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From Dusk Till Dawn [1996]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 07. Juni 2006
Genre: Horror / Komödie / Action

Originaltitel: From Dusk Till Dawn
Laufzeit: 103 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1995
FSK-Freigabe: nicht unter 18 Jahren

Regie: Robert Rodriguez
Musik: Graeme Revell
Darsteller: Harvey Keitel, George Clooney, Quentin Tarantino, Juliette Lewis, Ernest Liu, Salma Hayek, Cheech Marin, Danny Trejo, Tom Savini, Fred Williamson, Michael Parks, Brenda Hillhouse


Kurzinhalt:
Auf ihrer Flucht vor dem Gesetz, pflastern die beiden Schwerverbrecher Seth (George Clooney) und Richard Gecko (Quentin Tarantino) ihren Weg mit zahlreichen Leichen und stehen kurz vor der Überquerung der Grenze nach Mexiko. Doch ohne fremde Hilfe werden sie den Übergang nicht schaffen und so nehmen sie die Familie Fuller, bestehend aus dem Pastor Jacob (Harvey Keitel) und seinen Kindern Kate (Juliette Lewis) und Scott (Ernest Liu) in ihrem Wohnmobil als Geiseln.
Jenseits der Grenze in Mexiko suchen die Kidnapper mit ihren Geiseln die Raststätte Titty Twister auf, wo Seth und Richard am Morgen ihren Kontaktmann Carlos (Cheech Marin) treffen sollen. Doch nachdem die Türen im Titty Twister verschlossen sind, verwandeln sich die Angestellten samt ansässiger Band in Blut saugende Vampire, und unverhofft müssen die Fullers und die Geckos ums Überleben kämpfen. Dabei haben sie nur gemeinsam eine Chance, die Nacht lebend zu überstehen, wobei sie der schieren Übermacht nicht nur zahlenmäßig hoffnungslos unterlegen sind ...


Kritik:
Mit Reservoir Dogs - Wilde Hunde [1992] katapultierte sich Quentin Tarantino an die Spitze des Independent-Kinos und scharte fortan eine Anzahl Fans um sich, um die manch andere Filmstars ihn beneideten. Mit Pulp Fiction [1994] untermauerte er seinen Ruf und fand gleichzeitig die Anerkennung der Kritiker rund um den Globus. Dem in Texas geborenen Robert Rodriguez erging es mit El Mariachi [1992] gleich, auch er wurde mit seinem Kultfilm über Nacht zum Star in den Genrekreisen, ein Erfolg, den er mit seiner Fortsetzung Desperado [1995] noch übertreffen konnte. Als bekannt wurde, dass diese beiden Ikonen der unabhängigen Filmszene zusammen arbeiten würden, war die Aufregung groß und das Medieninteresse gewaltig. Dass ihnen ihr Coup gelungen ist, sieht man nicht nur daran, dass From Dusk Till Dawn zwei Videofortsetzungen und sogar eine Videospielumsetzung nach sich zog, sondern dass auch zehn Jahre später in vielen Clubs die Titty Twister-Nächte abgehalten werden und auch Filmstars wie George Clooney von ihrem Erfolg in der Horror-Satire profitieren.
Dabei beginnt die Geschichte ganz anders, als man zunächst erwarten würde, und hätte Drehbuchautor Tarantino diesen sehr viel ernsteren Weg weiter beschritten, wäre ihm ohne Zweifel ein düsterer, brutaler Psychothriller gelungen. Aber stattdessen wollte er, wie er selbst sagt, die Einleitung nutzen, um die Figuren zu etablieren, ehe man sie – wie die Zuschauer – in ein irrwitziges Szenario hinein wirft, dem die Filmemacher zum Glück mit der notwendigen Portion Ironie und Witz begegnen, um die mitunter Menschen verachtende Brutalität abzuschwächen und das von da an kaum vorhandene Skript stets unterhaltsam zu gestalten.

Basierend auf einer Story von Robert Kurtzman verfasste Quentin Tarantino die Vorlage, wobei der vielseitig tätige Filmemacher dafür sogar von der Option zurück trat, From Dusk Till Dawn selbst zu inszenieren. Er wollte sich stattdessen auf seine Rolle und das Drehbuch konzentrieren.
Allein der prinzipielle Aufbau des Skripts ähnelt dabei einer Hommage gleich Genreveteranen und etabliert in der ersten Filmhälfte eine Reihe von Figuren, die fortan ums nackte Überleben kämpfen müssen. Dabei verwendet Tarantino viel Zeit darauf, die Gegebenheiten für das Finale einzuführen, das dann aber letztlich aus einer kaum enden wollenden Schlacht besteht, bei der die Gruppe Überlebender stetig weiter dezimiert wird. Wer wann das Zeitliche segnet ist allerdings überaus überraschend, ebenso wie der Verlauf der ersten 50 Minuten des Films, die insbesondere diejenigen verwundern dürften, die von den Werbespots zum Film auf etwas ganz anderes vorbereitet wurden.
Die Charakterzeichnungen fallen erstaunlich vielschichtig aus, wobei die beiden Antagonisten Seth und Richard erstaunlich wenig Hintergrund zugeschrieben bekommen, wohingegen die Familie Fuller mehr zur Geltung kommt. Tarantino nutzt die zahlreichen, pointierten und mitunter sehr ungewöhnlich formulierten Dialoge gekonnt, um seinen Figuren Tiefe zu verleihen und dadurch die Gespräche interessant zu halten, auch wenn an sich nicht viel passiert. Doch gerade an den zum Teil haarsträubenden und doch witzigen Dialogen wird schnell klar, dass der Autor seine Story ebenso wenig ernst nimmt, wie sie ernst gemeint sein kann, was sich auch bei der klischeehaften und gerade deshalb passenden Schlusseinstellung bestätigt.
Tarantino spielt mit den Klischees, zerpflückt sie gekonnt und lässt sie dann in der Story bestehen, wenn sie helfen, die aberwitzige Atmosphäre zu verdeutlichen. Sein Skript ist ausgesprochen gut gelungen, bedenkt man, dass er sich weit weniger mit dem wie oder warum beschäftigt, als weshalb die Charaktere so sind, wie sie sind. Damit wagt er trotz der bekannten Zutaten einen etwas anderen, erfrischenden Ansatz – und gewinnt damit von Anfang an das Publikum für sich.

Dass die Vorlage auch den Hollywood-Agenten gefallen haben muss, sieht man schon an den prominenten Namen vor der Kamera, allen voran dem TV-Beau George Clooney, der allerdings durch seine Beteiligung hauptsächlich dem Weißkittelimage entkommen wollte, das ihm durch Emergency Room [seit 1994] anhaftete – wie er selbst zugibt. Inzwischen hat sich seine Karriere durch gesellschaftspolitische und hintergründige Dramen zwar erneut gewandelt, mit From Dusk Till Dawn stieß er aber insbesondere seine weiblichen Fans vor den Kopf, zumal er den rücksichts- und kompromisslosen Schwerverbrecher Seth Gecko mit einer Überzeugungskraft mimt, dass man darüber die Coolness, die er ausstrahlt, beinahe vergessen könnte.
Er leistet ebenso eine hervorragende Arbeit wie Quentin Tarantino, der als Seths psychopathischer Bruder Richard einige der beunruhigendsten Szenen im Film zum besten gibt.
Seiner Rolle ist Harvey Keitel ohnehin gewachsen, und er veredelt durch seine schiere Anwesenheit die einzelnen Szenen merklich, doch scheint der für Bugsy [1991] oscarnominierte Darsteller mehr Gefallen an den Einführungsszenen zu finden, in denen sein schauspielerisches Talent auch mehr gefragt ist, als bei dem immens langen Finale. Hier überzeugt er zwar nach wie vor, doch scheint seine Figur den inneren Kampf nicht mehr auszutragen, der seinem Charakter zuvor Tiefe verlieh.
Dass Juliette Lewis eine der vielseitigsten Schauspielerinnen Hollywoods ist, bewies sie schon mit Filmen wie Kalifornia [1993] oder Natural Born Killers [1994], doch was viel mehr verwundert, als ihre Fähigkeit, ihre Figuren präzise auf den Punkt zu bringen, ist die Tatsache, dass sie von Film zu Film unterschiedlich alt wirkt. Ohne Probleme vermittelt die damals immerhin 23jährige den Eindruck eines Teenagers, ist dabei aber nicht ganz so stark gefordert, wie die männlichen Hauptdarsteller. Für Ernest Liu ist der Traum vom Hollywood-Erfolg bislang ausgeblieben, der Darsteller, der hier sein Debüt feiert, war bislang nur in einigen TV-Produktionen zu sehen und dort auch nur kleinen Auftritten. Liu macht seine Sache zwar gut, hat aber im Grunde genommen nichts zu tun.
Anders Salma Hayek, deren Auftritt zwar nicht allzu lange dauert, dafür aber umso einprägsamer geraten ist. Bereits in Rodriguez TV-Produktion Bad Boys Never Die [1994] war Hayek zu sehen, spielte in Desperado überdies die weibliche Hauptrolle. Für ihren Auftritt in From Dusk Till Dawn musste sie aber ihren Tanz vor laufender Kamera nicht nur improvisieren, sondern auch mit einer echten Schlange hantieren – für die Schlange hassende Salma Hayek keine leichte Aufgabe. Sie betört wie sie es laut Drehbuch soll, ist aber davon abgesehen schauspielerisch nicht gefordert.
Während die Szenen von Danny Trejo und Tom Savini wirklich gelungen sind, zählt die Dreifachrolle von Cheech Marin ohne Zweifel zu den einprägsamsten Momenten des Films. Er leistet wie gewohnt sehr gute Arbeit und sorgt für mehr Lacher, als es manchen Komödien in zwei Stunden gelingt.
Der Cast ist zwar aus weniger bekannten Mimen zusammen gestellt, die aber einerseits perfekt in das Ambiente des Films passen und andererseits merklich Spaß bei der Arbeit hatten. Sie agieren mit dem notwendigen Augenzwinkern und verleihen Rodriguez / Tarantinos Vampirsatire einen ganz besonderen Charme.

Handwerklich überzeugt Regisseur und Cutter Robert Rodriguez mit einfallsreichen Perspektiven einem überlegten Schnitt und einem daraus resultierenden wirklich gelungenen Spannungsaufbau, der sowohl in den einzelnen Szenen vor dem Eintreffen im Titty Twister für Atmosphäre sorgt, sondern auch das sehr lange Finale entsprechend vorbereitet.
Das lobenswerte Produktionsdesign erkennt man spätestens dann, wenn man sich vor Augen führt, dass From Dusk Till Dawn weniger als 20 Millionen Dollar kostete, was weder angesichts der Kulissen, noch der Beteiligten oder der unzähligen Maskenarbeiten und Effekte, vorzustellen ist. Gerade die Maskenarbeiten wirken auf groteske Art und Weise realistisch, behalten aber grundsätzlich einen Comiccharakter, so dass erwachsene Zuschauer auch bei den bisweilen extrem brutalen Szenen den fiktiven Inhalt erkennen können.
An der Umsetzung des Films gibt es nichts zu bemängeln, der Produktionsstandard scheint ungewöhnlich hoch und die Bilder wirken wohl überlegt. Mehr kann man von dieser Art Film nicht erwarten, zumal viele andere, teurere Produktionen diese Hoffnungen in der Vergangenheit enttäuschten.

Eigentlich kaum für die musikalische Untermalung zuständig ist Graeme Revell, dessen Score man erst in der zweiten Filmhälfte wahr nimmt und der dann zwar zu den Szenen passt, aber kein Thema erkennen lässt, oder wirklich im Gedächtnis bleibt.
Stattdessen prägen die Lieder der Gruppe Tito & Tarantula den Film, deren Alben sich nach der Erstveröffentlichung von From Dusk Till Dawn in den Charts widerfanden. Die Songs passen perfekt zum Ambiente des Films und wirken niemals unpassend oder aufgesetzt. Auch die übrigen gesungenen Lieder zu Beginn unterstützten gekonnt die Atmosphäre des Horrorfilms, so dass man von Anfang an exzellent auf die kommenden Ereignisse und die Stimmung im Titty Twister vorbereitet wird.

Den Kult, den die beiden Filmemacher Quentin Tarantino und Robert Rodriguez damit begründeten, hält sich auch zehn Jahre später noch, und das zweifelsfrei, weil ihnen auch einer der besten Filme dieser Art gelungen ist. Dennoch wäre es interessant gewesen zu sehen, wie sich die Story zu Beginn weiter entwickelt hätte, wäre es nicht zum Zwischenstopp am Rastplatz gekommen.
Doch das wird man wohl nie erfahren. Stattdessen erwartet den Zuschauer ein Horrorfilm mit viel Humor, der seinen Unterhaltungswert auch darin findet, dass immer genügend Zeit für einen billigen Kommentar der Figuren übrig bleibt, und der durch seine merklich aufwändige Machart beeindruckt. Voller Dialogwitz und mit einem beinahe unbegrenzten Vorrat an zitierungswürdigen Sprüchen hebt sich das Skript merklich von anderen Filmen dieser Art ab. Wer sich darauf einlässt, und bedenkt, dass der Film niemals für Kinder oder Jugendliche gedacht war, wird auf seine Kosten kommen, zumal From Dusk Till Dawn glücklicherweise jener Sadismus fehlt, den andere heutige Horrorfilme als Storyantrieb benutzen.


Fazit:
Gespickt mit unzähligen Zitaten und Anspielungen an Filmklassiker oder aber Filme der beiden namhaften Beteiligten Autoren/Regisseure, entpuppt sich From Dusk Till Dawn beim näheren Hinblicken als Hommage an Filme des Genres und nutzt eben jene Mechanismen, mit denen Autoren wie Stephen King ihr Publikum fesseln. Zunächst wird eine Geschichte erzählt, in der die Figuren vorgestellt werden, ehe eben jene Charaktere sich wie der Zuschauer mit dem Unglaublichen konfrontiert sehen.
Die Rechnung geht schon insofern auf, als dass alle Akteure ihr Bestes tun, um die Atmosphäre des Horrorfilms aufrecht zu erhalten. Dabei gibt sich Regisseur Rodriguez aber bewusst Mühe, die Ironie und den Witz nicht zu kurz kommen zu lassen. Aus diesem Grunde ist die äußerst blutige Vampirstory für erwachsene Zuschauer auch problemlos zu ertragen, denn wenn man sich vor Augen führt, dass die Beteiligten all das nicht ernst nehmen, verlieren viele Momente einen Großteil des Ekeleffekts.
Dennoch bleibt das von Quentin Tarantino verfasste Skript für Jugendliche vollkommen ungeeignet, schon auf Grund der Einleitung und des sehr grafischen Finales. Volljährige Genrefans mit einem Hang zum makaberen Humor und einem Verständnis für coole aber inhaltlich eigentlich haltlose Dialoge werden sich köstlich amüsieren – auch wenn man das Gefühl nicht los wird, sich dafür ein wenig schämen zu müssen.


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