skip to content

Mord nach Plan [2002]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Lars Adrian  |   Hinzugefügt am 09. Juli 2002
Genre: Thriller / Krimi

Originaltitel: Murder by Numbers
Laufzeit: 120 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2002
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Barbet Schroeder
Musik: Clint Mansell
Darsteller: Sandra Bullock, Ben Chaplin, Michael Pitt, Ryan Gosling


Kurzinhalt:
Die beiden Schüler Justin Pendleton (Michael Pitt) und Richard Haywood (Ryan Gosling) ermorden eine junge Frau, um das "perfekte Verbrechen" zu begehen, und sich selbst zu beweisen, damit durchkommen zu können. In dem perfiden Mordplan wird der zwielichtige Hausmeister der Schule mit der Tat belastet.
Polizistin Cassie Mayweather (Sandra Bullock) und ihr neuer Partner Sam Kennedy (Ben Chaplin) werden mit der Aufklärung des Falles betraut.
Die Ermittlung reißt bei Cassie, die seit Jahren unter persönlichen traumatischen Erlebnissen in ihrer Vergangenheit leidet, alte seelische Wunden wieder auf. Dabei kommt es bei der Aufklärung des Verbrechens natürlich zu Spannungen zwischen ihr und Sam.
Recht bald gerät der Hausmeister in Verdacht, und um sämtliche Spuren zu verwischen, wird auch er von Richard Haywood ermordet, wobei es wie Selbstmord aussieht.
Sam ist davon überzeugt, den Mörder gefunden zu haben und der Fall gilt als gelöst.
Cassie jedoch ist der Meinung, dass die wahren Täter noch auf freiem Fuß sind, und verdächtigt Justin Pendleton und Richard Haywood. Gegen ausdrücklichen Befehl ermittelt sie auf eigene Faust weiter und bringt sich dabei in große Gefahr.


Kritik:
Mord nach Plan basiert sehr frei auf dem Theaterstück Rope's End von Patrick Hamilton, das Alfred Hitchcock bereits erfolgreich unter dem Titel Cocktail für eine Leiche [1948] (Originaltitel: Rope) verfilmt hat.
Während der Altmeister die Geschichte als Kammerspiel an einem einzigen Schauplatz angesiedelt hat, wirkt die neue Adaption erwartungsgemäß viel moderner, sowohl hinsichtlich der Schauplätze, als auch der Dialoge.
In beiden Filmen sind die Täter bereits zu Beginn des Filmes bekannt und wie in einer Columbo-Folge soll sich die Spannung aus der Aufklärung des Falles ergeben.

Vielen Kinobesuchern drängt sich schon zu Beginn des Filmes die Frage auf, ob die sympathische Sandra Bullock auch in einer ernsten Rolle als abgebrühte Polizistin überzeugen kann, da ja frühere Versuche außerhalb des Komödien- oder Action-Genres (z.B. In Love and War [1996] oder Hope Floats – Eine zweite Chance [1998]) bislang nicht unbedingt von Erfolg gekrönt waren. Nun diese Frage ist schnell zu beantworten: Sie kann sehr wohl. Was die schauspielerische Leistung angeht, ist Mord nach Plan sicherlich Sandra Bullocks bislang bester Film. Im Vergleich zu ihren bisherigen Rollen eher untypisch, verzichtet sie hier auf viele Worte und hält sich in ihrer Impulsivität völlig zurück. Mit vielen kleinen Nuancen in Mimik und Gestik gelingt es ihr, dem Zuschauer den vielschichtigen Charakter der zwar nach außen hin starken Ermittlerin, innerlich aber zutiefst verletzten Frau, überzeugend nahezubringen.

Ben Chaplin kommt als Sam zwar sympathisch rüber, kann aber keine besonderen Akzente setzen. Dafür ist seine Rolle zu eindimensional gestrickt. Sam ist schlicht Cassies neuer Partner: talentiert, noch etwas unerfahren, letztendlich aber jemand, auf dem man sich verlassen kann. Ein stereotyper Charakter, den man in vielen Filmen dieser Art findet.

Die wahren "Stars" des Films allerdings sind die beiden Jungdarsteller Michael Pitt und Ryan Gosling als jugendliche Mörder. Der in diesem Film etwas androgyn wirkende Michael Pitt überzeugt als hochintelligenter, aber zurückhaltender Komplize, von dem die eigentliche Planung des "perfekten Verbrechens" ausgeht, dabei aber trotzdem in gewissem Sinne anderen gegenüber - zumindest scheinbar - verletzlich ist. In starkem Kontrast dazu stellt Ryan Gosling seine Figur überheblich, egozentrisch, manipulativ und impulsiv, aber nicht ohne Charme, dar. Schon seine körperliche Präsenz schüchtert ein, was auch Cassie zu spüren bekommt. Hauptsächlich diesen beiden jungen Schauspielern ist es zu verdanken, dass der Film eine beunruhigende Stimmung aufbaut.

Trotz der guten Darstellerleistungen bleibt Mord nach Plan aber letztlich leider doch eine Enttäuschung.
Das hat mehrere Gründe:

Zum einen konnte sich Regisseur Barbet Schroeder offensichtlich nicht entscheiden, in welche Richtung der Film gehen soll.
Schroeders wohl bekanntester Film ist Weiblich, ledig, jung sucht ... [1992]. Während dieser Film solide Thrillerunterhaltung mit einigen wirklich nervenzerfetzend spannenden Szenen bietet, sucht man gerade Spannung in Mord nach Plan weitestgehend vergebens.
Man hat sogar den Eindruck, als hätte sich der Regisseur bemüht, Spannung künstlich aus dem Film herauszunehmen, wobei vieles schon an der Struktur des Filmes liegt:
Das Geschehen wird nicht vollkommen chronologisch erzählt, sondern gerade die Planung und Durchführung der Tat selbst wird in mehreren Rückblenden geschildert. Grundsätzlich wäre gegen Rückblenden ja nichts einzuwenden, bei einem Thriller jedoch kann diese Technik einen gegenläufigen Effekt haben. So auch hier: Dadurch, dass der Zuschauer bereits zu Beginn den Ausgang der Tat kennt, kann er mit dem Opfer nicht mitfiebern, sondern wird zum teilnahmslosen Beobachter degradiert, der zwar Mitleid hat, aber weiß, dass das Ende ohnehin unabwendbar ist.
Dazu kommt, dass auch Cassies traumatische Erlebnisse in Rückblenden erzählt werden.
Die eigentliche Ermittlung des Mordfalles selbst gerät dabei in den Hintergrund und unter den ständigen Unterbrechungen aufgrund der verschiedenen Rückblenden leidet das Erzähltempo. Auch wenn das Gezeigte eigentlich nicht uninteressant wäre, wirkt Mord nach Plan deshalb an einigen Stellen zu lang und vor allem langatmig.

Sandra Bullock hat den Film mitproduziert und daher ist es sicher verständlich, dass sie eine komplexe Rolle spielen wollte. Dem Film hätte es aber wahrscheinlich besser getan, wenn gerade die Ausführungen hinsichtlich des Traumas von Cassie reduziert worden wären und dafür der eigentliche Mordfall und seine Aufklärung in den Mittelpunkt gerückt worden wäre.

Die besten Szenen des Filmes spielen sich zwischen Michael Pitt und Ryan Gosling ab. Die Gefühlslosigkeit der Täter und die Kaltblütigkeit bei der Planung und Ausführung des Verbrechens wirken erschreckend und beängstigend. Die Atmosphäre ist hier außerordentlich beklemmend, was durch die Hilflosigkeit des Opfers, den offenkundigen Sadismus der Täter und die Geräusche noch verstärkt wird. Der Zuschauer möchte am liebsten seine Augen vor dem Geschehen verschließen, zugleich aber wissen, was als nächstes geschieht und wird dadurch zum Mitwisser wider Willen. Insbesondere die Darstellung des Mordes selbst und die Beseitigung der Leiche sind nichts für empfindliche Gemüter und meines Erachtens auch nur für Erwachsene geeignet. Dass der Film eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren bekommen hat, ist für mich völlig unverständlich.

Leider will der Rest des Filmes nicht so recht zu diesen wirklich gelungenen Szenen passen. Bei vielen Dialogen hat man das Gefühl, sie in anderen Thrillern schon gehört zu haben. Handlung und Charaktere entsprechen oft den üblichen Klischees: Warum muss sich die Hauptermittlerin mit den Dämonen ihrer Vergangenheit herumplagen? Warum gibt es wieder eine Liebesbeziehung zwischen den beiden Polizisten? Warum wird ein mutmaßlicher Täter gefunden und die Ermittlerin glaubt als Einzige, dass der wahre Täter noch nicht gefasst ist? Warum ermittelt sie gegen den Befehl ihres Vorgesetzten auf eigene Faust?
Der aufgesetzt wirkende, actionbetonte Showdown, der sich so gar nicht in den sonst eher ruhigen Erzählstil des Filmes fügen will, fällt bei dieser Aneinanderreihung der üblichen Krimi-Muster zwar auch nicht unbedingt aus dem Rahmen, stört aber trotzdem ziemlich.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass Mord nach Plan als Thriller nicht spannend genug ist. Als Täterpsychogramm funktioniert der Film nicht, weil zu viele andere Story-Elemente von der Hauptgeschichte ablenken. Und als Traumabewältigungsdrama kann er aufgrund der zahlreichen Klischees ebenfalls nicht völlig überzeugen.

Immerhin ist die Musik von Clint Mansell solide und stimmungsvoll, wenn sie auch nicht wirklich in der Erinnerung haften bleibt.

Ausnahmsweise nichts Negatives kann man von der deutschen Synchronisation sagen. Mir sind keine Fehler aufgefallen. Die Sprecher geben sich Mühe und wurden passend besetzt, natürlich inklusive der üblichen Synchronsprecherin von Sandra Bullock.


Fazit:
Es ist nicht so, dass Mord nach Plan wirklich schlecht wäre. Bei einer durchgängigeren Handlung und strafferer Regie hätte der Film aber um ein Vielfaches besser sein können.
So hat man den Eindruck, das Meiste schon in anderen Filmen gesehen zu haben und oft sehr viel besser.
Relativ aktuelle Thriller wie ... denn zum Küssen sind sie da [1997], Im Netz der Spinne [2001] oder Sag' kein Wort! [2001] bieten vielleicht auch nicht unbedingt eine tiefsinnigere Handlung. Dafür sind sie aber unterhaltsamer und lohnen den Kinobesuch auf jeden Fall.
Ärgerlich ist in diesem Zusammenhang also, dass trotz interessanter Prämisse und hervorragenden Darstellern, Mord nach Plan deutlich hinter seinem Potential zurückbleibt.
Ein Kinobesuch kann demnach in erster Linie nur Sandra-Bullock-Fans empfohlen werden. Alle anderen können getrost warten, bis es den Film in der Videothek gibt oder er im Free-TV ausgestrahlt wird.


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!
Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.