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Hellbound - Hellraiser II [1988]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Dominik Starck  |   Hinzugefügt am 22. März 2005
Genre: Horror

Originaltitel: Hellbound: Hellraiser II
Laufzeit: 99 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1988
FSK-Freigabe: nicht unter 18 Jahren

Regie: Tony Randel
Musik: Christopher Young
Darsteller: Clare Higgins, Ashley Laurence, Kenneth Cranham, Imogen Boorman, Sean Chapman, William Hope, Doug Bradley


Kurzinhalt:
Nur knapp war es Kirsty Cotton (Ashley Laurence) gelungen, sich vor den Zenobiten in Sicherheit zu bringen, jenen "Botschaftern des Schmerzes", welche – gerufen durch die Macht eines magischen Würfels – gekommen waren, um ihren Onkel Frank (Sean Chapman) wieder einzufangen, der zuvor gerade noch ihrer Hölle der Fleischesqualen entkommen konnte.
Der Preis, den Kirsty dafür bezahlen musste, war jedoch äußerst hoch; nicht nur ihr Onkel und ihre Stiefmutter Julia (Clare Higgins) starben, sondern auch ihr geliebter Vater hatte nicht überlebt, und Kirsty wurde in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert, wo nun der Arzt Dr. Philipp Channard (Kenneth Cranham) über ihre geistige Gesundheit befinden soll. Denn freilich glaubt ihr niemand die Geschichte der entstellten Wesen aus der Hölle – zumindest scheinbar nicht.
Wie sich allerdings zeigt, hat Dr. Channard schon seit längerer Zeit eine Obsession in Bezug auf diesen Würfel und die Zenobiten, was es ihm schließlich ermöglicht, Julia wieder zurückzuholen. Kirsty hat indes eine Botschaft ihres Vaters erhalten, der in der Hölle unsagbare Qualen erleidet und sie um Hilfe bittet. Kirsty braucht dringend den Würfel, wenn sie ihn retten will, aber auch die Zenobiten sind dank Dr. Channard nicht weit ...


Kritik:
Fortsetzungen waren schon immer ein zweischneidiges Schwert, da man einerseits etwas weiterführen möchte, was bereits zuvor von Erfolg gekrönt wurde, dabei aber gleichzeitig Gefahr läuft, sich schlicht zu wiederholen und den Zuschauer damit zu langweilen oder gar zu verärgern. Aus diesem Grund versucht man oft, in einer Fortsetzung von allem einfach "mehr" zu bieten – mehr von dem, was im ersten Teil vorkam. Damit besteht zumindest die Möglichkeit, die häufig nicht mehr vorhandene Originalität der ersten Stunde zu kaschieren oder wenigstens ein geeignetes Gegengewicht dazu zu erzeugen.
Es ist kein Geheimnis, dass die meisten Fortsetzungen oder auch Remakes an diesem Ansatz mehr oder weniger kläglich scheitern oder weit hinter dem Erfolg und der Klasse des Orginalstoffes zurückbleiben. Das Genre ist gar nicht so sehr von Bedeutung, wobei aber besonders Horror geradezu dafür prädestiniert ist, eine Fülle an (meist eben schlechteren) Fortsetzungen zu liefern. Indem man Geschichten über übernatürliche Wesen oder irre Mörder, die einfach nicht tot zu kriegen sind, erzählte, konnte man bei Erfolg bequem die eine oder andere Fortsetzung hinterherschieben (was heute freilich infolge zunehmender Ideenlosigkeit selbst bei Komödien keine Seltenheit mehr ist – nur ohne die unsterblichen Killer). Bekannte Horrorfilmreihen wie Halloween [seit 1978], Nightmare on Elm Street [seit 1984] und Freitag, der 13. [seit 1980] oder die nicht ganz so berühmten, nichtsdestotrotz zahlreichen Wishmaster [seit 1997]- , Puppet Master [seit 1989]- oder Chucky [seit 1988]-Reihen haben so in der einen oder anderen Inkarnation teilweise seit Jahrzehnten bis heute überlebt.
Die Schöpfung des Autors Clive Barker mit dem klangvoll-düsteren Namen Hellraiser [seit 1987] gehört ebenfalls in diese Gattung. Die Teile sieben und acht der Reihe (Hellraiser: Deader und Hellraiser: Hellworld) wurden bereits 2002 und 2003 unter der Regie von Rick Bota (inszenierte auch Teil sechs Hellraiser: Hellseeker [2001]) am Stück abgedreht und warten seither auf ihre Veröffentlichung.

1987 adaptierte der in Liverpool geborene Horror-Autor Barker seine eigene Roman-Vorlage The Hellbound Heart [1986] in ein Drehbuch für den Film Hellraiser – Das Tor zur Hölle [1987]. Da Barker, der bereits in seiner Jugend mit der eigenen Produktionsgesellschaft "Dog Company" Theaterstücke schrieb und inszenierte, mit früheren filmischen Umsetzungen seiner Stoffe (Underworld [1985] und Rawhead Rex [1986]) nicht zufrieden war, führte er bei diesem Projekt gleich selbst Regie und engagierte zudem seinen Freund seit Kindertagen Doug Bradley, der bereits in den "Dog Company"-Produktionen als Schauspieler für Barker aktiv war, für eine Rolle, die ihn berühmt machen sollte.
Hellraiser – Das Tor zur Hölle entwickelte sich trotz (oder gerade wegen) seiner kompromisslosen Härte und mystischen Zutaten zu einem erstaunlichen Erfolg (vor allem für eine britische Produktion). Die bizarren Schöpfungen Barkers, Zenobiten genannt, wussten durch ihr bei aller Groteske faszinierendes Äußeres in der Erinnerung des Zuschauers haften zu bleiben, und auch die Mythologie des geheimnissvollen Würfels schien noch viel Stoff für weitere Geschichten herzugeben.
Gesagt, getan und schon kurz darauf stand die Fortsetzung Hellbound – Hellraiser II in den Startlöchern, die (überraschenderweise) das seltene Paradebeispiel einer Fortsetzung geworden ist, die dem Original nicht nur an Klasse nahe kommt, sondern es sogar überflügelt! Zwar übernahm Clive Barker die Funktion des Produktionsleiters, doch auf dem Regiestuhl machte er diesmal Tony Randel Platz, schrieb allerdings erneut die Story, wobei er die eigentliche Drehbuch-Adaption einem weiteren guten Freund anvertraute, der – wie Darsteller Doug Bradley – 1973 bis 1978 mit "Dog Company" durch Liverpool und London getourt war: Peter Atkins; wie sich zeigte, ein gutes Team.

Hellbound hält sich nicht unnötig auf oder vergeudet kreatives Potential, indem der erste Film einfach wiederholt und dabei lediglich der Bodycount erhöht würde – sieht man einmal davon ab, dass natürlich wieder die Pforten zur Hölle des Schmerzes und der Verzweiflung, und damit auch der Weg für die Zenobiten in unsere Welt geöffnet werden. Atkins versteht es hervorragend, all jene Elemente des ersten Filmes in einer Weise einzubeziehen, die das 1987 etablierte Film-Universum kontinuierlich ausbaut und dabei eine Überraschung und Grausamkeit nach der anderen auf den Zuschauer loslässt.
Die Geschichte startet direkt wenige Stunden nach den Ereignissen des ersten Films und beschäftigt sich dankenswerterweise darüber hinaus mit den Folgen, die solch grauenhafte Erlebnisse für einen Menschen (hier die Identifikationsfigur Kirsty Cotton) haben. Dass sie mit ihren wirren Geschichten erst einmal in einer Irrenanstalt landet sollte sicher niemanden verwundern. Dass sie dort auf jemanden trifft, der ihr tatsächlich glaubt, könnte hingegen ansich ein Segen sein, ist es jedoch nicht, wenn man schließlich bemerkt, dass Anstaltsleiter Dr. Channard davon besessen ist, selbst das Antlitz der Hölle zu sehen, um diese begreifen zu können. Und mit Hilfe der reanimierten Julia, seiner eigenen Würfelsammlung und der apathischen Anstaltsinsassin Tiffany (schweigsam aber überzeugend: Imogen Boorman), an der er grausame Experimente durchgeführt hatte, gelingt es ihm tatsächlich, die Büchse der Pandora zu öffnen, wobei er freilich – wie seinen klassischen Vorbilder zuvor – Schwierigkeiten hat, die Geister, die er rief, wieder loszuwerden. Auf der anderen Seite der Geschichte steht nach wie vor Kirstys Kampf, ihre Verzweiflung, aber auch ihr Mut, der sie in der zweiten Hälfte des Films von der Irrenanstalt direkt in die Abgründe der Hölle führt, in der vagen Hoffnung, dass sie ihren Vater dadurch retten kann.
Die Handlung führt letztlich sowohl den Zuschauer, als auch die verschiedenen Protagonisten (Kirsty, Tiffany, Channard und Julia) tatsächlich in jene Hölle, die dem Zuschauer im ersten Film nur erzählerisch vor Augen geführt wurde. Gerade hier hat man viel Kreativität walten lassen und die Hölle zu einem bizarren Ort gemacht, der so gar nichts mit den Feuer- und Lavahöllen gemein hat, die mancher sich vielleicht vorstellt – die dafür aber absolute Kälte, Leere, Trost- und Hoffnungslosigkeit ausstrahlt. Und was ist die Hölle, wenn nicht das Fehlen jeder Hoffnung? Den Autoren Atkins (der später auch an den Teilen drei und vier der Reihe mitwirken sollte und schließlich das Skript zum grandiosen Horrorfilm Wishmaster [1997] schrieb) und Barker, sowie Regisseur Randel, ist es in Hellbound gelungen, die Hölle selbst ohne Millionen Pfund teure Effekt-Orgien à la Hollywood glaubwürdig darzustellen, wofür ihnen alleine schon ein großes Lob zusteht.

Darüber hinaus ist Tony Randel, der bereits bei Hellraiser am Schnittpult gesessen hatte, zweifellos nicht der innovativste Regisseur aller Zeiten, und manch aufmerksamem Auge wird sicher der eine oder andere Fehler auffallen, dennoch versteht er es, die gradlinige Geschichte mit Unterstützung der atmosphärischen Sets und gelungenen Masken ins rechte Licht zu rücken und eine sehr solide Arbeit abzuliefern.
Auch der Hintergrund des magischen Puzzles und der Zenobiten wird wieder aufgegriffen, wobei man es gut verstand, einerseits neue Einblicke zu liefern, auf der anderen Seite aber nicht zu viel zu erklären und damit Gefahr zu laufen, den mystischen Aspekt zu zerstören.
Natürlich durfte der charismatische Anführer der Zenobiten, der im ersten Teil einen kurzen aber sehr einprägsamen Auftritt hatte, in dieser Fortsetzung nicht fehlen. Der von Doug Bradley gespielte "Pinhead" – wie man das zuvor nur als "Leader Cenobite" geführte Wesen nun getauft hatte – wurde im Laufe der Zeit zur Personifizierung dieser Filmreihe, wie die Horror-"Kollegen" Michael Myers oder Freddy Krueger in ihren jeweiligen Franchises. Wer im ersten Film noch keinen Grund dafür erkannte, der wird den Kultstatus des Pinhead spätestens nach dem großen Showdown dieses Films verstehen können. Glücklicherweise war man so klug, die Präsenz von Pinhead (und auch seiner Zenobiten-Kollegen) erneut auf ein Minimum zu beschränken, was den Auftritten umso mehr Gewicht verleiht und sich noch dadurch verstärkt, dass diese Auftritte einfach großartig geschrieben und inszeniert sind. So erhält man hier außerdem einen kurzen Rückblick, der aufzeigt, wie Pinhead aus einem Menschen erschaffen wurde, der wie Frank Cotton versucht hatte, hinter das Geheimnis der Puzzle-Box zu kommen, und erlebt ihn gegen Ende dann noch einmal richtig in Aktion.

Überhaupt sind die darstellerischen Leistungen aller Beteiligten einmal mehr äußerst lobenswert. Dies gilt in erster Linie für die Hauptdarsteller, und hier sowohl für die "alten Gesichter" Ashley Laurence, Clare Higgins, Doug Bradley und Sean Chapman, wie auch für die Neuzugänge Kenneth Cranham und Imogen Boorman. Eine kleine, aber durchaus erwähnenswerte Sonderstellung nimmt Oliver Smith ein, der – wie im ersten Teil – Frank Cotton in der "Monster-Form" spielt.

Ebenfalls auf der Höhe seiner Leistung: Bob Keen (Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt [1979], Highlander – Es kann nur einen geben [1986], Candyman [1992], Dog Soldiers [2002]), der Mann, der für die beeindruckenden und noch bizarreren Masken und abstoßenderen Effekte des Filmes verantwortlich zeichnete und damit seine Arbeit vom Original wieder aufnahm.
Der Special-Effects-Make-Up-Profi beschert dem Zuschauer hier eine ganze Reihe äußerst brutaler, ekelerregender Effekte, die den ebenfalls sehr harten ersten Film noch um einiges übertrumpft.

Die eingängige Musik, welche erneut vom ebenso talentierten, wie vielbeschäftigten Christopher Young (Species [1995], Mord im weißen Haus [1997], Düstere Legenden [1998], Die Wonder Boys [2000], The Glass House [2001], Das Urteil – Jeder ist käuflich [2003]) stammt, trägt ebenfalls ihren Teil zu der schaurigen Atmopshäre des Filmes bei.
Young versteht es gut, die Melodien des ersten Films aufzugreifen, zu variieren und auszubauen.

Ein Schicksal, welches der Film mit seinem Vorgänger in Deutschland bis heute teilt, ist der harte Kampf mit der Schere. Wenn es nämlich eine klischeehaft anmutende Fortsetzungsregel gibt, welcher dieser Film gerecht wird, dann der, dass der zweite Teil noch eine ganze Ecke brutaler ist, als der ohnehin schon schwer verdauliche erste Teil. Besonders hart geraten ist etwa die Szene, in der Channard versucht, Julia wieder zu reanimieren – für einen normalen Magen eine kaum zu verkraftende Sequenz, zumal die Macher einem nicht die Zufluchtsmöglichkeit einer sich abwendenden Kamera bieten.
Demzufolge landete hierzulande Hellbound – Hellraiser II ebenfalls auf dem Index und ist lediglich als stellenweise nicht einmal synchronisierte Bootleg-Version auf VHS oder qualitativ nicht gerade überwältigende DVD zu bekommen. Seit kurzem kursiert nun eine neue inoffizielle DVD-Fassung des Labels "Movie World" – die auch neue Bootleg-DVD von Hellraiser – Das Tor zur Hölle veröffentlicht haben – mit dem Reginal-Code 0 und deutscher und englischer Sprachspur, welche angeblich als ungekürzte Fassung zu haben sein soll. Von den Extras der empfehlenswerten offiziellen "Anchor Bay" - Collector's Edition aus den USA (Regional-Code 1) ist zudem ein Audio-Kommentar, sowie eine Featurette übernommen worden.
Da diese aber im normalen Handel zumindest derzeit noch nicht zu bekommen ist, kann man wohl davon ausgehen, dass es noch eine Weile dauern wird, bis dieser Film wie sein Vorgänger auf offiziellen und mit hoffentlich reichhaltigem Bonus-Material versehenen DVDs in Deutschland erhältlich ist – sei es auch in der bei indizierten Titlen üblichen Form "auf Anfrage". Wer diesen Tag nicht abwarten will, wird wohl weiter zu den amerikanischen "Anchor Bay"-DVDs greifen müssen.


Fazit:
Hellbound – Hellraiser II
ist eine in nahezu jedem Aspekt überzeugende und den Vorgänger noch leicht überflügelnde Fortsetzung, die aufgrund ihrer im Vergleich zu Hellraiser – Das Tor zur Hölle noch einmal deutlich gesteigerten Härte allerdings nur Zuschauern mit äußerst starken Nerven empfohlen werden kann.
Alle anderen sollten trotz sehr gutem Drehbuch und bestmöglicher Umsetzung diesen großen Klassiker des brutalen Horror-Alptraums in ihrem eigenen Interesse lieber meiden.


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