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Arachnophobia [1990]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 6. Mai 2018
Genre: Horror / Komödie

Originaltitel: Arachnophobia
Laufzeit: 103 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1990
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Frank Marshall
Musik: Trevor Jones
Darsteller: Jeff Daniels, Harley Jane Kozak, John Goodman, Julian Sands, Stuart Pankin, Brian McNamara, Mark L. Taylor, Henry Jones, Peter Jason, James Handy, Roy Brocksmith, Kathy Kinney, Mary Carver


Kurzinhalt:

Bei einer Expedition in Venezuela stirbt Fotograf Jerry Manley (Mark L. Taylor) durch den Biss einer neu entdeckten Spinnenart. Die Todesursache bleibt Expeditionsleiter Dr. Atherton (Julian Sands) verborgen und durch einen Zufall reist eine Spinne als blinder Passagier zurück zu Manleys Zuhause nach Kalifornien. Dort in die freie Wildbahn entlassen, breitet sich die hochgiftige Spinne in dem kleinen Ort Canaima aus. Hier ist gerade Ross Jennings (Jeff Daniels) als neuer Arzt eingetroffen und sieht sich alsbald einer Reihe von unerklärlichen Todesfällen gegenüber. Während sich seine Frau Molly (Harley Jane Kozak) zusammen mit dem Kammerjäger McClintock (John Goodman) darum kümmert, das marode Haus auf Vordermann zu bringen, ahnen sie nicht, dass sich die hochgiftige Spinne genau dort ihr Nest gebaut hat. Die Zeit wird knapp, um Canaima vor der tödlichen Gefahr zu warnen – dabei leidet Ross selbst unter einer lähmenden Angst vor Spinnen …


Kritik:
Arachnophobia, das Regiedebüt von Produzent Frank Marshall, ist im besten Sinne des Wortes einer der letzten Filme der Achtzigerjahre. Das nicht nur, weil er im Sommer 1990 erschienen ist. Die Horror-Komödie zeigt auf ebenso bestechende wie unaufdringliche Weise, was das Filmemachen damals ausgezeichnet hat und weswegen viele Produktionen jener Zeit so gut gealtert sind, während ebenso viele aktuelle weder beim ersten, noch beim wiederholten Ansehen überzeugen können. Dabei ist eine Angst vor Spinnen beim Publikum keine Grundvoraussetzung – aber sie hilft, um sich hier fantastisch unterhalten zu lassen.

Spinnen, oder auch Insekten, sind in Horrorfilmen dabei keine Seltenheit, bis hin zurück zu Jack Arnolds sehenswertem Tarantula [1955]. Aber während sich diese Geschichten oft sehr ernst nehmen und den Horror in den Mittelpunkt rücken, geht Arachnophobia einen anderen Weg. Die Story selbst ist alles andere als lustig und wird auch mit einer entsprechenden Ernsthaftigkeit erzählt. Aber gleichzeitig richten die Macher das Augenmerk auf den – durchaus trockenen – Humor und präsentieren damit einen Film, bei dem ein Publikum, das sich selbst vor Spinnen ekelt, oft über sich lachen muss.
Stellvertretend für alle Betroffenen steht im Zentrum der Arzt Ross Jennings, der mit seiner Frau Molly und den beiden Kindern aus San Francisco in das kleine kalifornische Dorf Canaima zieht, um dort die Praxis des Arztes Sam Metcalf zu übernehmen. Das Paar wollte dem Stress und der Hektik der Stadt entfliehen, auch wenn sich Ross auf dem Land mit seiner Angst vor Spinnen konfrontiert sieht, die ihn im Angesicht der achtbeinigen Tiere seit Kindertagen erstarren lässt. Er kann nicht ahnen, dass just die Leiche eines Fotografs aus Venezuela überführt wurde, in dessen Sarg die Vertreterin einer hochgiftigen, bislang unentdeckten Spinnenart mitreiste, die sich in Jennings Scheune mit einer örtlichen Spinne paart. Schon bald sterben mehrere Menschen durch giftige Spinnenbisse und Canaima wird regelrecht von den „Biestern“ überrannt.

Inhaltlich unterscheidet sich Arachnophobia augenscheinlich nicht groß von anderen Horrorfilmen dieser Art, mit Ausnahme der Tatsache, dass die Geschichte leichtfüßig erzählt wird. Die Differenzen liegen vielmehr in den vielen Details. Der Prolog begleitet die Expedition von Dr. Atherton in den venezolanischen Regenwald und zeigt die bislang unbekannte, große Spinnenart in ihrer natürlichen Umgebung. Der Kontrast könnte zu der flachen, weiten Landschaft in Kalifornien, wohin die Spinne gebracht wird, kaum größer sein. Es ist ein Umstand, der später noch eine Rolle spielen wird. Treffen wir Ross zum ersten Mal und lernen mit ihm die Einwohner Canaimas kennen, dann ist es, als wäre diese Dorfgemeinschaft miteinander vertraut. Jeder scheint jeden zu kennen, mit den Eigenheiten des jeweils anderen umgehen zu können. Man hat das Gefühl, als existiere diese Welt bereits seit langem. So ist es auch nicht ungewöhnlich, dass Ross mit seinen frühen Warnungen angesichts der unerklärlichen Tode einiger Einwohner kein Gehör findet – immerhin ist er ein Außenseiter und (noch) kein Teil der Gemeinschaft.

Es scheint aus heutiger Sicht geradezu erstaunlich, wie viel Wert die Macher von Arachnophobia darauf zu legen scheinen, der Geschichte einen großen Zusammenhalt zu verleihen. Überraschender ist, wie unauffällig sie das tun. Sei es durch Kleinigkeiten im Hintergrund, wie wenn ein Haus durchsucht wird, wobei an einer Diele aufgehängte Tassen bewegt werden und sich diese auch nach mehreren Schnitten zu anderen Figuren im Haus immer noch bewegen. Oder die Tatsache, dass alle Figuren, die vorgestellt werden, für die Geschichte auch wichtig sind und mehrmals auftreten. Selbst scheinbar für Horrorfilme obligatorische Momente wie die Duschszene der Tochter des Football-Coachs sind inhaltlich relevant, weil sie eine Eigenschaft der Spinnen demonstrieren, die für den Helden der Geschichte wenig später wichtig wird.

Die Liste lässt sich beliebig fortführen, von Nebenfiguren wie dem von John Goodman herrlich verkörperten Kammerjäger („Ja, ich bin böse.“), bis hin zu Jennings’ morschem Haus, oder gar der Nagelmaschine, die nicht ohne Grund vorgestellt wird. Die Präsentation von Arachnophobia besitzt einen Zusammenhalt, durch den sich der Fortgang der Geschichte natürlich entwickelt. Dabei müssen diese Verbindungen im Gegensatz zu heutigen Filmen nicht als Exposition erklärt werden. All diese künstlerischen Entscheidungen tragen schließlich zu einem Merkmal bei, das Frank Marshalls Horror-Komödie von vielen anderen Unterscheidet: Der spürbare Charme. Dass die Spinnen auch heute noch toll aussehen, die rasante Temposteigerung beim Finale immer noch packt, trägt ebenso dazu bei, dass Arachnophobia zu den Filmen gehört ,die man sich regelmäßig im Sommer ansehen kann. Aber es ist die charmante Besetzung und Umsetzung, die ihn so zeitlos macht.


Fazit:
Menschen mit einer Spinnenphobie empfinden die achtbeinigen Kreaturen nicht selten als eklig. Das kann ich als jemand, der selbst Angst vor ihnen hat, durchaus bestätigen. Insofern ist es eine gute Entscheidung der Filmemacher, den Horror hier nicht auch noch aus ekligen Momenten ziehen zu wollen. Stattdessen sorgen die haarigen „Biester“ allein bereits für Gänsehaut, wenn sie sich lautlos bewegen, unentdeckt durch die Häuser schleichen oder den Menschen unbemerkt auflauern. Dass sich der Horror nicht gegen Kinder richtet, ist ebenfalls eine gute Entscheidung und würde andernfalls der Leichtfüßigkeit merklich schaden. Diese ist es auch, die Arachnophobia als Horror-Komödie merklich auszeichnet. Die sympathische Besetzung trägt ihr Übriges dazu bei, angeführt von einem Jeff Daniels, dem die Rolle des unscheinbaren, freundlichen Nachbarn auf den Leib geschrieben scheint. Die Figuren besitzen allesamt genügend Tiefe und eine Warmherzigkeit, die auf das Publikum übergeht, so dass man stets mit ihnen mitfiebert. Der Humor kommt nicht zu kurz, was jedoch nicht bedeutet, dass die Schreckmomente nicht zünden würden, ganz im Gegenteil. Für ein Publikum, das bereit ist, sich vor achtbeinigen „Monstern“ gruseln zu lassen, ist Frank Marshalls Spielfilmregiedebüt nach wie vor eine klare Empfehlung und einer der besten Filme dieses Genres. Vielleicht kein Meilenstein, aber nichtsdestotrotz ein Klassiker.
 


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