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Das Hausmädchen [2010]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 03. Mai 2011
Genre: Drama / Thriller

Originaltitel: Hanyo
Laufzeit: 107 min.
Produktionsland: Südkorea
Produktionsjahr: 2010
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Sang-soo Im
Musik: Hong-jip Kim
Darsteller: Do-yeon Jeon, Jung-Jae Lee, Seo-Hyeon Ahn, Seo Woo, Yeo-Jong Yun, Ji-young Park


Kurzinhalt:
Die junge Eun-yi (Do-yeon Jeon) findet sich als neues Hausmädchen im großen, luxuriösen Anwesen ihres Arbeitgebers schnell ein. Mit der hochschwangeren Haera (Seo Woo), um die sie sich kümmern soll, kommt sie gut zurecht und auch die erstgeborene Tochter Nami (Seo-Hyeon Ahn) behandelt sie gut. Lediglich die etwas ruppige Art der Haushälterin Byung-sik (Yeo-Jong Yun) macht ihr zu schaffen. Der reiche Hausherr Hoon Ge (Jung-Jae Lee) ist oft unterwegs und eines Abends, als die restliche Familie bereits zu Bett gegangen ist, sucht er Eun-yi auf.
Die Affäre wird schließlich von der Haushälterin bemerkt, die Haera und deren Mutter (Ji-young Park) auch einweiht, als Eun-yi schwanger ist. Als die beiden Frauen beraten, wie vorzugehen ist, und sich Eun-yi nicht dazu bringen lässt, das Kind abzutreiben, bahnt sich eine Tragödie an, bei der es nicht nur einen Verlierer geben kann ...


Kritik:
Sang-soo Ims Remake des Ki-young Kim Klassikers Hanyo [1960] überrascht durch eine berauschende Optik, die den Zuschauer wie die Hauptfigur Eun-yi über die offensichtlichen Fragen hinweg blendet. Es ist eine atmosphärische Mischung aus Drama, Thriller und Erotik, wobei letztere eher benutzt wird, um den Machtanspruch des Hausherrn gegenüber den Frauen um ihn herum zu demonstrieren. Das Hausmädchen besitzt eine überwältigende Bildersprache und erzählt eine Geschichte, die in ihrem Verlauf nur auf ein mögliches Ende hinarbeiten kann. Doch beginnen die letzten zehn Minuten und schlägt die Story in kürzester Zeit Richtungen ein, die nicht nachvollziehbar sind, verpufft vieles von der Magie, die Sang-soo Im zuvor so sorgfältig aufgebaut hat.

Wodurch der Familienvater Hoon Ge so wohlhabend geworden ist, interessiert bei Das Hausmädchen nicht. Man sieht ihn kein einziges Mal in der Arbeit. Auch hat es den Anschein, dass seine Schwiegermutter ebenfalls keine Geldsorgen plagen, ob dies jedoch erst durch die Heirat ihrer Tochter kam, bleibt ungewiss. Geld ist ihr, so erweckt die durchtriebene Intrigantin den Eindruck, nicht so wichtig wie der Status, die Wirkung nach außen. Die junge Eun-yi wird von der alten Haushälterin Byung-sik engagiert, um als Hausmädchen auf die hochschwangere Haera zu achten, die in Kürze Zwillinge erwartet. Und auch, um sich um die Erziehung der erstgeborenen Nami zu kümmern. Das Anwesen mutet mit den marmorierten Böden, den vielen Zimmern und dem makellosen Design, einer Verbindung von Altem und Neuem, wie ein Palast an. Gegen Eun-yis Einzimmerapartment, das sie zudem noch untervermietet, ist es wie ein lebendig gewordener Traum. Und selbst, wenn sie darin nur arbeitender Gast ist, ist es doch viel mehr, als sie sich je vorstellen konnte.
Nur, was erhofft sie sich davon, sich auf eine Affäre mit ihrem Arbeitgeber Hoon Ge einzulassen? Ist es die Angst, die Anstellung zu verlieren? Damit hat er nicht gedroht, sie scheint das Abenteuer vielmehr zu begrüßen. Dabei wirkt sie jedoch so naiv, dass man ihr nicht einmal hinterlistige Absichten unterstellen könnte, sie wollte die Familie hinterher erpressen. Im Gegenteil, die Affäre scheint sie zu beflügeln, als würde sie Aufblühen in dem Wissen, begehrenswert zu sein. Ein beschwingter Gang und dezent aufgetragenes Make-up zeugen davon. Bis Hoon Ge sie für ihre Dienste "entlohnt", als wäre es mehr ein Beweis seinerseits gewesen, dass er haben kann, was er will. Eine verhängnisvolle Affäre [1987] entwickelt sich schließlich in eine Richtung, in der die Liebhaberin um Aufmerksamkeit kämpft, in Das Hausmädchen hingegen kommt sie in Bedrängnis durch all die anderen Frauen des Haushalts. Ob die ältere Haushälterin sich der Familie verpflichtet fühlt für den Karriereschub, den ihr Sohn mit Hilfe von Hoons Schwiegermutter erfahren hat, oder ob sie durch die beobachtete Affäre zwischen Eun-yi und Hoon in ihrer Eitelkeit verletzt ist, lässt das Drehbuch ebenfalls im Unklaren. Sie weiht Haera und ihre Mutter ein und offeriert überdies, dass Eun-yi schwanger ist.

Wie sich die Geschichte weiter entwickelt, zu welchen Taten die Frauen bereit sind, noch ehe sie Eun-yi bestechen wollen, das ungeborene Kind abzutreiben, sei hier nicht verraten. Das Hausmädchen schildert eine Welt, in der Geld keine Rolle mehr spielt, wohl aber, das Gesicht nach außen zu wahren. Ob man dabei noch in den Spiegel sehen kann, ohne sich abwenden zu müssen, ist nebensächlich. Die Entscheidungen der Frauen, insbesondere der durch Ji-young Park gespielten Schwiegermutter, sind in ihrer Konsequenz durchaus nachvollziehbar. Akzeptiert sie die Untreue ihres Schwiegersohns, in Hinblick auf eine gesicherte Zukunft in angesehenem Stand, fühlt sich Haera in ihrer Ehre verletzt. Der einzige, der sich allzeit im Recht glaubt ist Hoon Ge.
Eun-yi hat trotz ihrer leichtfertigen Entscheidung, in die Affäre überhaupt erst einzuwilligen, das Mitgefühl des Publikums auf ihrer Seite, bis zu jener Szene kurz vor Schluss des Films. Ab dem Moment scheint Sang-soo Im einen Knalleffekt vorbereiten zu wollen, der aber weder zu den Figuren, noch zu der ruhigen Erzählung passt. Bis dahin kleidet der Regisseur seinen sinnlich erzählten Film in eine Bildersprache, die lange nachwirkt und bindet die unterkühlte Umgebung des prächtig ausgestatteten Hauses ebenso ein wie die Leere, die sich mit den wenigen Menschen darin breit macht. Das ist für Interessenten sehenswert und stellenweise erotisch prickelnd, letztlich aber durch einen Schluss verschenkt, der den vorangegangenen eineinhalb Stunden nicht gerecht wird.


Fazit:
Regisseur Sang-soo Im rahmt seine Erzählung mit einem Ereignis, einer erschütternden Entscheidung von zwei jungen Frauen ein, die heute bedeutend häufiger geworden ist. Im Falle von Eun-yi erfahren wir ihre Geschichte. Sieht man sich das unfassbare Anwesen, den damit verbundenen Reichtum und die schier unendlichen Möglichkeiten der Familie, an für die sie arbeitet, ist vielleicht nachvollziehbar, weswegen sie sich auf eine Affäre mit dem Hausherrn einlässt. Doch diese Schlussfolgerungen muss man für sich allein ziehen, Das Hausmädchen schweigt sich zu den meisten Motiven aus. Ebenso, weswegen sich der Familienvater angesichts seiner ihm ergebenen Frau dem Hausmädchen überhaupt zuwendet.
In aufreizenden Bildern erzählt die Geschichte von einer Welt der Reichen und Schönen, in der es materiell an nichts mangelt, aber die Angst vor dem Verlust des Gesichts das Schlimmste hervorbringt. Das Ende ist kontrovers und reißt den Film in eine unnatürliche Richtung. Wer aber hofft, dass die Verantwortlichen der Tragödie danach aufwachen würden, wird in der letzten Einstellung eines Besseren belehrt.


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