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Männer die auf Ziegen starren [2009]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 28. März 2010
Genre: Komödie / Unterhaltung

Originaltitel: The Men Who Stare at Goats
Laufzeit: 94 min.
Produktionsland: USA / Großbritannien
Produktionsjahr: 2009
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Grant Heslov
Musik: Rolfe Kent
Darsteller: George Clooney, Ewan McGregor, Jeff Bridges, Kevin Spacey, Stephen Lang, Robert Patrick, Waleed Zuaiter, Stephen Root, Glenn Morshower, Nick Offerman


Kurzinhalt:
Als der Journalist Bob Wilton (Ewan McGregor) von einem geheimen Militärprojekt erfährt, bei dem parapsychologische Supersoldaten ausgebildet werden sollten, tut er dies als Hirngespinst seiner Quelle ab. Bis er eines Abends Lyn Cassady (George Clooney) gegenüber sitzt, der laut seiner Quelle einer der begabtesten jener Einheit gewesen sein soll. Schließlich nimmt Cassady Bob auf einer geheimen Mission mit in den Irak.
Dabei erfährt der Journalist, wie Bill Django (Jeff Bridges) mit dem "First Earth Battalion" die erste Gruppe paranormal begabter Soldaten ausbildete. Larry Hooper (Kevin Spacey) war damals dafür verantwortlich, dass das Projekt eingestellt wurde. Lyn, der denkt er habe einen Fluch über die Truppe gebracht, weil er eine Ziege zu Tode starrte, ahnt nicht, dass sich sein Weg mit Larry und Bill nochmals kreuzen wird ...


Kritik:
Amerikanische Soldaten, die mit LSD experimentieren, mit ihren Blicken "Wolken sprengen" oder mittels Gedankenkraft ihre Gegner schachmatt setzen – kann es eine solch parapsychologische Spezialeinheit gegeben haben? Wie glaubwürdig ist die Fernwahrnehmung, bei der der Soldat im Geist an einem fremden Ort die Umgebung beobachtet und so Informationen von hinter den feindlichen Linien erhält, ohne je einen Fuß dorthin gesetzt zu haben? Basierend auf dem Roman Durch die Wand von Autor Jon Ronson erzählt Männer die auf Ziegen starren die Geschichte eines Journalisten, der auf Umwegen im Irak mit ehemaligen Mitgliedern einer solchen Spezialeinheit in Kontakt tritt und daraufhin deren unglaublichen Werdegang erfährt. Wie viel Wahres daran ist, muss letztlich jeder für sich entscheiden, denn während Autor Ronson die Auffassung vertritt, er habe die Wahrheit berichtet, bestreiten die Militärs die absurden Taktiken. Hat man sich den ungewöhnlichen Film mit George Clooney und Ewan McGregor in den Hauptrollen angesehen, weiß man auch wieso.
Die Story wird rückblickend erzählt und springt währenddessen immer wieder in verschiedenen Etappen hin und her, während die eigentliche Handlung zur Zeit des zweiten Golfkrieges stattfindet. Bob Wilton, von Ewan McGregor als rückgratloser Journalist verkörpert, folgt dem wahnwitzig erscheinenden Lyn Cassady (George Clooney so abstrus wie zuletzt in Safecrackers oder: Diebe haben's schwer [2002]) auf einer undurchsichtigen Mission in den Irak. Der ehemalige Soldat, der früher Teil einer geheimen Spezialeinheit gewesen ist, behauptet, ein Jedi zu sein: Teil einer neuen Art des Frieden bringenden Militärs, ausgebildet, seine Gegner per Gedankenkraft zu manipulieren, geschult, seinen Verstand als Waffe zu benutzen. Dass er währenddessen entkommene Geiseln umfährt oder mitten in der Sandwüste das Auto auf einen Felsbrocken auffährt scheint eher Zufall zu sein. Bob erfährt von der Entstehung des "First Earth Battalion", jener paranormalen Einheit, die von Bill Django (Jeff Bridges in einer Paraderolle) ins Leben gerufen wurde. Auch wie der mäßig begabte Larry Hooper (routiniert: Kevin Spacey) durch seine Geltungssucht Zwietracht innerhalb der Gruppe säte. Bei all dem in Erinnerung schwelgen scheint Lyns derzeitige Mission beinahe in Vergessenheit zu geraten, bis das Schicksal einen Teil des geheimen Battalions wieder zusammenführt.

Regisseur Grant Heslov erzählt Männer die auf Ziegen starren mit viel Ironie und Augenzwinkern und es gelingt ihm sogar, seinen Darsteller diese Eigenschaften abzuringen, ohne dass sie in den aberwitzigsten Momenten unglaubwürdig wirken würden. Die Story pendelt dabei zwischen den verschiedenen Zeitebenen hin und her, während die Figuren auf der Leinwand von Einstellung zu Einstellung mal jünger und auch mal deutlich älter werden. Der fließende Übergang ist wirklich beeindruckend. Nur macht das die lose zusammenhängende Erzählung nicht temporeicher oder packender. Keine der vorgestellten Figuren – in der Tat sind im Film nur wenige Frauen zu sehen, dabei kaum eine mit einer ganzen Dialogzeile – wird wirklich greifbar, auch wenn viele sympathisch sind. Und da sich Vieles in Rückblenden abspielt, wirkt auch kaum ein Moment bedrohlich. Erinnert man sich an den bissigen Three Kings [1999], dessen eindeutige Aussage ohne Frage Zuschauer vor den Kopf stieß, bleibt man bei Männer die auf Ziegen starren auch nach Ende des Abspanns auf der Suche nach einem tieferen Sinn. Handelt es sich bei der Vorlage tatsächlich um eine lose Sammlung absurder Programme des US-Militärs, ist dies eine löbliche Chronik. Hat sich das aber nicht in dem Sinne tatsächlich zugetragen, scheint der realistische Hintergrund doch fehl platziert. Unterhaltsam bleibt es nicht zuletzt dank der gut aufgelegten Darsteller, denen es auch gelingt, die irrwitzigsten Posen und Momente lässig darzubringen. Auch die handwerkliche Umsetzung überzeugt. Nur inhaltlich hätte man sich mehr Substanz erwartet, oder zumindest einen spannenderen Ansatz. Wen das nicht stört, der wird sich bei dem Star-Vehikel köstlich amüsieren.


Fazit:
Selten bekommt man so viele bekannte Stars zu sehen, die sich alle in Situationen wiederfinden, die absurder nicht sein könnten. Als satirischer Blick auf die widersinnigen Projekte des Militärs, die so stattgefunden haben könnten, enthält sich Männer die auf Ziegen starren jedoch einer Stellungnahme. Die verschiedenen Techniken vorzustellen, ohne sie aber sarkastisch zu kommentieren, kommt einer Verharmlosung gleich.
George Clooney, Ewan McGregor, Jeff Bridges und Kevin Spacey scheint das aber nicht zu stören. Sie alle sorgen dafür, dass man sich als Zuseher auch in den für die Figuren peinlichsten Momenten wohl fühlt und ihnen bis in die Wüste und wieder zurück folgt. Wer sich auf das Ensemblestück einlässt, sollte bedenken, dass es mehr als unterhaltsam und surreal witzig nicht sein möchte. Mit diesem Anspruch wird man nicht enttäuscht. Nur hat man angesichts der Beteiligten zurecht grundsätzlich höhere Erwartungen.


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