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Elliot, der Drache [2016]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 13. November 2017
Genre: Unterhaltung / Komödie

Originaltitel: Pete's Dragon
Laufzeit: 102 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2016
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: David Lowery
Musik: Daniel Hart
Darsteller: Bryce Dallas Howard, Oakes Fegley, Oona Laurence, Wes Bentley, Karl Urban, Robert Redford, Isiah Whitlock Jr., Marcus Henderson


Kurzinhalt:

Nachdem der fünfjährige Pete (Oakes Fegley) allein in einem weit entlegenen Teil des Waldes zurückbleibt, trifft er auf einen großen, grünen Drachen, den er Elliot nennt. Elliot nimmt sich des Kindes an. Einige Jahre später trifft die Forstarbeiterin Grace (Bryce Dallas Howard) auf Pete und holt ihn zurück zu den Menschen. Auch wenn er anfangs nur wieder in den Wald zu seinem Gefährten möchte, aufgenommen bei Grace, ihrer Tochter Natalie (Oona Laurence) und ihrem Mann Jack (Wes Bentley) entdeckt Pete neu, was es bedeutet, eine Familie zu haben. Doch auf der Suche nach seinem Freund wird Elliot von einigen Menschen gesehen und der Waldarbeiter Gavin (Karl Urban) macht es sich zum Ziel, den Drachen zu fangen. Derweil glaubt einzig Grace' Vater Meacham (Robert Redford) Pete, als dieser erzählt, er habe mit einem Drachen zusammengelebt. Pete wird ihre Hilfe brauchen, wenn sie Elliot aus den Fängen der gierigen Menschen befreien wollen …


Kritik:
Elliot, das Schmunzelmonster [1977] ist einer dieser Filme aus der Kindheit, an die sich dieser Kritiker mit einem Lächeln im Gesicht erinnert. Dabei kommen mir, ehrlich gesagt, wenn ich an den Film zurückdenke, höchstens ein oder zwei Bilder in den Sinn. Es ist mehr eine Erinnerung an das Gefühl, das dieser Film auslöst, eine Geborgenheit, die tief in der Kindheit verankert ist und sich in dem freundlichen Gesicht jenes gezeichneten, grünen Drachen mit den kleinen rosafarbenen Flügeln wiederfindet. Ob der gesamte Filme diesem Gefühl heute noch würde standhalten können, wäre eine interessante Frage, doch eine für eine ganz andere Filmbesprechung. Mit Elliot, der Drache modernisiert Filmemacher David Lowery die Idee des inzwischen vierzig Jahre alten Familienfilms. Er tut dies auf eine Art und Weise, dass der Film für sich selbst steht mit einem eigenen Look und einer Geschichte, in der erfreulicherweise dem Zielpublikum entsprechend die Kinder und nicht die Erwachsenen im Mittelpunkt stehen. Ältere Zuseher mögen das Geschehen vielleicht als (zu) zahm empfinden, doch treffen die rührenden Momente dennoch ins Schwarze.

Dabei kleidet Lowery seinen Film in teils wunderschöne Bilder, die durch einen überraschenden Kniff erstaunlich zeitlos sind. Auch wenn es nicht ausdrücklich erwähnt wird, spielt Elliot, der Drache im Jahr 1983. Doch statt auf Nostalgie beim älteren Publikum zu setzen, die damalige Technik oder Modeerscheinungen in den Fokus zu rücken, lässt der Regisseur diese Aspekte einfach vollkommen außer Acht. Kleidung und Autos könnten jener oder der heutigen Zeit entspringen. Er nimmt die moderne Technik aus der Geschichte, ohne dass sie eine Lücke hinterlassen würde. Dafür nehmen die Figuren einen größeren Platz darin ein.
Angefangen mit Pete, der bei dem tragischen Auftakt von seinen Eltern getrennt wird und im tiefsten Wald auf einen Drachen trifft. Kein kaltes, zähnefletschendes Monster, sondern einen großen, grünen, haarig-flauschigen Drachen, der zu dem Fünfjährigen eine Verbindung aufbaut. Es ist eine Vertrautheit, die zwischen den staunenden Augen dieses Kindes und dem haushohen Fabelwesen entsteht, die von Anfang an einen immensen Charme versprüht.

Elliot, wie er das Wesen nach der Figur eines Kinderbuches nennt, ist sein Drache. Und er gleichermaßen die Bezugsperson, ohne die Elliot nicht sein kann. Sechs Jahre später machen sich Baumfäller tief im Wald an die Arbeit. Als Pete die Situation auskundschaftet, erblickt er Natalie, die Tochter der Forstarbeiterin Grace. Der Moment erinnert an Mogli am Ende von Das Dschungelbuch [1967] – doch ist dies erst der Beginn von Petes und Elliots großem Abenteuer. Denn nicht nur, dass Pete zurück in die Welt der Menschen gebracht wird, wo er sich dank des herzlichen Willkommens von Grace und ihrer Familie schneller integriert als gedacht, Elliot wurde von den Erwachsenen gesehen, die unter der Federführung von Gavin Jagd auf den Drachen machen.

Die Geschichte klingt verdächtig nach vielen anderen Stories dieser Art und es wäre eine Übertreibung zu behaupten, dass Elliot, der Drache diesbezüglich besonders einfallsreich wäre. Nur, und das ist in diesem Fall entscheidend, es wird die Kinder im Publikum nicht stören. Statt hektisch geschnittene Actionhöhepunkte zu setzen oder zu zeigen, wie Elliot die Erwachsenen, die ihn entdecken, mit all seiner Stärke vertreibt, bewahrt sich David Lowery allzeit die "Harmlosigkeit" eines Kinderfilms. Keine Konfrontation ist zu düster, selbst Karl Urban als Gavin scheint nicht wirklich böse und keine Situation so ausweglos, dass auch die ganz jungen Zuseher wegsehen müssten. Statt eines Monsters erleben sie das mystische Wesen als freundlichen Gefährten.

So überrascht der Verlauf der Story zwar nicht, aber dank der Aufnahmen und auch der gelungenen Musik erzeugt Elliot, der Drache eine beinahe herzliche Atmosphäre. Die erwachsenen Akteure wie Bryce Dallas Howard oder auch Robert Redford nehmen sich in den gemeinsamen Szenen mit dem tadellos agierenden Oakes Fegley angenehm zurück, nehmen in ihren eigenen die Figuren jedoch ernst genug. Es ist eine rundum schöne Mischung, die in den richtigen Momenten berührt und am Ende dennoch ein gutes Gefühl zurücklässt.
Zugegeben, die Qualität der Trickeffekte schwankt mitunter und ist in manchen Situationen unauffälliger als in anderen. Doch auch daran werden sich Kinder nicht stören. Und darauf kommt es am Ende an.


Fazit:
Regisseur David Lowery gelingt es mit Elliot, der Drache, eine Neufassung der bekannten Idee zu erschaffen, die für sich steht. Das Ergebnis geht inhaltlich in keinerlei Art neue Wege, doch überzeugt die Geschichte dadurch, dass sie in Hinblick auf ihre Begeisterung scheint, als wäre sie aus der Sicht von Pete erzählt. Nie düster oder bedrohlich, werden auch junge Zuschauer eingeladen, ein Abenteuer zu erleben, das sich auf die Kinder und nicht die Erwachsenen konzentriert. Dank der warmherzigen Atmosphäre rühren einige Momente selbst dann, wenn sie absehbar sind. Doch das macht, zusammen mit dem nie übertriebenen Humor, diesen Familienfilm am Ende schließlich aus.
 


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