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Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten [2011]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 25. Mai 2011
Genre: Action / Komödie / Fantasy

Originaltitel: Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides
Laufzeit: 137 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Rob Marshall
Musik: Hans Zimmer
Darsteller: Johnny Depp, Penélope Cruz, Geoffrey Rush, Ian McShane, Kevin McNally, Sam Claflin, Astrid Berges-Frisbey, Stephen Graham, Keith Richards, Richard Griffiths, Greg Ellis, Damian O'Hare, Óscar Jaenada, Anton Lesser, Roger Allam, Judi Dench


Kurzinhalt:
Jack Sparrow soll in London sein und eine Besatzung für eine Expedition anheuern – so erfährt es Jack Sparrow (Johnny Depp) von seinem Freund Gibbs (Kevin McNally), den er kurz zuvor vor dem Galgen bewahrt hat. Nur dass Jack kein Schiff besitzt und auch keine Crew anheuert. Es sei denn, es ist jemand in seinem Namen unterwegs: ein Betrüger! Als Jack seine Fühler ausstreckt, kommt er Angelica (Penélope Cruz) auf die Schliche, die er von früher kennt und die ihm deshalb auch nicht sehr wohlgesonnen ist. Sie sucht tatsächlich eine Crew für ihr Schiff und braucht Jacks Hinweise, um zur Quelle der ewigen Jugend zu gelangen.
Dorthin ist auch Captain Barbossa (Geoffrey Rush) im Namen der englischen Krone unterwegs, die es sich auf die Fahne geschrieben hat, die Quelle vor einer spanischen Expedition zu erreichen. Doch den Ort zu kennen reicht allein nicht, um von der Quelle trinken zu können bedarf es zweier silberner Kelche und der Träne einer Meerjungfrau. Der Pirat Blackbeard (Ian McShane), der Angelicas Schiff befehligt, hat ein besonderes Interesse an der Quelle, und lässt keine Gnade walten, so schnell wie möglich dorthin zu kommen. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem keine der Parteien zurückstecken will, zumal Barbossa mit Blackbeard noch eine Rechnung zu begleichen hat ...


Kritik:
Eines der größten Komplimente, die man Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt [2007] seinerzeit machen konnte war, dass der Film "mit Bildern aufwartet, die alles bisher da gewesene in den Schatten stellen". Dieses Kompliment funktioniert bei Fremde Gezeiten nicht mehr, alles scheint irgendwie bekannt, nur wieso macht der vierte Teil der Fluch der Karibik-Reihe so viel mehr Spaß als sein Vorgänger? Es mag daran liegen, dass ein wenig Zeit vergangen ist, man sich nicht von den Piraten-Abenteuern auf hoher See so übersättigt fühlt, wie das noch vor vier Jahren der Fall war. Vielleicht ist es auch, dass Captain Jack Sparrow mit mehr neuen als bekannten Charakteren zu tun hat. Was den Zusehern hier den Zugang zu einem weiteren Fantasy-Ausflug ins 18. Jahrhundert erleichtert ist die Tatsache, dass man die Story überhaupt versteht.
Nahmen sich Teil zwei und drei so wichtig, ihre simple Geschichte auf beinahe 320 Minuten aufzublähen, ist der jüngste und vermutlich nicht letzte Ableger der Reihe immerhin so weise genug, eine stimmige Story zu präsentieren – die aber immer noch gute 20 Minuten zu lang gestreckt wird.

Es beginnt damit, dass Sparrows treuer Gefährte Gibbs in London vor Gericht steht und deshalb hängen soll, weil er für Jack Sparrow gehalten wird. In einer waghalsigen Aktion wird er von Captain Jack befreit, der fortan vom König persönlich eine Einladung zu einer Expedition erhält. Er soll unter dem Kommando von Barbossa die Quelle der ewigen Jugend finden. Gerüchten zufolge sollen die Spanier den Aufenthaltsort der Quelle erfahren haben und sind bereits unterwegs. Doch Jack lehnt ab, flieht beinahe erfolgreich und sieht sich wenig später einem Betrüger gegenüber, der in Sparrows Namen eine Crew anheuert – um zur Quelle der ewigen Jugend zu fahren. Es ist in den ersten dreißig Minuten unglaublich erfrischend, Captain Jack nicht auf hoher See zu sehen, sondern ihm auf Land bei seinen Abenteuern zuzusehen. Recht elegant beginnt das Drehbuch damit, nicht nur zwei, sondern gleich drei Parteien auf die Suche nach der Quelle der ewigen Jugend zu schicken. Dass die Spanier hier nur eine untergeordnete Rolle spielen, ist beim Finale von Vorteil, denn was sie mit der Quelle vorhaben, kommt gänzlich unerwartet.
Auch als Jack auf seinen Betrüger trifft, sich mit ihm im Halbschatten ein Säbelduell liefert, werden diejenigen, die sich nicht lange vor dem Kinobesuch mit der Story beschäftigt haben, die ein oder andere Überraschung erleben. Zu behaupten, Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten hätte seine besten Momente, ehe die Expeditionen in See stechen, wäre nicht zutreffend, auch danach ergeben sich durchaus interessante Szenen. Erwacht Jack Sparrow an Bord eines Schiffes, nicht als Captain, sondern als normaler Matrose, trifft er zum ersten Mal auf den sagenumwobenen Pirat Blackbeard, den alle übrigen Piraten fürchten, und sieht man die übernatürliche Macht, mit der er sein Schiff kontrolliert, ist das durchaus eindrucksvoll und nicht minder packend, als wenn man zum ersten Mal die Crew der Black Pearl im Mondlicht sieht. Zugegeben, Fremde Gezeiten wartet im Vergleich zu den ersten drei Fluch der Karibik-Filmen nicht mit viel Neuem auf, doch liegt dies in der Materie begründet. Allzu viel kann ein Schiff auf hoher See nicht machen, außer fahren, kämpfen und sinken. Um ewige Jugend aus der Quelle mitzunehmen bedarf es, das erfährt Jack von Angelica, der Frau, die sich für ihn ausgab, um eine Crew anzuheuern, und mit der ihn eine gemeinsame Vergangenheit verbindet, die Träne einer Meerjungfrau. Und auch zwei besondere silberne Kelche. Wie man dorthin kommt, woher Jack weiß, was er zu tun hat, weiß er von einer Karte, die ihm recht früh im Film abhandenkommt – so vermutet man zumindest, denn erklärt wird Vieles nicht. Die Jagd nach der Meerjungfrau gehört zu einem der stimmungsvollsten Abschnitte des Films, der jedoch sehr dunkel geraten ist. Überhaupt ist Fremde Gezeiten ein außergewöhnlich dunkler (nicht düsterer) Film. Wer sich das Piratenabenteuer in 3D ansieht, sollte sich darauf einstellen, die vielen dunklen Szenen noch dunkler zu erleben, dafür aber auch noch mehr Geld an der Kinokasse zu lassen. In 2D kann man zumindest die wenigen Tagszenen genießen.

Nach Gore Verbinski übernimmt nun zum ersten Mal ein anderer Regisseur das Ruder. Rob Marshall gibt sich routiniert und fängt dabei die amüsanten Sequenzen ebenso gekonnt ein wie die reichliche, aber nicht sehr abwechslungsreiche Action. Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten ist aufwändig gemacht, aber das waren die Vorgänger auch. Es überrascht, dass sich die Macher beim Bombast eher zurücknehmen, keine optische Reizüberflutung bieten, sondern die Geschichte beinahe schon klassisch vortragen. Für das bekannte Flair sorgt auch Komponist Hans Zimmer, dem es im Nu gelingt, eine vertraute Atmosphäre zu erzeugen. Wovon der vierte Teil jedoch am meisten profitiert und auch unumwunden lebt, ist die Besetzung, bei der Johnny Depp einen nicht so tollpatschigen, sondern vielmehr überlegten Sparrow gibt, dem Penélope Cruz jedoch in nichts nachsteht. Geoffrey Rush hat angesichts von Ian McShane als charismatischem Blackbeard beinahe das Nachsehen, wobei Kevin McNally erfreulich viel zu tun bekommt. Die Gastauftritte von Judi Dench und Keith Richards stehlen aber, wie sollte es anders sein, sogar Depp in den Momenten die Show.

Kenner der Reihe wissen, weshalb sie den Abspann geduldig anschauen; auch beim neuesten Film gibt es im Anschluss noch eine kleine, amüsante Szene zu sehen.


Fazit:
Es überrascht, wie negativ Jack Sparrows neuestes Abenteuer meist aufgenommen wird. Dabei ist dieser Teil, wie schon die zwei vorhergehenden nicht wirklich notwendig, sondern auf Grund des Erfolgs vielmehr unausweichlich. Immerhin gelingt es den Machern, einen etwas anderen Ansatz zu finden und statt immer noch größeren Seeschlachten und überfordernden Bildern einen Schritt zurück zu gehen, auf die Figuren zu. Beinahe, als würde man sich auf das Notwendige besinnen, auch wenn sich das nicht im Budget niedergeschlagen hat.
Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten ist sehr gut gemachte und routiniert erzählte Unterhaltung mit einem unverkennbaren Piraten-Flair, die ganz auf die charmante Besetzung zugeschnitten ist. Dabei ist Jack Sparrow alias Johnny Depp immer noch der Star, doch treten ihm Gleichberechtigte gegenüber. Viele Überraschungen gibt es dabei zwar nicht, und man hat auch das Gefühl, als wäre alles schon einmal dagewesen und etwas zu lang, doch wer die ersten drei Filme gesehen und zumindest einen davon genossen hat, der wird auch hier gut aufgehoben sein – und vielleicht sogar die durchgängig schlüssige Story zu schätzen wissen, bei der allenfalls auffällt, dass viele Figuren Dinge wissen, die sie eigentlich nicht wissen können.


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