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Mr. Holmes: Der Mann hinter dem Mythos [2015]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 4. Juli 2016
Genre: Unterhaltung / Krimi / Drama

Originaltitel: Mr. Holmes
Laufzeit: 104 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2015
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Bill Condon
Musik: Carter Burwell
Darsteller: Ian McKellen, Laura Linney, Milo Parker, Hiroyuki Sanada, Hattie Morahan, Patrick Kennedy, Roger Allam, Phil Davis, Frances de la Tour, Charles Maddox, Takako Akashi


Kurzinhalt:

Nach seiner Rückkehr von einer anstrengenden Japan-Reise, zieht es den bekannten Meisterdetektiv Sherlock Holmes (Ian McKellen) in sein Landhaus zurück, wo seine Haushälterin Mrs. Munro (Laura Linney) und deren Sohn Roger (Milo Parker) bei ihm sind. Holmes möchte in der wenigen Zeit, die ihm bleibt, etwas richtigstellen. Einer seiner Fälle, dessen ist er sich sicher, hat sich nicht so abgespielt, wie sein Assistent Mr. Watson ihn niedergeschrieben hatte. Auch wenn sich Holmes sicher ist, dass es der Fall von Mr. Thomas Kelmot (Patrick Kennedy) war, der um seine Ehefrau Ann (Hattie Morahan) besorgt war, er kann sich zunehmend weniger daran erinnern, wie er sich zugetragen hat ...


Kritik:
Die Titel gebende Hauptfigur in Mr. Holmes: Der Mann hinter dem Mythos strahlt eine solch charismatische Melancholie aus, dass sie von innen zu leuchten scheint. Vom großartigen Ian McKellen in einer unnachahmlichen Weise zum Leben erweckt, fasziniert jeder einzelne Gesichtsausdruck dieses ikonischen Charakters. So sehr, dass die eigentliche Geschichte darüber in den Hintergrund gerät. Oder ist er vielmehr selbst die Geschichte? Das herauszubekommen macht hier den Reiz aus.

Es ist dabei so erfrischend, dass das Drehbuch von Jeffrey Hatcher, basierend auf dem Roman A Slight Trick of the Mind [2005] von Autor Mitch Cullin, nicht all das wegwischt, was Sir Arthur Conan Doyle in seinen Büchern und Geschichten der Figur Sherlock Holmes aufgebaut hat, sondern darauf aufbaut. Er stellt den Mythos des nicht zu überlistenden Privatdetektivs vor und blickt hinter die Fassade, die Mr. Watson in seinen Büchern angeblich so fein konstruierte. Die Geschichte selbst setzt im Jahr 1947 an, als der 93jährige Sherlock Holmes, der seit drei Jahrzehnten im selbst gewählten Exil in Sussex lebt, sich anschickt, eine Geschichte richtigzustellen. Dabei steht er seinem größten Feind gegenüber: Der Zeit. Denn nicht nur, dass ihm nur wenig bleibt, je länger sie fortschreitet, umso größer sind die Lücken in seiner Erinnerung. Nur wie soll er das Gewesene niederschreiben, wenn er nicht einmal mehr weiß, wie es sich zugetragen hat?

Mr. Holmes wird in mehreren Zeitebenen parallel erzählt. Die Rahmengeschichte mit dem stark gealterten Holmes, der auf seinem Landhaus Bienen züchtet und zunehmend auf die Hilfe seiner Haushälterin Mrs. Munro und ihres Sohnes Roger angewiesen ist. Um seine Gedanken niederzuschreiben, muss er sich an einen Fall erinnern, der sich vor 30 Jahren zugetragen hat, als Thomas Kelmot auf den Detektiv zutrat, sich Sorgen um seine Ehefrau Ann machend. Um seiner Erinnerung auf die Sprünge zu helfen, reiste Mr. Holmes unmittelbar zuvor nach Japan auf der Suche nach einer besonderen Pflanze. Auch dort wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert.

Wer sich dabei fragt, wie sich die Nebenhandlung um den japanischen Herrn Umezaki in die Geschichte einfügt, der wird sich bis zum Schluss des Films gedulden müssen. Die Auflösung ist berührend, ohne rührselig zu sein.
An welches Publikum sich Mr. Holmes: Der Mann hinter dem Mythos dabei richtet, ist ständig zu sehen: Statt die Handlungen der Figuren, die Bedenken von Mrs. Munro oder Rogers Sehnsucht nach einer Bezugsperson in Dialogen zu erklären, ist man als Zuseher gefordert, aufmerksam zu bleiben, die Mimik und Gestik der Personen zu beobachten. So auch, als Holmes in Japan einer jungen Frau auf der Straße begegnet und sich nicht erklären kann, woher ihre Narben stammen.

Bill Condons Erzählung ist so fein texturiert, so vielschichtig und behutsam, dass sie sich kaum in Worte fassen lässt. Die Atmosphäre, die er dadurch erzeugt, ist einzigartig und schwermütig zugleich. Im Zentrum agiert ein Ian McKellen, in dessen Augen man teils das wachsame Feuer des Meisterdetektivs sieht, ehe er in anderen Momenten nach einer Erinnerung suchend, die sich ihm entzieht, verzweifelt und hilflos erscheint. Gerade in den Gesprächen mit dem jungen Roger gibt er sich melancholisch und doch nie bitter. Es ist eine so nuancierte Darbietung, dass man sich kaum vorstellen mag, wie es gewesen wäre, der Ausnahmedarsteller hätte die Figur früher bereits für sich entdeckt. Was man hier zu sehen bekommt ist Schauspielkunst auf höchstem Niveau.
Dem beizuwohnen entschädigt bereits dafür, dass die Geschichte selbst nur eine untergeordnete Rolle spielt.


Fazit:
Man kann die Tragik, die Traurigkeit und die verschmitzte Überheblichkeit des einzigartigen Detektivs bereits in Carter Burwells tollem und anschmiegsamen Score heraushören. Er begleitet einen Film, der weniger Krimi ist, als man erwarten würde. Stattdessen verbirgt sich hinter Mr. Holmes: Der Mann hinter dem Mythos eine vielschichtige Charakterstudie in fantastischen Bildern und mit einem unbeschreiblichen Flair. Sie wird zum Leben erweckt von einer der umwerfendsten Darbietungen Ian McKellens, die es je zu sehen gab. Das ist nicht so packend, wie man es sich womöglich erhofft hat und auch der Fall selbst ist nicht so komplex, wie es sich andeutet. Doch das macht den Film nicht weniger sehenswert – für das richtige Publikum.    


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