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Das fliegende Auge [1983]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. August 2019
Genre: Krimi / Action

Originaltitel: Blue Thunder
Laufzeit: 109 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1983
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: John Badham
Musik: Arthur B. Rubinstein
Besetzung: Roy Scheider, Daniel Stern, Malcolm McDowell, Warren Oates, Candy Clark, Paul Roebling, David Sheiner, Joe Santos, Jason Bernard, Ed Bernard, Mario Machado, James Murtaugh


Kurzinhalt:

Hubschrauberpilot und Polizist Frank Murphy (Roy Scheider) leistet von der Luft aus Unterstützung für seine Kollegen am Boden. Am ersten Tag seines neuen Kollegen Lymangood (Daniel Stern) beobachten sie einen Überfall auf eine bekannte Politikerin, die sich gegen Gewalt engagiert. Murphy vermutet, dass noch weitere Personen an dem Angriff beteiligt waren, doch sein Vorgesetzter Braddock (Warren Oates) wiegelt ab. Stattdessen sollen Murphy und Lymangood einen neuartigen Prototypen eines Helikopters testen, der den Spitznamen „Das fliegende Auge“ trägt. Der hochtechnisierte Kampfhubschrauber bietet modernste Überwachungs- und Waffentechnik und soll angeblich nur in Vorbereitung auf die kommenden Olympischen Spiele zum zivilen Einsatz kommen. Aber nicht nur, weil er mit dem das Projekt begleitenden Colonel Cochrane (Malcolm McDowell) schlechte Erfahrungen gemacht hat, ist Murphy skeptisch. Zusammen mit Lymangood kommt er einer Verschwörung auf die Spur – und sie geraten selbst ins Fadenkreuz …


Kritik:
Gedreht im Jahr 1980 und veröffentlicht ein Jahr, bevor George Orwells dystopischer Roman 1984 [1949] spielt, greift Filmemacher John Badham in Das fliegende Auge die Angst vor einem Überwachungsstaat, der die Freiheiten seiner Bürgerinnen und Bürger mit Waffengewalt zu unterdrücken vermag, auf so greifbare wie unterhaltsame Weise auf. Dabei steckt in dem mit beeindruckenden Stunts versehenen Krimi ein besserer Film, als er ist, was heute vielleicht mehr als damals offensichtlich wird.

Im Zentrum der Geschichte steht Vietnam-Veteran und Polizist Frank Murphy, der Pilot der „Astro-Abteilung“ der Polizei von Los Angeles ist. Die Hubschrauberstaffel leistet Unterstützung und Aufklärung aus der Luft. Murphy, der regelmäßig mit seinem Vorgesetzten aneinander gerät, soll mit einem neuartigen Helikopter vertraut gemacht werden. Der Prototyp bietet umfassende Überwachungsmöglichkeiten mit Richtmikrofonen, Wärmebildkameras, einem Flüstermodus und vielem mehr. Gleichzeitig ist er mit einer starken Bewaffnung ausgestattet, die sowohl gegen militärische Ziele, aber auch zur Eindämmung von zivilen Unruhen verwendet werden kann. Noch während des ersten Testflugs mit seinem jungen Kollegen Lymangood kommen die beiden Polizisten einer Verschwörung auf die Spur, wozu der Helikopter an sich eingesetzt werden soll.

Doch diesen Grund arbeitet Filmemacher Badham kaum heraus. Mehr noch, es scheint, als würde die Drehbuchvorlage, an der auch Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt [1979]-Autor Dan O’Bannon mitschrieb, kein wirkliches Interesse an dem angedeuteten Krimi hegen. Zwar kommt Frank über den Mord an einer Stadträtin, der entgegen erster Ermittlungen nicht zufällig gewesen ist, mit der Verschwörung in Kontakt, doch seine Recherchen treten lange Zeit merklich auf der Stelle. Eher zufällig löst sich dieses Rätsel zu Beginn des letzten Drittels vollständig auf und lenkt den Blick des Films damit erneut in eine andere Richtung.
Das wäre einfacher zu verkraften, würde sich Das fliegende Auge stattdessen mit seinen Figuren beschäftigten. Allerdings wird Frank als von seinen Erlebnissen in Vietnam traumarisierter Veteran dargestellt. Was damals jedoch geschehen ist, verschweigen die Macher zu lange. Auch seine Beziehung zu dem Antagonisten des Films, dem von Malcolm McDowell verkörperten Colonel Cochrane, mit dem Frank mehr verbindet, als man ahnt, bleibt oberflächlich, von seinem Privatleben ganz zu schweigen. Hier stellt der Film eine Freundin vor, doch ihre Beziehung zueinander oder Franks zu ihrem Sohn, bleibt mehr als schemenhaft.

Aus diesem Grund gerät die Hauptfigur selbst merklich unnahbar und distanziert. Dem Publikum gelingt es nicht, eine Verbindung mit Frank Murphy herzustellen, der sehr vom Charisma seines Darstellers Roy Scheider lebt. Doch was Regisseur Badham an Charakterbildung vermissen lässt, gleicht er durch beeindruckende Flugszenen wieder aus. Seien es die Aufnahmen des nächtlichen Los Angeles, in dem sich die Polizisten und später auch der futuristische Helikopter bewegen, oder auch die Verfolgungsjagd sowie die Stunts beim Finale, die Action-Szenen sind nach wie vor beeindruckend. Insbesondere aus heutiger Sicht erscheinen sie erfrischend „echt“. Die dargestellte Angst vor einem Überwachungs- und Polizeistaat hat heute zwar nichts von ihrer Brisanz, allerdings merklich von ihrem Science Fiction-Aspekt verloren. Immerhin gehört die dargestellte Technik heute überwiegend zur Standardausrüstung dessen, was den Vollzugsbehörden oder dem Militär zur Verfügung steht.
Insofern reduziert sich Das fliegende Auge aus heutiger Sicht spürbar mehr auf den hinter der Story liegenden Krimi. Der besäße auch mit einer politischen Verschwörung in höchste Kreise durchaus Potential. Aber wenn die allermeisten dieser Schurken nicht einmal Namen zugeschrieben bekommen und am Ende aus dem Off eine Nachrichtensendung über den weiteren Verlauf aufklären soll, der Film also aufhört, bevor die Verschwörung wirklich aufgedeckt ist, dann wird auch deutlich, dass die Filmemacher gar kein richtiges Interesse an diesem Aspekt ihres Films hatten. Schade.


Fazit:
Für einen Film um eine politische Verschwörung und einen neuartigen, hochtechnisierten Kampfhubschrauber, um ein Mordkomplott und einen traumatisierten Helden im Zentrum, ist Blue Thunder, wie der Helikopter und der Film im englischen Original heißen, überraschend kurz. Das schlägt sich auch darin nieder, welche Aspekte der Geschichte Regisseur John Badham überhaupt verfolgt. Handwerklich tadellos sowie in den Action-Momenten nach wie vor beeindruckend und packend, entpuppt sich der Helikopter als der heimliche Star. Gefühlt werden den menschlichen Beteiligten weniger Charaktereigenschaften zugeschrieben. Das ist insofern bedauerlich, da nicht nur Hauptdarsteller Roy Scheider zu bedeutend mehr in der Lage wäre. Dank der soliden Umsetzung und der damals prophetischen Darstellung einer möglichen Überwachung aus der Luft, die heutzutage längst gang und gäbe ist, ist Das fliegende Auge immer noch gelungene Krimi-Unterhaltung, die aber merklich – und leider – am Krimi zu wenig Interesse zeigt.
 


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