange Kamerafahrt während des Vorspanns, bei der das Schiff selbst zum größten Teil aus dem Computer stammt, oder aber die Kentersequenz, die mit so vielen Details aufwartet, dass es schon beängstigend realistisch wirkt. In keiner Einstellung sieht man Poseidon an, dass die Macher in aufwändigen Sets drehten. Realistischer sah kein Schiffswrack je im Film bislang aus und verblüfft sowohl in Sachen Ausstattung, wie auch bei dem fließenden Übergang zwischen Trick und Realaufnahme.
Das sehr hohe Budget sieht man dem Film somit an, und es ist Petersens Umsetzung zu verdanken, dass an sich auch weit hergeholte Ideen im Film spannend umgesetzt werden. Ausgezeichnet getimte Schnittwechsel und wohl ausgewählte und choreografierte Perspektiven von Der Sturm-Kameramann John Seale ergänzen sich zu einem visuell atemberaubenden Gesamtbild, das Poseidon zusammen mit einem erdrückenden und beängstigenden Ton zu einem technischen Erlebnis macht.

Die musikalische Begleitung durch Klaus Badelt zeichnet sich eigentlich durch eine sehr eingehende Melodie aus, die im Laufe des Films aus entsprechend abgewandelt wird, um daraus düstere Themen, oder aber Actionmotive zu entwickeln. Dagegen wäre an sich nichts einzuwenden, wüsste der Komponist denn auch, wann der Film gar keine Musik benötigt.
So trällert der Score auch aus den Lautsprechern, während die Poseidon von der Welle erfasst wird, was der an sich ohnehin beeindruckenden Sequenz in gewissem Sinne den Realismus raubt. Auch bleibt unverständlich, weswegen Badelt immer wieder auf einen elektronischen Score pocht, wo ihm doch offensichtlich ein Orchester zur Verfügung stand. Ein voluminöserer Soundtrack hätte in manchen Momenten das Drama des Films verstärken können, statt es nur zu begleiten.
Das macht die Musik nicht schlecht, auch wenn sie sich oft wiederholt. Aber es ist wenn überhaupt ein durchschnittlicher und effektiver Score, den der in Frankfurt geborene Komponist abgeliefert hat, als ein innovativer. Andererseits schwimmt er damit in denselben Gewässern, wie der Film selbst auch.

Weltweit nahm der Streifen mit Mühe etwas mehr als seine Produktionskosten wieder ein. In den USA selbst war der Erfolg, wie schon bei Petersens Troja [2004], nicht überzeugend.
Dabei ist die harsche Kritik, die Poseidon widerfuhr, an sich nicht immer gerechtfertigt. Zugegebenermaßen ist der Film zu kurz geraten, die Story vorhersehbar und fade, die Charaktere eindimensional und das Drama wird der eigentlichen Geschichte dahinter nicht gerecht. Doch sind die Darsteller gut aufgelegt, der Film mit einem flotten Tempo erzählt und die Umsetzung so tadellos und einwandfrei gelungen, dass es einem mitunter den Atem verschlägt. Wer sich auf einen unkomplizierten, formelhaften Katastrophenreißer einlässt, der technisch besser nicht zu machen ist, der wird auch nicht enttäuscht.


Fazit:
Je höher hinaus man gekommen ist, desto tiefer ist der Fall, dies ist eine alte Lebensweisheit, die gerade im Showgeschäft regelmäßig bestätigt wird. Und man wird mitunter auch das Gefühl nicht los, als würden sich manche Menschen an den Misserfolgen anderer ergötzen.
Ohne Frage hat Wolfgang Petersen für Poseidon viel Kritik einstecken müssen, und das auch zurecht. Immerhin scheint der Film zu schnell aus dem Boden gestampft, statt auf das Schicksal der Figuren auf Effekthascherei abzuzielen, und wer schon jemals einen Katastrophenfilm in seinem Leben gesehen hat, wird nach wenigen Minuten wissen, wie dieser ausgeht. Aber dennoch muss man angesichts der perfekten Präsentation der Geschichte, der mitunter spannenden Szenen, der erstklassigen Bauten und der ohne Frage überwältigenden Flutwelle staunen. Besser wäre Poseidon nicht zu machen gewesen, auch wenn viel mehr daraus hätte werden können.
Wer sich aber auf den Katastrophenfilm einlässt, wird die eineinhalb Stunden zumindest spannend unterhalten, wenn auch nur in technischer Hinsicht erstaunt.


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