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Death Proof - Todsicher [2007]

Wertung: 2 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 04. April 2009
Genre: Thriller

Originaltitel: Death Proof
Laufzeit: 114 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2007
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Quentin Tarantino
Musik: Rachel Levy, Jack Nitzsche
Darsteller: Kurt Russell, Zoe Bell, Rosario Dawson, Vanessa Ferlito, Sydney Tamiia Poitier, Tracie Thoms, Rose McGowan, Jordan Ladd, Mary Elizabeth Winstead, Quentin Tarantino, Marcy Harriell


Kurzinhalt:
Arlene (Vanessa Ferlito), Julia (Sydney Tamiia Poitier) und Shanna (Jordan Ladd) wollen sich eigentlich auf ein ruhiges Wochenende voller Party einlassen und beginnen damit in mehreren Bars in Texas. Doch der undurchsichtige Stuntman Mike (Kurt Russell) hat bereits ein Auge auf sie geworfen. So unsympathisch und unberechenbar der vernarbte Draufgänger ist, er scheint etwas im Schilde zu führen.
Später geraten auch Abernathy (Rosario Dawson), Kim (Tracie Thoms), die Stuntfrau Zoe (Zoe Bell) und Lee (Mary Elizabeth Winstead) in das Visier von Stuntman Mike. Doch als dieser versucht, den jungen Frauen mit seinem todessicheren Stuntauto aufzulauern, drehen die den Spieß um ...


Kritik:
Quentin Tarantino ist ein Regisseur, der polarisiert. Dies heute sicherlich ebenso, wie zu Beginn seiner Karriere. Doch während er mit seiner zweiten Regiearbeit Pulp Fiction [1994] einen in der Tat durchbrechenden Erfolg feiern konnte, blieben alle weiteren Arbeiten trotz Lobeshymnen der Studios hinter den Erwartungen zurück. Ob selbiges auch sein aktuelles Projekt, Inglourious Basterds [2009] ereilen wird, bleibt abzuwarten.
Death Proof war Teil der Filmsammlung Grindhouse [2007], die in den USA aus zwei Filmen bestand: Death Proof selbst und Planet Terror [2007], der unter der Regie von Robert Rodriguez entstand. Beide waren als Hommage an die extrem brutalen Trashfilme der 1970er Jahre gedacht und sind auch entsprechend aufgemacht. So ist das Bild in der ersten Hälfte verschmutzt, wackelig und absichtlich mit Fehlern, Kratzern und Falschfarben versehen. Auch dass die Dialoge improvisiert wirken und es einen Mix aus nackter Haut und Gewalt verherrlichenden Momenten gibt, ist beabsichtigt. Nur sollte man bedenken, wer sich diese Art Film vor dreißig Jahren angesehen hat. Das Publikum scheint sich dafür jedenfalls nicht mehr zu interessieren, immerhin spielte Grindhouse mit Mühe ein Drittel seiner ohnehin nicht hohen Kosten ein.

Wer sich auf Death Proof einlässt, bekommt eine Reihe von unglaubwürdigen Figuren präsentiert, die sich durch die gestelzten und auf Vulgaritäten getrimmten Dialoge kämpfen. Wer sich tatsächlich die Mühe macht, zuzuhören wird feststellen, dass die Gespräche kein wirkliches Thema besitzen. Hin und wieder geht es um Sex, dann wieder um Drogen, das alles ohne Zusammenhalt oder Bezug zum eigentlichen Thema des Films. Vielmehr labern sich die leidlich agierenden Darstellerinnen um Kopf und Kragen, um die Zeit bis zu den zwei actionreichen Momenten des beinahe zwei Stunden langen Films zu überbrücken.
Der Einzige, der dem etwas entgegenwirkt ist Kurt Russell, der als hinterhältiger Stuntman Mike zumindest zu Beginn interessiert. Doch über sein Motiv erfährt man ebenso wenig, wie über ihn als Figur. Wirklich viel zu tun hat er nicht und auch mimisch ist er so stark gefordert wie ein Kürbis, doch wirkt seine Filmfigur immerhin interessant. Anders als beispielsweise bei Vanessa Ferlito oder Sydney Tamiia Poitier, deren Charaktere sich auf dem Niveau eines Teenagers bewegen und ebenso unwichtige Themen mit einer verzerrten Selbstwahrnehmung besprechen, dass man nur den Kopf schütteln kann, wenn man endlich aufgehört hat zu gähnen.
Drehbuchautor Tarantino, der früher für geschliffene und bösartige Dialoge bekannt war, scheint seinen Stil von früheren Filmen hier einsetzen zu wollen, als Zelebrierung seiner eigenen Person und seiner Fähigkeiten und unterliegt dabei einer Selbstüberschätzung, die manche Zuschauer vielleicht amüsant finden würden, die aber letztlich nur traurig ist. So macht sich durch die überzogenen Labereien eine Langeweile breit, die in der ersten Filmhälfte lediglich durch den unpassend brutalen und in dieser Beziehung auch überzogenen Abschluss der Episode unterbrochen wird. Wieso dieser so gestaltet werden musste, und inwiefern das spannend oder mitreißend sein soll, verrät Tarantino allerdings nicht. Denn wenn einen die Opfer des Angriffs nicht wirklich interessieren, wieso sollte man dann emotional gepackt sein?

Übergangslos, dann aber ohne die Kratzer im Filmmaterial geht es dann weiter in der zweiten Episode, in der nun Zoe Bell, Rosario Dawson und Tracie Thoms um ihr Leben fürchten müssen. Und wieder quasseln sie sich durch 30 Minuten Bedeutungslosigkeit, auch wenn eine insgesamt siebenminütige Einstellung, in der Regisseur Tarantino seine Darstellerinnen ohne Schnitt am Tisch einfängt durchaus anstrengend zu drehen gewesen sein mag. Erneut geht es um Sex, Männer, Mode und alle möglichen Themen, die einen nicht wirklich interessieren.
Irgendwann ist das dann schließlich vorbei und es folgt eine Autoverfolgungsjagd, die einige wirklich erstklassige Stunts bietet – alle von Zoe Bell selbst ausgeführt –, die aber weder einfallsreich noch spannend genug ist, um an Genregrößen rütteln zu können. Denkt man beispielsweise an den Thriller Ronin [1998], verblasst Death Proof schon in Bezug auf Tempo und Choreografie. Den Abschluss der Actionsequenz bietet dann erneut eine sehr brutale Einstellung, die losgelöst vom Rest wieder ein bestimmtes Publikum anspricht, aber ansonsten nicht wirklich interessiert.

Mag sein, dass Tarantino diese Plan- und Ziellosigkeit von den Trashfilmen seiner Jugend übernommen hat, die aufgeblähten, wichtigtuerischen Dialoge, die er mit einer Überheblichkeit präsentiert, dass man vor Unverständnis nur die Augen schließen kann, sind zweifelsohne seine Erfindung.
Dabei vergisst er allerdings, dass die Geschichte dennoch interessieren sollte oder man als Zuschauer zumindest eine Identifikationsfigur benötigt, um der abstrusen Handlung folgen zu wollen. Eine richtige Story gibt es aber nicht, die Charaktere sind das Papier nicht wert, auf dem sie entstanden und weder die überzogenen Gewaltdarstellungen passen zum Rest, noch die lächerlichen und hanebüchenen Dialoge. Die Darsteller bewegen sich genretypisch auf Mittelmaß und nicht einmal Kurt Russell vermag hieran etwas zu ändern.
Ein Publikum hat der Film wohl dennoch gefunden, wenn auch ein kleines. Das hätte man Tarantino allerdings auch im Vorfeld schon sagen können.


Fazit:
Mit Genuss nimmt Autor und Regisseur Quentin Tarantino die Möglichkeit wahr, seinem Fußfetisch zu frönen, wenn er minutenlang die nackten Pedes seiner Darstellerinnen zeigt. Viel mehr als eine Selbstdarstellung scheint Death Proof aber auch nicht zu sein. Mit den Dialogen möchte der Drehbuchschreiber wohl beweisen, wie außergewöhnlich es ihm gelingt, nichtssagende Themen mit einem zugekleisterten pseudointellektuellem Anspruch auszustopfen, um so eine Wichtigkeit zu erzeugen, die keine Figur in irgendeiner Szene je besitzt. Und mit der expliziten Gewaltdarstellung versucht Tarantino seinen eigenen Vorlieben Platz einzuräumen – denn Gewalt fasziniert ihn in jedem seiner Projekte. Und in den jüngsten dreht es sich nur noch darum.
Doch die endlosen Dialoge langweilen ebenso wie die Action unterdimensioniert erscheint. Auch die grundsätzlich solide Inszenierung ändert daran nichts. Die Verfolgungsjagd beim Finale ist allenfalls überdurchschnittlich (wenn auch mit guten Stunts umgesetzt), aber erneut ohne Aufbau und zu schnell vorbei. Fans des Regisseurs werden ohnehin keine Kritik zulassen, doch alle anderen werden sich gähnend abwenden. Es ist immerhin 12 Jahre her, dass er seinem Ruf zuletzt gerecht wurde. Alles andere entpuppte sich seither als Selbstüberschätzung. So wie Death Proof leider auch.


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