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P.S. Ich liebe Dich [2007]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 20. Januar 2008
Genre: Liebesfilm / Drama

Originaltitel: P.S. I Love You
Laufzeit: 126 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2007
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Richard LaGravenese
Musik: John Powell
Darsteller: Hilary Swank, Gerard Butler, Lisa Kudrow, Gina Gershon, James Marsters, Kathy Bates, Harry Connick Jr., Jeffrey Dean Morgan, Dean Winters, Anne Kent, Brian McGrath


Kurzinhalt:
Holly (Hilary Swank) hatte viele Pläne für ihre Zukunft mit Gerry (Gerard Butler). Doch ein Tumor beendet sein Leben. Hilflos und am Boden zerstört muss Holly den Alltag ohne ihren Ehemann meistern – doch er hat ein Weg gefunden, ihr den Einstieg für ein Leben ohne ihn zu erleichtern.
In mehreren Briefen gibt er Holly Aufgaben, lädt sie und ihre Freundinnen Denise (Lisa Kudrow) und Sharon (Gina Gershon) in Gerrys Heimat Irland ein, und versucht damit, ihr Hoffnung auf einen Neuanfang zu machen.
Doch während Holly in dem Angestellten Daniel (Harry Connick Jr.) einen Freund findet, macht ihr ihre Mutter Patricia (Kathy Bates) deutlich, dass die Briefe irgendwann aufhören werden. Und während das Leben für Hollys Freunde weitergeht, muss sie sich nach wie vor auf einen Neubeginn erst einlassen ...


Kritik:
Quasi über Nacht wurde die irische Autorin Cecilia Ahern zum neuen Star am Literatur-Himmel; mit ihrem Debütroman P.S. Ich liebe Dich gelang ihr nicht nur ein weltweiter Bestseller-Erfolg, sondern sie traf mit der melancholischen Erzählweise und den lebendigen Figuren in ihrem Buch genau den Zahn der Zeit. Es dauerte nicht lange, ehe die Filmrechte an dem Roman verkauft waren. Umso länger allerdings, bis sich der Stoff als Film adaptieren ließ.
Dass die Traumfabrik an einer "Erfolgsgeschichte" interessiert sein würde, verwundert nicht, und so wurde die Geschichte auch entsprechend den Bedürfnissen der amerikanischen Zuschauer angepasst. P.S. I Love You spielt damit nicht mehr – wie der Roman – in Irland, sondern in New York. Die kleinen Momente, die einem als Leser noch ein Schmunzeln auf die Lippen zauberten, werden hier durch Situationskomik ersetzt, die in den meisten Fällen absehbar ist. Und während man als Leser der Vorlage mit erlebt, wie Holly mit dem Verlust fertig zu werden versucht, nehmen sich die beiden Autoren – darunter auch Regisseur Richard LaGravenese – viel mehr Zeit, vorweg und in Rückblicken das Glück zu zeigen, in dem das Ehepaar Kennedy lebte.

Insofern haben sich die Macher viele Freiheiten heraus genommen, als sie den Roman für die Leinwand adaptierten. Statt einer durchweg traurigen und sehr bedrückenden Stimmung herrschen hier mehr die lustigen Momente vor, die sich zwar mit den erschütternden Szenen abwechseln, aber dennoch die Oberhand bewahren. Während man selbst als Zuseher, der den Roman nicht gelesen hat, die Einleitung um einen Streit Hollys und Gerrys (mit anschließender Versöhnung), noch als zu lang empfinden sollte, ist es spätestens der abrupte Übergang zwischen jenem glücklichen Moment und Gerrys Totenfeier, der einen als Zuschauer etwas überrumpelt. Nicht nur, dass man nicht gesagt bekommt, wie viel Zeit denn vergangen sein soll zwischen den beiden Szenen, von Gerrys Krankheit ist nichts zu sehen gewesen. Sein Kampf um sein Leben, der im Roman immerhin kurz beschrieben wird, fehlt völlig und auch seine Todesursache scheint im Film nur am Rande zu interessieren.
Stattdessen gibt sich Holly den üblichen Klischees hin, wird beim improvisierten Singen in der herunter gekommenen Wohnung von ihren Freunden überrascht und muss sich fortan mit allen möglichen Tücken des Alltags herumschlagen. Lediglich durch die Briefe und die langen Erinnerungen scheint Gerry noch ein Teil ihres Lebens zu sein, doch die langsame Abnabelung, die die Briefe ihr ermöglichen, lässt das Skript von LaGravenese leider vermissen.
Das Skript schwankt zwischen emotional berührenden, traurigen Momenten, die ohne große Erklärungen auskommen, wie beispielsweise Hollys Abhören des Anrufbeantworters, um Gerrys Stimme zu hören, oder der zweite Karaokeauftritt, den sie nur Gerry allein widmet auf der einen Seite Und andererseits klischeebeladenen, absehbaren Comedy-Einlagen, die man in dem Stil schon zu oft gesehen hat, um noch zu überraschen. Auch das kurze Intermezzo mit einem Freund Gerrys in Irland scheint eine typisch amerikanische Idee und passt zur Figur Hollys nicht wirklich.
Ebenso zwiespältig ist auch der Schluss geraten, der zwar weniger offensiv ausfällt, als im Buch, aber statt Holly mit Hoffnung und einem offenen Herzen in die Zukunft sehen zu lassen, unbedingt ein Happy End in Aussicht stellen muss.

Die Darsteller scheinen das Beisammensein vor der Kamera indes genossen zu haben, auch wenn Hilary Swank weit mehr zu tun hat, als all ihre Kolleginnen zusammen. Sie macht ihre Sache als trauernde Witwe stellenweise sehr gut. Momente, wie die Rückkehr zu ihrer Mutter vor dem letzten Brief überzeugen indes nicht wirklich. Dies mag auch an der deutschen Synchronstimme gelegen haben, die sich zwar für die Zeichentrickfigur Bart Simpson durchaus eignet, bei Holly Kennedy aber schlichtweg unpassend war. Swank an sich wird nur zum Verhängnis, dass sie selbst zu tough wirkt, so als könne sie die Situation allein auch meistern. Von der Verlorenheit, die Holly im Roman ausstrahlt, ohne Gerry an ihrer Seite, ist bei ihr nicht viel zu spüren – doch dafür ist sie schlicht der falsche Typ Frau.
Nicht besser zu besetzen gewesen wäre der Schotte Gerard Butler als Ire Gerry Kennedy. Nicht nur, dass die Chemie zwischen ihm und Swank vom ersten Moment an stimmt, Butler verleiht seiner Figur eine Art Stolz und Charisma, dass es eine Freude ist, ihm zuzusehen. Hätte er auch die Momente von Gerrys Krankheit mimen dürfen, hätte er mit Sicherheit mehr von seinem schauspielerischen Talent zeigen können; nichtsdestotrotz gehört er zu den größten Pluspunkten im Film und füllt wie kaum ein anderer Darsteller derzeit die Leinwand mit einer sympathischen und ebenso jungenhaften Figur.
Dahingegen bleiben Lisa Kudrow und Gina Gershon relativ blass, wobei Gershon auch weniger zu tun bekommt. Zwar füllen sie ihre Rollen mit der notwendigen Überzeugungskraft aus, wären ihre Hintergründe stärker ausgeleuchtet worden, hätten sie aber mit Sicherheit auch mehr zeigen können. James Marsters Auftritt kann man indes nur als Gastspiel werten, was schon insofern schade ist, als dass er in den wenigen Moment deutlich mehr Profil gewinnt, als Jeffrey Dean Morgan als Gerrys Freund Billy.
Eine der positivsten Überraschungen in P.S. Ich liebe Dich ist allerdings der Auftritt von Kathy Bates, die mit ihrer elterlichen Sorge, dem hilflosen, betrübten Blick und den kleinen, mitunter aus Verbitterung entstandenen Weisheiten, ihrer Rolle so viel mehr abgewinnt, als man ihr auf Grund der wenigen Momente zugestanden hätte. Insbesondere das Gespräch zwischen Patricia und Holly auf der Brücke im Park zum Schluss zeigt, wozu die beiden Darstellerinnen in der Lage sind.
Für einige lustige, wenn im Endeffekt auch undankbare Momente sorgt Harry Connick Jr. als Daniel, von dem man sich sicherlich etwas mehr Zeit vor der Kamera versprochen hätte, der aber den gut gelaunten Cast abrundet, ohne dass er wirklich Wünsche offen lässt.

An der handwerklichen Umsetzung durch Regisseur Richard LaGravenese, der letztes Jahr auch mit dem Krimidrama Freedom Writers [2007] in den Kinos vertreten war, gibt es indes nichts zu bemängeln; die Bilder passen zum Geschehen, zeigen einerseits Hollys Neuanfang in der eher grellen Großstadt, andererseits in Rückblenden ihre Erinnerungen in der malerischen Landschaft Irlands mit Gerry. Die Landschafts- und Stadtaufnahmen sind es auch, die an der Inszenierung am meisten beeindrucken.
Mehr sicherlich, als die Wahl der Szenenaneinanderreihung, die nicht nur beim Übergang zu Gerrys Totengedenken negativ überrascht. In der Tat scheinen manche Szenen unnötig lang, die Aussagen sich zu wiederholen und der Film hätte ohne weiteres 15 Minuten kürzer dauern können, ohne an Aussagekraft zu verlieren. Dafür bringen die Macher aber gut ein Dutzend Lieder in den zwei Stunden Film unter, die aber die Melancholie Hollys nicht wirklich unterstützen, sondern vielmehr momentan zum grundsätzlichen Musikgeschmack passen.
Anders der Score von John Powell, dem es erstaunlich gut gelingt, P.S. Ich liebe Dich ein eingängiges, ebenso Mut machendes, wie trauriges Thema zu verleihen, das leicht abgewandelt auch für die lustigen Momente geeignet ist. Wie grundlegend verschieden seine Kompositionen hier im Gegensatz zu seinen letzten Projekten wie Das Bourne Ultimatum [2007] oder X-Men - Der letzte Widerstand [2006] ausgefallen sind, ist erstaunlich.

Weniger erstaunlich ist, dass die Verfilmung des Bestsellerromans weit weniger Zuschauer in die Kinos locken konnte, als von den Produzenten erwartet. Der Grund hierfür ist schnell gefunden; auch wenn die Schauspieler die auf die Leinwand gebrachten Figuren sehr ansehnlich zum Leben erwecken, es fehlen zu viele Charaktermomente anderer Figuren, um diese auch menschlich und komplex erscheinen zu lassen.
Der Schwerpunkt der Geschichte wird durch das ständige Schwelgen in Erinnerungen verlagert, weg von Hollys Gegenwart, hin zu ihrer Vergangenheit mit Gerry und auch die Briefe – ein roter Faden im Roman – sind hier eher Nebensache.
P.S. Ich liebe Dich – wie auch den Roman schon – allerdings auf ein "Frauenthema" zu reduzieren wäre schlicht nicht richtig. Dafür ist das Thema zu universell, zu realistisch. Und oftmals viel näher als man denkt. Die Inszenierung ist solide gelungen, wenn auch ohne Überraschungen und in Hinblick auf die Romanvorlage leidet der Film vor allem an einer hollywoodüblichen Überarbeitung, die zwar die Geschichte weniger traurig macht, ihr damit aber auch etwas von ihrer Aussagekraft nimmt. Leider.


Fazit:
Die Meinungen gehen sicherlich auseinander, ob sich P.S. Ich liebe Dich so direkt für eine Verfilmung geeignet hätte. Tatsache ist, dass eben die neu eingefügten, klischeehaften Situationen und die absehbare Komik zur Auflockerung der Geschichte einen etwas faden Beigeschmack hinterlassen. Abgesehen davon schwelgt der Film mehr in Erinnerungen Hollys an ihre gemeinsame Zeit mit Gerry, statt sich darauf konzentrieren, wie es mit ihrem Leben weiter geht; wie es Ahern in ihrem Roman in Angriff nimmt.
Es sind allerdings die guten Darsteller, die letztlich in Erinnerung bleiben, angeführt von einer starken Hilary Swank, einem erstklassigen und charismatischen Gerard Butler und einer weit tiefgehenderen Kathy Bates, als das Skript ihr augenscheinlich zumutet. Insbesondere die Landschaftsaufnahmen in Irland tragen ihren Teil zur stimmigen Atmosphäre des Filmes bei.
Doch die vielen Änderungen gegenüber der Vorlage machen Kennern des Romans den Zugang schwer. Und alle anderen werden sich fragen, weswegen ein an sich trauriges Thema mit so viel Humor gezeigt werden muss, und obendrein mit einem fast-Happy-End endet. Denn wenn auch viele Momente aus dem richtigen Leben gegriffen scheinen, eben dieser letzte ist es nicht.


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