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Legend of Tarzan [2016]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 30. Mai 2017
Genre: Action / Unterhaltung

Originaltitel: The Legend of Tarzan
Laufzeit: 110 min.
Produktionsland: Großbritannien / Kanada / USA
Produktionsjahr: 2016
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: David Yates
Musik: Rupert Gregson-Williams
Darsteller: Alexander Skarsgård, Margot Robbie, Samuel L. Jackson, Christoph Waltz, Djimon Hounsou, Rory J. Saper, Christian Stevens, Casper Crump, Sidney Ralitsoele, Osy Ikhile, Mens-Sana Tamakloe


Kurzinhalt:
Ende des 19. Jahrhunderts beansprucht der belgische König Leopold II. den Kongo. Um das afrikanische Land zu erschließen, hat sich der Monarch hoch verschuldet. Um diese Schulden zu begleichen, entsendet er Léon Rom (Christoph Waltz), der die reichhaltigen Bodenschätze in Form von Diamanten ausbeuten soll. Doch der Stammesführer Mbonga (Djimon Hounsou) stellt sich Roms Trupp in den Weg. Er ist bereit, den Belgiern die Schätze zu überlassen, sofern Rom ihm Tarzan (Alexander Skarsgård) bringt, den Mann, der einer Legende nach bei Affen aufgewachsen war und inzwischen mit seiner Frau Jane (Margot Robbie) als rechtmäßiger Lord Greystoke in London lebt. So ersinnt Rom einen Plan und lockt Greystoke zurück in den Dschungel, begleitet von dem amerikanischen Diplomaten George Washington Williams (Samuel L. Jackson), der Beweise sammelt, dass die belgischen Truppen die Eingeborenen im Kongo versklaven. Als sie in einen Hinterhalt geraten, wird Jane entführt und die einzige Möglichkeit, Rom das Handwerk zu legen, ist, wenn Tarzan wieder zu seinen Wurzeln im Dschungel zurückfindet ...


Kritik:
Legend of Tarzan beginnt, wo viele Verfilmungen von Edgar Rice Burroughs' wohl bekanntester Romanfigur enden. John Clayton III., Lord Greystoke, der Sensationspresse besser bekannt als Tarzan, der bei den Affen im Dschungel aufgewachsen ist, lebt nach seiner Rückkehr mit Jane in England. Durch eine List wird er nach Afrika zurückgelockt und wehrt dort beinahe im Alleingang die belgischen Kolonialherren ab. Dass das zum größten Teil gelingt, liegt auch an der Besetzung. Nur das Finale macht den Eindruck, als stamme es aus einem anderen Film.

Dass sich die Geschichte um einen übermenschlich starken Helden, der sich so schnell bewegen kann wie die Tiere der Wildnis und darüber hinaus ihre Sprache spricht, am besten mit einem Augenzwinkern erzählen lässt, erkennt Regisseur David Yates ganz offensichtlich. Obwohl die Geschichte ernst dargebracht wird und es keine klassische Figur gibt, die regelmäßig für Auflockerung sorgt, ist Legend of Tarzan mit zahlreichen, auf sich selbst bezogenen Seitenhieben gespickt, bis hin zum Kommentar des Bösewichts Léon Rom, dass sich der Schrei des an einer Liane schwingenden Urwaldhelden anders anhört, als erwartet (wohl in Bezug auf den Ausruf, den Johnny Weissmüller wie kein anderer über Jahrzehnte prägte).

Christoph Waltz spielt die Rolle des Schurken Rom mit einer Aura, als würde er stets wissen, was geschieht und wäre doch gleichzeitig nicht in der Lage, den Ablauf zu beeinflussen. Gerade die gemeinsamen Szenen mit Margot Robbie, die Jane nicht als Opfer, sondern als temperamentvolle Frau verkörpert, sind darum so gelungen.
Rom steckt hinter dem Plan, Tarzan zurück nach Afrika zu locken. Dies ist der Preis, den der Stammesführer Mbonga für eine Truhe voll Diamanten verlangt, mit denen der belgische Monarch Leopold II. seine Schulden zu begleichen gedenkt.

Wie das Thema der Sklaverei sich in all das einfügt, sollten interessierte Zuseher selbst entdecken. Auch wenn die Idee selbst durchaus gelungen ist (und die nicht zu leugnenden rassistischen Elemente der Romanvorlage damit in gewissem Sinne entkräftet), dass die weiße Hauptfigur hier die Eingeborenen retten muss und diese nicht in der Lage sind, sich selbst zu befreien, hinterlässt einen schalen Beigeschmack.
Nimmt man Legend of Tarzan als geradlinigen Unterhaltungsfilm ohne politische Agenda, lässt sich darüber einfacher hinwegsehen und man kann sich in der lebendig gewordenen Dschungelwelt verlieren. Insbesondere der Ton kommt hier Yates' Abenteuergeschichte zugute. Sei es der prasselnde Regen oder die unzähligen Tiergeräusche, die Klangkulisse ist beeindruckend. So wie die Landschaftsaufnahmen, die das unterschiedliche Terrain des Kongo in tollen Farben zum Leben erwecken.

Die oft offensichtlich computergenerierten Tiere in der Szenerie trüben die Illusion etwas, doch der größte Teil kann hier auch dank der guten Inszenierung überzeugen, mit Ausnahme des Moments, in dem sich die Helden an Lianen schwingend auf einen Zug fallen lassen.
Umso erstaunlicher ist das, was Legend of Tarzan beim Finale am Hafen präsentiert. Dieses ist nicht nur was die vielen Trickaufnahmen angeht deutlich offensichtlicher (und damit schlechter) gemacht, sondern auch handwerklich spürbar "anders". Dazu trägt unter anderem bei, dass es keinen spürbaren Aufbau gibt, bei dem Tarzan einer immer größer werdenden Gefahr ausgesetzt wäre. Doch es sind auch die zahlreichen inhaltlichen Sprünge, die es unnötig schwer machen, dem Geschehen zu folgen. So befinden sich manche Figuren in einem Moment an Land, im nächsten auf einem Boot und ohne dass es in irgendeiner Art und Weise angedeutet worden wäre, ist dieses Boot plötzlich gute 50 Meter vom Ufer entfernt.

Man wird das Gefühl nicht los, dass Legend of Tarzan aus mehreren Filmen zusammengestückelt wurde, die Übergänge, bis hin zu einem Epilog, der die Figuren für eine mögliche Fortsetzung stärker beeinflusst, als es sein müsste, erscheinen ungeschliffen. Als anspruchsloser Sommerunterhaltungsfilm funktioniert das auch dank Hauptdarsteller Alexander Skarsgård, der sowohl Lord Greystoke als auch Tarzan die notwendige körperliche Präsenz verleiht. Mehr sollte man jedoch nicht erwarten.


Fazit:
In vielerlei Hinsicht ist Tarzan einer der ersten großen Superhelden. Er kämpft für diejenigen, die sich nicht selbst verteidigen können, ist stärker und widerstandsfähiger als übrige Menschen und er besitzt eine Ursprungsgeschichte, die ihn grundlegend von anderen unterscheidet. Als solcher wird er von David Yates in Legend of Tarzan auch zelebriert. Wie jeder Held definiert sich Tarzan großteils durch seinen Widersacher. Dass Léon Rom ihm körperlich nicht überlegen ist, macht Christoph Waltz durch seine süffisante Darbietung wieder wett. Davon abgesehen hat die Figur dem Mann aus dem Dschungel nichts entgegenzusetzen. So springt das Abenteuer von einer Action-Sequenz zur nächsten und reißt auf Grund der immer offensichtlicher werdenden künstlichen Gefahren stetig weniger mit. Spaß macht das zum großen Teil dank der Darsteller, der überwiegend soliden Inszenierung und der Vorstellung, was diese in Rückblenden erzählte Ursprungsgeschichte Tarzans hätte werden können. Dem wird der Film jedoch leider nicht gerecht.
 


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