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Einsame Entscheidung [1996]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 02. Juni 2003
Genre: Thriller / Action

Originaltitel: Executive Decision / Critical Decision
Laufzeit: 134 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1996
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Stuart Baird
Musik: Jerry Goldsmith
Darsteller: Kurt Russell, Steven Seagal, Halle Berry, John Leguizamo, Oliver Platt, Joe Morton, David Suchet, J.T. Walsh


Kurzinhalt:
Als ein berüchtigter Terrorist aus dem Nahen Osten, El Sayed Jaffa (Andreas Katsulas) von den US-Behörden gefangen genommen wird, kidnappt sein Gefolgsmann Nagi Hassan (David Suchet) mit einer Gruppe Terroristen einen mit 400 Passagieren besetzten Jumbo-Jet. Seine Forderung lautet, Jaffa frei zu lassen, dann würde niemandem etwas geschehen.
Doch Dr. David Grant (Kurt Russell), Analyst für die US-Army ist anderer Ansicht. Seiner Meinung nach plant Hassan, die Maschine über einer amerikanischen Stadt abstürzen zu lassen und dabei kürzlich gestohlenes Nervengas freizusetzen.
Dem Pentagon läuft die Zeit davon, weswegen die Verantwortlichen in einen waghalsigen Plan einwilligen, bei dem eine Spezialeinheit unter Leitung von Austin Travis (Steven Seagal) während des Fluges den Jumbojet entern und die Terroristen überwältigen soll. Einen Teil des Fluges soll Grant das Team begleiten, doch dann geraten die Dinge außer Kontrolle und der Analyst sitzt mit einem Teil der Spezialeinheit auf dem Flugzeug fest, ohne Hoffnung auf Verstärkung oder Kontakt mit dem Pentagon.
Mit Hilfe der Flugbegleiterin Jean (Halle Berry) nehmen sie langsam und versteckt den Kampf gegen die Zeit und die Terroristen auf, denn die Bombe muss erst noch gefunden werden – und zwar bevor das Pentagon den Jet abschießen lässt ...


Kritik:
Die eigentliche Hauptdarstellerin von Einsame Entscheidung feiert hier ihre Leinwandpremiere – und überlebt keine 20 Minuten: Die Remora. Jenes Spezialflugzeug, das den Köpfen der Filmemacher entsprungen ist, und mit deren Hilfe die Einsatztruppe an Bord des Jumbojets kommen soll.
Sie ist eigentlich das Aushängeschild des Films und auf jedem Cover zu sehen, und obwohl sie ihren Auftritt nicht überlebt, bleibt als Zuschauer festzuhalten, sie verabschiedet sich mit einem eindrucksvollen Knall.
Passend in Szene gesetzt, mit einigen sehr guten Ideen gespickt und spannend erzählt ergibt das den besten Flugzeug-Terroristen Thriller der letzten 15 Jahre, wenn nicht länger; wer da freiwillig zu Wesley Snipes Passagier 57 [1992] oder dem pathosbehafteten Air Force One [1997] greift, ist selbst schuld.

Diese Pluspunkte sind zweifelsohne dem Drehbuch von Jim und John Thomas zuzuschreiben, die bereits die beiden Predator-Filme [1987, 1990] schrieben und produzierten.
Ihnen gelang ein temporeiches Skript, das interessante Charaktere präsentiert (wenngleich diese auch nicht sonderlich gefordert werden) und eine an sich recht komplexe Hintergrundhandlung einfach formuliert auf den Punkt bringen. Dank pointierter Dialoge, toller One-Liner und eines starken Bösewichts mausert sich das klaustrophobische Setting an Bord des Jumbojets in Kürze zu einem spannungsgeladenen Actionthriller, der zwar im groben Verlauf recht vorhersehbar sein mag, in den einzelnen Szenen aber immer wieder mit überraschende Wendungen aufwarten kann.
Einzig der kurze Anflug von Größenwahn beim Oberschurken, könnte bemängelt werden – verwunderlich ist allerdings der Anfang des Films. Hätten die Macher hier mit der Entführung Jaffas begonnen, anstatt diese nur im Rückblick zu zeigen, wäre der Film vielleicht noch etwas besser geworden. Für einen Actionfilm ist das Drehbuch aber ausgesprochen gut geraten und kann mit vielen guten Ideen punkten. Insgesamt gesehen wirkt es deutlich stimmiger, als das Skript zu dem erfolgreicheren Stirb langsam - Jetzt erst recht [1995].

Dafür sind die Darsteller aber allesamt nicht übermäßig gefordert, wenngleich ihnen die Arbeit am Film wohl Spaß gemacht hat. Kurt Russell darf zusammen mit Halle Berry am meisten schauspielern, John Leguizamo hingegen hat nicht viel mehr zu tun, als seinen Text zu sagen.
Oliver Platt spielt mit der für ihn gewohnten, innerlichen Unruhe, wodurch er einem als Zuschauer sofort am sympathischsten der gesamten Besetzung wird. Er verhält sich, wie es ein normaler Mensch in dieser Situation tun würde.
Joe Morton hat hier glücklicherweise mehr zu tun, als noch in Speed [1994], im Vergleich zu Terminator 2 - Tag der Abrechnung [1991] wirkt er allerdings trotz seiner interessanten und gut gespielten Rolle, leicht unterfordert.
In David Suchet fand man hingegen einen würdigen, charismatischen und überzeugenden Bösewicht, der einen angenehmen Gegenpol zur Heldenseite bietet. Es ist schade, dass er seither in keiner großen Produktion eine entsprechend große Rolle mehr hatte.
Für Steven Seagal-Fans ist es nicht neu, dass der Darsteller hier bereits nach wenigen Leinwandminuten seinen Abgang feiert – doch dass er das am Set gar nicht gern tat, verschweigen heute viele. Seagal weigerte sich tagelang, seine letzte Szene zu drehen, aus Angst, er würde damit seine Fans vergraulen. Erst als die Produzenten ihm mit einem Vertragsbruch drohten, was ihn sicherlich ein stattliches Sümmchen gekostet hätte, spielte Seagal widerwillig mit. Von seinem Unmut ist glücklicherweise nichts zu sehen, vielleicht ist das sogar seine am besten gespielte Rolle.
J.T. Walsh mimt in seinem Kurzauftritt dagegen relativ lustlos, aber immer noch ausreichend.

Die Inszenierung von Regisseur Stuart Baird zeichnet sich durch eine temporeiche Erzählweise aus, die sauber in Szene gesetzt wurde und nie Langeweile aufkommen lässt.
Dass Produzent Joel Silver den ursprünglichen Kameramann Alex Thomson feuerte und durch Don Burgess ersetzte, weil ihm Thomson zu langsam arbeitete, fällt im Übrigen nicht auf. Während des gesamten Films harmonieren Kamera und Schnitt und wirken wie aus einem Guss. Dass Baird lange Zeit als Cutter bei Filmen wie Lethal Weapon - Zwei stahlharte Profis [1987] oder auch Superman [1978] gearbeitet hat, merkt man und es tut der Inszenierung sichtlich gut.
Die Actionsequenzen sind gut fotografiert und übersichtlich geschnitten; zwar hätte sich der Drehort im Flugzeug gerade zu aufgedrängt, um längere Kamerafahrten zu unternehmen, doch das Fehlen derselben verzeiht man den Machern angesichts der reibungs- und makellosen Machart des Films gern.
Keine der Dialogszenen wirkt überflüssig oder unnötig und auch die Szenen, in denen die Politiker und das Militär entscheiden müssen, ob das Flugzeug abgeschossen werden soll, oder nicht, sind glücklicherweise bei weitem nicht so melodramatisch inszeniert wie beispielsweise bei The Rock - Fels der Entscheidung [1996].

Dass Einsame Entscheidung auf Grund der Thematik nicht ohne Spezialeffekte auskommen würde, ist verständlich, doch auch hier zeigen die Macher, dass sie keine Kosten und Mühen gescheut haben.
Die Flugszenen sehen beinahe alle sehr gut aus, nur ein paar wenige Male erkennt man offensichtliche Bluescreens und auch wenn die Massenkaramboulage am Schluss eindeutig als Modell zu erkennen ist, es sieht bedeutend besser aus, als die zahlreichen computergenerierten Explosionen, die andere Filme des Genres aufweisen.
Ein Highlight ist zweifelsohne die Remora selbst, die ebenfalls durchdacht und detailliert konzeptioniert erscheint.

Was den Film aber von der Note "gut" zu "sehr gut" verhilft ist der phantastische Score von Altmeister Jerry Goldsmith, der einmal mehr ein hervorragendes Thema kreierte, das er über die gesamte Filmlänge hin einsetzt und immer wieder gekonnt abwandelt. Mal schneller, dann wieder langsamer gespielt ergibt sich daraus insbesondere in den Actionszenen eine richtige Hymne, die dem Film den besonderen Touch verleiht.
Rhythmisch, eingängig und unendlich variierbar gelang Goldsmith einmal mehr ein Ohrwurm, der sich vor seinem Rambo [1982]-Thema nicht zu verstecken braucht und beinahe an seinen besten Actionsoundtrack heranreicht: Total Recall [1990].
Soundtrack-Sammlern wird der Score ohnehin bekannt sein, alle anderen, die sich für diese Art der Musik begeistern können, sollten bei Gelegenheit mal reinhören.

Im Direktvergleich zu Stuart Bairds zweitem Film Auf der Jagd [1998] ist Einsame Entscheidung eindeutig die bessere Wahl, allerdings vermisst man hier bisweilen ein wenig die Originalität. Man wird das Gefühl nicht los, dass das Regiedebüt etwas zu brav und konventionell geraten ist, wo man sich etwas mehr Freiheiten für Neues hätte nehmen können.
Dennoch ist Executive Decision, oder Critical Decision (beide Originaltitel sind gebräuchlich) ein sehr guter Thriller, der durch die saubere und spannende Actioninszenierung überzeugen kann. Dennoch muss sich Produzent Silver den Vorwurf gefallen lassen, dass der Film nicht viel mehr ist, als eine Abwandlung von Stirb langsam 2 - Die Harder [1990], für den ebenfalls Joel Silver verantwortlich war.
Eine witzige Anekdote für Fans ist zudem, dass Halle Berry am Ende des Films meint, sie möge kein Hokey, sondern nur Baseball; immerhin war sie damals mit dem Baseball-Spieler David Justice verheiratet.


Fazit:
Sicher ist die Story bisweilen hanebüchen und unlogisch, dennoch reißt allein die Idee der Remora den Film über den Durchschnitt. Gepaart mit den guten Darstellern, der fesselnden Spannung und der gekonnten Inszenierung der Actionsequenzen ergibt das einen unterhaltsamen Thriller, der niemals langweilig wird.
Mit Einsame Entscheidung legte Regisseur Baird ein solides und sehenswertes Regiedebüt vor, das deutlich besser geraten ist, als viele andere Filme dieser Art. Veredelt wird das Ganze durch einen genialen Soundtrack von einem der besten Action-Komponisten jener Zeit.


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