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Für immer Adaline [2015]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 17. Mai 2016
Genre: Liebesfilm / Drama / Fantasy

Originaltitel: The Age of Adaline
Laufzeit: 112 min.
Produktionsland: USA / Kanada
Produktionsjahr: 2014
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Lee Toland Krieger
Musik: Rob Simonsen
Darsteller: Blake Lively, Michiel Huisman, Harrison Ford, Ellen Burstyn, Kathy Baker, Amanda Crew, Lynda Boyd, Hugh Ross, Richard Harmon, Anthony Ingruber


Kurzinhalt:

Nach einem Autounfall im Jahr 1937 wird Adaline Bowman (Blake Lively) nicht mehr älter. Als die Menschen um sie herum misstrauisch werden und sie sogar ins Visier der Ermittlungsbehörden gerät, beschließt sie, regelmäßig umzuziehen und ihre Identität zu wechseln. An eine feste Bindung ist nicht mehr zu denken. Bis Adaline im Jahr 2015 auf Ellis Jones (Michiel Huisman) trifft. Auch wenn sie sich dagegen wehrt, verliebt sie sich in ihn. Doch bei einem Wochenende mit seiner Familie muss sie feststellen, dass Ellis' Vater William (Harrison Ford) ebenfalls eine große Liebe von ihr war, vor vielen, vielen Jahren. Auch er hat sie nie vergessen ...


Kritik:
Mit Für immer Adaline steckt Regisseur Lee Toland Krieger seine Ziele selbst so hoch, dass er sie kaum erreicht. Viele werden nur gestreift und keines voll getroffen. Die ungewöhnliche Lovestory einer Frau, die nach einem Unfall nicht mehr altert, will dieses im wörtlichen Sinne fantastische Element erklären und scheitert daran ebenso wie in Hinblick darauf, was so ein langes Leben für einen Menschen darstellt. Hervorragend eingefangen und mit einem sehenswerten Harrison Ford ist das enttäuschender, je länger man darüber nachdenkt.

Das beginnt bereits damit, dass ein Erzähler im Hintergrund ständig Informationen liefert, die man im Zweifel gar nicht haben wollte. Vorausschauend und das Ende bereits prophezeiend werden dem Publikum hier Daten an den Kopf geworfen, die mehr als ein Jahrhundert umspannen. Heruntergezählt bis auf die Minute. Nicht, dass man sie sich behalten könnte, aber es soll Für immer Adaline wohl einen Detailgrad verleihen, den die Figuren vermissen lassen.
Die Geschichte selbst wird durch die Augen der titelgebenden Hauptfigur erzählt, die an Neujahr des Jahres 1908 geboren wird. Im Alter von 29 Jahren erleidet sie einen Autounfall, der ihr Leben verändert.

Der Erzähler leitet dieses Ereignis mit den Worten ein, dass Adaline Bowman in jener Nacht etwas Außergewöhnliches geschieht, "etwas geradezu magisches". Doch statt es dabei bewenden zu lassen, wird auch hier ins Detail erklärt, was passiert, angefangen von Volt und Ampere, bis hin zu einem anoxischen Reflex und Adalines Körperkerntemperatur. All das soll erklären, wie es kommen konnte, dass Adaline danach nicht mehr älter wird. Tatsächlich jedoch berauben diese pseudowissenschaftlichen Erklärungen, die ohnehin nur mit einem Fantasykniff möglich werden, die Story der beabsichtigten Magie.

Der größte Teil der Story spielt im Jahr 2015, in dem sich Adaline, die auf Grund ihrer besonderen Fähigkeit befürchtet, verfolgt zu werden und deshalb alle zehn Jahre Name und Wohnort wechselt, obwohl sie sich dagegen wehrt, in den wohltätigen Ellis Jones verliebt. Das komplizierte dabei: Ellis' Vater William war einst mit Adaline zusammen, ehe sie verschwand, um ihm nicht die Wahrheit sagen zu müssen. So steuert Für immer Adaline unausweichlich auf die Situation zu, dass William hinter ihr Geheimnis kommt und wer immer noch nicht weiß, wie die Geschichte aufhören wird, der traut dem Drehbuch mehr Einfallsreichtum zu, als die Autoren hier beweisen.

Bedächtig erzählt, lebt Kriegers Film von zwei seiner Darsteller: Blake Lively verkörpert Adaline mit einem derart melancholischen Blick, dass sie selbst wenn sie lächelt, des Lebens müde erscheint. Ihre Garderobe ist dabei ebenso hervorragend wie die generelle Ausstattung des Films. Weshalb sie jedoch selbst nach einem Autounfall perfekt geschminkt im Krankenhausbett liegen muss, verstehe wer will. Harrison Ford tritt hier als Ellis' Vater auf und zeigt gerade durch seine ruhige Darbietung, was ihn zu einem so herausstehenden Darsteller macht. Erkennt William Adaline wieder verändert sich so subtil seine Haltung und funkeln seine Augen, wenn er von ihr erzählt, dann wird unumwunden greifbar, dass dies seine große Liebe war. Adaline hingegen lernen wir nur in ihrer jetzigen Situation kennen. Wir erfahren nicht, was sie aufgeben musste, welche Opfer sie gebracht hat. So nimmt man ihren Ausdruck zwar hin, aber er berührt nicht in dem Maße, wie die Filmemacher es wohl beabsichtigt haben und wie es notwendig wäre, damit Für immer Adaline so mitnimmt, wie er es sollte.


Fazit:
Dass die Grundidee keinen großen Sinn ergibt, würde gar nicht auffallen, wenn die Filmemacher Adalines Zustand nicht zwei Mal im Film erklären würden. Manche Dinge sind eben, wie sie sind. Wie zum Beispiel die Liebe, um die Für immer Adaline sich dreht. Nur gerade ihre Liebe zu Ellis wird im Film nie deutlich, ihre Zuneigung beschränkt sich auf eine gemeinsame Nacht, ansonsten ist und bleibt die von Blake Lively tieftraurig gespielte Frau stets unnahbar bis abweisend. Dass sie das mit ihrer Erfahrung sein muss, sei unbestritten, nur erzählt Lee Toland Krieger hierüber kaum etwas.
Stattdessen schwelgt er in Rückblicken, die mit der aktuellen Lovestory nichts zu tun haben, so dass Adalines Entscheidung letztlich ebenso nett anzusehen ist wie die gut ausgewählten und stimmungsvoll zusammengestellten Bilder im allgemeinen. Nur packend ist all das leider nicht. Für Harrison Ford ist dies eine ungewöhnliche Rolle, der er jedoch die Tiefe verleiht, die allen anderen Figuren zu fehlen scheint. Letztlich überzeugt der Fantasyfilm weder durch die Liebesgeschichte, noch als Drama.    


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