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Air Force One [1997]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. Juli 2020
Genre: Action / Thriller

Originaltitel: Air Force One
Laufzeit: 124 min.
Produktionsland: USA / Deutschland
Produktionsjahr: 1997
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Wolfgang Petersen
Musik: Jerry Goldsmith
Besetzung: Harrison Ford, Gary Oldman, Glenn Close, Wendy Crewson, Liesel Matthews, Paul Guilfoyle, Xander Berkeley, William H. Macy, Dean Stockwell, Tom Everett, Jürgen Prochnow, Donna Bullock, Elya Baskin, Andrew Divoff, Bill Smitrovich, Philip Baker Hall


Kurzinhalt:

Nach einem Diplomatentreffen anlässlich der Verhaftung eines kasachischen Diktators befindet sich US-Präsident James Marshall (Harrison Ford) an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One mit seiner Frau Grace (Wendy Crewson) und Tochter Alice (Liesel Matthews) auf dem Weg in die USA. Kurz nach Abheben bringt der an Bord geschmuggelte Terrorist Ivan Korshunov (Gary Oldman) die Maschine in seine Gewalt, um zusammen mit einer Handvoll Mitstreiter Marshall zu erpressen, den inhaftierten Diktator zu befreien. Doch Secret Service-Mitarbeiter bringen Marshall in eine Rettungskapsel und so beginnt Korshunov, mit der Vize-Präsidentin Bennett (Glenn Close) zu verhandeln. Entweder seiner Forderung wird nachgekommen, oder er wird alle 30 Minuten eine Geisel erschießen. Dass er seine Drohung ernst macht, muss der Krisenstab im Weißen Haus bald erkennen. Was sie jedoch nicht ahnen, Präsident Marshall hat die Maschine nicht verlassen und setzt alles daran, Air Force One zurück zu erobern und seine Familie zu beschützen …


Kritik:
Air Force One ist nur ein Film in einer langen Reihe, die das Erfolgsrezept des Action-Thrillers Stirb langsam [1988] kopierten. Darin sieht sich der Held in einem begrenzten Areal einem oder einer Gruppe von Terroristen gegenüber und muss sich entsprechend zur Wehr setzen. Beinahe zehn Jahre nach dem Klassiker mit Bruce Willis waren bereits alle möglichen Situationen und Fortbewegungsmittel (Bus, Zug, Schiff etc.) erschöpft. Was Wolfgang Petersens Umsetzung von den übrigen abhebt, ist zum einen, dass der Held im Zentrum niemand geringeres ist als der Präsident der Vereinigten Staaten, und dass er sich den Angreifern hoch über den Wolken an Bord des Titel gebenden Präsidentenflugzeugs stellen muss. Entscheidend für den Erfolg ist aber das versammelte Talent vor und hinter der Kamera, das den Thriller – kein Wortwitz beabsichtigt – vor dem Absturz bewahrt.

In die Rolle des amerikanischen Präsidenten schlüpft Harrison Ford, einer der sympathischsten und charismatischsten Akteure seiner Generation. Hält er als Präsident James Marshall nach einem Teaser, in dem ein kasachischer Diktator in einer gemeinsamen Militäraktion der USA und Russlands gefangengenommen wird, eine Ansprache vor Diplomaten in Moskau, klingen seine Worte aufrichtig, sein Versprechen, sich angesichts der Ungerechtigkeit nicht weiter verkriechen zu wollen, als könnte man ihm sein Leben anvertrauen. Auch wenn die Rolle ursprünglich für jemand anderen gedacht war, er verleiht ihr eine Würde, an der es keine Zweifel gibt. Dem entgegen steht Gary Oldman als Ivan Korshunov, der sich mit einer Handvoll Komplizen Zugang zur Air Force One erschleicht und die Maschine kurz nach Abflug in seine Gewalt bringt. Er will Marshall zwingen, den inhaftierten Diktator freizulassen, doch als es den Anschein hat, Marshall wäre mit einer Rettungskapsel abgesetzt worden, wendet sich Korshunov an Vize-Präsidentin Kathryn Bennett, die den Krisenstab in Washington, D.C. leitet. Tatsächlich befindet sich Marshall noch an Bord und beginnt damit, das Flugzeug zurück zu erobern.

Air Force One ist, um es kurz zu fassen, eine Abwandlung von Stirb langsam mit dem US-Präsidenten als Helden, an Bord eines Flugzeugs. Das muss nicht schlecht sein, man sollte hier aber bedenken, welche Abwandlungen desselben Themas es in den vorangegangenen Jahren gegeben hatte. Von Alarmstufe: Rot [1992] über Sudden Death [1995] und nicht zuletzt The Rock - Fels der Entscheidung [1996] waren durchaus sehenswerte Adaptionen enthalten. Selbst im Bereich „Terroristen im Flugzeug“ tritt Petersen gegen Passagier 57 [1992] mit Wesley Snipes, den überaus gelungenen Einsame Entscheidung [1996] und Con Air [1997] an. Von daher wundert es am Ende nicht ,dass viele Momente in Air Force One bekannt erscheinen. Das heißt nicht, dass es nicht funktionieren würde, wenn sich ein zunehmend entfesselter Gary Oldman als Schurke gegen die übrig gebliebene Besatzung wendet, oder wenn Präsident Marshall gezwungenermaßen gegen die Angreifer vorgeht. Nicht zuletzt dank der stets sehenswerten Kameraarbeit von Michael Ballhaus ist das klaustrophobische Gefühl an Bord stets greifbar und mit der Besetzung kann grundsätzlich ebenfalls nichts schiefgehen. Neue Wege geht das Drehbuch von Autor Andrew W. Marlowe dagegen spürbar nicht.

Dafür wartet Air Force One mit einer durchweg ordentlichen Umsetzung der Grundidee auf. Nicht nur hinsichtlich der Optik und des einzelnen Szenenaufbaus, auch was die inhaltliche Struktur anbelangt. So nimmt sich der Thriller die Zeit, noch vor Abflug der Präsidentenmaschine die räumliche Verteilung aufzuzeigen, so dass das Publikum später stets im Bilde ist, wer sich wo befindet. Auch wird nicht ohne Grund erklärt, wie sich Fallschirme öffnen lassen und selbst weniger prominente Figuren im Film wie die von Glenn Close verkörperte Vize-Präsidentin erhalten Momente zugeschrieben, die den Beteiligten, die sie verkörpern angemessen sind. Nichtsdestotrotz wird die Motivation eines Bösewichts komplett verschwiegen und was die Action an sich anbelangt, gibt es hier nichts zu sehen, was es nicht in anderen Filmen ebenfalls zu sehen gab. Dass die Trickeffekte teils allzu offensichtlich sind, vor allem diejenigen am Schluss, trübt den Spaß am Zusehen spürbar.
Nimmt man den Thriller jedoch als das, was er sein will, und lässt sich auf zwei unterhaltsame Thriller-Stunden für Erwachsene ein, kann man hier kaum etwas falsch machen.


Fazit:
Wäre es nicht um die irrsinnig rasante Musik von Jerry Goldsmith, dessen Themen hier ebenso viel (angemessenes) Pathos wie Tempo vermitteln, würden die Actionszenen nicht einmal ansatzweise derart mitreißend wirken. Der Altmeister wurde im letzten Moment hinzugezogen, nachdem die Musik des ursprünglichen Komponisten Regisseur Wolfgang Petersen nicht überzeugte. Sieht man sich das Ende des Films an, scheint auch das in letzter Minute angefügt worden zu sein. Nicht nur, dass die finale Viertelstunde ein weiteres Finale präsentiert, selbst wenn die Geschichte an sich schon vorbei ist, die Trickeffekte machen die Illusion hier beinahe kaputt. Das Drehbuch scheint sich dabei der zahlreichen Klischees entweder nicht bewusst, oder den Machern war Originalität schlicht nicht wichtig genug. Dass Air Force One trotzdem als unterhaltsamer Action-Thriller funktioniert, liegt an der tadellosen Inszenierung und des routiniert strukturierten Aufbaus. Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die Besetzung, angeführt von Harrison Ford und Gary Oldman, die sich der Art des Films bewusst scheinen und das Beste aus ihren Rollen zu machen vermögen. So vergehen die zwei Stunden buchstäblich wie im Flug. Mehr kann man kaum erwarten.
 


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