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Daylight [1996]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 08. August 2008
Genre: Thriller / Drama

Originaltitel: Daylight
Laufzeit: 115 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1996
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Rob Cohen
Musik: Randy Edelman
Darsteller: Sylvester Stallone, Amy Brenneman, Viggo Mortensen, Dan Hedaya, Jay O. Sanders, Karen Young, Claire Bloom, Vanessa Bell Calloway, Colin Fox, Danielle Harris, Sage Stallone, Stan Shaw


Kurzinhalt:
Im Feierabendverkehr in New York erschüttert eine schreckliche Explosion den Tunnel unter dem Hudson River. Beide Eingänge brechen zusammen und die Überlebenden sind im Tunnel eingeschlossen. Doch abgesehen davon, dass die Konstruktion durch die Explosion instabil geworden und vom Einbruch bedroht ist, beginnt das Wasser unaufhörlich zu steigen. Kit Latura (Sylvester Stallone), ehemaliger Leiter des Notfalldienstes, der eine ähnliche Übung vor seiner Entlassung durchgespielt hat, sieht nur eine Möglichkeit: jemand muss sich Zugang zu dem Tunnel verschaffen und die Menschen evakuieren. Auch wenn die Auswege mehr als nur begrenzt sind.
So macht er sich auf in das Herzstück des Tunnelsystems und begegnet dort einer Handvoll Überlebender. Darunter Madelyne Thompson (Amy Brenneman) oder dem erfolgreichen Abenteurer Roy Nord (Viggo Mortensen), der sich nicht an Kits Anweisungen hält. Zusammen mit der Gruppe sucht er nach einem Ausgang, doch mit dem steigenden Wasser und der brüchig gewordenen Konstruktion läuft ihm die Zeit davon. Und schon bald gibt es neue Opfer zu beklagen ...


Kritik:
Wirklich leicht hatte es Darsteller Sylvester Stallone nach seiner Rambo-Reihe in den 1980ern nicht. Allenfalls mit Cliffhanger - Nur die Starken überleben [1993] konnte der Actionheld an einstige Erfolge anknüpfen. Demolition Man [1993] und Judge Dredd [1995] konnten viele seiner Fans nicht wirklich überzeugen und mit dem Genrewechsel in Assassins - Die Killer [1995], in dem er sich eher den ruhigen Momenten als der großspurigen Action widmete, verprellte er sich zusätzlich Zuschauer. Zu unrecht, immerhin zählt Assassins zu seinen besten Filmen.
Mit Daylight beschreitet der Darsteller zusammen mit Regisseur Rob Cohen erneut unsichere Gewässer. Dies vor allem deswegen, weil sich Hauptfigur Latura weniger gegen Schergen, als gegen die Naturgewalten an sich behaupten muss und den Film erstaunlich viele düstere Momente durchziehen. Dass er beim Publikum kein Hit wurde ist bedauerlich, denn an der technischen makellosen Umsetzung des klassischen Katastrophenszenarios hätte man nichts besser machen können.

Drehbuchautor Leslie Bohem (Dante's Peak [1997], Taken [2002]) gestaltet sein Tunneldrama dabei schematisch sehr ähnlich der bekannten Filmwelle der Katastrophenthematik aus den 70er Jahren. Zu Anfang werden alle Figuren kurz vorgestellt, ihre Beziehungen untereinander erläutert und ihre ersten Phobien kurz gezeigt, ehe das Unglück die Menschen aus den verschiedensten Bereichen und Schichten schließlich zusammenführt. Insofern weist das Skript zwar routinierte Züge, aber keine innovativen Eigenschaften auf.
Diese setzen erst ein, als Hauptfigur Kit Latura zum ersten Mal gezeigt wird, und er wird erstaunlich spät vorgestellt. Dass er sich seinen Weg zum Unglücksort und zur Gruppe Überlebender erst einmal bahnen muss, sich also in die Höhle des Löwen begibt, um den Menschen dort zu helfen, sorgt einerseits für einen anderen Ansatz, gleichzeitig aber auch für eine ganz andere Perspektive. Was folgt ist eine Flucht aus den Katakomben, die ohne rollende Blechlawinen unwirklich und surreal erscheinen, aber dennoch etwas Vertrautes beinhalten.
Wie realistisch das Szenario tatsächlich ist, darüber lässt sich bekanntermaßen streiten. Dadurch allerdings, dass in der Tat nicht absehbar ist, wer die lange Reise aus dem Herzen des Hudsontunnels überleben wird, und welchen Widrigkeiten die Gruppe gegenüber steht, zieht die Vorlage eine Spannung, die trotz vieler Vertreter des Genres – und gerade Fernsehproduktionen haben die Thematik in den letzten 10 Jahren sehr häufig aufgegriffen – auch heute noch packt. Zugegebenermaßen hätten die Figuren besser ausgearbeitet werden können, und auch der sehr geradlinigen Erzählung hätte die ein oder andere Überraschung nicht geschadet, doch alles in allem überzeugt die Vorlage zu Daylight durch sympathische Figuren, ein interessantes Setting und spannende Momente, die einem spätestens dann wieder in den Sinn kommen, wenn man selbst durch einen langen Tunnel fährt.

Die Darsteller waren angesichts der sehr nassen Dreharbeiten sichtlich körperlich gefordert, auch wenn sie mimisch weit weniger zu tun bekommen. Hauptdarsteller Sylvester Stallone gibt sich dabei zwar alle Mühe, den gebrochenen, unscheinbaren Helden zu verkörpern, doch gerade im letzten Drittel, wenn sich seine Wut auf die Situation manifestiert, verliert der Schauspieler den Bezug zum Publikum. Von seinem genialen Auftritt in Cop Land [1997] ist er jedenfalls weit entfernt, was allerdings auch im Drehbuch begründet ist.
Amy Brenneman, bekannt unter anderem aus der Richterserie Für alle Fälle Amy [1999-2005], macht ihre Sache zwar grundsätzlich ganz gut und hält sich an der Seite von Stallone auch problemlos. Doch macht ihr ein wenig die deutsche Synchronstimme zu schaffen, die gerade in den hysterischen Szenen überhaupt nicht zu überzeugen vermag.
Herr der Ringe-Darsteller Viggo Mortensen hat zwar nur wenige Momente vor der Kamera, um seine Figur zu etablieren reicht es aber allemal. Dass der Darsteller inzwischen die Möglichkeit hat, sich seine Rollen auszusuchen hätte ihn vermutlich dazu veranlasst, sich heute nicht mehr mit einer Nebenrolle zu begnügen. Dan Hedaya hingegen, der seit den 70ern in vielen Nebenrollen zu sehen ist, darunter auch in Der Club der Teufelinnen [1996], macht seine Sache gewohnt gut, auch wenn er nicht übermäßig gefordert ist.
Die übrige Besetzung wird zwar ebenfalls nicht zu oscarreifen Leistungen angespornt, doch fällt auch keiner der Beteiligten in dem Sinne aus dem Rahmen. Erwähnenswert ist zweifelsohne Stan Shaws Darbietung, die allenfalls durch die deutsche Synchronfassung an Überzeugung verliert.

Handwerklich gibt sich Regisseur Rob Cohen ohne Zweifel Mühe, das Schreckensszenario glaubhaft zum Leben zu erwecken. Angefangen bei der beeindruckenden Feuerwalze, die sich ihren Weg durch den Tunnel bahnt, oder die immer weiter einstürzenden Tunnelwände, die das Schicksal der Figuren bedrohen. Effekte und Bauten sind tadellos gelungen und vermitteln dabei gleichzeitig die Größe und Weitläufigkeit des Areals, wie auch die Klaustrophobie, die sich bei den Betroffenen breitmacht.
Kamera und Schnitt ergänzen sich dabei sehr gut, um das Geschehen so glaubhaft und spannend wie möglich zu gestalten. Wenn Kit Pläne schmiedet, um Teile der Decke einstürzen zu lassen, kommt man kaum umhin, nicht selbst die Luft anzuhalten. So wirkt Daylight über weite Teile überraschend realistisch und lässt an sich kaum Wünsche offen. Über das Budget schweigen sich die Produzenten bislang aus, auch wenn von 80 Millionen Dollar die Rede war. Ansehen würde man es dem Katastrophenfilm. Schade nur, dass er weltweit knapp das Doppelte wieder eingenommen hat.

Musikalisch ist erneut wie beim im selben Jahr erschienenen und ebenfalls von Rob Cohen inszenierten Dragonheart [1996] erneut Randy Edelman verantwortlich, dem es auch durchaus gelingt, ein paar rhythmische Themen für den Film zu finden. Angefangen von einer sehr eingängigen Hauptmelodie, bis hin zu Motiven, die sich bei den einzelnen Stationen der Figuren wiederholen, kleidet Edelman den Film in sehr interessante, weil unaufgeregte Musikstücke, die dabei das Drama unterstützen, ohne es zu begraben.
Der Score eignet sich insofern auch zum Hören ohne die Bilder und sei Soundtrackfans wärmstens empfohlen. Zusammen mit den einzelnen Szenen ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild, das auch bei wiederholtem Hinsehen seine Wirkung nicht einbüßt.

Weswegen aktuelle Filme einer ähnlichen Thematik, beispielsweise Poseidon [2006], so kurz geraten sind, ist unverständlich. Allein durch die längere Laufzeit gelingt es dem Drehbuch, die Figuren zu vertiefen, ihre Beziehungen untereinander zu festigen und dennoch die spannende Hintergrundgeschichte nicht aus den Augen zu verlieren. Zugegeben, Autor Leslie Bohem legt keinen großen Wert darauf, Klischees zu umschiffen, doch bleibt der Überlebenskampf der bunt zusammen gewürfelten Gruppe darum nicht weniger packend.
Dank der tadellosen Inszenierung, der erstklassigen Effekte und Sets ist Daylight auch dann effektiv, wenn die Dialoge nicht wirklich zu überzeugen wissen. Tatsache ist allerdings auch, dass es zuvor und seither schon bedeutend schlechtere Versuche gab, einen modernen Katastrophenfilm auf die Leinwand zu bringen. Rob Cohen gelingt hier einer der besten Versuche.


Fazit:
Vielleicht lag das Problem ja darin begründet, dass Fans von Actionstar Stallone einfach eine andere Art Film erwartet haben. Und auch wenn er wenig später noch beweisen sollte, dass er auch einer Charakterrolle gewachsen ist, hierfür bot ihm die Vorlage zu wenig Substanz und als Mischung zwischen tragischem Held und Actionfigur wirkt der Hauptdarsteller in der zweiten Filmhälfte unausgegoren. Dafür gelingt es Regisseur Rob Cohen eindrucksvoll, das mitunter gar nicht so abwegige Szenario glaubhaft umzusetzen.
Daylight lebt ohne Zweifel von den überzeugenden Kulissen und den erstklassigen Spezialeffekten. Dass die Geschichte selbst dem hohen Standard nicht immer gerecht wird, ist zwar bedauernswert, fällt dank der spannenden Inszenierung aber nicht so sehr ins Gewicht. Wer sich auf einen erfreulich altmodisch-modernen Katastrophenfilm einlässt, wird nicht enttäuscht. Actionfans allerdings, die auf einen Alleingang der Hauptfigur hoffen, sollten ihre Erwartungshaltung überdenken.


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