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Lone Ranger [2013]

Wertung: 2.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 19. Januar 2014
Genre: Action / Komödie / Western

Originaltitel: The Lone Ranger
Laufzeit: 149 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Gore Verbinski
Musik: Hans Zimmer
Darsteller: Johnny Depp, Armie Hammer, William Fichtner, Tom Wilkinson, Ruth Wilson, Helena Bonham Carter, James Badge Dale, Bryant Prince, Barry Pepper, Mason Cook, JD Cullum, Saginaw Grant


Kurzinhalt:
Als 1869 der Anwalt John Reid (Armie Hammer) in seine Heimat Colby, Texas zurückkehrt, findet er eine Welt im Wandel vor. Sein Bruder Dan (James Badge Dale), ein Texas Ranger, macht Jagd auf den geflohenen Verbrecher Butch Cavendish (William Fichtner). Dans Frau Rebecca (Ruth Wilson), in die John schon lange verliebt ist, wird offen von Latham Cole (Tom Wilkinson) umworben, der für den Ausbau der transkontinentalen Eisenbahn in Colby verantwortlich ist. Als John seinen Bruder und dessen Kollegen bei der Suche nach Cavendish begleitet, gerät der Trupp in einen Hinterhalt.
Als John wieder zu sich kommt, offenbart ihm der Ureinwohner Tonto (Johnny Depp), dass er ein Seelenwanderer sei, der auf der anderen Seite war und zurückkam. Als sich John aufmacht, den Tod der Ranger zu rächen, schließt sich Tonto ihm an, der eine eigene Rechnung zu begleichen hat. Unterdessen häufen sich die Berichte, die Comanche hätten die Verträge mit der texanischen Regierung gebrochen, so dass ein Krieg unvermeidbar sei. Doch wie Reid herausgefunden hat, steckt Cavendish hinter den angeblichen Indianer-Anschlägen – nur für wen arbeitet er?


Kritik:
Auch wenn er gute Chancen hat, für seine Darbietung als Tonto die unrühmliche Goldene Himbeere zu erhalten, man muss Johnny Depp zugute halten, dass kein Darsteller so sehr wie er in einer Rolle überzeugt hätte, in welcher er zweieinhalb Stunden lang einen toten Vogel auf dem Kopf trägt. Nach den vielen Querelen im Hintergrund und den Anpreisungen, dass Lone Ranger vom Team von Fluch der Karibik [2003] stammt, waren die Erwartungen entsprechend groß. So auch die Enttäuschung.

Man mag sich dabei kaum vorstellen, was die drei Autoren Justin Haythe, Ted Elliott und Terry Rossio hier zu Papier gebracht haben. Es beginnt mit einer nervig-überflüssigen Rahmenhandlung im Jahr 1933, bei der ein kleiner Junge auf einem Jahrmarkt in San Francisco eine kleine Ausstellung bezüglich des Wilden Westens ansieht und dort mit dem stark gealterten Indianer Tonto ins Gespräch kommt. Der erzählt davon, wie er mit dem legendären Lone Ranger ein Komplott aufgedeckt und Rache für begangenes Unrecht genommen hat.
Man sollte meinen, dass bei einer Laufzeit von zweieinhalb Stunden jede unnötige Minute von den Cuttern und Geschichtenerzählern herausgenommen wird. Doch von einer solchen Tugend scheinen weder die Autoren, noch Regisseur Gore Verbinski hier gehört zu haben. Lone Ranger ist voll von Figuren, von denen die wenigsten in Erscheinung treten dürfen und angehäuft mit Szenen, die den Film zwar länger, aber nicht besser machen.

Dabei hätte sogar in der überflüssigen Rahmenstory, zu der die Macher immer wieder zurückkehren, um möglichst jeden packenden oder tragischen Erzählfluss aus der Geschichte zu nehmen, Potential bestanden. Man mag sich aus heutiger Sicht kaum vorstellen, dass 1933 der Wilde Westen nur 60 Jahre zurücklag. Die berühmte Golden Gate Brücke im Bau befindlich zu sehen, erhält doch erst einen Kontext, wenn man sieht, wie San Francisco im Jahr 1869 ausgesehen hat, dem Jahr, in dem der Rest von Lone Ranger spielt. Die Eisenbahn, häufig ein Dreh- und Angelpunkt jener Geschichten, war verantwortlich für diese rasante Entwicklung – und für den stark beschleunigten Niedergang der Ureinwohner Amerikas. Beide Themen reißt das Skript an und findet vor dem Finale sogar die Zeit, die Tragik für die Comanche aufzuzeigen. Doch der ernste und vielleicht sogar erzählenswerte Grundton um den Texas Ranger wider Willen John Reid, der mit seinem Bruder und dessen Kollegen von Butch Cavendish in einen Hinterhalt gelockt und ermordet wird, wird nach wenigen Momenten durch meist aufgesetzte Humoreinlagen und vollkommen abstrus konstruierte Action aufgeweicht.

Dabei ist es in der Tat erstaunlich, mit wie wenig Elan Filmemacher Verbinski, dem zuletzt mit Rango [2011] ein toller Animationswestern gelungen war, hier an die Arbeit geht. Bereits die erste große Sequenz, in der Cavendish aus einem Gefangenentransport befreit wird und fortan einen Zug zum Entgleisen bringt, spricht für sich. John Reid und Tonto fliegen wie Gummibälle durch das am Computer erstellte Szenario, immer wieder fehlen Übergänge zwischen den einzelnen Einstellungen, und statt einer gelungenen Choreografie, werden 08/15-Perpektiven gezeigt. Nicht einmal im letzten Drittel, in dem erneut ein Zug entgleist – es ist, als hätten die Filmemacher sowohl zu viel Geld zur Verfügung, als auch zu wenige Ideen im Petto gehabt – bemüht sich der Film um einen richtigen Aufbau, sondern lässt regelmäßig Dinge explodieren oder zersplittern, ohne darüber nachzudenken, ob all das auch Sinn macht.

Selbst die Musik von Hans Zimmer, der beim Finale Gioachino Rossinis Wilhelm Tell-Ouvertüre derart überstrapaziert, dass man am liebsten den Ton stummschalten möchte, pendelt sich im besten Fall auf einem mittelmäßigen Niveau ein. Einige interessante Themen – darunter insbesondere die getragenen – werden von sich ständig wiederholenden Stücken ertränkt. Eine Melodie mit Wiedererkennungswert wie beispielsweise bei Fluch der Karibik suchen Fans hier vergebens.

Dass Lone Ranger aufwändig produziert ist, sei unbestritten, auch wenn das astronomische Budget von mehr als 200 Millionen Dollar (zuzüglich zu mehr als die Hälfte an Werbekosten!) nicht sichtbar ist. Dafür sind einige der Spezialeffekte zu offensichtlich und selbst wenn Kostüme und Masken beeindrucken, sie täuschen nicht darüber hinweg, dass mehr Geld auf eine stimmige und erzählenswerte Geschichte hätte verwandt werden sollen und müssen. Das Tragische daran: Würde man die überflüssigen Humoreinlagen ebenso entfernen wie die Rahmenhandlung und die Struktur des Films umstellen, könnte aus Lone Ranger ein temporeicher Actionwestern werden. Umso mehr, da manche Scherze gelungen sind und der Film über Strecken auch unterhält. Nur das Gesamtbild macht einen so unentschlossenen Eindruck, dass es oft keine Freude ist, zuzusehen.


Fazit:
Aufwändige TV-Produktionen wie Hell on Wheels [seit 2011] zeigen, dass dem Western-Genre auch heute noch interessante und wichtige Aspekte abzugewinnen sind, die den "glorreichen Wilden Westen" auch als die Zeit zeigen, die sie war. Mit Lone Ranger wollten die Macher diese Punkte anschneiden, ohne sie zu vertiefen und sich stattdessen auf ein Actionfeuerwerk konzentrieren. Nur gelingt ihnen dank der realitätsfernen Action und offensichtlichen Tricks kein glaubhaftes Porträt jener Zeit – auch wenn Bauten und Masken überzeugen – und selbst die interessante Hintergrundgeschichte um den Eisenbahnbau und die damit verbundene Bedrohung der Ureinwohner bleibt in den Kinderschuhen stecken.
Man mag kaum glauben, dass so viele talentierte und bekannte Beteiligte einen so schwachen Film auf die Leinwand bringen und sich dann über das negative Feedback auch noch beschweren, wie hier geschehen. Dass die Zuschauer ausgeblieben sind, lag nicht am schlechten Presseecho im Vorfeld, sondern an einer mauen Story mit belanglosen Figuren und zu vielen künstlichen Momenten, die kaum eine Comicverfilmung auf diese Weise zeigen würde. Sieht man, wie wenig motiviert die Filmemacher vor und hinter der Kamera waren, muss man sich fragen, weshalb es dem Publikum anders ergehen sollte.


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