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Band of Brothers – Wir waren wie Brüder [2001]

Wertung: 6 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. Januar 2003
Genre: Kriegsfilm / Drama

Originaltitel: Band of Brothers
Laufzeit: ca. 500 min.
Produktionsland: USA / Großbritannien
Produktionsjahr: 2001
FSK-Freigabe: nicht unter 18 Jahren

Musik: Michael Kamen
Darsteller: Damian Lewis, Donnie Wahlberg, Ron Livingston, Matthew Settle, Rick Warden, Frank John Hughes, Scott Grimes, Neal McDonough, Rick Gomez, Eion Bailey, James Madio, Kirk Acevedo, Michael Cudlitz, Richard Speight, Dexter Fletcher, Ross McCall, Shane Taylor, Peter McCabe, Robin Laing, Matthew Leitch, David Schwimmer


Vorwort:
Als die USA 1944 während des Zweiten Weltkrieges in der Normandie landen, ist eine Einheit schon weit ins Land vorgedrungen: Die "Easy Company" der "Airborne Paratroopers" besteht aus Fallschirmspringern, die in den Kriegswirren gefährliche Missionen zugeteilt bekommen.
In der zehnteiligen Mini-Serie Band of Brothers – Wir waren wie Brüder werden die Schicksale der "Easy Company" historisch korrekt wiedergegeben, angefangen bei ihrer Landung in Frankreich, über ihre Einsätze in Holland, bis hin zum Ende des Krieges. Schonungslos, realistisch und ohne aufgesetzten Patriotismus spiegelt diese Reihe die Schrecken des Krieges wieder und nimmt sich dabei viel Zeit für die einzelnen Charaktere und ihre Entwicklung, jeweils eingeführt von Mitgliedern der echten "Easy Company", die jede der zehn Episoden begleiten.


Die Episoden:
1. CURRAHEE (Originaltitel: CURRAHEE)
Regie: Phil Alden Robinson
Laufzeit: 70 min.

Inhalt: Im Juli 1942 erreicht die "Easy Company", 506. Bataillon, 101. Airborne das Trainingscamp in Georgia und wird von Captain Herbert Sobel (David Schwimmer) auf bisweilen unmenschliche Weise gedrillt. Doch das Training schweißt die "Easy Company" zusammen, und je länger sie auf den Einsatz in Europa warten, umso angespannter wird die Situation unter den Soldaten – bis sie am 5. Juni 1944 den Befehl bekommen, in der Nacht über Frankreich abzuspringen.


2. DER ERSTE TAG (Originaltitel: DAY OF DAYS)
Regie: Richard Loncraine
Laufzeit: 50 min.

Inhalt: Nach zahlreichen Verschiebungen springt die "Easy Company" am 6. Juni 1944 hinter den feindlichen Linien über der Normandie ab. In alle Winde zerstreut, finden sich kleine Gruppen der "Easy Company" zusammen, die mit anderen Truppenverbänden auf die Suche nach vereinbarten Treffpunkten gehen. Aufgrund der starken Verluste nach dem Absprung wird Richard Winters (Damian Lewis) zum Anführer der "Easy Company" ernannt und erhält sofort seinen ersten Auftrag: Er soll vier Artillerie-Geschütztürme ausschalten, die die ankommenden Truppen bei Utah Beach beschießen.


3. CARENTAN – BRENNPUNKT NORMANDIE (Originaltitel: CARENTAN)
Regie: Mikael Salomon
Laufzeit: 63 min.

Inhalt: In der Woche nach der Landung über Frankreich soll die "Easy Company" Carentan einnehmen, um die Truppen zwischen Omaha und Utah Beach zu verbinden. Während allerdings die Stadt unter Verlusten eingenommen ist, muss die Kompanie ausharren, und eine erwartete Gegenoffensive der Deutschen zurückschlagen. Für Private Albert Blithe (Marc Warren) ist es der Kampf gegen die persönlichen Dämonen und seine Angst vor dem Krieg. Aber obwohl die Mitglieder der "Easy Company" erwarten, dass sie im Anschluss nach England ausgeflogen werden, erhalten sie weitere Aufträge in Frankreich – und stets werden sie an ihre gefallenen Kameraden erinnert, die immer zahlreicher werden.


4. DIE NEUEN (Originaltitel: REPLACEMENTS)
Regie: David Nutter
Laufzeit: 57 min.

Inhalt: Im Herbst 1944 stoßen viele neue Soldaten zur "Easy Company", um die mittlerweile 70 getöteten Kameraden zu ersetzen. Sie geraten in das Chaos um die Operation 'Market Garden' – ein noch größerer Fallschirmabsprung als derjenige über der Normandie –, um das eingenommene Holland zu befreien und den Krieg bis Weihnachten 1944 zu beenden. Doch erweisen sich die Geheimdienstinformationen als nicht verlässlich, und die "Easy Company" gerät bei Eindhoven in einen übermächtigen Hinterhalt.


5. KREUZUNGEN (Originaltitel: CROSSROADS)
Regie: Tom Hanks
Laufzeit: 53 min.

Inhalt: Mit seiner Beförderung erhält Winters einen Schreibtischposten, während die "Easy Company" mit weiteren Aufträgen darum bemüht ist, das Fiasko von 'Market Garden' auszubügeln. So soll die Truppe zunächst eine Kreuzung von einer deutschen Stellung säubern, ehe sie davon erfährt, dass die Deutschen ihre Ardennen-Offensive im Dezember 1944 gestartet haben. Ohne Nachschub an Waffen und Verstärkung macht sich die "Easy Company" auf in Richtung Bastogne, wo die deutsche Wehrmacht mit einer nie dagewesenen Entschlossenheit auf sie wartet.


6. BASTOGNE (Originaltitel: BASTOGNE)
Regie: David Leland
Laufzeit: 64 min.

Inhalt: Im Dezember verschanzt sich die "Easy Company" in Bastogne und wartet auf den Ansturm der Deutschen. Feldarzt Eugene Roe (Shane Taylor) hat alle Hände voll zu tun, trotz fehlender Medikamente die zahlreichen Verwundeten zu versorgen; zwar findet er Hilfe bei einer Krankenschwester in der nahe gelegenen Stadt, der inkompetente neue Anführer der "Easy Company" Norman Dike (Peter O'Meara) macht es den unterbesetzten und für die beißende Kälte nicht richtig ausgestatteten Soldaten jedoch nicht leicht, die Linie zu verteidigen, die unter allen Umständen gehalten werden muss, um den Durchbruch der Deutschen zu verhindern. Dabei haben die Angriffe der Deutschen immer verheerendere Folgen.


7. DURCHBRUCH (Originaltitel: THE BREAKING POINT)
Regie: David Frankel
Laufzeit: 70 min.

Inhalt: Lieutenant Dikes Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen, kostet viele Männer der "Easy Company" das Leben. Lipton (Donnie Wahlberg) gibt sich dabei alle Mühe, die Moral der Männer trotz des ständigen Beschusses der Deutschen aufrecht zu erhalten, während dem allerdings 'Wild Bill' Guarnere (Frank John Hughes) verwundet wird. Buck Compton (Neal McDonough) scheint ein geeigneter Mann, Dike zu ersetzen, doch seit einer Verletzung in Holland ist er nicht mehr derselbe. Als die "Easy Company" unter Dikes Führung das Dorf Foy angreift, wird sie gnadenlos niedergemetzelt – erst Captain Ronald Speirs (Matthew Settle) gelingt es, den Sturm trotz der unzähligen Verluste erfolgreich abzuschließen.


8. DER SPEZIALAUFTRAG (Originaltitel: THE LAST PATROL)
Regie: Tony To
Laufzeit: 57 min.

Inhalt: Der neu zur "Easy Company" hinzugekommene Lieutenant Hank Jones (Colin Hanks) meldet sich freiwillig, um bei einer gefährlichen Patrouille deutsche Soldaten gefangen zu setzen – und auch diejenigen, die nach Krankheit wieder zur "Easy Company" zurückkehren, müssen sich eingestehen, dass die Erlebnisse in Bastogne die Truppe in einem Maße zusammengeschweißt haben, wie man es als Außenstehender kaum erahnen kann.


9. WARUM WIR KÄMPFEN (Originaltitel: WHY WE FIGHT)
Regie: David Frankel
Laufzeit: 56 min.

Inhalt: Im März 1945 kommt die "Easy Company" in Deutschland an und es macht tatsächlich den Eindruck, als wäre das Land besiegt und die Herrschaft der Nazis gebrochen. Aber als die Truppe in Landsberg auf das dortige Konzentrationslager stößt, sehen sie sich mit einem der größten Verbrechen gegen die Menschlichkeit konfrontiert. Noch schlimmer: Um die überlebenden Menschen nacheinander versorgen zu können und ihnen kontrollierte Mengen an Nahrungsmitteln zukommen zu lassen – denn zu viel auf einmal wäre in ihrem Zustand tödlich –, müssen sie die Holocaust-Opfer erneut in den Lagern einsperren.


10. KRIEGSENDE (Originaltitel: POINTS)
Regie: Mikael Salomon
Laufzeit: 60 min.

Inhalt: Als die "Easy Company" in Berchtesgaden ankommt, rechnen sie mit der Gefangennahme von hochrangigen Nazi-Offizieren, doch das Ende des Krieges ist nahe und Hitlers Zufluchtsort scheint verlassen. Aber je mehr Zeit die Soldaten für sich haben, umso stärken treten die Traumata zu Tage, die die Männer von den zahlreichen Kämpfen und schrecklichen Erlebnissen davongetragen haben. Während viele Soldaten damit rechnen, nach Hause geschickt zu werden, hat die Administration beschlossen, dass die Entscheidung darüber, wer nach Hause gehen darf, und wer in den Pazifik nach Japan muss, lediglich von den Punkten in der Dienstakte abhängt.


Kritik:
Als sich die USA 1941 nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor zum Eintritt in den Zweiten Weltkrieg gezwungen sahen, stand das Land unter Schock. Zum ersten Mal war die mächtigste Nation der Welt angegriffen worden und auch noch empfindlich getroffen. Die US-Army warb um Soldaten und bekam Zuspruch von so vielen Bürgern, dass gar nicht alle aufgenommen werden konnten. Der Flugzeugangriff hatte das Land zusammengeschweißt und eine Ablehnung durch die Army manche Freiwillige so traumatisiert, dass sie sich tatsächlich das Leben nahmen.
Während die Army Soldaten für alle möglichen Einheiten, Infanterie, die Navy und die Luftwaffe rekrutieren konnte, runzelten Viele die Stirn, wenn es um die Fallschirmspringer ging – eine Angriffstaktik, die die Soldaten minutenlang als Zielscheibe über dem Boden schweben ließ, machte augenscheinlich keinen großen Sinn. Einzig der höhere Lohn bewog zahlreiche Rekruten dazu, bei der Airborne zu unterschreiben. Trotzdem gehört gerade sie zu den wichtigsten Instrumenten im Zweiten Weltkrieg, ermöglichte sie doch Rückendeckung und war Wegbereiter für viele Angriffe.
Band of Brothers – Wir waren wie Brüder widmet sich der "Easy Company", einer der ersten, die am 6. Juni 1944 in Frankreich landete und die bis zum Ende des Krieges mitwirkte. Dabei kleiden die Macher die Mini-Serie in eine authentische, traumatische und aufwühlende Inszenierung, nehmen sich viel Zeit für die Figuren und liefern damit den besten Antikriegsfilm, der jemals den Zweiten Weltkrieg thematisierte.

Basierend auf einem Roman von Stephen Ambrose und produziert unter anderem von Steven Spielberg und Tom Hanks schrieben fast ein Dutzend Autoren an den Skripts für die zehn rund einstündigen Episoden von Band of Brothers. Sie präsentieren dabei dem Zuschauer neben der realen Geschichte auch Charaktere, mit denen man sich identifizieren kann und verarbeiten deren Erlebnisse in solch erschütternden Sequenzen, dass eigentlich kein Zuschauer ungerührt bleiben kann.
Meist stellen die Macher eine Figur in den Mittelpunkt der jeweiligen Episode, seien es nun Major Winters, Carwood Lipton oder Feldarzt Eugene Roe. So baut man nicht nur schnell eine Beziehung zu den Personen auf, sondern bekommt darüber hinaus hautnah mit, wie sich die verschiedenen Situationen auf die Charaktere auswirken. Die einzelnen Stationen der "Easy Company" sind sorgfältig ausgewählt und ermöglichen einen tiefen Einblick in die alltäglichen Aufgaben der Truppe und begleiten sie gleichzeitig bei den verheerendsten und wichtigsten Kämpfen, die sie zu bestehen hatten. Das Skript wird nie rührselig oder klischeehaft; es zeigt die Spannungen unter den Kameraden ebenso, wie die Freundschaften, die sich bilden – ihre gesamte Entwicklung in den über acht Stunden Film zu beobachten, ist faszinierend und erschütternd zugleich. Vor allem wird dadurch deutlich, welche Ereignisse sie am meisten geprägt haben und wie die verschiedenen Personen mit den Erlebnissen umzugehen versuchen.
Mit einer konstanten Spannungskurve, schonungslosen Charakterstudien und einem stets verständlichen Aufbau in Bezug auf die verschiedenen Schlachten gehören die Skripts zu Band of Brothers zu den besten, die man sich bei einem solch schwierigen Thema überhaupt vorstellen kann. Dass dabei die deutschen Offiziere nicht als gesichtslose Bösewichte porträtiert werden, sondern als ebenfalls gezeichnete Soldaten, die den von ihnen verlangten Dienst erfüllen und damit womöglich ebenso unzufrieden sind und die Sinnlosigkeit dieses Krieges eingesehen haben, hebt die Vorlage von vielen anderen Genrevertretern ab und beweist, dass die Macher sich klar an Steven Spielbergs bekanntesten und wohl besten Antikriegsfilmen Schindlers Liste [1993] und Der Soldat James Ryan [1998] orientiert haben.

Mehr noch, Spielberg, Hanks und Ambrose reichten die Drehbücher an Mitglieder der echten "Easy Company" weiter, um die Authentizität der Mini-Serie zu gewährleisten.
Einleitungen dieser Zeitzeugen, die vielen Episoden vorangestellt sind, zählen zu den erschütterndsten Momenten der Serie; in den wenigen Minuten, die man diese Männer zu sehen bekommt, wird dem Zuschauer deutlich, dass es sich bei dem Gezeigten nicht um Fiktion handelt, sondern um die historisch korrekte Wiedergabe von Ereignissen, die diese Menschen auch sechzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch verfolgen.

Getragen wird die beispielhafte Serie von einem ausgezeichneten Ensemble, angeführt von Damian Lewis (Dreamcatcher [2003]), der hier eine ergreifende und intensive Darbietung abliefert, die dem Zuschauer seinen Charakter wie kein anderer nahe bringt. Richard Winters Entwicklung über die zehn Episoden zu beobachten ist ein Privileg und ein Erlebnis, das dem zu Recht mit einem Golden Globe nominierten Darsteller zu verdanken ist.
An seiner Seite sticht Ron Livingston (The Cooler [2003]) als Captain Lewis Nixon ebenso hervor, wie der oft unterschätzte und charismatische Donnie Wahlberg (Kopfgeld – Einer wird bezahlen [1996]), der seinen Bruder Mark Wahlberg (Planet der Affen [2001]) an Talent um Längen übertrifft. Zusammen mit Matthew Settle, Frank John Hughes und Neal McDonough markieren sie den Haupt-Cast, der so facettenreich zusammengestellt wurde, dass jeder der Schauspieler seine Stärken in der ihm zur Verfügung stehenden Zeit voll ausspielen kann. Dass McDonough und Wahlberg für ihre Leistungen nicht einmal nominiert wurden, ist unverständlich – sie alle spielen mit einem Engagement, das man heutzutage sogar bei vielen Kino-Produktionen vermisst.
Auch die restliche Besetzung ist erstklassig ausgewählt und ähnelt dabei nicht nur den realen Vorbildern, sondern versinkt in den entsprechenden Rollen so sehr, dass man nie das Gefühl hat, man würde Akteure bei der Arbeit beobachten. Fans wird der gelungene Kurzauftritt von David Schwimmer zudem insofern zu schaffen machen, als dass der Band of Brothers-Part des Friends [1994-2004]-Stars überhaupt nichts mit seiner Serienfigur gemein hat. Hoffentlich ist er häufiger in derart fordernden Rollen zu sehen.
Wie man für eine Mini-Serie mit über 500 Sprechrollen einen Cast zusammenstellen kann, der ausschließlich aus talentierten Leuten besteht, ist erstaunlich und macht die hochwertige Produktion umso beeindruckender. Selbst die Nebenrollen und die deutschen Soldaten sind exzellent besetzt überzeugen in einer fast schon erschreckenden Weise; man akzeptiert ohne Weiteres, dass alle Beteiligten während der Dreharbeiten an ihre persönlichen Grenzen gebracht wurden – manche vermutlich darüber hinaus.

Inszenatorisch unterscheiden sich die Stile der verschiedenen Regisseure kaum, überzeugen aber allesamt mit einer realistischen, dokumentarischen und äußerst authentischen Kameraführung.
Der Einsatz von Farbfiltern und Zeitlupen ist durchdacht und selbst die Handkamera wirkt nie fehlplatziert. Vor allem gönnen die Macher dem Zuschauer trotz der hektischen Gefechte, die bisweilen schon klaustrophobische Ausmaße annehmen, immer wieder besonnene Momente, die einen zur Ruhe kommen lassen.
Ungewöhnliche Kamerawinkel, cineastische Aufnahmen, Massenszenen und aufreibende Scharmützel, die sich bis zu einer halben Stunde hinziehen, ohne dass man trotz des fast schon überfordernden Inhalts abzustumpft, und eine präzise und exzellente Schnittarbeit – das alles bietet Band of Brothers, wie keine Kino-Produktion der letzten Jahre. Auch hierfür gab es zahlreiche Nominierungen und Auszeichnungen, und das völlig berechtigt.
Besonders eindrucksvoll ist der Ton, der sich auf der DVD-Veröffentlichung in einer herausragend abgemischten 5.1-Spur befindet und den Zuschauer so plastisch ins Geschehen, in das Kanonen- und Gewehrfeuer hineinversetzt, dass die erdrückende Stimmung an den Nerven zerrt. Wenn dann noch die Schreie der Verwundeten im Hintergrund zu hören sind und man von einer erschütternden Bilderflut überrollt wird, bekommt man zumindest annähernd ein Gefühl dafür vermittelt, wie es den Soldaten im Zweiten Weltkrieg ergangen sein muss.

Wie viel Geld die Produzenten in die Bauten, Spezialeffekte und Make-Up-Arbeiten gesteckt haben, merkt man jedem einzelnen Bild an; seien es die Ruinen in Carentan, die Schneelandschaft in Bastogne, oder das Konzentrationslager in Warum wir kämpfen – ein derart realistisches Gefühl für die Schrecken des Krieges gab es bislang nur in hochwertigen Kino-Filmen, wie den zwei genannten Antikriegsfilmen von Spielberg.
Die Luftschlacht in Der erste Tag stellt dabei alles in den Schatten, was man bislang auf diesem Gebiet zu sehen bekam und nimmt an professioneller Umsetzung denselben Stellenwert ein, wie die erdrückende Landung an der Normandie in Der Soldat James Ryan.
Von den Verwundungen, bis hin zu den Kostümen fahren die Macher ein handwerkliches Geschick auf, das einen sogar als Zuschauer traumatisiert und die Atmosphäre so realistisch einfängt, dass man letztendlich froh ist, wenn die Stunde der einzelnen Episode vorüber ist. Mehr als zwei der zehn Teile nacheinander kann man nicht ansehen und verarbeiten – es sei denn, man hat vollkommen verkannt, worum es den Machern ansich geht.

Musikalisch überrascht Komponist Michael Kamen mit einer Reihe düsterer, bewegender und exzellent zusammengestellter Melodien, die sich trotz der Lauflänge nie störend wiederholen, sondern die "Easy Company" schon nach wenigen Tönen des Hauptthemas ins Gedächtnis des Zuschauers rufen. Der inzwischen leider verstorbene Musiker vollbrachte hier ein Kunstwerk, das seinesgleichen sucht.
Selten zuvor überzeugte der Soundtrack einer Fernsehserie mit so viel Einfühlungsvermögen, einem kraftvollen, angemessenen und doch nie pompösen Score, der so unauffällig, wie elegant die bewegendsten und spannendsten, die tragischsten und schrecklichsten Momente untermalt.
Für seine Leistung wurde Kamen zu Recht ausgezeichnet und hätte zweifellos noch mehr Anerkennung dafür verdient.

Die britische BBC gehört wie der amerikanische Pay-TV-Sender HBO zu den bekanntesten und respektabelsten Fernsehsendern der Welt. Letzterer ist vor allem durch seine eigenproduzierten Serien Die Sopranos [seit 1999], Six Feet Under [2001-2005] und Sex and the City [1998-2004] in aller Munde.
Zusammen mit DreamWorks und Playtone haben sich die beiden Sender zusammengetan, um mit Tom Hanks und Steven Spielberg eine der größten, bedeutendsten und wichtigsten Mini-Serien zu realisieren, die jemals gedreht wurden – und das mit einem Produktionsaufwand, der bis dahin ungeschlagen war und auch Kino-Produktionen in den Schatten stellt. Von den 120 Millionen US-Dollar Produktionskosten nahmen allein die Bauten 17 Millionen in Anspruch.
Die Darsteller mussten nicht nur ein zweiwöchiges Militärcamp über sich ergehen lassen, sie wurden außerdem in Waffenkunde, taktischem Vorgehen und Fallschirmspringen unterrichtet; jeder der Schauspieler musste sich in einem wirklichen Sprung beweisen, bevor der Dreh begann.
Vier Quadratkilometer groß waren die Sets und Außenanlagen der Dreharbeiten, für die mitunter sogar künstlich Bäche angelegt wurden. Für das Wald-Set erstellte die Effekte-Abteilung 250 Bäume; es dauerte vier Wochen, um das gesamte Set mit dem künstlichen Schnee auszukleiden, für den zudem 150 Tonnen Recyclingpapier (im Wert von einer Viertel Million Dollar) verwendet wurde; mehr als 10.000 Statisten und durchschnittlich 750 Darsteller tummelten sich pro Tag am jeweiligen Drehort, allein fünf Küchen waren damit beschäftigt, die Mahlzeiten für die Beteiligten zuzubereiten.
Bereits nach einem Drittel der Drehzeit hatten die Macher mehr pyrotechnische Effekte zum Einsatz gebracht, als beim kompletten Der Soldat James Ryan. An einem Tag wurden bis zu 14.000 Schuss abgefeuert, aus bis zu 700 authentischen Waffen – dazu kamen ungefähr 400 Plastik-Replika. 2000 Uniformen wurden geschneidert oder ausgeliehen, wobei selbst die Embleme historisch korrekt übernommen wurden.
Nachdem Der Soldat James Ryan abgedreht war, wollten sich Hanks und Spielberg eigentlich jeweils anderen Projekten um den Zweiten Weltkrieg widmen, bevor sie sich auf Stephen Ambrose' Band of Brothers einigten. Um die Filmcrew zum Dreh in Großbritannien zu bewegen, traf sich sogar der britische Premierminister Tony Blair mit Produzent Spielberg – die Premiere der Mini-Serie fand allerdings, von HBO initiiert, am 57. Jahrestag des D-Day bei Utah Beach in der Normandie statt.

Doch während sich HBO mit der Produktion so viel Mühe gegeben hat, dass ihnen ohne Zweifel und in jeder Hinsicht ein Meisterwerk gelang, hat der deutsche Verleih "Warner Bros." die Mini-Serie nicht nur stiefmütterlich, sondern beinahe schon verbrecherisch behandelt.
In Bezug auf die Vermarktung gibt es dabei kaum Grund zur Klage. Zwar gibt es von Band of Brothers auch eine leicht gekürzte FSK-16-Fassung. Immerhin bietet der Verleih jedoch zusätzlich noch eine ungeschnittene Version ab 18 Jahren auf DVD an, wobei die Altersfreigabe infolge der Thematik und der realistischen Gewaltdarstellung unabdingbar ist – gleichwohl die FSK unverständlicherweise nur eine Episode mit dieser hohen Einstufung bedacht hat.
Allerdings enttäuscht die deutsche Version durch eine der miserabelsten und entfremdendsten Synchronisationen, die es seit langem zu hören gab. Das geht sogar so weit, dass diejenigen Zuschauer, die die englische Tonfassung kennen, bisweilen wütend abschalten werden.
Schnitzer und Übersetzungsfehler im Stile von "Nixon was divorced several times" (zu deutsch: "Nixon wurde mehrere Male geschieden"), aus dem dann im Deutschen "Nixon wurde zweimal geschieden" wird, sind keine Seltenheit, und – man mag es sich unter den unwahrscheinlichsten Umständen vorstellen – vielleicht aufgrund der Silbenanzahl und Mundbewegung sogar notwendig.
Wenn allerdings der Inhalt eines kompletten Gesprächs verfälscht wird, oder der Übersetzer schlicht den Sinn nicht verstanden hat, sollte es mit dem Verständnis des Zuschauers für die erbärmliche Synchronisation ebenfalls aufhören. So gibt es in Der erste Tag eine Unterredung zwischen Captain Winters und Nixon, die sich nach dem ersten Gefecht der "Easy Company" unterhalten, in dem Winters einen jungen Soldaten verloren hat. Am Ende des Gespräches, schließt Nixon mit den Worten "Der Plan könnte gut für Dich sein", betreffend die erbeuteten Pläne der deutschen Gefechtsstellungen, ab. Nun mag man sich fragen, was den deprimierten Winters gerade jetzt seine Karriere interessieren sollte – im Original macht der Satz aber bedeutend mehr Sinn und lautet "Maybe the plan does some good", zu deutsch "Vielleicht bewirkt der Plan etwas Gutes". Gemeint ist also, dass der Tod des Soldaten nicht völlig umsonst war, sondern der Plan für den Kriegsausgang entscheidend sein könnte.
Damit nicht genug, häufen sich solche inhaltlichen Fehler gerade in den letzten Episoden rapide und kulminieren in einer ansich sehr guten und bewegenden Szene, in der ein deutscher General vor seinen gefangenen Soldaten eine Ansprache hält (im englischen Original-Ton also auf Deutsch), in der er ihnen für ihren Mut dankt, und seinen Stolz auf ihre Tapferkeit bewundert und hofft, dass sie ein Leben in Frieden führen können. Da die ebenfalls anwesende "Easy Company" den deutschen General natürlich nicht verstehen kann, dolmetscht einer der Soldaten für den Rest der Truppe die Ansprache und es wird deutlich, dass Winters dieselben Worte zu seinen Männern sagen könnte, ja dass die Deutschen und die alliierten Soldaten so unterschiedlich gar nicht sind. Beide Seiten haben gelitten, sie haben gekämpft und sich den Respekt voreinander verdient. So viel zur Original-Ton-Spur. In der deutschen Synchronfassung spricht der deutsche General ebenfalls zu seinen Männern; doch anstatt zu dolmetschen, verhöhnt der US-Soldat den General mit Kommentaren wie "Der ist doch noch nie im Dreck gelegen". Der Respekt und die übergreifende Bedeutung dieser Rede wird in den wenigen Minuten vollkommen zerstört, und die US-Soldaten werden als arrogante und überhebliche Sieger dargestellt.
Noch vor zehn Jahren gab es viele Kriegsfilme, die die Deutschen als seelenlose Monster dargestellt haben und keine Unterscheidung zwischen Deutschen und Nazis machten. Nun zollt Band of Brothers den deutschen Soldaten Respekt, stellt sie gleich und hebt sich von den Fehlern vieler früherer Hollywood-Filme merklich ab – bis ausgerechnet die deutsche Synchronisation diese Bestrebungen wieder in Grund und Boden stampft. Wie man eine derart aussagekräftige Szene in einem solchen Maße sabotieren kann, ist schlichtweg unverständlich und hätte auf tausend verschiedene, bessere und vor allem angemessenere Arten gelöst werden können.
Dass Band of Brothers bei der vierten Preisverleihung für "Synchron" im brandenburgischen Burg auch noch als bestsynchronisierte TV-Serie ausgezeichnet wurde, kann man nur als schlechten, ironischen Scherz deuten. Wenn die deutsche Fernsehlandschaft nämlich tatsächlich so heruntergekommen sein soll, braucht man ansich gar nicht mehr einzuschalten.
Wieso gerade eine solch herausragende Serie durch die Synchron-Arbeit verunstaltet werden musste, bleibt schleierhaft. Zuschauer, die die Mini-Serie nicht im englischen Original (eventuell mit deutschen Untertiteln, die diese Probleme nicht aufweisen) genießen können, verpassen dadurch nicht nur viel, sie sehen bisweilen einen vollkommen anderen Film.

Wenn man einmal alle technischen Aspekte und differenzierten Erläuterungen außer Acht lässt, ist Band of Brothers (im englischen Original) mit einem Wort: Umwerfend!
Nie zuvor wurden die Schrecken des Krieges so realistisch, so greifbar und bewegend eingefangen. Die Macher nehmen sich die Zeit, um die einzelnen Figuren zu beleuchten; sie zeigen auf, wie sie an den Wirrungen der Geschehnisse um sie herum zerbrechen, wie sie trotz der Grauen versuchen, die Menschlichkeit zu wahren und dabei trotzdem nur noch tiefer in jenen Abgrund fallen, in den sie blickten, als sie die Schlachtfelder Europas betraten.
Die ersten zwei Episoden wurden in den USA als zwei Stunden langer Film zusammengefasst – und das macht durchaus Sinn, immerhin beschreibt Currahee die direkte Vorgeschichte zum ersten Einsatz der "Easy Company" im Zweiten Weltkrieg. Dass die einzelnen Episoden jeweils einem Charakter gewidmet sind und die Ereignisse aus seiner Sicht schildern, bringt dem Zuschauer die Personen im Film, wie im wahren Leben näher und setzt ihn wirklich an seine Seite.
Mit einem überwältigenden Aufwand schufen die Macher ein Stück Filmgeschichte, das bislang beispiellos an der Spitze der Antikriegsfilme steht. Doch so sehr die Leistung der einzelnen Beteiligten erstaunt, das Gesamtwerk lässt sich kaum in Worte fassen. In den Gefechten liegt man als Zuschauer mit im Graben, und wenn man die Ereignisse aufmerksam miterlebt hat, wird man die Tränen bei Warum wir kämpfen nicht zurückhalten können, wenn den Gefangenen im Konzentrationslager gesagt wird, dass sie wieder eingesperrt werden müssen.
Angesichts des unvorstellbaren Leides, das diese Opfer des Krieges erdulden mussten, scheinen die Schicksale der Soldaten aller Seiten auf den ersten Blick nicht so sehr ins Gewicht zu fallen, dennoch haben gerade sie beim Kampf um die Freiheit etwas verloren, das sie nie wieder bekommen werden. Ihrer zu gedenken, ihr persönliches Opfer zu würdigen ist das Mindeste, das man auch nach 60 Jahren noch tun kann – und eine bessere, treffendere und größere Anerkennung als durch Band of Brothers hätte man nicht erwarten können.
Der Originaltitel von Stephen Ambrose Buch stammt aus William Shakespeares Heinrich V [1599], 4. Akt, 3. Szene, in der der englische König seine unterlegenen Truppen mit einer Rede zur entscheidenden, siegreichen Schlacht gegen die Franzosen motiviert und da sagt: "We few, we happy few, we band of brothers."


Fazit:
Band of Brothers als Fortsetzung zu Der Soldat James Ryan zu bezeichnen, ist eine ebenso große Fehleinschätzung, wie es als gewöhnliche TV-Serie zu betrachten: Dieser zehnstündige dokumentarische Antikriegsfilm ist abschreckend und schockierend zugleich. Hervorragend besetzt, grandios inszeniert und nie rührselig wird dem Zuschauer ein tiefer Einblick in das Soldatenleben während des Zweiten Weltkriegs gewährt. Allerdings benötigt man starke Nerven, um diesen realistischen Bildern gewachsen zu sein: Niederschmetternd und in einem solchen Maß bewegend sind nicht nur die Schicksale der Opfer im 'Arbeitslager für Unerwünschte'; die Kämpfe selbst, das Pochen der Artillerie, die grausamen Schlachtfelder und zerstörten Dörfer sind aufwühlend und fordernd.
Für ein reifes Publikum ist dies eine Pflichtergänzung zu den beiden besten Antikriegsfilmen der letzten Jahre, Schindlers Liste und Der Soldat James Ryan. Keiner, der sich für die Thematik interessiert, kommt an Band of Brothers – Wir waren wie Brüder vorbei, und auch alle anderen sollten es sich keinesfalls entgehen lassen.
Und wenn diejenigen Mitglieder der "Easy Company", die bis heute überlebt haben, vor den Episoden von ihren Erlebnissen erzählen, man sieht, wie der Mut und die Kraft aus ihnen weicht, allein durch die Erinnerung daran, dann bekommt man ein Gefühl dessen vermittelt, dass es beim Krieg nie Gewinner gibt. Man muss bewundern, wie viel manche Menschen geopfert haben, um diesen notwendigen und befreienden Sieg zu erringen – doch letztlich haben wir alle verloren.


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