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Battle of the Sexes - Gegen jede Regel [2017]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 10. Juni 2018
Genre: Komödie / Drama / Biografie

Originaltitel: Battle of the Sexes
Laufzeit: 121 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Jonathan Dayton, Valerie Faris
Musik: Nicholas Britell
Darsteller: Emma Stone, Steve Carell, Andrea Riseborough, Natalie Morales, Sarah Silverman, Bill Pullman, Austin Stowell, Alan Cumming, Elisabeth Shue, Eric Christian Olsen, Fred Armisen, Martha MacIsaac, Wallace Langham


Kurzinhalt:

Als sie die Mitteilung von ATP-Mitbegründer Jack Kramer (Bill Pullman) erhält, kann es die erfolgreichste Tennisspielerin des Jahres 1972, Billie Jean King (Emma Stone), die gerade die US Open gewonnen hat, kaum glauben – das Preisgeld im Frauentennis soll auch in Zukunft nur etwas mehr als 10% von dem der Männer betragen. Begründet wird dies damit, dass Frauen den Männern nicht ebenbürtig wären. So gründet King ihre eigene Spielerinnen-Vereinigung und stößt damit nicht nur Kramer vor den Kopf. Der ehemalige Tennisprofi Bobby Riggs (Steve Carell) sieht die Möglichkeit, sich wieder auf den Platz und damit ins Rampenlicht zu stellen. Er fordert die Tennis-Damen zu einem Kampf der Geschlechter heraus, um zu beweisen, dass Männer den Frauen immer überlegen sind. Seine direkte Einladung schlägt King aus, um nicht das Opfer eines Schaukampfes zu werden, und da sie sich ungeachtet ihrer Ehe mit Larry (Austin Stowell) ihrer Gefühle für Marilyn (Andrea Riseborough) klar werden muss. Doch als ihre Rivalin auf dem Tennisplatz, Margaret Court (Jessica McNamee), von Riggs vorgeführt wird, sieht sich Billie Jean gezwungen, Bobby die Stirn zu bieten. Auch, um die Gleichberechtigung von Frauen und Männern insgesamt zu verteidigen …


Kritik:
In seinem dritten Kinofilm erzählt das Regieduo Valerie Faris und Jonathan Dayton von einer Tennis-Begegnung im September des Jahres 1973, die Geschichte geschrieben hat. Der Titel Battle of the Sexes - Gegen jede Regel beschreibt das gleichermaßen benannte Match dabei ebenso wie den Kampf der mehrfachen Grand Slam-Gewinnerin Billie Jean King und ihrer Mitstreiterinnen, Gleichberechtigung für die Frauen im Tennis zu erhalten. Das ist heute leider ebenso aktuell wie vor 45 Jahren und mit Esprit und Witz dargebracht. Doch lässt es tiefe Einblicke in die Persönlichkeit der beiden tragenden Figuren vermissen.

Anfang der Siebzigerjahre bekommt die Nummer eins der weiblichen Tennis-Weltrangliste, Billie Jean King, vom einflussreichen Mitbegründer der „Association of Tennis Professionals (ATP)“ Jack Kramer zu hören, dass das Preisgeld der Tourniere im Frauentennis deshalb lediglich ⅛ dessen der Männer beträgt, weil Frauen den Männern in allen Belangen unterlegen wären. Ihr Argument, dass das Damen-Tennis ebenso viele Tickets verkauft habe, lassen die männlichen Entscheidungsträger nicht gelten. So gründet Billie Jean mit einigen anderen Tennisprofis die „Women's Tennis Association (WTA)“ als Gegenentwurf zur ATP, auch wenn dies bedeutet, dass sie von zahlreichen großen Veranstaltungen ausgeschlossen werden.
Der öffentliche Affront ruft den im Ruhestand befindlichen Ex-Profi und ebenfalls mehrfachen Grand Slam- und Pro Slam-Gewinner Bobby Riggs auf den Plan. Riggs, dessen Spielsucht seine Ehe gefährdet, bezeichnet sich selbst als männlichen Chauvinisten und befeuert die Vorurteile, Frauen gehörten ins Schlafzimmer und an den Herd. Im Alter von 55 Jahren fordert er die knapp halb so alte King zu einem Battle of the Sexes heraus, einem Match, das klarstellen soll, dass Männer die überlegene Spezies sind. Den Sieg dotiert er mit 100.000 Dollar.

Die Filmemacher nutzen den Umstand, dass Riggs mehr wie ein Entertainer als ein Profisportler auftritt, um der an sich ernsten Geschichte eine gewisse Leichtigkeit zu verleihen. Sieht man seine überdrehten Pressetermine mit Schafen auf dem Tennisplatz oder wenn er statt mit einem regulären Schläger mit einer Bratpfanne trainiert, dann unterstreicht es nur die grenzenlose Überheblichkeit, mit der viele etablierte Personen auf die Damenwelt in jener Zeit herabgeblickt haben. Die realen Interviewschnipsel u.a. mit bekannten Darstellern sind diesbezüglich an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Dem gegenüber stehen Momente, in denen Bobbys Fassade Risse bekommt, als seine Frau Priscilla ihn vor die Tür setzt, nachdem er wiederholt sein Versprechen gebrochen hat, mit dem Wetten aufzuhören. Dass Steve Carell sowohl komödiantische als auch ernste Rollen beherrscht, hat er wiederholt unter Beweis gestellt; seine Darbietung hier zählt zu seinen besten, auch wenn der Eindruck bleibt, dass die Art wie seine Figur vom Drehbuch her angelegt ist, ihn von einer wahren Meisterleistung zurückhält. Denn einen tieferen Einblick unter das oberflächliche Auftreten, das er an den Tag legt, gibt Battle of the Sexes - Gegen jede Regel nicht. Ob seine gegenüber Frauen herablassende Art somit nur Show ist, um die Massen zu unterhalten und wie er mit dem Ausgang des Matches am Ende umgeht, verschweigt der Film.

Der wahre Star ist zweifelsohne Emma Stone in der Rolle von Billie Jean King. Ihr gelingen die Höhen und Tiefen, die Rückschläge und der durch den öffentlichen Druck entstehende Antrieb außergewöhnlich gut. Dass sich die verheiratete Billie während der Vorbereitung auf das von Riggs ausgerufene Match in eine Frau verliebt und sich auch diesbezüglich mit gesellschaftlichen Zwängen und Erwartungen konfrontiert sieht, bereichert die Figur zusätzlich. Die Liebesgeschichte selbst wird von den Filmemachern behutsam umgesetzt und findet in den die Tour begleitenden Mode-Designern Ted Tinling (Alan Cumming) und seinem Partner Henry zwei zurückhaltende Fürsprecher. Auch mit diesem Aspekt greift Battle of the Sexes - Gegen jede Regel ein nach wie vor aktuelles und wichtiges Thema auf. Doch so viel Stone durch ihre Mimik auch erahnen lässt, in die Gedankenwelt von Billie Jean taucht der Film nur selten ein.

Dadurch erweckt das unterhaltsam erzählte Drama am Ende mehr den Eindruck, als würde man wie ein Zuschauer auf dem Tennisparcours auf den Rängen Platz nehmen und das Geschehen beobachten, als dass man neben den Charakteren auf dem Spielfeld steht. Dass es überdies mehr als die Hälfte des Films benötigt, ehe Billie Jean auf Bobby Riggs’ Herausforderung zum schicksalshaften Match eingeht, macht ihn merklich länger, als er sein müsste. In der Konsequenz erscheint die erste Stunde überaus langsam erzählt, was nicht bedeutet, dass was gezeigt würde, nicht gelungen wäre – es ist als Vorlauf für das überaus sehenswerte Spiel, das folgt, nur etwas zu lang.


Fazit:
Nicht nur durch die Mode, den etwas krisseligen Look der Bilder sowie der Farben gelingt den Filmemachern Valerie Faris und Jonathan Dayton das Flair der frühen 70er-Jahre ausgesprochen gut. Sie verweben auch den unsichtbaren, aber nichtsdestoweniger stets spürbaren Sexismus gekonnt. Der kann sich in beiläufigen, abfälligen Kommentaren der Männer äußern, oder aber durch Gesten wie den Sport-Kommentator, der permanent die Hand auf der Schulter seiner Kollegin belässt. Das Statement für Gleichberechtigung in Form von gleicher Bezahlung und Anerkennung für gleiche Arbeit sowie Toleranz und Offenheit, das Battle of the Sexes - Gegen jede Regel hier äußert, ist nicht nur wichtig und richtig, es trifft heute ebenso zu wie vor beinahe einem halben Jahrhundert. Billie Jean Kings Kampf beizuwohnen ist daher inspirierend und von allen Beteiligten toll gespielt. Aber auch wenn man über sie mehr erfährt, ein umfassendes Porträt ist der Film nicht. Bobby Riggs wird dabei trotz der gelungenen Darbietung kaum greifbar. Die etwas zu lange erste Filmhälfte gestaltet die Wartezeit bis zum erstklassigen Finale darüber hinaus länger als notwendig. Doch das macht die Tragikomödie insgesamt nicht weniger sehenswert. Oder emanzipatorisch weniger wertvoll.
 


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