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Der letzte Wolf [2015]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 30. Juli 2016
Genre: Unterhaltung / Drama

Originaltitel: Le dernier loup
Laufzeit: 121 min.
Produktionsland: China / Frankreich
Produktionsjahr: 2014
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Jean-Jacques Annaud
Musik: James Horner
Darsteller: Shaofeng Feng, Shawn Dou, Ankhnyam Ragchaa, Zhusheng Yin, Baasanjav Mijid, Baoyingexige, Tumenbayaer, Xilindule, Hai-Long Bao


Kurzinhalt:

Im Jahr 1967 wird der Student Chen Zhen (Shaofeng Feng) mit einem Freund beauftragt, in der inneren Mongolei den dortigen Hirten Lesen und Schreiben beizubringen. Fernab vom städtischen Leben muss er sich an die raue Natur und ihre Gefahren anpassen. Schon bald ist er fasziniert von den Wölfen, die von den Hirten gefürchtet und gleichzeitig verehrt werden. Er fängt ein Junges und will es mit der Erlaubnis des Verwalters Bao (Zhusheng Yin) großziehen. Doch als das ausgehungerte Rudel, dem die Menschen die Nahrung weggenommen haben, sich gegen die Hirten und ihre Herde wendet, gerät Chen Zhen unter Druck. Umso mehr, als eine Jagd auf die Wölfe ausgerufen wird ...


Kritik:
Mit Filmen wie Der Bär [1988], Der Liebhaber [1992] oder Sieben Jahre in Tibet [1997] in seinem Repertoire, wird man bei einem neuen Film von Regisseur Jean-Jacques Annaud selbst dann hellhörig, wenn seine letzten Werke enttäuschten. Der letzte Wolf stellt dabei schon deshalb etwas Besonderes dar, da der Regisseur trotz der restriktiven Politik in China – und trotz seines Porträts des Dalai-Lama und Chinas in seinem früheren Werk – die künstlerische Kontrolle behalten durfte. Das Ergebnis ist stellenweise beeindruckend und von einer bedrückenden Tragik. Nur leider nicht durchgehend so.

Basierend auf dem Roman Der Zorn der Wölfe [2004] von Autor Lü Jiamin, einem der meistgelesenen Bücher Chinas, erzählt Der letzte Wolf vom jungen chinesischen Studenten Chen Zhen, der im Jahr 1967 in die Mongolei entsandt wird, um den dort lebenden Hirten Lesen und Schreiben beizubringen. In der Weite der unberührten Natur angekommen, ist er fasziniert von dem Wesen der Wölfe, die von den Hirten gefürchtet und verehrt werden. Chen Zhen wird mit dem Weltbild der Menschen in der Steppe konfrontiert, die im Einklang mit der rauen Landschaft leben und sich dessen bewusst sind, dass sie in die Balance der Wildnis nicht eingreifen dürfen. Als er erlebt, wie die Nomaden den Nachwuchs der Wölfe aufspüren und töten, damit die gefürchteten Jäger nicht überhandnehmen, ist er am Boden zerstört und schickt sich an, ein Jungtier selbst großzuziehen.

Wer jedoch damit rechnet, dass Der letzte Wolf ein kindgerechtes Abenteuer voller putziger Tierbilder ist, der irrt. Ganz im Gegenteil, die Grausamkeiten, die Annaud hier sowohl gegenüber der Wolfpopulation zeigt, die von den Menschen erbarmungslos gejagt werden, nachdem sie nahe dem Verhungern in den menschlichen Siedlungen auf Raubzug gehen, als auch von Seiten der gefürchteten Jäger gegenüber ihrer Beute, sind nichts für schwache Nerven.
Diese Momente gelingen dem Filmemacher auch sehr gut und unterstreichen, wie in Chen Zhen das Verständnis dafür geweckt wird, dass der Mensch, der sich im natürlichen Lebensraum der Tiere immer weiter ausbreitet und ihnen das Futter streitig macht, der Keim des Übels ist. Nur weshalb dies von Chen Zhen nie ausgesprochen wird, weshalb er die Verantwortlichen nie anklagt, verstehe wer will.

Stattdessen konstruiert Der letzte Wolf am Ende eine unnötige Liebesgeschichte, die letztlich nirgendwo hinführt. Die Erzählung unterstreicht, dass es ein Leben nach den Gesetzen der Natur geben kann, stellt aber nicht fest, wieso sich die Menschen dagegen entschieden haben und stattdessen alle Gefahren aus dem Weg räumen. Die Faszination, die Chen Zhen hier ergreift, wird zwar deutlich, nur inwiefern sie sein Leben verändert – und ob überhaupt, wird vorenthalten.

Wer weniger Wert auf die Figuren oder eine Aussage legt, die den majestätischen Geschöpfen auch gerecht würde, der darf sich mitunter auf nie dagewesene Bilder freuen. Regisseur Jean-Jacques Annaud kommt den Tieren mitunter schon beunruhigend nahe und die weitläufige, unberührte Landschaft entfaltet auch dank des unbändig scheinenden Farbspektrums eine Persönlichkeit, die die Charaktere sichtlich formt.
Doch so toll viele Perspektiven sind, so naturbelassen die Felder und Steppe, so künstlich wirken die offensichtlichen Trickeffekte, sei es bei vielen Nachtaufnahmen mit den Wölfen, oder wenn der Himmel in grellen Farben erstrahlt. Auch der vom Aufbau her gelungene Angriff der Wölfe auf die Pferde passt optisch nicht zum Rest.

Hier wollte der Filmemacher offensichtlich mehr, als er erreichen konnte. Sieht man sich die voraussehbare Geschichte an, dann mag man vermuten, es erging ihm mit Der letzte Wolf insgesamt ebenso.


Fazit:
Komponist James Horner vereint hier viele seiner bekannten Themen und Elemente und findet getragene Motive für die tragischen Momente. Der Score – leider einer seiner letzten – ist ein Spiegelbild des Films selbst, bei dem manche Aspekte überaus gelungen sind und Einstellungen berühren oder gar schockieren. Auch vermittelt Regisseur Jean-Jacques Annaud ein Gefühl für das Wesen der naturverbundenen Nomaden, ohne sie geringzuschätzen.
Und doch gibt es immer wieder kitschige Einstellungen oder Tricks zu sehen, die die Naturaufnahmen merklich stören, von der absehbaren Geschichte von Der letzte Wolf ganz abgesehen, die in keinem Moment wirklich überrascht. Es ist das Porträt eines jungen Mannes, der sich in seiner Faszination dieser Tiere verliert. Das ist oftmals berührend anzusehen und mit einer richtigen Aussage zum Umgang der Menschen mit der Natur, aber nie packend und am Ende leider auch etwas zu lang.    


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