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Girls Trip [2017]

Wertung: 1 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 15. November 2017
Genre: Komödie

Originaltitel: Girls Trip
Laufzeit: 122 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: noch nicht bekannt

Regie: Malcolm D. Lee
Musik: David Newman
Darsteller: Regina Hall, Queen Latifah, Jada Pinkett Smith, Tiffany Haddish, Larenz Tate, Mike Colter, Kate Walsh, Kofi Siriboe, Lara Grice, Deborah Ayorinde


Kurzinhalt:

Auch wenn sie sich in den letzten Jahren aus den Augen verloren haben, früher waren Ryan (Regina Hall), Sasha (Queen Latifah), Lisa (Jada Pinkett Smith) und Dina (Tiffany Haddish) unzertrennlich. Um die gute alte Zeit wiederaufleben zu lassen, verabreden sie sich während eines mehrtätigen Festivals in New Orleans. Es soll gefeiert werden wie früher. Dabei ist Ryan, deren Ehemann Stewart (Mike Colter) sie betrügt, an sich nicht zum Feiern zu Mute. Allerdings ist das Paar bislang nur zusammen erfolgreich und es liegt ihnen ein Kooperationsangebot vor, das sie finanziell absichern würde. Währenddessen wird Sasha, die ihr Geld mit einem Online-Blog verdient, von finanziellen Nöten geplagt. Als die vier Freundinnen mehr Zeit miteinander verbringen, werden die Partys nicht nur wilder, es kommen auch alte Geschichten wieder auf, die ihre Freundschaft immer noch belasten. Die Frage ist nur, ob sie daran zerbrechen wird, oder nicht …


Kritik:
Girls Trip von Regisseur Malcolm D. Lee, der manchen durch Werke wie Scary Movie 5 [2013] oder Barbershop - Jeder braucht 'nen frischen Haarschnitt [2016] bekannt sein mag, ist eine Komödie, die angeblich zeigen soll, dass Frauen ebenso Party machen können wie Männer. Nämlich mit reichlich Alkohol und permanenten Witzen über (meist männliche) Geschlechtsorgane oder das, was man mit diesen anstellen kann. Das Ergebnis ist ein Film, der wohl selbst bei einem Mädelsabend nur dann zu ertragen ist, wenn die "Mädels" nicht hinsehen, oder -hören.

Was man über die vier Hauptfiguren wissen sollte, wird einem in einem Rückblick zu Beginn verraten – mehr gibt es über sie ohnehin nicht zu entdecken. Die vier Damen sind seit mehr als 20 Jahren eine Clique, die sich die "Flossy Posse" nennt. Ryan ist inzwischen eine erfolgreiche Bestsellerautorin und zusammen mit ihrem Traumprinzen Stewart aus Jugendtagen eine geldbringende Marke. Sasha hat ihren Traum vom Journalismus notgedrungen aufgegeben und schlägt sich mit einem Online-Blog durch, auf dem sie Klatsch über Promis enthüllt. Lisa hingegen ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, während Dina immer noch so ist wie früher. Die vier treffen sich nach Jahren, in denen sie sich aus den Augen verloren haben, zum Essence Festival in New Orleans und wollen es dort krachen lassen wie einst. Dabei werden alte Wunden aufgerissen, die lange Zeit unausgesprochen blieben, Ryans perfekte Ehe entpuppt sich als Fassade und Lisa braucht endlich einen Mann, der es ihr … nun ja.

So subtil ist Girls Trip in der Umschreibung dessen, was geschieht oder worum es geht allerdings nicht. Kaum in New Orleans angekommen, ist auch schon ein Penis zu sehen und noch auf dem Flug dorthin gibt es für die vier Damen nur ein Thema: Sex und Fortpflanzungsorgane. Die übliche Anrede untereinander ist "Bitch", das es gefühlt mehrere hundert Mal im Laufe der gefühlt unendlich langen zweistündigen Laufzeit zu hören gibt und wer noch eine Erklärung zu einem durchaus wichtigen Punkt benötigt: Es verrät viel über eine Komödie, wenn selbst nach 15 Minuten noch kein einziges Lachen vom Publikum zu hören ist. Die wenigen Male bis zum Abspann lassen sich an einer Hand abzählen.

Dass die vier Hauptdarstellerinnen nicht nur ihr Handwerk beherrschen, sondern auch ein immenses komödiantisches Talent besitzen, ist unbestritten. Nur dürfen sie außer billigen Zoten nichts auf die Leinwand bringen. Insbesondere die von Tiffany Haddish gespielte Dina besitzt eine so grausige, vulgäre Art von Humor, die sich ausschließlich auf Genitalien und den Geschlechtsakt bezieht, dass man sich in der Tat fragen muss, ob Frauen, wenn sie unter sich sind, über überhaupt nichts anderes sprechen.
Regisseur Malcolm D. Lee lässt kein einziges Klischee über das Wochenende der vier Freundinnen aus und selbst die vermeintlich ernsten Momente, in denen man hinter die Fassaden der Figuren blickt, sind ebenso flach wie bis ins Kleinste vorhersehbar. So steigert sich der Eskalationsgrad dieses Trips von Alkohol zu Absinth bis hin zu Drogen und dem öffentlichen Urinieren auf umstehende Personen durch gleich zwei Figuren. Selbst das obligatorische Dance-Off zwischen den Posses (ja, worauf soll der Name der Gang wohl eine Anspielung sein?) und einem bösen, jungen Mädels-Clan darf nicht fehlen. Doch selbst der ist weder ordentlich gefilmt, noch interessant choreografiert.

Dabei sind selbst die "skandalträchtigsten" Momente des Films in keiner Weise originell. Man fragt sich stattdessen nur, ob die Produzenten wirklich so weit gehen, es zu zeigen. Sei es der Moment, in dem Lisa meint, sie müsse dringend pinkeln, bevor sie mit einer "Seilbahn" von einem Haus zum anderen gleiten soll und ihr Gurt in der Mitte steckenbleibt. Wird Regisseur Lee so weit gehen, Lisa zu entwürdigen, indem sie auf die von unten gaffende Menge pinkelt? Oder die Szene, in der Dina eine Banane mit Hilfe einer Grapefruit fel­la­ti­o­nie­rt. Hat man das in dieser Form bereits in einem Film eines großen Studios gesehen? Wohl nein. Ist es vielleicht als sozialer Kommentar zu der Tatsache gedacht, dass insbesondere Frauen mit abstrusen Vorstellungen über Sex-Techniken mithalten sollen, die Männer in Pornofilmen fälschlicherweise als realistisch vermittelt bekommen? Nein, denn es soll als vulgärer Humor einzig dadurch unterhalten, dass es Grenzen überschreitet.

Das ist ebenso unlustig wie langweilig. Statt zu zeigen, dass man 20 Jahre nach dem Schulabschluss ein ebenso tolles Wochenende haben kann, ohne sich wie einst vollkommen abzuschießen, man sich als Person also weiterentwickelt hat, will Girls Trip beweisen, dass man immer so feiern muss wie mit 20. Sonst wäre man ja "alt". Dabei sind Ryan, Sasha, Lisa und Dina hier nicht junggeblieben, sondern klammern sich stattdessen verbissen an eine Phase ihres Lebens, die für die persönliche Entwicklung wichtig ist, die damit aber in dieser Zeit nicht stehenbleiben sollte. Die Botschaft, die am Ende dem Publikum aus dem Off zugeraunt wird, klingt hier, als wollten die Macher ihrem Werk irgendeine Daseinsberechtigung verleihen. Eine solche findet sich nur leider nicht.


Fazit:
Wenn Jada Pinkett Smiths Figur Lisa meint, "ich finde das überhaupt nicht witzig", spricht sie zu dem Moment bereits dem Publikum aus der Seele. Die ständigen Genital- und Sex-Witze sind nicht nur allesamt peinlich, sie sind auch so vorhersehbar. Ebenso wie die Story, falls man den losen Faden, der hier die vielen Musikeinlagen verbindet, so nennen möchte. Wie sich die kaputte Ehe von Ryan und Stewart entwickelt, nachdem sie durch ihre Freundinnen wieder Mut fasst, für ihre Überzeugungen einzutreten, wird wohl niemanden überraschen. Und egal in welche Situation sich die vier Damen bugsieren, Musiker Julian ist immer zur Stelle, um ihnen aus der Patsche zu helfen. Dabei wäre Ryans Rede beim Finale an sich ein inhaltlich guter Moment, der aber ebenfalls nicht originell ist. Regisseur Malcolm D. Lee versammelt so viele Klischees, dass es kaum mehr vorstellbar ist. Der Humor fliegt dabei so tief, dass selbst die vier bekannten Hauptdarstellerinnen darüber stolpern. Um mindestens eine halbe Stunde zu lang, hört sich die Grundidee von Girls Trip gar nicht so furchtbar an, wie das Ergebnis geworden ist. Würde man für jedes "Bitch" einen Euro bekommen, wären alle Weihnachtsgeschenke dieses Jahr bereits bezahlt. Als Zuschauerin oder Zuschauer sollte man sich selbst das größte Geschenk machen und diesen Trip besser auslassen.
 


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