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Der Hobbit – Smaugs Einöde (2D) [2013]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Lars Adrian  |   Hinzugefügt am 28. Dezember 2013
Genre: Fantasy

Originaltitel: The Hobbit: The Desolation of Smaug
Laufzeit: 161 min.
Produktionsland: USA / Neuseeland
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Peter Jackson
Musik: Howard Shore
Darsteller: Martin Freeman, Ian McKellen, Richard Armitage, Orlando Bloom, Evangeline Lilly, Lee Pace, Luke Evans, Benedict Cumberbatch, Mikael Persbrandt, Ken Stott, Graham McTavish, William Kircher, James Nesbitt, Stephen Hunter, Dean O'Gorman, Aidan Turner, John Callen, Peter Hambleton, Jed Brophy, Mark Hadlow, Adam Brown, Sylvester McCoy, Manu Bennett, Stephen Fry


Kurzinhalt:
Thorin Eichenschild (Richard Armitage) befindet sich mit seinen vierzehn Gefährten – zwölf Zwergen, Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman) und Zauberer Gandalf (Ian McKellen) – auf dem Weg zum Einsamen Berg, um dort ihre Heimat und die vom mächtigen Drachen Smaug (Benedict Cumberbatch) bewachten unermesslichen Schätze der Zwerge zurückzuerobern. Stets werden sie von einer Horde grausamer Orks unter der Führung von Azog (Manu Bennett), einem alten Feind Thorins, verfolgt und wiederholt in Kämpfe verwickelt.
Auf ihrer Reise begegnen sie nicht nur dem seltsamen Hautwechsler Beorn (Mikael Persbrandt), sondern werden im Düsterwald von riesigen Spinnen angegriffen und geraten anschließend in die Gefangenschaft der dort lebenden Waldelben. Deren König Thranduil (Lee Pace) verweigerte einst Thorins Großvater Thrór (Jeffrey Thomas) die Unterstützung, als Smaug den Einsamen Berg eingenommen und Tod und Verderben gebracht hatte.
Thranduils Sohn Legolas (Orlando Bloom) fühlt sich zu Waldelbin und Kriegerin Tauriel (Evangeline Lilly) hingezogen, die jedoch Sympathien für Zwerg Kili (Aidan Turner) entwickelt. Tauriel und Legolas helfen Thorin und seinen Leuten bei ihren Gefechten mit den Orks, wobei Kili allerdings schwer verwundet wird.
Die Gruppe erreicht schließlich die Seestadt Esgaroth nahe des Einsamen Berges und erfährt Hilfe durch Bard (Luke Evans), einen der Bewohner, der dem schmierigen Bürgermeister Esgaroths (Stephen Fry) schon lange ein Dorn im Auge ist.
Bilbos Einfallsreichtum rettet seine Freunde ein ums andere Mal aus ihren misslichen Lagen, doch all die Strapazen scheinen vergebens, denn nach der Ankunft beim Einsamen Berg muss der vermeintliche Meisterdieb feststellen, dass Smaug immer noch am Leben ist und nichts von seiner unerbittlichen Gefährlichkeit eingebüßt hat.
Währenddessen macht sich Zauberer Gandalf mit Hilfe von Radagast dem Braunen (Sylvester McCoy) auf die Suche nach den Ursachen für die Wiedererstarkung des Bösen in der Festung Dol Guldur und begegnet einem längst totgeglaubten furchteinflößenden Gegner.


Kritik:
Als vor einem Jahr der erste Teil von Peter Jacksons Film-Interpretation des beliebten Kinderbuches Der (kleine) Hobbit [1937] von J.R.R. Tolkien in den Kinos anlief, waren Publikum und Kritiker weltweit hin- und hergerissen. Einerseits gelang es den Machern auch fast zehn Jahre nach ihrer triumphalen Herr der Ringe-Trilogie [2001-2003] erneut, die Zuschauer in die faszinierende Welt von Mittelerde zu entführen. Andererseits hatten sich für Viele die Befürchtungen bewahrheitet, dass Jacksons Entscheidung, aus einem relativ kurzen Roman drei episch angelegte Filme zu schaffen, zu einem in dramaturgischer Hinsicht eher durchwachsenen Ergebnis führen würde. Ein weiterer gravierender Kritikpunkt war die Verwendung der neuen Filmtechnik "HFR 3D", die in unserer Rezension zu Eine unerwartete Reise [2012], näher erläutert wird und die zahlreichen Kinobesuchern die Möglichkeit nahm, tatsächlich in die Illusion einzutauchen.
Zur Klarstellung möchte ich deshalb festhalten, dass diese Rezension zum zweiten Teil, Der Hobbit – Smaugs Einöde, nicht auf der HFR-3D-Fassung basiert, sondern auf der gewöhnlichen 2D-Fassung mit 24 Bildern pro Sekunde.
Darüber hinaus habe ich Eine unerwartete Reise seit der Kinoaufführung mittlerweile zweimal auf Blu-ray gesehen – ebenfalls in 2D –, zunächst in der Kinofassung und anschließend in der erweiterten Fassung mit zusätzlichen Szenen, die in der Kinofassung nicht enthalten waren. Die wiederholten Sichtungen von Teil 1 der neuen Trilogie veranlassen mich, meine ursprünglich recht kritische Haltung in Bezug auf den Film zu revidieren: Bei allen nach wie vor nicht zu leugnenden inhaltlichen Schwächen weht insbesondere in der erweiterten Version spürbar der verspielte Geist der Buchvorlage, während gleichzeitig durchaus stimmungsvoll der Bogen zu den zeitlich später angesiedelten Herr der Ringe-Werken geschlagen wird.
Die spannende Frage, die sich dem Kinobesucher zu Beginn von Smaugs Einöde deshalb stellt, ist, ob es Peter Jackson und seinem Team gelungen ist, die beim Vorgänger geäußerten Mängel zu vermeiden und einen insgesamt besseren Film zu präsentieren. Nach den über zweieinhalb Stunden, die Teil 2 für sich in Anspruch nimmt, ist die Antwort leider immer noch ähnlich gespalten wie schon ein Jahr zuvor.

Da der Film gerade mal rund 110 Seiten des Buches abdeckt, liegt es auf der Hand, dass die Drehbuchautorinnen und -autoren Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson und Guillermo del Toro ihre eigene Story entsprechend ausschmücken und um weitere Nebenhandlungen und Charaktere erweitern oder – weniger schmeichelhaft ausgedrückt – "strecken" mussten. Ebenso wenig überrascht es, dass manche dieser hinzugefügten Elemente besser funktionieren als andere.
Im Vorfeld wurde viel über Elbin Tauriel, dargestellt von Evangeline Lilly (Lost [2004-2010]), diskutiert, die zusammen mit Herr der Ringe-Held Legolas zur Gruppe stößt und zahlreiche Kämpfe bestreiten muss, obwohl sie im Roman gar nicht vorkommt, was Tolkien-Puristen erzürnen könnte. Tatsächlich bietet Tauriel und die angedeutete Dreiecksbeziehung mit Zwerg Kili und Elbe Legolas einen notwendigen emotionalen Ruhepol in einer übermäßig testosterongeschwängerten Geschichte. Legolas in die Ereignisse miteinzubinden, ist grundsätzlich ebenfalls eine naheliegende Idee, ist er doch der Sohn des Waldelbenkönigs Thranduil, der in Smaugs Einöde eine größere Rolle innehat, die von Lee Pace überzeugend ausgefüllt wird. Schade ist allerdings, dass Tauriel und Legolas nur wenig Raum für Entwicklung oder Dialoge zugestanden wird, sondern hauptsächlich Wert auf ihre Fertigkeiten beim massenhaften Töten von Orks gelegt wird.
Genau dies geschieht ohnehin zu häufig: Die bereits aus Teil 1 bekannte Ork-Meute verfolgt auch hier unsere Gefährten unablässig, wenngleich das Kommando im ersten Drittel an Azogs Sohn Bolg (Conan Stevens) übertragen wird, mit der Folge dass es immer wieder zu neuen Gemetzeln in unterschiedlichen Variationen kommt. Obwohl es zweifellos ein Publikum für solche Sequenzen gibt, dürften sich die Meisten nach der zehnten Ork-Enthauptung wahrscheinlich satt gesehen haben, zumal man bereits nach dem zweiten Gefecht das Prinzip verstanden hat und der Film dadurch nicht wirklich bereichert wird. Wer sich an Legolas' Olifanten-Ritt aus Die Rückkehr des Königs [2003] erinnert und sich an dessen allzu übertriebener Darstellung gestört hat, dürfte mit seinen unzähligen, die Gesetze der Physik aushebelnden Akrobatik-Einlagen in Smaugs Einöde vermutlich nicht viel Freude haben.
Die vertraute Erkenntnis, dass weniger oft mehr ist, scheint somit abermals zur Gewissheit zu werden. Zwei inhaltlich und dramaturgisch sinnvoll ausbalancierte, gestraffte Hobbit-Filme, die sich auf den Kern des Märchens konzentrieren, hätten vielleicht zu einem insgesamt gelungeneren Filmerlebnis beigetragen. Der Entschluss, stattdessen drei Filme in die Kinos zu bringen, ist offenkundig eher wirtschaftlichen Motiven, denn einer künstlerischen Sinnhaftigkeit geschuldet. Da der erste Teil weltweit bereits über eine Milliarde US-Dollar eingespielt hat – Heimvideo-Veröffentlichungen nicht eingerechnet –, aus Sicht der Produzenten fraglos ein nachvollziehbarer Schachzug.

Weil Figuren wie Tauriel, Legolas, Thranduil und auch Bard (Luke Evans, The Raven [2012]) aus der Seestadt Esgaroth mehr Platz in der Handlung einnehmen, geraten die bisherigen Protagonisten, darunter Anführer Thorin Eichenschild und selbst der Titel-gebende Hobbit Bilbo, zunehmend in den Hintergrund und dürfen erst im letzten Drittel nach Ankunft beim Einsamen Berg wieder zu Höchstform auflaufen, wobei sich deren Besetzung erneut als Glücksgriff erweist.
Man kann sich keinen passenderen Darsteller als Martin Freeman für Bilbo Beutlin vorstellen. Seine Mimik, Gestik und Sprache sind großartig für den liebenswerten Charakter, der langsam in die Heldenrolle hineinwächst.
Aufgrund dessen, dass Gandalf die Ursachen für die Rückkehr dunkler Mächte in Dol Guldur und anderen Nebenschauplätzen erforscht, sind die Zwerge und der Hobbit über weite Strecken auf ihre eigenen Kräfte und ihren Einfallsreichtum ohne die Magie des Zauberers angewiesen. Ken Stott (Messias [2001-2005]) als besonnener Zwerg Balin sorgt nachhaltig dafür, dass das Publikum die von Ian McKellen so unvergleichlich verkörperte Weisheit nicht allzu schmerzlich vermisst.

Der in jeder Hinsicht unbestreitbare Höhepunkt des Filmes ist die Begegnung Bilbos und der Zwerge mit dem furchteinflößenden Drachen Smaug, in der englischen Originalfassung gesprochen von Benedict Cumberbatch (Sherlock [seit 2010], Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt [2013]).
Nie gab es auf der Leinwand einen beeindruckenderen, lebendigeren Drachen zu sehen. Er ist ein wahres Wunderwerk des modernen Kinos und besitzt eine eigene Persönlichkeit, vergleichbar mit Gollum aus Herr der Ringe. In jeder Szene, in der Smaug und seine vor Gold und Edelsteinen glitzernde Behausung zu sehen sind, stockt dem Zuschauer der Atem.

Zweifellos sieht man in jeder Minute, wie viel Liebe zu Tolkiens Welt und Detailversessenheit in Der Hobbit geflossen sind. Das Produktionsdesign, die Bauten, Kostüme, Waffen und Masken – all dies zeugt davon, dass es den Machern eine Herzensangelegenheit war, Mittelerde weiter zu erkunden. Und es ist ohne Frage ein Vorteil, dass hinter der Kamera überwiegend die gleichen Leute verantwortlich zeichnen, so dass Der Hobbit und Der Herr der Ringe konzeptionell aus einem Guss erscheinen.
Wie in den vorhergehenden Filmen begeistern Jackson und sein Kameramann Andrew Lesnie mit imposanten Kamerafahrten und atemberaubenden Totalen.
Und doch wird gerade bei einem filmischen Schlüsselelement deutlich, dass zwischen beiden Trilogien fast zehn Jahre Produktionszeit liegen. Sah sich Jackson bei Herr der Ringe trotz aller technologischen Fortschritte mehr oder weniger gezwungen, häufig auf reale Schauplätze Neuseelands oder tatsächliche Studiobauten zurückzugreifen, haben sich die digitalen Spezial-Effekte in den letzten Jahren so weit entwickelt, dass die damit erzeugten Universen nur noch durch die Phantasie ihrer Schöpfer begrenzt werden. Was beim Lichtjahre entfernten, von fremdartiger Flora und Fauna bevölkerten Waldmond Pandora (Avatar [2009]) beeindruckt, sorgt beim Hobbit allerdings nicht selten für eine gewisse Künstlichkeit und einem Stilbruch gegenüber dem bereits etablierten Look. Da große Abschnitte nicht mehr im Freien, sondern in Höhlen und riesigen Gebäuden angesiedelt sind, stellt sich in zahlreichen Momenten dasselbe Gefühl ein, das schon bei George Lucas' Star Wars-Prequel-Trilogie zu manchem Unmut geführt hat; nämlich, dass selbst ungeschulte Augen erkennen können, wie die Protagonisten bei den Dreharbeiten vor Blue- und Green-Screens agiert haben und die Hintergründe erst später am Computer eingefügt wurden. Sicherlich bietet Der Hobbit wahrscheinlich die derzeit bestmöglichen Spezial-Effekte der Film-Industrie, dennoch wünscht man sich an der einen oder anderen Stelle ein bisschen mehr Wirklichkeit und weniger Bits und Bytes – ein Eindruck, der durch die Optik der verwendeten Digitalkameras bedauerlicherweise noch verstärkt wird.

Howard Shores Musik gelingt es dagegen mühelos, die Atmosphäre früherer Filme aufleben zu lassen.
In den Kampfsequenzen mitreißend und in den raren ruhigen Momenten gefühlvoll, streut Shore zur Freude der Fans immer wieder vertraute Melodien ein.

Auch wenn Smaugs Einöde aufgrund dieser Rezension möglicherweise in einem etwas negativen Licht präsentiert sein mag, ist es zugegebenermaßen Meckern auf hohem Niveau. Trotz der angeführten Kritikpunkte zählt der zweite Teil der Hobbit-Trilogie ohne Zweifel zu den besseren Genrevertretern der letzten Jahre und dürfte einen Großteil des Publikums mehr als zufriedenstellen.
Allerdings haben die gleichen Filmemacher durch ihre Herr der Ringe-Reihe die Messlatte bereits so hoch gelegt, dass es verständlicherweise nahezu unmöglich ist, sich selbst zu übertreffen.
Gewünscht hätte man sich zudem ein weniger abruptes Ende, das die Geschichte in der Tat an einem der spannendsten Momente abbricht und die meisten Serien-Cliffhanger diesbezüglich in den Schatten stellt.


Fazit:
Auch Der Hobbit – Smaugs Einöde dürfte die Kritiker des ersten Teils kaum verstummen lassen. Die meisten dort angeführten Schwächen finden sich in der Fortsetzung immer noch.
Allerdings legt der Film diesmal ein derart atemloses Tempo vor und bietet eine actionreiche Sequenz nach der anderen, dass dem Zuschauer keine Zeit bleibt, intensiv darüber nachzudenken. Die Grundstimmung ist weniger fröhlich als im Vorgänger und wird zunehmend düsterer, wohl in Vorbereitung auf das große Finale im dritten Teil, der wiederum eine Brücke zur Herr der Ringe-Trilogie bauen muss, in der das Schicksal ganz Mittelerdes auf dem Spiel steht.
Genau hier liegt die Stärke von Der Hobbit: Wir lieben die phantastische Welt von Mittelerde und wir sehnen uns danach, weitere Abenteuer darin zu erleben. Auch wenn diese sicher nicht perfekt sind, so sind wir doch dankbar, uns erneut in ihnen verlieren zu dürfen und freuen uns auf ein Wiedersehen – spätestens im Dezember 2014.


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