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Die Tribute von Panem – Mockingjay: Teil 2 [2015]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 26. März 2016
Genre: Science Fiction / Unterhaltung / Action

Originaltitel: The Hunger Games: Mockingjay - Part 2
Laufzeit: 137 min.
Produktionsland: USA / Deutschland
Produktionsjahr: 2015
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Francis Lawrence
Musik: James Newton Howard
Darsteller: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Donald Sutherland, Philip Seymour Hoffman, Julianne Moore, Willow Shields, Sam Claflin, Elizabeth Banks, Mahershala Ali, Jeffrey Wright, Stanley Tucci, Natalie Dormer, Evan Ross, Elden Henson


Kurzinhalt:

Auch wenn die Anführerin der Revolution Alma Coin (Julianne Moore) Katniss (Jennifer Lawrence) von der Front fernhalten möchte, damit sie mit weiteren Propagandavideos die Moral der Truppe aufrechterhalten kann, zieht es Katniss in den Kampf. Sie will Präsident Snow (Donald Sutherland) endlich für seine Taten bezahlen lassen. Nachdem sie sich in einem Transporter ins Kampfgebiet schmuggelt, ändern Coin und der Spielmacher Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman) ihren Plan – Katniss soll zusammen mit Gale (Liam Hemsworth) und ihrem Team in einiger Distanz hinter der Front dem Sturm auf das Kapitol folgen. Doch auch in der zerstörten Stadt lauern gefährliche, tödliche Fallen. Als Snow das Vorhaben entdeckt, mobilisiert er alle Einheiten, um dem Aufstand ein Ende zu machen. Dabei haben Katniss und er einen gemeinsamen Feind ...


Kritik:
Seit Katniss Everdeen in Catching Fire [2013] ihr Schicksal annahm, um als Gallionsfigur eine Revolution anzuführen, mit der die Unterdrückerherrschaft von Präsident Snow endlich ein Ende finden sollte, ist gefühlt ein Jahrzehnt vergangen. Mit Die Tribute von Panem – Mockingjay: Teil 2 soll die Schlacht nun endlich in Snows Kapitol getragen werden, doch die Story betrügt die Zuschauer um genau das. Stattdessen ziehen sich der Anfang und der unpassende Schluss ewig hin, während der Mittelteil nichts Neues bietet.

Der riesige Hype und die große Gefolgschaft, die Die Tribute von Panem um sich schart, sind für mich immer noch unbegreiflich. Nach dem Ende noch mehr als zuvor. Im Zentrum der Geschichte steht eine junge Frau, deren Handlungen nicht einmal für sie selbst Sinn ergeben, was sie in Mockingjay: Teil 2 sogar zugibt, wenn der sie anschmachtende Gale sie fragt, was in ihrem Kopf vorgeht – "Ich weiß es nicht" ist ihre Antwort. Mal zu ihm, mal zu ihrem Ko-Hungerspiel-Gewinner aus Teil eins, Peeta, hingezogen, erzählt die Reihe im großen eine Revolution gegen eine Schreckensherrschaft, während sich im Kleinen die Heldin zwischen zwei Männern entscheiden soll. Ob sie einen von beiden liebt, weiß man als Zuseher nicht, da Katniss derart unterkühlt und gefühlsfremd auftritt, dass man in ihre Handlungen nichts hineinzulesen vermag.

Peeta – Spoilerwarnung für diejenigen, die Mockingjay: Teil 1 [2014] noch nicht gesehen haben –, der vom Kapitol einer Gehirnwäsche unterzogen wurde und in Katniss einen Feind sieht, wird auch in diesem Film wieder wie ein Klotz am Bein der Revolution durch die Story geschleppt, selbst wenn es inhaltlich keinen Sinn ergibt. Immerhin ist er da und soll so wohl für eine romantische Spannung zwischen den drei sorgen. Präsident Snow hat die Truppen zum Kapitol zurückgezogen und lässt die Friedenswächter den Kern der Stadt um den Palast verteidigen. Zu Beginn von Mockingjay: Teil 2 wird eine Festung von regimetreuen Anhängern in Distrikt 2 bombardiert – etwas, das man nur in weiter Entfernung kurz zu sehen bekommt. Danach beginnt der Sturm auf das Kapitol, wie schon seit zwei Filmen angekündigt. Nur dass Filmemacher Francis Lawrence sein Publikum auch hierum betrügt: Um Propagandavideos der Revolution drehen zu können, müssen Katniss und ihr Team in einigen Kilometern Entfernung folgen und stapfen somit nur durch zerstörte Häuserschluchten. Vom eigentlichen Krieg, dem alles entscheidenden Kampf, gibt es einmal mehr nichts zu sehen.

Doch um die Zuschauer bei Laune zu halten, ist die Stadt mit zahlreichen Fallen der Spielmacher gespickt und so müssen Katniss und ihre Mitstreiter sich gegen diese perfiden Einrichtungen wehren. Inhaltlich ergibt das zwar nicht allzu viel Sinn, insbesondere, wenn man die weitentwickelten technischen Ausrüstungen der Hungerspielarenen bedenkt, die Selbstschussanlagen hier jedoch so "smart" sind, dass sie ihre Munition verschießen, auch wenn niemand vor dem Zielsucher steht. Doch immerhin trägt der Film so zurecht den Titel "Hungerspiele" (zumindest im englischen Original). Überflüssig zu sagen, dass Katniss' Team bei jeder Falle weiter dezimiert wird und es überrascht auch nicht, wer am Ende übrigbleibt.

Das ist auch eine der größten Enttäuschungen des Films: Überraschungen gibt es nicht. Zieht Mockingjay: Teil 2 sein Ende mit einer weiteren Verschwörung und einem Betrug unnötigerweise weiter in die Länge, ist der Ausgang jeder einzelnen Szene absehbar. Was Die Tribute von Panem dabei überhaupt für eine Aussage treffen möchte, verstehe wer will. Die große Hintergrundstory ist so düster und hoffnungslos, dass die letzten Minuten erscheinen, als wollten die Filmemacher das Publikum nicht vollends deprimiert gehen lassen. Wirklich Sinn ergibt es dabei dennoch nicht und passt auch nicht zu den Figuren. Sieht man sich den Beginn der Reihe mit einer durchaus interessanten – wenn auch nicht neuen – Grundidee an, dann wird am Ende deutlich, dass die Geschichte nicht auf das Ende hingearbeitet hat. Katniss und alle anderen sind dort eher hingestolpert in der Hoffnung, alledem eine Bedeutung zu verleihen. Das ist sowohl als Abschluss, wie auch als eigenständiger Film schlichtweg enttäuschend.


Fazit:
Wenn kurz vor Schluss nochmals große Verschwörungen vorgestellt werden, in deren Kern Personen stehen, die nicht einmal die Hälfte der Filmreihe mitgewirkt haben, dann bekommt man den Eindruck, als wollten die Geschichtenerzähler unter allen Umstanden noch einen Twist einbauen, wo die Ernüchterung ansonsten allzu groß gewesen wäre. Ernüchterung deshalb, da die Heldin weder den Krieg gegen das Kapitol anführen darf, noch bei der alles entscheidenden Schlacht zugegen ist. Die Auflösung ist so verkrampft, dass man kaum bemerkt, wie wenig all das zusammenpasst. In zwei Filmen erzählt und konsequent auf eine hoffnungsvolle Auflösung hinarbeitend, hätte Die Tribute von Panem seinen Platz am Hollywoodhimmel verdient. So leider nicht.
Jennifer Lawrence ist das Beste, was der Filmreihe dabei passieren konnte, doch das macht Katniss Everdeen nicht sympathischer. Mockingjay: Teil 2 bringt eine unnötig in die Länge gezogene Hintergrundgeschichte, die mit einer absehbaren und unnützen Wendung versehen ist, zum Abschluss und beerdigt auf dem Weg alle sympathischen Figuren. Die konfusen Einfälle der Spielmacher, bis hin zu augenlosen, zombieähnlichen Monstern, die offensichtlich aus dem Computer stammen, wirken hier mehr gewollt denn gekonnt und sieht man die letzten Minuten, fragt man sich, ob die Filmemacher das denn ernst meinen. Als Abschluss der großen Geschichte ist das schon deshalb enttäuschend, da man immer noch nicht erfährt, wie es in der Welt von Panem weitergeht und als eigenständiger Film ist das in den ersten 45 Minuten viel zu lang und im Mittelteil nur mäßig mitreißend. Da hilft auch der hohe Produktionsstandard nicht.    


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