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Glam Girls: Hinreißend verdorben [2019]

Wertung:  2 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 6. Mai 2019
Genre: Komödie

Originaltitel: The Hustle
Laufzeit: 94 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2019
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Chris Addison
Musik: Anne Dudley
Darsteller: Anne Hathaway, Rebel Wilson, Alex Sharp, Ingrid Oliver, Emma Davies, Dean Norris, Casper Christensen, Tim Blake Nelson


Kurzinhalt:
Nachdem sie einer Verhaftung nur knapp entgeht, setzt sich Trickbetrügerin Penny (Rebel Wilson) nach Europa ab. Dort zieht sie die Aufmerksamkeit der hochklassigen Betrügerin Josephine (Anne Hathaway) auf sich. Die fürchtet, Penny könnte ihre eigenen Pläne stören oder gar vereiteln, das nächste hochkarätige Opfer auszunehmen. Nach einem missglückten Versuch, Penny loszuwerden, nimmt Josephine sie bei sich auf und unterweist sie. Doch die Erfolgsserie des weiblichen Duo Infernale hält nicht lange, ehe sich die beiden ungleichen Frauen zerstreiten. Ein Wettkampf zwischen ihnen soll entscheiden, wem das überaus lukrative Jagdrevier an der französischen Riviera zusteht. Es gewinnt, wer es als erste schafft, dem App-Millionär Thomas (Alex Sharp) eine bestimmte Summe abzunehmen. Aber während die tollpatschige und plumpe Penny genau seine Schwachpunkte zu treffen scheint, beißt sich die kultivierte Josephine an dem jungen Mann zusehends die Zähne aus …


Kritik:
Es gibt eine Szene nach dem Abspann von Glam Girls: Hinreißend verdorben, die das grundlegende Problem der Gauner-Komödie auf den Punkt bringt. Sie erweitert einen Moment, den das Publikum bereits zuvor ungläubig beobachten musste, und der auch beim wiederholten Ansehen nicht witziger wird. Vor allem jedoch wird er auf eine beinahe schmerzhafte Art künstlich in die Länge gezogen, dass man kaum glauben mag, die Verantwortlichen wollten die Szene in dieser Weise veröffentlichen. Das kann man gewissermaßen von Chris Addisons Film selbst ebenfalls behaupten.

Es stimmt zu Beginn bereits stutzig, dass nach einem Teaser, der Rebel Wilson als Trickbetrügerin Penny vorstellt, bei der gerade einmal eineinhalb Stunden dauernde Komödie ein animierter Vorspann gezeigt wird. Darin sieht man zwei abstrakt gezeichnete weibliche Figuren, die einander das Leben schwer machen. Die Macher nehmen die Essenz der Geschichte vorweg, ohne dass das Publikum die zweite weibliche Hauptfigur überhaupt gesehen hätte. Nach dem Vorspann springt die Geschichte an die Französische Riviera in die fiktive Stadt Beaumont-Sur-Mer, wo eine weitere Ganovin, Josephine, reiche Männer in einem Casino ausnimmt. Im Zug treffen Penny und Josephine aufeinander und da sie fürchtet, die tollpatschige Penny könnte in ihrem Revier wildern, ersinnt Josephine einen Plan, die unliebsame Rivalin loszuwerden. Auf dem Weg außer Landes erfährt Penny von einem ehemaligen Opfer Josephines (das Penny zum Sex mit ihr zwingt), dass sie hereingelegt wurde und stellt sich anschließend Josephine, damit sie sie trainiert.
Was klingt, als würde man den gesamten Inhalt des Films verraten, spielt sich tatsächlich relativ schnell ab, ehe Glam Girls erneut einen inhaltlichen Haken schlägt und sich Penny und Josephine einen Wettstreit liefern, wer von beiden dem jungen Internet-Millionär Thomas in einer Woche eine bestimmte Summe abnehmen kann.

So konstruiert und zusammengewürfelt sich das anhört, es könnte durchaus Spaß machen, insbesondere angesichts der Besetzung, bei der Anne Hathaway gegen ihr braves Image anspielt. Doch traurigerweise ist genau das nicht der Fall, was nicht daran liegt, dass Glam Girls: Hinreißend verdorben keine offensichtliche Figur aufweist, die es mit Penny und Josephine aufnehmen kann, oder dass sich die Drehbuchautoren an sämtlichen Klischees des Genres, sexistischem Humor oder Witzen gegen Behinderte bedienen. Auch besitzen Wilson und Hathaway eine gar nicht einmal unstimmige Chemie miteinander. Aber während Anne Hathaway in verschiedenste Rollen schlüpfen darf, vom scheinbar wenig „intelligenten Püppchen“, zum rehäugigen Opfer, bis hin zum hinterlistig berechnenden Biest – ihre Darbietung als teils laszive, österreichische Ärztin ist in der Tat sehenswert –, ist Rebel Wilson hauptsächlich für den groben Humor zuständig. Das könnte gelingen, doch die Momente rutschen allzu oft ins Peinliche ab und geraten derart platt, dass es nicht nur nicht witzig ist, sondern sich überdies schnell wiederholt und abnutzt.

Das grundsätzliche Problem an Glam Girls ist jedoch, dass die Geschichte keinen Zusammenhalt aufweist. Aus dem anfänglichen Anlernen Pennys und dem vermeintlich großen Raubzug der beiden weiß das Skript nichts zu machen. Das soll durch einen halbherzigen Wettkampf der ungleichen Trickbetrügerinnen aufgefangen werden, ehe sich zu alledem noch eine unglaubwürdig-seichte Love-Story mischt. Wohin der Film inhaltlich möchte, wird nie klar – und wissen die Macher vermutlich selbst nicht. Wenn eine Komödie mehr als eineinhalb Jahre nach den Dreharbeiten erst in die Kinos kommt, lässt das arge Schwierigkeiten hinter den Kulissen vermuten. Ursprünglich angekündigt als weibliche Version eines Remakes von Zwei hinreißend verdorbene Schurken [1988], in dem sich Steve Martin und Michael Caine einen Ganoven-Wettstreit lieferten, wer einer reichen Erbin Geld entlocken kann, listen mehrere Quellen als Kurzinhalt für Glam Girls: Hinreißend verdorben, dass sich die beiden Hauptfiguren zusammentun, um sich an den Männern zu rächen, die sie hereingelegt haben … nur geht es darum gar nicht.

Mit vielen unnötigen Füller-Szenen wie der Nebenhandlung um ein voriges Opfer Josephines, das Penny im Flugzeug trifft, ihre „Inhaftierung“ oder einer Reihe von höchst peinlichen und unlustigen Momenten, in denen das ungleiche Duo Männern teure Ringe abluchst, hat es den Anschein, als wäre Glam Girls: Hinreißend verdorben so wie er in den Kinos zu sehen ist, ein ganz anderer Film, als er eigentlich gedreht und beabsichtigt war. Ohne roten Faden, eine durchgängige Geschichte oder irgendetwas, was das Publikum abgesehen vom Humor unter der Gürtellinie bei Laune hält, eignet sich die Komödie allenfalls für einen Besuch am Ende eines Junggesell(inn)enabschiedabends. In Anbetracht der Beteiligten ist das zwar nur selten wirklich ärgerlich oder zum Fremdschämen, aber nichtsdestoweniger enttäuschend.


Fazit:
Wenn Filmemacher Chris Addison in seinem Spielfilmregiedebut eines gelingt, dann herauszustellen, dass Anne Hathaway pures Comedy-Gold ist. Zu sehen, wie sie zwischen verletzlich, unschuldig und gerissen hinterhältig wechselt, ist klasse und ihre Mimik allein bedeutend amüsanter, als die absehbar peinliche Situations-Körper-Komik. Das tröstet zum Teil sogar darüber hinweg, dass ihre Figur keinen Hintergrund zugeschrieben bekommt und überhaupt keinerlei Motivation vorweisen kann, insbesondere in Anbetracht ihres Vermögens, das zu tun, was sie tut. Dem darf Rebel Wilson außer ständig erniedrigenden Slapstick jedoch nichts entgegensetzen, so dass auch die wenigen, ernsteren Momente ohne Wirkung verhallen. Der Humor bewegt sich sehr oft unterhalb der Gürtellinie, doch das größte Manko ist, dass Glam Girls: Hinreißend verdorben keine wirkliche Geschichte erzählt. Vielmehr sind es einzelne Episoden der beiden Figuren, deren inhaltliche Ausrichtung in regelmäßigem Abstand geändert wird, um am Ende vollkommen verkrampft so etwas wie einen versöhnlich-verheißungsvollen Abschluss zu bieten. Das ist nicht nur zu wenig, es macht – so subjektiv Humor unzweifelhaft ist – leider auch keinen Spaß, den beiden talentierten Darstellerinnen dabei zuzusehen.
 


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