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Baby Driver [2017]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 15. Januar 2018
Genre: Action / Krimi / Musikfilm

Originaltitel: Baby Driver
Laufzeit: 112 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Edgar Wright
Musik: Steven Price
Darsteller: Ansel Elgort, Lily James, Jon Hamm, Jamie Foxx, Kevin Spacey, Jon Bernthal, Eiza González, CJ Jones


Kurzinhalt:

Baby (Ansel Elgort) ist Fahrer, aber kein Chauffeur. Er fährt Fluchtwagen bei Coups, die von Doc (Kevin Spacey) organisiert sind, um seine Schulden bei dem Gangster abzuarbeiten. Das Besondere an Baby ist aber nicht nur, dass er ein besonders guter Fahrer ist, sondern er hört beinahe den ganzen Tag Musik, um den Tinnitus zu übertönen, den er von einem Unfall in der Kindheit davongetragen hat. Die Musik ist Teil seines Alltags, ihr Takt bestimmt gewissermaßen seinen eigenen Puls. In der Kellnerin Debora (Lily James) findet er eine Gleichgesinnte und ist entschlossen, nach dem letzten Auftrag für Doc auszusteigen. Doch der will ihn nicht gehen lassen und bedroht sowohl Debora als auch Babys Ziehvater Joseph (CJ Jones), sollte Baby nicht weiter fahren. Der Auftrag mit der Crew um Buddy (Jon Hamm), dem verrückten Bats (Jamie Foxx) und Darling (Eiza González) verläuft allerdings alles andere als nach Plan und schon bald ist Baby auf der Flucht vor ihnen und der Polizei …


Kritik:
Spätestens, wenn sich der Abspann dem Ende neigt, stellt man bei Edgar Wrights Baby Driver mit Bedauern fest, dass es wohl nie ein vollständiges Soundtrack-Album zum Film geben wird. Vermutlich nicht einmal ein annähernd vollständiges. Das ist schon deshalb tragisch, weil sein in der Machart ungewöhnlicher Action-Krimi die Musik auf eine so lebendige Weise einbindet, dass man sie danach nicht mehr auf dieselbe Art wird wahrnehmen können, wie zuvor. Bilder und Musik verleihen sich gegenseitig einen Rhythmus, der im besten Sinne des Wortes ansteckend ist.

Dabei sollte man nach den ersten Minuten meinen, dass die sekundengenaue Choreografie der Eröffnungssequenz, zusammen mit einem punktgenauen Schnitt, nicht zu übertreffen wäre. Darin sehen wir drei Schurken – zwei Männer und eine Frau –, die eine Bank ausrauben, während der Fahrer des Fluchtwagens, genannt Baby, in selbigem vor der Bank wartet. Auf der Flucht bekommen sie es dabei mit einem Polizeiaufgebot sowohl zu Land als auch aus der Luft zu tun, das Baby jedoch mit einem cleveren Kniff abschüttelt. Und all das, während „Bellbottoms“ von The Jon Spencer Blues Explosion aus den Lautsprechern tönt, in perfekter Synchronisation mit den Bildern – oder ist es andersherum?
Es ist eine Sequenz, die ohne eine Explosion auskommt und mitreißender ist, als sämtliche Fast and the Furious-Filme zusammen. Für Regisseur Edgar Wright scheint es dennoch nicht mehr als eine Aufwärmübung zu sein.

Sein Skript handelt von Baby, der, nachdem er von Gangster Doc in jungen Jahren bei einem Autodiebstahl erwischt wurde, für ihn Fluchtwagen fährt, um seine Schulden abzubezahlen. Dabei nähert er sich mit großen Schritten dem Tag, an dem er frei sein wird, was nicht nur seinen Ziehvater, den taubstummen Joseph, freut. Babys Welt wird auf den Kopf gestellt, als er die Kellnerin Debora in einem Diner kennenlernt. Sie ist ihm in ihrer Liebe zur Musik so ähnlich, dass es sofort ‚Klick‘ macht.
Auch wenn die prominent eingesetzte Musik ein offensichtliches Merkmal dafür ist, wie detailliert und durchdesignt Baby Driver ausfällt, es ist nur ein Aspekt. Es spiegeln sich so viele Themen innerhalb der Geschichte wider, Perspektiven werden wieder aufgefangen, dass man aus dem Staunen kaum mehr herauskommt. Nicht nur durch Deboras Arbeitsstätte im Diner besitzen ihre gemeinsamen Momente das Flair einer 1950er-Jahre-Romanze. Auch die Farbpalette der beiden unterscheidet sich in diesen Szenen zu denen der übrigen Figuren. Sind sie zusammen, sind sie von schwarz und weiß geprägt, während der von Jamie Foxx überdreht gespielte Bats beispielsweise immer in knalligen Farben auftritt.

Worauf die Story hinausläuft, wird die Wenigsten überraschen: Baby will aussteigen, nachdem er bei Doc nicht länger in der Kreide steht, doch der lässt ihn nicht gehen und droht sogar, Joseph und Debora etwas anzutun. Beim darauffolgenden Coup läuft schließlich alles aus dem Ruder. Die Idee mag absehbar sein, wohin sich Babys Geschichte jedoch entwickelt, ist es nicht. Wright baut in seiner Hauptfigur schrittweise ein Verständnis dafür auf, dass er – obwohl er „nur“ der Fahrer ist – seine Hände nicht in Unschuld waschen kann. Die Verbrechen, die die übrigen Gangster an Zivilisten begehen, sind ihm ebenso anzulasten, selbst wenn er bislang keine Verantwortung dafür übernimmt.
Baby Driver steuert auf eine Konfrontation hin, von der die grundsympathische, aber nicht minder verantwortliche Hauptfigur nicht ungestraft davonlaufen kann. Die vielen Shootouts und Verfolgungsjagden sind dabei so hervorragend getimt, dass kaum eine Kugel nicht im Takt der Musik abgefeuert wird. Dieser rhythmische Perfektionismus geht soweit, dass Baby seinen Fahrgästen sogar einmal sagt, sie sollen kurz warten, damit er den Song neu starten kann und die Szene wieder im Takt abläuft.

So wird die Geschichte von einem Erzähltempo vorangetrieben, das nie zu schnell ist, aber gleichzeitig nie ins Stocken gerät. In der Hauptrolle besticht Ansel Elgort mit einem Auftreten, das selbst den an sich deutlich erfahreneren Jon Hamm, Jamie Foxx oder sogar Kevin Spacey die Show stiehlt. Aber auch wenn er mit der ebenso natürlichen Lily James tadellos harmoniert, es täuscht nicht ganz darüber hinweg, dass sie für den Fortgang der Story im Grunde nicht notwenig ist. Um den Schurken ein Druckmittel zu liefern, würde sein Ziehvater Joseph bereits ausreichen. Da ein solcher Film jedoch auch eine Liebesgeschichte für den schweigsamen Helden beinhalten muss, sei dieser Kritikpunkt Baby Driver verziehen. Nur wäre es dann schön gewesen, Debora hätte im letzten Drittel auch mehr zu tun bekommen.
Doch das ist eine Kleinigkeit bei einem Action-Krimi, der so Vieles nicht nur richtig macht, sondern der es auf eine mitreißende Art und Weise mit Stunts statt Trickeffekten tut. Die Präsentation ist so einfallsreich wie einzigartig, dass man es an sich gesehen haben sollte, um zu verstehen, was gemeint ist. Gesehen und gehört.


Fazit:
Es gibt Momente, da fühlt sich Baby Driver an wie ein Musikvideo; eine Rockballade mit dem Flair eines Noir-Krimis, dessen Design durch Musik und Mode-Elemente verschiedener Jahrzehnte überraschend zeitlos wirkt. Regisseur Edgar Wright erzählt seinen Film gleichermaßen mit und durch die Musik und behält sich trotz der mitunter nicht zimperlichen Szenen eine Leichtfüßigkeit, dass es richtig Spaß macht, zuzusehen. Kamera und Schnitt sind exzellent mit einem Rhythmus, bei dem man nicht anders kann, als mitzuwippen. Die Besetzung stimmt und wird von einem Jungstar angeführt, dessen Charisma den schweigsamen Protagonisten mühelos trägt. Am Ende zeichnen all diese Elemente den so erfrischend ungewöhnlich präsentierten Action-Krimi ebenso aus wie die Detailverliebtheit, die man erst beim wiederholten Ansehen wirklich schätzen lernt. Da verzeiht man auch einige Storyentscheidungen gern, die eher Genre-Konventionen geschuldet sind.
Baby Driver ist eine der Überraschungen des vergangenen Kinojahres.
 


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