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Hellraiser III [1992]

Wertung: 1.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Dominik Starck  |   Hinzugefügt am 22. März 2005
Genre: Horror

Originaltitel: Hellraiser III: Hell on Earth
Laufzeit: 93 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1992
FSK-Freigabe: nicht unter 18 Jahren

Regie: Anthony Hickox
Musik: Randy Miller
Darsteller: Terry Farrell, Doug Bradley, Paula Marshall, Kevin Bernhardt, Ashley Laurence


Kurzinhalt:
New York: Die von ihrem Job frustrierte TV-Reporterin Joanne "Joey" Summerskill (Terry Farrell) stolpert zufällig über einen mysteriösen Todesfall, der mit Ketten im Zusammenhang steht und sie auf die Spur eines merkwürdigen Kästchens und einer hässlichen Statue führt.
Während sie mit Hilfe der jungen Terri (Paula Marshall), der Freundin des Toten, versucht, mehr über das Kästchen und ihre eigenen, bizarren Träume zu erfahren, macht der arrogante Club-Besitzer J. P. Monroe (Kevin Bernhardt) Bekanntschaft mit einem sehr lebendigen Teil seiner neu erworbenen Statue, einem Wesen namens Pinhead (Doug Bradley) ...


Kritik:
Das zweite Sequel zum Horror-Hit Hellraiser – Das Tor zur Hölle [1987] ist ein wunderbares – oder sollte man eher sagen trauriges? – Paradebeispiel dafür, wie eine schlechte Fortsetzung entsteht, nachdem die Rechte an der Geschichte in neue Hände gewandert sind.
Bekanntermaßen wurden Clive Barkers Hellraiser sowie das erste, überraschend gelungene Sequel Hellbound – Hellraiser II [1988] in England produziert. Danach wurde es eine Weile recht still um die Zenobiten und im Grunde genommen hatte der zweite Teil die Story um Pinhead und Co. durchaus zu einem ordentlichen Ende geführt, welches nicht zwangsweise einer weiteren Fortsetzung bedurfte, obwohl das Ende mit der "Säule der Seelen" durchaus die Hintertür zu einer weiteren Geschichte offen ließ.
Vier Jahre dauerte es schließlich bis ein dritter Teil in Produktion ging, diesmal jedoch nicht mehr in Großbritannien, sondern in den USA, wo sich eifrige Studio-Bosse die Rechte gesichert hatten und ganz offensichtlich dem europäischen Schocker ihren eigenen Stempel aufdrücken wollten.

Die Story von Hellraiser III: Hell on Earth, so der Original-Titel, stammte noch vom Autor und dem Regisseur des überzeugenden Hellbound, Peter Atkins und Tony Randel, wofür sie – und natürlich Clive Barker als Schöpfer der Figuren – nachwievor in den Credits gewürdigt werden.
Das endgültige Drehbuch verfasste dann allerdings nur Atkins selbst, was angesichts des Resultats zumindest den Schluss nahe legt, dass seine gute Leistung beim ersten Sequel zu großen Teilen auf der besseren Grundlage von Barker beruht. Andererseits kannte Atkins sowohl Barker als auch seine Arbeiten seit vielen Jahren, weswegen man wohl annehmen darf, dass er es hätte besser wissen müssen, und möglicherweise Vieles vom unbefriedigenden filmischen Endergebnis nicht auf Atkins Vision, sondern auf nachgelagerte Entscheidungen zurückzuführen ist.
Wer sich ein optisches Bild von dem Autor machen möchte, dem sei gesagt, dass Atkins eine kleine Rolle in diesem Film hat. Er tritt als Rick, der Barman, der spätere "Barbie-Zenobit", auf.
Clive Barker selbst wird für diesen dritten Film zwar als Ausführender Produzent in den Credits genannt, war jedoch nicht direkt an der Produktion des Filmes beteiligt. Stattdessen waren die neuen, amerikanischen Produzenten dafür zuständig.

Am Anfang der Produktion stellte sich wohl die Frage, wie man Pinhead wieder in die Handlung einbinden kann, denn auf die bei den Fans zunehmend populäre Figur wollte man freilich nicht verzichten. Glücklicherweise bot die Säule aus der Schluss-Sequenz von Teil zwei den perfekten Ansatzpunkt, und letztlich war es deshalb sogar passend, dass die Säule ihren Weg in die Vereinigten Staaten fand und Pinhead dort sein Unwesen treiben konnte, nachdem man ihn erst einmal wieder ins "Leben" zurückgeholt hatte.
Eine sehr kurze, aber noch vielversprechende Szene findet sich gleich zu Beginn, als Monroe die "Säule der Seelen" erwirbt und einem heruntergekommenen Mann genau das dafür bezahlt, "was sie ihm wert ist". Ohne nachzuzählen, wieviel Monroe ihm gab, stellt der später nicht mehr auftauchende Mann fest, dass das "genau das sei, was er sich dafür vorgestellt hatte".
Was hierauf folgt, ist leider ziemlich armselig. Offensichtlich war man der Meinung, dass mehr Pinhead-Screentime automatisch zu einem besseren Film führen würde, doch das Gegenteil ist der Fall. Gerade seine raren Auftritte in den vorherigen Filmen machten diese zu etwas Besonderem. Hier ist er nun omnipräsent, hat allerdings außer endlosem Gequatsche über Qualen und Fleischeslust, sowie unablässigem hämischen Gelächter nicht wirklich Bedeutungsvolles oder Erinnerungswürdiges zu tun. All das wirkt zu gewollt auf "cool" getrimmt, und letzten Endes sind die Dialoge oder die wohl als witzig angedachten Einzeiler einfach zu platt.
Das alles hätte man vielleicht kaschieren können, wenn die Story wenigstens mitreißend oder auch nur halbwegs interessant oder ansatzweise logisch geraten wäre. Hierauf hofft man allerdings vergebens. Die Geschichte und das Schicksal von Monroe interessiert tatsächlich niemanden und Terris eigene Nebengeschichte ist nicht wirklich interessanter. Die eigentliche Heldin des Films, Joey, kann bedauerlicherweise mit ihrer "Vorgängerin" Kirsty ebenfalls nicht mithalten. Selbst die ganze Traum-Geschichte mit den Visionen von ihrem in Vietnam gefallenen Vater und Captain Spencer, der seinen Weg zu ihr durch eben diese Träume fand, scheint völlig an den Haaren herbeigezogen und konstruiert, zumal der Vietnam-Teil völlig unnötig ist. Der Bezug zum Ersten Weltkrieg hätte vollkommen ausgereicht, um Spencer mit Joey zusammen zu bringen. Aber da es sich um einen US-Film handelt, konnte man es sich wohl nicht verkneifen, auch noch das Vietnam-Trauma mit einzubauen.
An dieser Stelle kommen wir zu dem einzigen richtig gelungenen Element des gesamten Films: Die Einbeziehung von Pinheads menschlichem Alter Ego Captain Elliot Spencer. Schon in Hellbound hatte man ihn kurz zu sehen bekommen und dabei erlebt, wie aus Spencer durch die Aktivierung des Würfels Pinhead erschaffen wurde, dessen Seele Kirsty am Ende erlöste. Hier kam man nun auf diesen Aspekt zurück und lässt Spencer als eine Art "Obi-Wan Kenobi des Horrors" Joey in die Welt der Puzzle-Box einführen und nebenbei noch ein paar Hintergrund-Informationen über sich beziehungsweise Pinhead mit dem Zuschauer teilen. Dass dies anfangs vor dem Hintergrund des Ersten Weltkrieges und später im Indien von 1921 geschieht, macht das Ganze nur noch interessanter. Da der Rest des Filmes nicht viel taugt, würde man sich als Zuschauer wünschen, man hätte hiervon mehr zu sehen bekommen.
Besonders lachhaft geriet leider auch das Finale des Filmes. Beginnend mit dem Massaker im "Boiler Room", welches zwar einige nette Splatter-Effekte bietet, jedoch nie die Intensität der Vorgänger erreicht, folgt eine Hetzjagd durch die Straßen, wobei völlig unmotiviert Gully-Deckel durch Explosionen in die Luft geschleudert werden, und die eher an B-Movie-Cyborgs erinnernden neuen Zenobiten dumme Sprüche klopfend jeden töten, der ihnen vor die Nase läuft. Mehr Feuer und Tote machen noch keinen besseren Film. Schade, dass das scheinbar keiner der Verantwortlichen begriffen hat.
Nach der zumindest ansatzweise interessanten Konfrontation von Captain Spencer und Pinhead am Ende folgt noch ein finaler Gag, der durchaus gelungen ist und den Film wenigstens nett ausklingen lässt, obgleich dies nicht über den fahlen Beigeschmack des Gesamtwerks hinwegtrösten kann.

Schauspielerisch erwies sich dieser zweite Aufguss ebenfalls als Reinfall.
Die damals noch völlig unbekannte Terry Farrell reicht bei allem Engagement einfach nicht an ihre Vorgängerin Ashley Laurence heran, die hier immerhin einen kleinen Cameo-Auftritt auf einem Videoband hat, was man als gut gemeintes Zugeständnis an die Fans betrachten kann. Im Anschluss an die Dreharbeiten zu Hellraiser III ging es für Farrell in die Weiten des Weltalls, denn für die nächsten sechs Jahre heuerte sie bei Star Trek – Deep Space Nine [1992-1999] an, wo sie – wie auch in der Comedy-Serie Becker [1998-2004], bis die Prozenten sie 2002 herausschreiben ließen – beweisen konnte, dass sie durchaus Talent hat, welches durch diesen Film nur einfach nicht ausreichend gefordert wurde.
Doug Bradley mag sich durchaus gefreut haben, dass seine Figur des Pinhead hier deutlich mehr Raum zur Entfaltung bekam, doch wären ihm bessere Texte zu wünschen gewesen. Immerhin bot sich ihm die Gelegenheit, auch ohne Make-up als Pinheads menschliches Alter Ego Captain Elliott Spencer für eine längere Zeit aufzutreten als noch im Vorgänger, was er durchaus gut machte.
Alle anderen beteiligten Schauspieler sind nach diesem Machwerk – zu recht – mehr oder weniger in der Versenkung verschwunden.

Das Gleiche gilt für Regisseur Anthony Hickox, dessen uninspirierte Leistung an diesem Film ihn nicht gerade für höhere Aufgaben empfahl, und der folgerichtig später für solche "filmischen Perlen" wie den albernen Prinz Eisenherz [1997] verantwortlich war.

Einer der wenigen Veteranen der "alten Filme" war der Fachmann für die beeindruckenden Make-Up-Spezialeffekte, Bob Keen. Leider gilt für ihn, wie für alle anderen handwerklichen und kreativen Abteilungen, dass der Qualitätsabfall zum Vorgänger immens ist.
Die neuen Zenobiten sind absolute Lachnummern geworden und wirken wie eine schlechte Kreuzung von Zombie und Roboter. Selbst die überarbeitete Pinhead-Maske vermag nicht in dem Maße zu gefallen wie die alte und über die plastinierte "Säule der Seelen" wollen wir lieber gleich den Mantel des Schweigens ausbreiten.
Dass man nun außerdem auf ein paar (damals) neuartige morphende Computer-Animationen zurückgreifen konnte, machte die Sache leider nicht im Mindesten ansehnlicher.

Für die Musik war diesmal Randy Miller verantwortlich, der sich zugegebenermaßen reichlich bei seinem Vorgänger Christopher Young bediente, was man besonders im Thema zum Vorspann merkt.
Millers neben Hellraiser III wohl bekannteste Arbeiten sind die Direct-to-Video-Produktionen Darkman 2 – Durants Rückkehr [1994] und Darkman III – Das Experiment [1996].
Darüber hinaus wurde der Film musikalisch ohnehin mit einer Unmenge nicht eben großartiger Rock-Songs aufgepeppt, was bei einem amerikanischen Film in Hinblick auf das Merchandising kaum verwundert.

Ironischerweise ist dieser unsägliche dritte Teil der Höllen-Saga im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern tatsächlich als "ungekürzte" deutsche DVD erhältlich, wenn auch indiziert.
Der Film erschien im Rahmen der "Red Edition" des Labels "Laser Paradise" und ist auf der Disc leider im falschen Bild-Format 4:3-Vollbild enthalten, dafür mit jeweils zwei deutschen und englischen Tonspuren. Als Extras gibt es eine Reihe Trailer, eine sogenannte "inoffizielle Szene" des dritten Teils, die nur in der japanischen Film-Fassung ist, sich aber schnell als in keiner Weise zum Film passenden Szene aus Hellbound – Hellraiser II entpuppt. Dazu gibt es noch eine alte, mit deutschem Voice-Over versehene Dokumentation zur Film-Reihe, die für Neueinsteiger ganz nett sein mag, trotz ihrer Kürze jedoch langatmig und konzeptlos wirkt. Für Fans ist vielleicht interessant, dass man darin eine Leseprobe von Barker aus seiner Novelle The Hellbound Heart [1986], sowie kurze Einblicke in die Arbeit der Make-Up-Effekte-Designer erhält.
Falsch ist allerdings die Zeitangabe auf der Hülle, denn der Film ist inklusive Abspann 93 und nicht 105 Minuten lang. Ärgerlich stösst auch auf, dass der Film einige Szenen bzw. Szenensegmente enthällt, die ohne Synchronisation in der englischen Original-Sprache gehalten sind. Da es sich dabei in den meisten Fällen nicht einmal um eventuell früher gekürzte Momente mit Gewalt handelt, ist schleierhaft, wieso gerade hierfür keine Synchronisation vorliegt.


Fazit:
Sieht man mal von einem im Kontext der Hellraiser-Film-Reihe interessanten Rückblick in die menschliche Vergangenheit von "Antiheld" Pinhead ab, bieten sich einem hier eineinhalb Stunden pure Zeitverschwendung.
Selbst für Komplettisten ist Hellraiser III kaum erträglich und ein Musterbeispiel dafür, wie man eine wirklich schlechte Horrorfilm-Fortsetzung produziert.


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