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Firewall [2006]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 06. Dezember 2008
Genre: Thriller

Originaltitel: Firewall
Laufzeit: 105 min.
Produktionsland: USA / Australien
Produktionsjahr: 2006
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Richard Loncraine
Musik: Alexandre Desplat
Darsteller: Harrison Ford, Virginia Madsen, Paul Bettany, Carly Schroeder, Jimmy Bennett, Mary Lynn Rajskub, Robert Patrick, Robert Forster, Alan Arkin, Eric Keenleyside


Kurzinhalt:
Jack Stanfield (Harrison Ford) ist Leiter der Sicherheitsabteilung einer Bank und lebt mit seiner Frau Beth (Virginia Madsen) und seinen beiden Kindern ein behütetes Leben. Doch als sein Arbeitgeber kurz davor steht, von einer größeren Bankenkette übernommen zu werden und Gary Mitchell (Robert Patrick), der abgestellt wurde, die Fusion in die Wege zu leiten, Gründe zu suchen scheint, Jack zu diskreditieren, tritt der unscheinbare Bill Cox (Paul Bettany) in Jacks Leben.
Wenige Stunden später ist seine Familie in der Hand von Geiselnehmern. Die Gruppe, angeführt von Cox, verlangt von Jack, das von ihm entworfene Sicherheitssystem der Bank zu umgehen, um Geld auf ein angewiesenes Konto zu überweisen. Doch angesichts der verschärften Sicherheitsmaßnahmen durch die anstehende Fusion ist dies viel schwieriger als zunächst vermutet.
Und die für Jack alles entscheidende Frage lautet: da seine Familie die Gesichter der Geiselnehmer gesehen hat, kann er Cox' Versprechen, sie laufen zu lassen überhaupt trauen?


Kritik:
An sich hätte der Film "The Wrong Element" heißen und auch von einem anderen Regisseur, nämlich Mark Pellington, inszeniert werden sollen. Ob der Film allerdings dann auch ein größerer Erfolg geworden wäre, sei dahingestellt. Kritiker und Zuschauer jedenfalls waren vor zwei Jahren nicht überzeugt, als Firewall in die Kinos kam. Durchschnittlichen bis vernichtenden Kritiken standen leere Kinosäle gegenüber. Über das Budget schweigt sich das Studio zwar aus, doch angesichts der auftretenden Stars kann man von einem weltweiten Einspielergebnis unterhalb 100 Millionen Dollar kaum zufrieden sein.
Dabei zeigt sich Richard Loncraines Thriller durchaus von seiner besten Seite, fährt neben einer interessanten, wenn auch nicht wirklich neuen Geschichte einige bekannte und weniger bekannte Hollywooddarsteller auf, die aber allesamt gut gelaunt scheinen und garniert all das mit einer durchweg guten, wenn auch nicht außergewöhnlichen Inszenierung.

Der vielleicht unentschlossenste Aspekt des gesamten Films ist ohne Frage das Drehbuch von Joe Forte, für den dies nach einer Independent-Produktion der erste größere Hollywoodfilm war. Er spickt seinen Thriller mit vielen bekannten und neuen Ideen, scheint sich dabei jedoch nicht wirklich schlüssig, in welche Richtung er den Film entwickeln möchte. So mutet der erste Akt an wie eine noch klaustrophobischere Version von Stirb langsam [1988], ehe sich die Geschichte zu einer abgespeckten Interpretation von Auf der Flucht [1993] wandelt. Angesichts des gleichen Hauptdarstellers sind Verwechslungen nicht ausgeschlossen. Das Finale hingegen scheint merklich actionbetonter und erneut aus einem anderen Film zu stammen.
Dass der Thriller dennoch funktioniert verdankt das Skript einerseits sympathisch detaillierten Hauptfiguren in Form der Familie Stanfield und einem Bösewicht, der realistisch genug gehalten ist, um immer noch Furcht einflößend, aber nicht unglaubwürdig zu erscheinen. Ihnen folgt man selbst durch die mitunter nicht wirklich schlüssigen Sprünge in der Geschichte.
Spannend ist das Skript an sich allezeit, zumal mit einer Reihe von Nebenfiguren gearbeitet wird, beispielsweise dem Übernahmespezialisten Gary Mitchell, bei denen allerdings nicht klar ist, inwieweit sie in die Verschwörung mit eingebunden sind. Auch hier wäre aber noch genügend Potential offen gelegen, um die Story weiterzuentwickeln und mehr Figuren zu involvieren. Das Skript ist in der umgesetzten Form alles andere als schlecht; nur wird man das Gefühl nicht los, als hätte sich Joe Forte nicht entscheiden können, was für einen Film er an sich schreiben wollte.

Die Darsteller scheint dies nicht zu stören, ganz im Gegenteil. Erstklassig aufeinander abgestimmt sind unter anderem Harrison Ford und Virginia Madsen, die von Ford selbst eingeladen wurde, mitzuspielen. Beide machen ihre Sache wirklich gut, wobei insbesondere Harrison Ford körperlich sehr stark gefordert ist. Stärker eigentlich als im zuletzt veröffentlichten vierten Indiana Jones-Abenteuer. Da sie sich mehr darauf verlässt, die besorgte und doch machtlose Mutter zu mimen, kann Virginia Madsen auch problemlos neben ihm bestehen.
Paul Bettany behauptet sich als Bösewicht vor allem durch seine unterkühlte und ruhige Ausstrahlung, die er so lange im Film aufrecht erhält, dass man sich kaum entscheiden kann, ob es nicht noch beunruhigender ist, wenn er seine Beherrschung verliert. Trotz der facettenreichen Vorbereitung des Coups kann er in Bezug auf Eleganz und Diabolik den Widersachern aus den Stirb langsam-Filmen nicht das Wasser reichen, doch macht er seine Sache ausgesprochen gut.
Die Nebenfiguren sind allesamt erstklassig besetzt, insbesondere passend verkörpert durch Mary Lynn Rajskub, die zwar lediglich ihre gewohnte 24 [seit 2001]-Routine zum Besten geben darf, dies aber tadellos beherrscht. Robert Patrick scheint zwar ebenso unterfordert wie Robert Forster und Alan Arkin, doch sind ihre Rollen zumindest gut angelegt, so dass man ihre kurzen Auftritte durchaus genießen kann.
Sie runden einen gut ausgesuchten und sehr charismatisch wirkenden Cast ab, der sogar zwei talentierte Jungdarsteller enthält.

Am Handwerk von Regisseur Richard Loncraine gibt es grundsätzlich nichts zu bemängeln. Nach dem interessant gestalteten Vorspann besinnt sich der Filmemacher auf eine solide, routinierte Inszenierung, die sich den Aufbau des Hauses der Familie Stanfield ebenso zunutze macht, wie die Überwachungsoptik der Geiselnehmer. Er nutzt diese Perspektiven, um bestimmte Emotionen der Figuren zum Ausdruck zu bringen ebenso, wie den Regen im Hintergrund, der Jack Stanfields Leben so lange im Griff hält, wie er sich in die Gewalt der Schurken ergibt. Sobald er aktiv wird, den Spieß umdreht, hört auch der Regen auf.
Kamera und Schnitt ergänzen sich diesbezüglich sehr gut, vermitteln nie das Gefühl hektischer und unübersichtlicher Kompositionen, doch stören eine handvoll scheinbar wahllos eingestreuter und völlig überflüssiger Zeitlupen, die immer nur wenige Augenblicke dauern, aber innerhalb der Szenen nicht notwendig waren und auch den Fluss der Bildersprache stören.
Inszenatorisch tadellos entpuppen sich manche Sequenzen in Firewall als durchaus spannend und auch die Ohnmacht Stanfields angesichts der Überwachung und des Identitätsdiebstahls durch Cox wird gut zum Ausdruck gebracht. Mehr kann man an sich auch nicht erhoffen.

Die musikalische Untermalung von Alexandre Desplat zeigt sich erstaunlich abwechslungsreich, auch wenn das Thema der "Bank" an sich am besten gelungen scheint. Der sehr rhythmische orchestrale Score bietet dabei genügend Motive mit Wiedererkennungswert und fügt sich gekonnt an die Bilder.
In gewisser Weise scheint der Score zu Firewall sogar ein wenig zu lustig instrumentiert, findet jedoch in der zweiten Filmhälfte zurück zu den bedrohlichen und auch sehr packenden Themen. Insgesamt erinnert der Score von der Instrumentierung und dem Verlauf der Melodien her ein wenig an Alfred Hitchcocks Hauskomponist Bernard Herrmann, was jedoch nicht negativ zu werten ist. Passend zu den Bildern ergibt sich somit das Bild eines Thrillers, der ohne weiteres in den 1990er Jahren hätte entstehen und angesiedelt werden können.

In gewisser Weise verdeutlicht dies, dass sich hinter Firewall ein konzeptionell recht altmodischer Film verbirgt, was manche Kritiker und Zuschauer mit den Worten vorhersehbar und langweilig verknüpfen. Wer sich allerdings auf Loncraines Regiearbeit einlässt wird sympathischen Figuren in außergewöhnliche Umstände folgen. Das mag zwar nicht immer glaubhaft und realistisch sein, beleidigt allerdings nie die Intelligenz der Zuschauer wie andere Filme des Genres und wirkt nicht so hoffnungslos überfrachtet inszeniert wie beispielsweise Hostage – Entführt [2005].
Gerade für das Heimkino lohnt es sich, Harrison Ford nochmals in einer fordernden und sympathischen Rollen zu bewundern. Im Kino ist ihm dies zuletzt ja nicht gelungen.


Fazit:
Auch wenn die Geschichte selbst nicht wirklich neu ist, besitzt Firewall durchaus seinen Reiz. Aber während zu Beginn ein klaustrophobischer Thriller vermutet wird, wandelt sich die Story nach der Hälfte zu einer Art Auf der Flucht, wohingegen das Finale an klassische Actionfilme aus den 1980er und 90er Jahren erinnert. Das alles ist nicht schlecht, wirkt aber ein wenig unstrukturiert.
Dank der soliden Inszenierung, der guten Darsteller – darunter auch ein Furcht einflößender Bösewicht und ein körperlich sehr stark geforderter Harrison Ford – und einer durchaus spannend erzählten Geschichte überzeugt Firewall trotz inhaltlicher Mängel.
Wer einen routinierten Thriller erwartet, der ordentliche Abendunterhaltung garantiert, ohne allzu anspruchsvoll zu sein, der wird bei Richard Loncraines Film kaum Wünsche unerfüllt sehen. Nicht zuletzt dank der charismatischen Besetzung, die in der Tat sehr gut aufeinander abgestimmt scheint.


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